Am 23.3.2026 (MESZ) fand nach drei Tagen Verspätung darunter einem Scrub nach Beginn des Countdowns am Vortag der 12-te Start eines Starship IFT-12 statt. Die SuperHeavy hatte die Seriennummer 19, die eigentlich dafür vorgesehene mit der Seriennummer 18 wurde am 21.11.2025 bei einem routinemäßigen Drucktest zerstört. Das Starship hatte die Seriennummer 39. Es war der erste Test eines Starships V3, mit Raptor 3 Triebwerken und mehr Schub und auch 22 anstatt 6 bis 10 Starlink-Simulatoren die bei V2 mitgeführt wurden. Ansonsten war alles wie bisher, es wurde nur eine suborbitale Bahn erreicht, das Starship nicht geborgen und diesmal war auch keine Bergung der SuperHeavy geplant.
Die meisten Portale feiern diesen Flug als einen vollen Erfolg, ich sehe es anders. Ich denke, inzwischen gibt es eine Art „SpaceX-Maßstab“. Nach vier Jahren und 12 Testflügen sind die Ansprüche an das Starship so gesunken, das es schon ein Erfolg ist, wenn es nicht explodiert. Es wird nicht der gleiche Maßstab wie bei anderen Trägerraketen angelegt. Vulcan oder Ariane 6 sind in etwa zur gleichen Zeit neu erschienen. Beide sind inzwischen operativ. Bei einem Satellitenverlust der Vulcan (erster Übergangsorbit erreicht, aber Wiederzündung der Oberstufe scheiterte) war man weniger gnädig und Ariane 6 wird beim nächsten Start die verlängerten P160 Booster einsetzen, also sozusagen eine Ariane 6 „V2“. Ich glaube kaum das man an diese Ariane 6 den gleichen Maßstab wie an das Starship V2 anlegen wird.
Nach vier Jahren, 12 Testflügen und drei Versionen hat das Starship zwar noch nicht mal die für „V1“ genannte Nutzlast von 100 t erreicht, transportiert keine Nutzlasten und fliegt immer dieselbe suborbitale Bahn. Das letzte hat einen ganz einfachen Grund: bei der mangelnden Zuverlässigkeit (siehe unten) der Raptoren kann der Deorbit-Burn scheitern und dann verbleibt ein 100+ t (eher 200 t) schweres Starship in einem Orbit und kann irgendwo niedergehen. Falcon 9 Oberstufen die bedeutend leichter sind haben schon Trümmerregen hinterlassen als ihr Deorbitburn scheiterte und die Lange Marsch 5 kommt bei fast jedem Start in die Schlagzeilen, weil ihre Oberstufe nicht deorbitiert wird und die wiegt nur ein Zehntel des Starships.
Ereignisse
Hier die wesentlichsten Ereignisse, alle Angaben nach dem Video, meist aus der Telemetrie-anzeige gezogen.
- Bei 1:42 fiel ein Triebwerk im äußeren Ring der SuperHeavy aus.
- Bei 2:25 (Geschwindigkeit 5764 km/h) fand die Stufentrennung statt. Das neue Prozedere sieht vor, das drei Triebwerke sofort zünden und drei etwas verzögert.
- Bei der SuperHeavy gingen nur noch fünf Triebwerke im ersten Ring (keine der drei innersten für das Boostback an und bei 2:50 gingen sie alle aus. Die SuperHeavy fiel rotierend zurück auf die Erde und versank bei 6:20 im Meer wo die Stufe mit 1.454 km/h auftraf.
- Bei 3:03 also relativ früh nach Boostertrennung ging eines der drei Raptor Vakuum des Starships aus. Auch einige Sekunden danach sah man noch kurz eine Flamme im Heck.
- Bei 9:13 fingen die nicht steuerbaren Vakuumtriebwerke des Starships aus
- Bei 9:17 schalteten die restlichen drei Triebwerke ab.
- Die Starlink-Dummys wurden abgesetzt. Aufnahmen der beiden mit Kameras aber erst einige Minuten nach dem Aussetzen gezeigt.
- Die Wiederzündung des Raptors fiel aus.
- Bei 1:06:08 fand in 0,9 km Höhe und 364 km/h der Landing Burn statt, nur zwei Triebwerke starteten.
- Bei 1:06:25 (etwa) fand die Landung statt.
- Bei 1:06:35 explodierte das Starship.
Den höheren Schub sah man im rasanteren Start und der Verlagerung von Max-Q zeitlich und auch in der Höhe. Ich will dies nun im Einzelnen auseinander nehmen.
