Bernd Leitenbergers Blog

SpaceX Nachlese 2025 und Vorausschau 2026

Nach meiner allgemeinen Nachlese nun eine spezielle für SpaceX.

Starship

Das Starship sah ja schon 2023/2024 nicht gut aus. Gehen wir mal zurück zur Jahreswende 2024/25: Es gab bis dahin 6 Flüge des Starship V1 – auch eine Neuerung des letzten Jahres, denn vorher gab es nur ein „Starship“, nun werden daraus plötzlich drei Versionen. Die ersten beiden Flüge 2023/24 erreichten keinen Orbit, der dritte scheiterte, weil es unkontrolliert rotierte und so beim Wiedereintritt zerbrach. Beim vierten Start kam es bis zur Wasseroberfläche wurde aber stark beschädigt, beim fünften weniger, kam aber zu schnell auf und erst beim letzten dem sechsten Start klappte alles.

Das war der Stand Anfang 2025. Nun würde ja alles besser werden, denn 2025 stand die nächste Version „V2“ an mit vergrößerten Tanks im Starship und den Raptor 3 an. Tja und es kam ganz anders. Die ersten beiden Starships 2025 erreichten wieder keinen Orbit, das dritte schaffte es, aber wie sein Vorgänger bei V3 beim selben Flug rotierte es unkontrolliert und explodierte beim Wiedereintritt. Die beiden nächsten Flügen gelangen wenngleich auf den Aufnahmen das Starship ziemlich ramponiert aussah und es auch ein Feuer vor der Landung gab (nach der Landung explodieren alle Starship).

Die Bilanz ist also 2025 schlechter als 2024. Denn ein Starship haben sei schon bei einem Probecountdown am 19. Juni 2025 zerlegt und den Booster für den nächsten Start haben sie inzwischen am 21. November 2025 bei einem Drucktest zerlegt. 2023/24 gab es noch keine Explosionen, bevor die Dinger überhaupt abgehoben haben.

Aber freut euch, 2026 kommt nun das Starship V3 und mit dem wird ja alles besser. Okay, wenn ihr euch vom Lachkrampf erholt habt, mal ein paar Fakten:

Ich glaube das Starship ist tot oder wenn es nicht eingestellt wird erfüllt es die Erwartungen (eingeschränkt) erst in sehr vielen Jahren, denn es hinkt ja nicht nur mehrere Jahre hinter den Planungen hinterher. Es ist geplagt von Problemen und es bietet nicht die Nutzlast, die man sich versprach. Nur mal als Erinnerung: Als das Starship angekündigt wurde gab es noch kein „V1“ aber es hatte eine Nutzlast von 100 t bei den technischen Parametern des „V1“-. Nach der letzten Präsentation von SpaceX hat das Starship V1 nur eine Nutzlast von 15 t und das V2 eine von 35 t. V3 soll nun die 100 t erreichen (und V3 dann 200 t) und das bei nur 10 % bzw. 20 % mehr Masse. Das geht nur wenn man die Trockenmasse rapide absenkt, was wohl auch beim V2 geschah und gerade zu den Fehlstarts führte. Unwahrscheinlich, dass das Einsparen von noch mehr Gewicht, also noch kleineren strukturellen Reserven dann problemloser ist. Im Gegenteil die Raptor 3 arbeiten bei noch extremeren Bedingungen und es ist zu erwarten, dass dies mit einer verringerten Zuverlässigkeit verbunden ist. Dabei hat ja der Übergang von V1 zu V2 also den real geflogenen Starships nur 20 t mehr Nutzlast gebracht. V3 soll dann 65 t mehr Nutzlast und V4 1o0 t bringen. Kaum zu glauben!

Als Indiz, dass sich die, die bei SpaceX dafür verantwortlich sind, das Geld in die Kasse kommt, sich vom Starship verabschiedet haben, ist das die Firma derzeit zwei weitere Pads für die Falcon 9 im Cape und Vandenberg umbaut um die Startzahl nochmals zu verdoppeln. Das dauert einige Jahre und das würde man sicher nicht machen, wenn das Starship bald einsatzbereit wäre und – auch nicht ganz unwichtig für die Ökonomie – es auch die Nutzlastkapazität hat und billiger als eine Falcon 9 ist.

Starlink

Der größte Teil aller SpaceX Starts entfiel auf Starlink. Die Pläne sehen einen Ausbau auf bis zu 42.000 Satelliten vor. Starlink ist die Cash-Cow von SpaceX. Netto steigt die Satellitenzahl laufend an, aber es ist auch sichtbar, das selbst Starlink mit immer mehr Problemen zu kämpfen hat.

