Vor genau 20 Jahren erschien der erste Blog, damals noch unter der Bezeichnung „Web-Log“. Ich habe gerade einen Artikel gelesen über das Zustandekommen des Worts „Blog“. Interessanterweise war es genauso wie bei mir. Obwohl es die Bezeichnung „Blog“ damals schon gab, bezeichnete ich meinen Blog lange Zeit als „Web-Log“, also so eine Art Web-Tagebuch.
Das war es das erste Jahre auch. Damals habe ich meine Blogeinträge in einer normalen Webseite verpackt, die auf der Hauptdomain erschien. Kommentieren konnte man nichts, gut man konnte in das damals noch existierende Gästebuch einen Kommentar hinterlassen, aber das musste man erst mal finden. Im August 2007 habe ich dann den WordPress Blog aufgesetzt. Der erste hatte den einprägsamen Titel „Nun ja Web 2.0 halt“ und er war für meine Verhältnisse echt kurz.
Das Web-Log habe ich erstaunlich lange parallel zum WordPress Blog noch weitergeführt, nämlich bis zum 23.12.2021, die letzte (durchnummerierte) Seite mit jeweils mehreren Blogeinträgen hatte die Nummer 637. Der Grund war primär, dass bei diesem Blog den ihr lest, alle Einträge in einer MySQL-Datenbank liegen. Gut die kann man sichern, sie überlebte auch einen Umzug zu einem neuen Hoster 2011 (allerdings gingen dabei alle Nicht-ASCII Zeichen wie umlaute verloren) doch ohne das Framework für das Publizieren, nützt sie einem nichts. Ich wollte eine eigene Kopie. Inzwischen schreibe ich die Blogeinträge in LibreOffice und kopiere per Copy & Paste dann in WordPress. Das ist komfortabler als im Frontpage Editor und ich mache das inzwischen auch bei Artikeln so, nur die Bilder füge ich in Frontpage oder WordPress noch ein, weil LibreOffice nicht mit relativen Links zurechtkommt und dann die Links nur aufs lokale Dateisystem verweisen. Die Kopie habe ich dann immerhin noch als Text. Vor allem sehe ich das aber inzwischen entspannter. Die Blogeinträge rutschen ja nach hinten. Also wirklich nach hinten, Richtung Vergessen. Sie werden nicht nur bei Google kaum noch bei Suchanfragen angezeigt, auch im Blog muss man viel Aufwand treiben, um einen alten Artikel zu finden, trotz verbesserter Suchfunktion. Dazu mal ein Tipp: um etwas zu finden, was nur in einer bestimmten Website vorkommt, kann man bei google „site:“ mit der Url der Website in die Suche eingeben, also ich habe z.B. ein Lesezeichen mit
site:www.bernd-leitenberger.de/blog
(Das dürfte auch in Bing, DuckGo oder anderen Suchmaschinen funktionieren). Trotzdem wird man viel suchen müssen. Das liegt an einer Eigenart von WordPress. Neben den eigentlichen Blogseiten generiert sie Indexseiten für die Kategorien (Allgemein, Raumfahrt …) jeden Tag, jeden Monat und jedes Jahr und für Stichworte. Wie man das abschalten kann, habe ich noch nicht herausgefunden die Indexseiten findet man auch in den Suchergebnissen, das deckt echte Treffer zu.
Aber zurück zum Thema. Der Blog hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und er spiegelt in gewisser Weise meine Veränderung aber auch die der Gesellschaft wieder. Die drei Themengebiete – Raumfahrt, Computer und Ernährung blieben. Aber früher habe ich viel mehr „Allgemeines“ geschrieben. Meine Meinung zu bestimmten Themen, ab und an auch ein Wissensblog zu anderen Themen. Das ging schon los mit dem ersten Eintrag am 14.6.2006. Der befasste sich mit „Lynne und Tessa“, die damals bei einem Video-Karaoke Wettbewerb mitmachten. Sie wurden dann sogar recht schnell bekannt als Bild und einige Fernsehsender über sie berichteten und hatten sogar eine eigene Show, in der sie Videos vorstellten, primär um ein neues Portal (Clipfish) zu promoten. Die floppte und das wars dann auch mit der Karriere.