Treibstoffe
Ich habe aus den Grafiken den Resttreibstoff herausgelesen und gebe hier mal die Angaben zusammen mit denen der letzten Flüge an:
| IFT-9 | IFT-10 | IFT-11 | IFT-12 | |
|---|---|---|---|---|
| Starttreibstoff SS | 88 % | 95,6 % | 100 % | 91,5 % |
| Resttreibstoff SH nach MECO | 10,7 % | 11,9 % | 12,5 % | 13,9 % |
| Resttreibstoff SH nach Boostback | 3,7 % | 4,3 % | 3,4 % | – |
| Starttreibstoff SH | 97,1 % | 96,6 % | 93,3 % | 96,1 % |
| Resttreibstoff SS nach Meco | 3,8 % | 4 % | 4,2 % | 3,7 % |
| Masse Resttreibstoff bei 1500 / 1.600 t = 100 % | 57 t | 60 t | 63 t | 59 t |
Wir sehen: auch diesmal wurde das Starship nicht voll betankt. Das war (bis auf IFT-11 bei der SuperHeavy) aber immer so. 400 t mehr Treibstoff in der SuperHeavy führen dazu das die Trenngeschwindigkeit höher ist (~ 4.700 km/h bei IFT-11 und ~ 5.600 km/h bei IFT-12) bedeutet auch das mehr Treibstoff benötigt wird um die Basis anzufliegen. Daher wird in der Entwicklung V1 bis V4 auch das Starship mehr Treibstoff proportional zur Startmasse zuladen als die Superheavy um diesen Treibstoff zu reduzieren, was allerdings eine extreme Leichtbauweise beim Starship nötig macht das ja nun von 28.800 km/h für einen Orbit alleine über 23.000 km/h aufbringen muss.
Die Resttreibstoffmenge (dies ist ohne den Landetreibstoff der in separaten Tanks steckt) ist weiter gesunken und wird wohl noch sinken, denn sie bedeutet Totgewicht. Bei der SuperHeavy mit derselben Tankgeometrie weiß man das etwa 20 t Treibstoff nicht nutzbar sind. So gesehen können noch 40 t Treibstoff eingespart werden, falls dies auch für das Starship gilt.
Beim V2 entsprachen die rund 60 t Resttreibstoff aber nur einer Mehrnutzlast von 20 t gegenüber der Masse der Simulatoren, sodass ich davon ausgehe das dieses Starship von IFT-11 so etwa 60 t Maximalnutzlast hat.
Die Raptoren V3
Was alle bisherigen Testflüge des Starships charakterisiert ist das die Raptoren eine erschreckend geringe Zuverlässigkeit haben. Auch diesmal gingen zwei Triebwerke während der Antriebsphase aus. Beim Boostback der SuperHeavy waren es sogar 7 von 13 die nicht mehr angingen. Daraufhin war der Schub so gering, das die anderen abgeschaltet wurden. Das die Wiederzündung eines Raptors ausfiel, deutet ebenfalls darauf hin, denn dafür werden die drei inneren, im Schubvektor steuerbaren genutzt. Davon fiel während der Antriebsphase aber keines aus. So gesehen sollte man, wenn der gleiche Orbit erreicht wurde und das war ja der Fall wie die Landung bei einem Schiff, dass Aufnahmen machte, zeigt, auch dieses Manöver zeigen. Der zweite Hinweis liefert das nur zwei Triebwerke bei der Landung zündeten. Nimmt man alle Triebwerke zusammen, so fielen zwei bei dem Starship und acht bei der SuperHeavy aus, also 10 von 39, ein Viertel aller Triebwerke.
Wie nicht nur hier laufen die Ankündigungen von SpaceX und die Realität leicht auseinander. Nach den Verlautbarungen von SpaceX sollen sie 1000-mal wiederverwendbar sein. Tatsächlich fielen bei fast jedem der bisher 12 Testflüge eines oder mehrere Triebwerke aus. Das sind 468 Einsätze aller Triebwerke und ein Teil der Triebwerke hat mehrere Zündungen zu absolvieren. Die meisten Trägerraketen, die ich kenne, kommen nicht mal, wenn man alle Entwicklungszyklen und Einsätze zusammenzählt auf eine solche Einsatzzahl und dabei fallen in der regel keine Triebwerke aus. Das dies nun auch bei den Raptor 3 die ja völlig neu konstruiert sein sollen vorkommt lässt auf einen grundlegenden Designmangel schließen der offenbar bei SpaceX nicht gefunden wird oder wahrscheinlicher bei so vielen Einsätzen in Kauf genommen wird.
Man hat so weit nachgebessert das ein Triebwerksausfall nicht zu einer Beschädigung der Nachbartriebwerke führt wie dies bei früheren Tests der Fall war. Die „Engine-Out Capablity“ ist bei diesem Konzept kein Feature, dass Sicherheit bringen soll, sondern unabdingbar das überhaupt der Orbit erreicht wird. Die Zukunft wird zeigen, ob dem so ist. Denn es gibt zwei Knackpunkte: Zum einen brauchen die Landemanöver weniger Triebwerke, aber bestimmte die dann nicht ausfallen dürfen. Daher hat SpaceX schon bei den letzten Einsätzen bei der SuperHeavy getestet, ob man nicht nur die innersten Triebwerke für die Landung nutzen kann.