Da sind zum einen die Kolissionsvermeidungsmanöver. Sie steigen mit der Satellitenzahl nicht linear an, sondern exponentiell. SpaceX nennt Zahlen pro Halbjahr:

Ein Satellit (Starlink-35956) ist inzwischen auch im Orbit auseinander gebrochen und generiert Trümmerteile, die natürlich vor allem die anderen Starlink Satelliten gefährden, da diese sich in derselben Umlaufbahn befinden. Gestartet wurden 2025 insgesamt 3207 Starlink-Satelliten, was die Zahl der Satelliten um rund 50 % erhöhte, aber die Kolissionsvermeidungsmanöver stiegen fast um den Faktor 3! Ich sehe das Kesslersyndrom daher nicht mehr als nur theoretische Möglichkeit, sondern eine praktische. Was ja leicht übersehen wird: wenn es über 144.000 Ausweichmanöver jedes Halbjahr gibt, kann sehr bald der Punkt kommen, wo man nicht mehr nachkommt oder eine Kollision übersieht und es macht dann Peng. Für dieses Netz riskieren wir die Unbenutzbarkeit des LEO, übrigens natürlich auch für bemannte Raumfahrt, denn ein Argument den Betrieb der ISS einzustellen war auch das es immer mehr Kollissionsvermeidungsmanöver gibt und die immer mehr Treibstoff kosten und die Astronauten von der Arbeit abhalten. Von 1998 bis Februar 2024 gab es 38 solche Vorfälle, seitdem 10-15 pro Jahr. Ohne Manöver kollidieren Trümmer in 2,8 Tagen (vs. 121 Tage 2018 mit der ISS). Es steigt also rapide an.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das die Starlink-Satelliten keine sehr große Lebensdauer haben. Sie sollten 5 Jahre lang halten, was ich schon kurz finde – als ich mit der Raumfahrt begann, was nun ja auch über 45 Jahre her ist, hatten die neu gebauten Intelsat V eine Lebensdauer von 7 Jahren. Heute sind bei Kommunikationssatelliten 12 bis 15 Jahre Standard und die meisten leben noch länger, nur der Treibstoff ist danach verbraucht. So gibt es ja inzwischen die Möglichkeit ein Modul zu einem Satelliten zu schicken, das an ihn andockt und die Lageregelung übernimmt. Wurde auch schon einige Male gemacht.

Von den bis zum 25.12.2025 gestarteten 10.801 Starlink Satelliten sind nur 9.399 im Orbit, der Rest schon wieder deorbitiert und nur 8.163 sind operativ. Da bis zum 1.1.2021 kaum Starlink Satelliten gestartet wurden, wäre eigentlich logisch das bei 5 Jahren Lebensdauer die meisten noch arbeiten, aber dem ist nicht so. Schaut man, wann das Startdatum war, bis zu dem die 2.638 Satelliten, die nicht mehr operativ sind, gestartet wurden, so kommt man auf den 11.7.2022. Das sind 3,5 Jahre, nicht 5! Der Grund für die geringe Lebensdauer dürfte meiner Ansicht nach sein, das SpaceX die Satelliten wie die Dragon fertigt. Als diese bei den ersten Flügen Probleme wie abstürzende Computer hatte, wurde bekannt das kommerzielle Komponenten verwendet wurden. Begründung: die Kapsel ist nur wenige Tage im Orbit, da brauchen wir keine Space-tauglichen Computer und es macht auch nichts aus, wenn die Solarzellen (aus chinesischer Produktion!) nach einem halben Jahr beträchtlich an Leistung verlieren. Ich würde angesichts der immer häufigeren Vermeidungsmanöver – inzwischen 20 pro Satellit/Halbjahr darauf tippen, dass die Lebensdauer noch weiter abnimmt.

Immerhin, mit den Starlink Mini Satelliten sind es weniger Satelliten pro Start: 25 bis 28, während die erste Generation noch 53 bis 60 pro Start waren. Ich glaube allerdings nicht das die Gesamtzahl der Satelliten erniedrigt. Ihr wisst ja, ich sehe den Anstieg der Kollisionsgefahr und damit das Kesslersyndrom als real an und hoffe, dass es nicht dazu kommt, wobei natürlich SpaceX nur ein, wenn auch der größte Akteur ist, Amazon plant ja etwas Ähnliches nur etwas kleiner und ich denke, andere Firmen werden folgen. Das Risiko den erdnahen Orbit praktisch unbenutzbar zu machen, nur für Internet überall zu haben, ist meiner Ansicht nach genauso sinnvoll wie die Ozonschicht zu zerstören, nur um chlorierte Kohlenwasserstoffe als Abfallprodukte der chemischen Industrie als billige Kältemittel zu nutzen.