Damals gab es noch kein Twitter aka X und das Internet war noch kleiner. Heute postet jeder seine Meinung, meistens sogar mehrere Male am Tag. Da muss ich auch nicht unbedingt noch mitmischen. Ich selber habe mich auch weiterentwickelt. Ich merke das bei den Raumfahrt-Blogs da kann ich heute erheblich mehr in die Tiefe gehen und exakter antworten geben, weil ich viel mehr berechnen kann. Ein Grundproblem ist, das sich auch die Leser verändert haben. Früher waren erheblich mehr Kommentatoren unterwegs, bei deren Kommentaren ich gut erkennen konnte, dass sie nicht nur eine Ahnung von Raumfahrt hatten, sondern sich recht gut auskennen. Anja die sich kürzlich mal wieder gemeldet hat scheint die letzte der ersten Generation zu sein, die noch dabei ist. Das ist heute nicht mehr der Fall, weshalb ich inzwischen jeden Raumfahrt-Artikel mit einer langen Grundlagensektion beginne, obwohl es dafür ja eine eigene Sektion auf der Webseite gibt, von der ich aber meine, das sie keiner besucht. Ich sehe das auch an den Verweisen der Kommentare zu Videos. Ich schaue inzwischen kaum Videos im Internet, wenn dann nur von Primärquellen wie „Heute live“, nicht von irgendwelchen Privatpersonen, deren fachliche Qualifikation fragwürdig ist. Um das zu erkennen, muss man allerdings mehr wissen ist das Video-Podcaster …
Und was in Foren vor sich geht ist mir ehrlich gesagt auch egal, weil das im Prinzip auch nur die Meinung von Personen ist. Das berüchtigte Raumcon-forum löscht übrigens inzwischen nicht nur Posts die den Moderatoren nicht gefallen, wenn ihr hier und dort mit demselben Namen / Pseudonym unterwegs seid, könnt ihr auch dauerhaft gesperrt werden, wie mir vor einigen Wochen jemand mitteilte, der beim Einloggen nur die Meldung bekam das er nun auf einer „Schwarzen Liste“ sei aber nicht mehr ins Forum kam. 2016 schrieb ich, weil dort jeder der was gegen SpaceX postete, gleich mit einem Shitstorm überzogen wurde, (den Begriff Shitstorm gab es aber erst später) das Forum wäre „gleichgeschaltet“ also in dem Sinne, das nur eine Meinung dort toleriert wird. Mein Kompliment: das war damals übertrieben, man konnte ja noch was gegen SpaceX posten. Danach haben sie erst Kommentare, die auf mich verweisen, kommentiert, man solle sie dort nicht posten, dann wurden die einfach gelöscht und nun werden User die auch hier aktiv sind ausgesperrt. Gratulation an die Raumcon-Verantwortlichen, ihr habt in zehn Jahren genau das geschafft, was ich damals kritisiert habe.
Aber zurück zu diesem Blog. Der Blog als WordPress-Anwendung hat aber einen enormen Vorteil: Alles rutscht nach hinten. Also das Internet vergisst nichts, aber es erscheint nicht mehr auf der ersten Suchseite und wenn man nach etwas sucht, wird man zu vielen Themen viele Treffer finden. Das erlaubt es mir Dinge immer wieder aufzugreifen, wer weiß vielleicht lernt der eine oder andere etwas durch Wiederholung…
Wie sieht die Zukunft des Blogs aus? Also ihr seht es ja selbst, ich poste immer weniger. Zum einen aus dem schon erwähnten Grund, dass ich meine das ich vieles schon beackert habe. Zum zweiten, weil ich mich inzwischen fast nur auf meine Wissens-Themengebiete konzentriere. Dann bin ich älter geworden und der Antrieb jeden Tag was zu schreiben ist schlicht und einfach nicht mehr in dem Maße gegeben. Eine Antriebsquelle sind für mich Kommentare und da ist es doch in den letzten Jahren auch deutlich leiser geworden. Also wenn ihr mehr Blogs haben wollt, dann kommentiert auch mehr, also substantielle Kommentare aus denen man etwas machen kann. Ich glaube nicht das ich noch das 40-jährige Jubiläum des Blogs feiern werde. Zum einen aus biologischen Gründen – ich bin jetzt 61 und wäre dann 81. Ich habe vor Jahren mal nach meinen Ahnen gesucht, soweit dies mit den Kirchbüchern ging, die Linie meiner Mutter ließ sich bis zum Jahr 1587 im ältesten erhaltenen Kirchenbuch nachvollziehen, die Linie meines Vaters bis 1653. Keiner der Männer in beiden Linien wurde recht alt. Der Rekordhalter war lange Zeit mein Vater der 77 wurde. Mein Bruder hat ihn am 24. April überholt, hatte aber auch schon einen Herzinfarkt und war kürzlich wieder im Krankenhaus, ohne das man etwas fand. Es mag anders kommen, aber ich rechne nicht damit das ich sehr alt werde.