Der zweite Grund ist der, dass sich so die Brenndauern verlängern und damit die Gravitationsverluste. Nach dem veröffentlichten Flugplan sollte das Starship nach 8:58 den Orbit erreichen, es war durch die vorzeitige Abschaltung 9:17 also knapp 20 Sekunden später. Würde das Starship die volle Nutzlast aufweisen so würde durch die Gravitationsverluste kein Orbit erreicht, man muss also immer weniger Nutzlast mitführen als möglich wäre. So liegt die maximale Masse der Simulatoren (genaue Masse ist nicht bekannt, aber die höchste Angabe für einen operativen Starlink V2 Satelliten liegt bei 2 t) bei diesem Flug bei 44 t und nicht 100+ t wie von SpaceX angekündigt. Man kennt schon von der Falcon 9 die Divergenz zwischen Website Angabe und Realität, aber dort liegt die Differenz je nach Orbit bei einem Viertel bis ein Drittel der angegebenen Masse, hier sind es nur 44 Prozent.
Die Kosten
Dank des SpaceX IPO Prospekts kennt man nun in etwa die Kosten die SpaceX für das Starship aufgewendet hat. Es waren bisher 15 Milliarden Dollar, alleine letztes Jahr 3 Milliarden Dollar, was dazu geführt hat das SpaceX seit Jahren kaum Gewinne oder sogar Verluste einfährt. Diese Verluste können auch von den Gewinnen aus Starlink nicht kompensiert werden. Letztes Jahr waren sechs Starts geplant, da man ein Starship schon vor dem Start zerstört hat, waren es nur fünf. Aber 3 Milliarden Dollar geteilt durch sechs Starts sind 500 Millionen Dollar pro Start.
Vergleichen wir mit der Falcon 9, deren Entwicklung kostete bis zur ersten Version etwa 600 Millionen Dollar. Danach gab es weitere Aufwendungen, doch die sind nicht bekannt. Diese erste Version wog 330 t und hatte eine Nutzlast von 7-8 t. Sie wurde für 54 Millionen Dollar angeboten. Das Starship V2 hat eine Nutzlast von 35 t. Daraus kann man folgende Tabelle aufstellen:
| Parameter | Falcon 9 | Starship |
| Entwicklungskosten: | 600 Mill. Dollar | 15.000 Mill. Dollar |
| Startkosten: | 54 Millionen Dollar | 500 Millionen Dollar |
| Nutzlast: | 7,5 t | 35 t |
| Startgewicht: | 330 t | ~ 5.100 t |
| Kosten pro Kilogramm Nutzlast: | 7.200 Dollar | 14,200 Dollar |
| Nutzlastanteil: | 2,3 Prozent | 0,68 Prozent |
| Entwicklungskosten/Startkosten: | 11:1 | 30:1 |
Wir sehen hier eine Problematik, die auch das Space Shuttle hatte – als vollständig wiederverwendbares Gefährt war seine Entwicklung enorm teuer, es erreichte nicht die Sollnutzlast und sein Einsatz war viel teurer als geplant. SpaceX hofft, das das spätere V4 die geplante Nutzlast hat und das Kostenziel erreicht, doch bisher sieht es ganz anders aus. Ich bezweifele das ein Starship das bei jedem Flug bisher mehr oder weniger größere Probleme hatte und weit hinter der Sollnutzlast liegt, mal später so oft startet und so preiswert wird (es gibt verschiedene Angaben, aber selbst die Höchste liegt bei 20 Millionen Dollar pro Start) erreicht.
Beurteilung des Starts
SpaceX hat es geschafft, dass Triebwerksausfälle nicht mehr zur Explosion führen. Das war es aber auch schon. Es sind die neuen Raptor 3 zuverlässiger als die Raptor 2 und damit schwebt über jedem Start ein Damoklesschwert.
Für den späteren Einsatz wichtig ist, dass das Starship nur ökonomischen Sinn macht, wenn beide Stufen wiederverwendet werden und keine oder nur wenige Arbeiten zwischen den Starts erfolgen. Bei diesem Start hat man die SuperHeavy verloren, also schon mal einen Großteil der Masse und Triebwerke, das korrespondiert nicht mit den Kosten, aber so wird man sicher nicht die Kostenziele erreichen.
Ob das Starship bei einer echten Landung am Startturm sauber gelandet wäre kann man bei den Videobildern nicht beurteilen. Bei den Tests des Landeanflugs setzte auch öfters ein Starship auf (damals noch am Boden neben dem Startturm um kurz danach umzukippen oder nach der Landung ohne äußeren Anlass zu explodieren.
Vor einem Jahr hat Elon Musk angekündigt, dass das Starship V3 in einem Jahr (also jetzt) monatlich starten wird, dann wird ja wohl im Juni der nächste Start folgen. Halte ich sogar für möglich, Space hat schon zwischen IFT-5 und IFT-6 nur etwas mehr als einen Monat gebraucht (13.10 und 19.11.2024).