Wettennachlese

Es gibt bei mir ja traditionell „SpaceX-Wetten“ kurz zusammengefasst ich wette das Aussagen und Ankündigungen von Elon Musk, Gwen Shotwell oder SpaceX nicht eintreffen. 2025 hatte ich zwei Wetten laufen:

Die erste Wette betraf die Ankündigung 2024 eines Betankungsversuchs für 2025. Es gab da noch eine Diskussion, dass ich zu kurz in der Zeitprognose war, da es NASA-Aussagen für den Sommer gab, aber da überhaupt kein Versuch stattfand habe ich die Wette komplett gewonnen. Für 2026 ist übrigens keiner angekündigt.

Einige Monate habe ich noch nachgelegt. Gwen Shotwell hat im November 2024 angekündigt, dass das Starship im nächsten Jahr 25 mal starten soll und in den nächsten 5 Jahren insgesamt 300 Mal. Shotwell war bisher als „Tagesgeschäft-CEO“ immer realistischer, doch nun scheint sie auch den Bodenhalt verloren zu haben. Ich habe, weil ich ihre Aussage etwas ernster als die von Musk genommen habe, auf 19 Starts gewettet, also das Mittel meiner eigenen Schätzung von 8 bis 12 Starts (eine einfache Hochrechnung, nachdem es 2023 zwei Starts und 2024 vier Starts gab und der letzte ja gelang und die Zeitfristen kürzer wurden).

Es sind nun 5 geworden, man hat nicht mal die 6 gebauten V2 gestartet, weil man eines schon vorher zerstört hat. Es wurden nicht mal meine Schätzung erreicht und ich bin kein Optimist. Ich hielt angesichts der Flüge #5 und #6 für mehr Starts 2025 möglich, weil (bei jeder anderen Rakete) diese ja im Laufe der Zeit zuverlässiger wird und die Frist zwischen zwei Starts sinkt.

Das seit dem letzten Start, der auch schon einige Monate her ist, noch kein neuer angekündigt ist, spricht dafür dass das nun kommende V3 noch nicht fertig ist. Wenn man aber nur 6 V2 baut, müssen restlichen 19 (zu 25 von Shotwell angekündigten) ja vom V3 oder V4 stammen. Die müssten dann eigentlich im November 2024 im Bau sein, waren sie aber wohl offensichtlich nicht.

Börsengang?

Ende letztes Jahres gab es dann noch Meldungen das Musk nun doch erwähnt SpaceX an die Börse zu bringen. Das hat er über Jahre vehement abgelehnt. Der Grund ist einfach: Aktionäre wollen Dividenden und Kursgewinne sehen, Musk will zum Mars, da kann man nichts verdienen, das kostet im Gegenteil viel Geld.

Inzwischen soll darüber nachgedacht werden SpaceX eventuell schon 2026 an die Börse zu bringen. Ein Unternehmenswert von 1,5 Billionen Dollar wird angestrebt (europäsiche Billionen, denn jetzt beträgt der „Wert“ auf Basis von Anteilsverkäufen schon über 300 Mrd Dollar), oder anders gesagt SpaceX soll 15-mal so viel wert sein wie Lockheed Martin, die sowohl bei Beschäftigtenzahl, wie auch Umsatz etwa 7-mal größer sind als SpaceX heute. Wie bei Tesla repräsentiert dieser „Börsenwert“ nicht die reale wirtschaftliche Situation. In diesem Fokus-Bericht wird gerade mal von 15 Milliarden Umsatz 2025 gesprochen, 1 % des Börsenwerts als Umsatz? Ist etwas mickrig und die Ausschüttungen aus dem Gewinn sind ja noch kleiner. Nur mal zum Vergleich: alle DAX Unternehmen sind zusammen etwa 1,5 Billionen Euro wert und die schütteten 2025 insgesamt 52 Md Euro an Dividenden aus.

Der Grund für den Börsengang dürfte wohl sein, das SpaceX Mittel braucht, ich vermute für das Starship, das nicht in die Gänge kommt. Elon Musk soll noch 40 % der Anteile halten, aber noch Stimmrechte halten, die dafür sorgen, dass man nichts gegen ihn beschließen kann. Ich denke davon will er sich nicht trennen, denn anders kann ich mir nicht erklären das man durch den Börsengang bei 1.500 Mrd. Dollar Unternehmenswert sich nur 30 Mrd. Dollar als Erlös erhofft. Da müsste er nur 2 % seiner Anteile verkaufen, um diesen Erlös zu erzielen.