Inzwischen mache ich mir auch Sorgen was nach meinem Tod der Website wird. Ein anderer Raumfahrt-Freak, der wie ich viel Material sammelt, ist (oder war?) Norbert Brügge. Als ich kürzlich mal wieder auf seine Website b14643.de (die Zahlen geben das Geburtsdatum wieder, also den 14.6.1943) war, sah ich eine Casino-Webseite, allerdings nur auf der Index-Seite die darunterliegenden Seiten waren nach wie vor zugänglich. Inzwischen wurde dies auf Github verschoben die b14643.eu unterhalten. Also ich möchte nicht das meine Website mal in den Händen solcher Glückspiel-Abzocker landet. Ich denke dazu kommt es, wenn die Hosting-Gebühren nicht bezahlt werden. Eher werde ich sie beim DENIC abmelden, wie ich das schon mit zwei anderen Websites gemacht habe, die ich nicht mehr brauchte und warten wollte.
Es heißt ja, das Internet vergisst nichts und in gewisser Weise ist das auch wahr, selbst wenn eine Website nicht mehr existiert, so kann man mit der Wayback-Machine noch sie inspizieren, aber die ist enorm langsam und surfen wie man es gewohnt ist ist damit nicht möglich, die Reaktionszeiten sind länger als 1997 als ich mit einem 56 KBaud Modem zum ersten Mal ins Internet ging. Informationen können durchaus verschwinden. Das merke ich beim aktuellen Buch über Galileo. Wo die NASA die Missionswebseite durch eine einzige Seite ersetzt hat. Gott sei Dank habe ich noch eine Kopie, weil ich zu Galileos Zeiten noch per Modem unterwegs war, damit ich Online-Zeit einsparte (damals gabs keine Flatrate, jede Onlineminute kostete) nutzte ich Werkzeuge um die gesamte Seite lokal auf Platte zu kopieren und die Kopie habe ich noch.
Ich denkemein Vermächtnis werden die Bücher sein und nicht die Website und der Blog. Hinsichtlich Raketen steht schon mehr in den Büchern als im Web. Bei Raumsonden noch nicht, dazu wird es wohl auch nicht mehr kommen. Bücher können nicht einfach verschwinden, zumindest in der Nationalbibliothek ist ja immer ein Exemplar. Und Bücher haben nicht so was wie eine Mode: wenn ihr auf die Website geht, dann merkt ihr bald das sich an dem Design nichts geändert hat. Ich habe anfangs noch mit grafischen Elementen experimentiert, bin dann aber recht rasch bei einer Struktur gelandet, die ich sinnvoll finde, in der Informatik würde man von einem Baum sprechen, sprich es gibt eine Hauptseite mit Rubriken wie Raumfahrt, Computer …. und geht man auf Raumfahrt so fächert sich das auf in Trägerraketen, Satelliten … die Trägerraketen dann in US-Träger, russische Raketen … ihr erkennt das System. Klar es gibt schon lange Kontext-Management-Systeme, aber alleine die Inhalte dorthin zu verschieben wäre bei über 2.200 Webseiten mit über 100 MB Umfang eine Mammutaufgabe.
Ich möchte den Blog abschließen mit meiner Lieblingsfirma, SpaceX, früher gerne auch mal als „SpassX“ tituliert, weils nach Elon Musk ja nicht um den Erfolg geht, sondern ein Raketenstart eine Show ist und heute her als „MurksX“, weil anders als Murks kann man diverse Ereignisse beim Starship wie Explosionen bei Bodentests nicht vor dem Countdown, ja nicht bewerten. Ich habe versucht den ersten Blog zu finden, der sich mit SpaceX beschäftigt. Den ältesten den ich fand, ist dieser hier, der sich auch mit der gravierenden Differenz der Nutzlast der Falcon 9 und Heavy nach SpaceX-Angaben und meinen Berechnungen beschäftigt (Hinweis: die Falcon 9 von damals und die heutige sind zwei verschiedene Raketen, die Angaben von 2008, also vor dem Erstflug beruhen auf den damaligen Angaben auf der Website). Das die Nutzlastangaben nicht stimmen, hat sich gehalten. Keine Falcon 9 hat auch nur annähernd die 22 t Nutzlast befördert die SpaceX reklamiert, und beim Starship war es so das die V1 Version keine 100 t Nutzlast hatte, sondern nur 15 t. Aber hey, die V3 die nun im Einsatz ist, wird die 100 t schaffen – also zumindest nach den Wunschvorstellungen von SpaceX. Ich meine sie wird deutlich niedriger liegen bei 60 bis 80 t.
