Über den Mond zum Mars?
Bekanntlich hat Bushs Space Initiative ja das Ziel "Zurück zum Mond". Das Wurde von vielen Journalisten kritisiert. Das nächste Ziel sollte ja nun der Mars sein, und Flüge zum Mond bringen recht wenig bei der Vorbereitung auf einen Marsflug. Meiner Meinung nach liegt verbirgt sich eher ein Missverständnis wie Politiker denken dahinter. Diese denken nicht logisch (Bush schon gar nicht), sondern überlegen wohl eher, was zu finanzieren ist und was sie noch zu Lebzeiten sich als Ruhmesblatt anrechnen lassen können. Unter diesem Aspekt isst der Mond natürlich viel verlockender als der Mars, der ungleich längere Vorbereitungen und erheblich größere finanzielle Mittel nötig macht.
Doch betrachten wir es einmal logisch: Was kann man mit Missionen zum Mond simulieren? Nun es gibt einiges was man simulieren könnte:
Der fehlende Schutzschild der Sonne: Der Mond ist schon soweit von der Erde entfernt, dass unser Magnetfeld Astronauten nicht mehr schützt, außer der Mond taucht durch den Magnetfeldschweif der Erde. Würde man also Astronauten in eine Mondumlaufbahn senden so könnte man eine Reise zum Mars simulieren, während die über Monate hinweg Fernerkundung auf dem Mond betreiben können. Trotzdem hätte man sie bei nicht ausreichender Abschirmung innerhalb von 3 Tagen wieder zurück auf der Erde.
Am besten kann man die Arbeit auf dem Mars simulieren. 1/6 g auf dem Mond oder 1/3 g auf dem Mars – das sind fast dieselben Bedingungen. Auch Techniken zur Minimierung der Strahlung wie das Eingraben der Station könnten erprobt werden und die extremen Temperaturgegensätze sind gegeben – mit einer Ausnahme: Der Tag und Nachtzyklus beträgt auf dem Mond 28 Tage und auf dem Mars 24.7 Stunden. Selbst die Funkverzögerung kann man simulieren: Befindet sich eine Station auf der Mondrückseite, so hat sie nie direkten Funkkontakt zur Erde. Bewerkstelligt man dies über einen Satelliten in einem nahen Orbit, so hat dieser auch keinen gleichzeitigen Kontakt zur Erde und zum Mond, sondern muss die Daten zwischenspeichern und dann senden wenn die Erde in Funkreichweite ist (und umgekehrt).
Was man naturgemäß nicht simulieren kann ist die Landung, die beim Mars aerodynamisch gebremst erfolgen muss. Auch eine aerodynamische Bremsung zum Einschwenken in den Orbit kann man auf dem Mond nicht simulieren. In der Tat könnte man aber auf dem Mond mit einer permanenten Station und vorher und nachher mit einigen Monaten im Orbit einen Marsflug simulieren, ohne das Risiko zu haben, dass man bei einem Problem Monate auf die Besatzung warten muss. Vom Mond kann man in 3 Tagen zurück zur Erde kommen.
Es steckt also etwas Logik hinter dieser Idee, zumindest mehr als die Idee, die die NASA in den 80 er und frühen 90 er Jahren hatte, wo man meinte die ISS wäre notwendig um alle Bestandteile einer Marsexpedition im Erdorbit zusammenzubauen. Das war schlicht und einfach falsch und diente mehr dazu einen Nutzen für die ISS zu finden.
Ob es aber notwendig ist, ist eine andere Frage – Wir haben heute nach 40 Jahren bemannter Raumfahrt so viele Erfahrungen mit Langzeitflügen, dass wir recht gut Bescheid wissen, welche Risiken es gibt und wie man ihnen begegnen kann. Das ist anders als zur Zeit von Apollo wo man sich über langsam immer komplexeren Missionen an die erste Mondlandung herangetastet hat. Interessanter ist wohl eher ob die Mondlandung in 2 Jahren noch Ziel der NASA ist. (Im nächsten Jahr um diese Zeit hat die USA zwar einen neuen Präsidenten, aber den ersten Haushalt den er beeinflussen kann ist der von 2010).