Die neuen SpaceX Wetten

Mir fielen zwei Wetten ein, eine schon im September als ich folgende Aussage lass:

„Unless we have some very major setbacks, SpaceX will demonstrate full reusability next year, catching both the booster and the ship, and being able to deliver over 100 tons to a useful orbit,”

Das stammt von Elon Musk. Er hat immerhin hinzugelernt und die Aussage gleich am Anfang eingeschränkt. Ich wette gegen den zweiten Teil, obwohl für SpaceX der erste Teil, die vollständigere Wiederverwendung sicher der wichtigere ist und wohl auch den, den sie primär anstreben werden. Ich komme darauf, weil ich immer die Nutzlast anhand des Resttreibstoffs berechne und da gibt es noch diese beiden Folien von SpaceX über ihre Entwicklung. Die erste stammt von 2023 und die zweite von 2024. Man muss genau hinsehen. Zum einen sind die Versionsnummern hochgerutscht aber sonst passt alles: Das Starship der Zukunft (also derzeit V3 / V4) hat eine überzeugende Nutzlast, das Starship der Gegenwart oder Vergangenheit praktisch keine. Die 100 t vom Starship V3 decken sich mit Musks Aussage, also denkt er V3 erreicht 2025 einen Orbit wird wiederverwendet und transportiert 100 t in den Orbit. Und gegen das letzte wette ich, man muss nur logisch denken können. V1 -> V2 ergaben 300 t mehr Treibstoff eine Nutzlaststeigerung von 20 t. Weitere 400 t Treibstoff sollten bei dem physikalisch gegebenen linearen Zusammenhang etwa 27 t Nutzlast beim V3 liefern, also etwa 72 t nicht 100 t. 100 t erreichen sie nur, wenn sie das Starship um 28 t leichter machen. Das hat schon beim V2 zu den Explosionen geführt. Übrigens haben sie 2023 die 100 t Nutzlast noch mit 100 t weniger Treibstoff erreicht (also in der Prognose). Ich halte die 100 t Nutzlast bei 400 t mehr Treibstoff für unmöglich und wette dagegen:

Wetten das das Starship bei einem Start im Jahr 2026 keine 100 t Nettonutzlast in einen Orbit befördert?

Sie könnten die Wette gewinnen, wenn dieses Jahr ein V4 startet, denn das ist 1.100 t schwerer als ein V2, das müsste dann wirklich über 100 t Nutzlast liegen. Nettonutzlast = ohne Starship, das alleine dürfte weitaus mehr wiegen.

Die zweite Wette ist langfristig angelegt. Für Artemis entwickeln Blue Origin und SpaceX Mondlander. SpaceX bekam einen Vertrag im April 2021. Nach Protesten von Blue Origin und Senatoren bekam im Mai 2023 auch Blue Origin einen Auftrag. Derzeit ist die erste SpaceX Landungsmission Artemis 3 die von Ende 2024 auf September 2028 gerutscht ist. (einfach zu merken: Artemis 3 liegt immer 3 Jahre in der Zukunft, 2021 also Ende 2024 und nun eben Ende 2028) Die erste bemannte Blue Origin Mission ist Artemis 5 um 2030.

SpaceX hat also einen Zeitvorsprung von 2 Jahren und sie haben schon ein Raumschiff, das eingesetzt werden kann. Also eine einfache Lösung wäre es die Dragon zu nehmen. Dagegen muss Blue Origin das Raumschiff neu entwickeln.

Betrachtet man die Realität, so hat Blue Origin eine einsatzbereite New Glenn die zwei erfolgreiche Flüge, einen davon mit Nutzlast und erfolgreiche Landung der Erststufe hinter sich hat. SpaceX werkelt an ihrem Starship seit drei Jahren herum, 2025 lief schlechter als 2024 und sie sind zwei Versionen von der Endversion entfernt. Kein einiges Starship hat einen Orbit erreicht und die Nutzlast in Form von Starlink-Simulatoren ist minimal.

SpaceX braucht nach NASA-Einschätzung über 10 Treibstofftankflüge, während der Blue Moon meiner Rechnung nach mit drei Starts auskommt. Drei Starts in einem engen Zeitraum dürften einfacher zu bewerkstelligen ein als 10+. Beide Firmen müssen den Treibstofftransfer demonstrieren, wobei sich Blue Origin aber mit Stufen die angekoppelt werden, aber keinen Treibstoff transferieren um die Problematik herum mogeln kann.

Inzwischen reicht es auch der NASA, sie hat aufgrund der Verzögerungen (4 Jahre) den Auftrag neu ausgeschrieben, was relativ sinnlos ist: nicht nur weil man ja mit Blue Origin eine Alternative hat, und die seit 2 Jahren schon dran arbeiten, sondern weil zu dem Zeitpunkt (September 2025) ja noch nach Trumps Kürzungen Artemis nach Artemis 4 also vor der ersten Blue Origin Mission eingestellt werden würde.

Nun zu meiner Langzeit-Wette:

Ich wette das Blue Origin vor SpaceX Astronauten auf die Mondoberfläche transportiert.

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