Da gab es nun ja den Börsengang. Die Aktie die mit 135 Dollar von SpaceX bewertet wurde (für den Preis konnte man zeichnen) hat deutlich zugelegt, was primär ein Effekt dessen ist, dass sie überzeichnet war, also wer eine hatte konnte sie am ersten Tag mit Gewinn verkaufen, weil viele nicht zum Zuge kamen. Ob es weiter nach oben geht das werden die nächsten Monate zeigen. In jedem Falle dürften nun Fehlstarts des Starships oder eine langsame Entwicklung der SpaceGoose Auswirkungen auf den Aktienkurs haben.
Mit dem Börsengang entfallen aber auch alle Ausreden die Musk bisher vorbringen konnte. Er sprach beim IPO ja wieder davon jeden – wirklich jeden, nicht nur Milliardäre – zum Mond und zum Mars und sogar über das Sonnensystem hinauszutransportieren. Schon an der Bezeichnung „Übers Sonnensystem hinaus“ sieht man das der Mann einen, ohne mit der Wimper zu zucken anlügt: Das Sonnensystem endet, wenn man den letzten Planeten nimmt in 4,5 Milliarden km Distanz, KBO sind noch weiter entfernt. Sedna kann sich bis zu 140 Mrd. km entfernen und die Oortsche Wolke ist rund 1 Lichtjahr, 9462 Milliarden km entfernt. Kein Starship kann die Geschwindigkeit der Vorsager Raumsonden erreichen, die nach 50 Jahren gerade mal in der Entfernung von Sedna sind. Voll betankt, ohne Nutzlast reicht es zwar gerade noch zur Fluchtgeschwindigkeit aus dem Sonnensystem aber so braucht man über 12 Jahre bis zu Neptun, und da die Nutzlast dann Null ist, ist das nur etwas für Urnen. (auch wegen der Reisezeit).
Der Börsengang brachte 75,6 Milliarden Dollar ein, nur ein Bruchteil der Aktien von SpaceX wurde überhaupt verfügbar gemacht, alle stammen von Elon Musk der die meisten Anteile hält. Damit hat Elon Musk das Geld seine Marspläne (einzuweichen um Mondpläne ergänzt) umzusetzen. Er ist zwar enorm reich, aber das Vermögen war bisher ein in Anteilen gebundenes. Also er musste seine Anteile an Tesla oder SpaceX verkaufen um Geld zu erhalten und wie viel er dann bekommt ist offen, so sank der Tesla-Kurs vor einigen Jahren, als er Anteile verkaufte, um den Twitter-Kauf zu finanzieren. Die 75 Milliarden sind aber Nettoeinnahmen in echten Dollars. Dafür müsste er doch nun mal endlich zum Mars aufbrechen.
Eines was ich in den letzten 20 Jahren ja auch immer wieder gesagt habe, ist dass ich das „Marsgerede“ nur für Lügen halte, das jemand permanent lügt, ist ja seit Trump gang und gäbe. Ich orientiere mich an Tatsachen und obwohl SpaceX die Mittel hat – die meisten Raketen, die sie starten sind, ja nicht für Kunden, sondern fürs eigene Geschäft – haben sie bisher nichts zum Mars geschickt. Keine ausgediente Dragon, keinen Starlink-Satelliten, um zu testen, ob der dort auch funktioniert, ja nicht mal den roten Tesla der beim Jungfernflug der Falcon Heavy transportiert wurde. Also mehr Differenz zwischen Ankündigungen und Durchführung geht eigentlich nicht.
Das echt traurige ist, das man damit, dass man so unverschämt lügt so erfolgreich sein kann und enorm reich wird. Es gibt ja viele Milliardäre, die schnell reich wurden. Im Computerbusiness fallen mir spontan Bill Gates und Steve Jobs ein. Aber die haben ja wenigstens etwas geleistet und fingen klein an. Elon Musk hat eigentlich nur seine erste Software teuer verkauft und seitdem das Geld immer wieder neu investiert und die Kurse der Firmen mit solchen Ankündigungen hochgetrieben. Das sich daran noch was ändert, den Glauben habe ich mittlerweile verloren, wir leben in einer Zeit der Hochstapler, Lügner und Narzissten.
Den alten Weblog, also noch als HTML habe ich inzwischen wieder auf der Webseite reaktiviert. Hier die URL zur Webseite. Ich hoffe in ein paar Tagen hat sie auch Google indiziert, dann solltet ihr zumindest bis zum Dezember 2021 relativ einfach nach alten Blogs suchen können, mit der obigen Methode ohne Duplikate zu erhalten.