Die Proton und der Mond

Schade, dass ich so aufmerksame Leser habe – Niemand ist auf die Münchhausener Geschichte vorgestern hereingefallen. Doch eigentlich ist es keine Münchhausener Geschichte, es ist reale Physik und daher dazu heute etwas mehr.

Ich habe alles mit meiner neuen Aufstiegssimulation durchgerechnet, die inzwischen um einige Optimierungsfunktionen ergänzt wurde. Die Vega als Problemfall funktioniert nun auch. Ich werkele derzeit am Zweiimpulstransfer. Wenns fertig ist stelle ich es vielleicht mal hier vor. Aber die Proton in der Version Proton M Breeze M macht Probleme. Das liegt daran, dass die Proton mal als zweistufige ICBM entwickelt wurde. In der Version hätte der Sprengkopf etwa 8 bis 10 t gewogen. Nun wiegen dritte und vierte Stufe und Nutzlast zusammen 80 t. Schon die zweite Stufe hat eine Beschleunigung die anfangs unter 1 g liegt. Die oberen auch und am extremsten ist es bei der Breeze M. Bei einer Startmasse von rund 28 t beträgt der Schub nur 19,6 kN. Continue reading „Die Proton und der Mond“

Die neue Proton

Vor zwei Jahren hat ILS angekündigt eine neue Version der Proton in Dienst zu stellen. ILS ist in einer schlechten Lage: die Proton hatte in den letzten Jahren viele Fehlstarts sowohl im Modell M das für kommerzielle wie russische Starts genutzt wie auch von Russland exklusiv genutzten Variante mit Block DM3.

Solange ILS die einzige Konkurrenz zu Arianespace war, bekam die Firma trotzdem genügend Aufträge. Es gab ja keine Alternative. Mit dem Ansteigen der Startrate von SpaceX blieben die aber weitestgehend aus. Noch schlimmer: Anders als Arianespace befördert die Proton nur einen Satelliten. Das setzte sie bei nicht voll ausgenutzter Nutzlast unter Kostendruck. ILS musste schon die Kosten für einen Start bei kleineren Satelliten senken. Da die Rakete aber in der Herstellung immer gleich viel kostet auf die Dauer ein teures Zugeständnis.

So wurde im März 2017 die Proton M und Proton Light aus der Taufe gehoben. Bei der Proton Medium sollte die zweite Stufe wegfallen, bei der Proton Light zusätzlich noch zwei der Booster. Die Nutzlast sinkt so von 6,3 auf 5 bzw. 3,5 t. Continue reading „Die neue Proton“

I know Saint Peter won’t call my name

Heute geht es um eine Rakete die ich nie gebaut hätte. Es ist die Proton. Mir fiel beim Nachbearbeiten meines Aufsatzes über die N-1 auf wie viele Fehlstarts die in den frühen Jahren hatte.  Ich kannte die miserable Zuverlässigkeit der Proton in den frühen Jahren, die noch um einiges schlechter war als heute. Hier eine Liste aller Starts der ersten vierstufigen Version, genannt Proton K / Block D: Continue reading „I know Saint Peter won’t call my name“

I don’t like Reggae, no, no

Nachdem SpaceX nun schon einige Stufen gelandet hat, nun letzte Woche auch eine geborgene Stufe über die spätere volle Laufzeit getestet hat, sich also der Wiederverwendung annähern, nachdem es das ganze letzte Jahr nicht geklappt hat. SES würde ja den Jungfernflug der ersten Stufe gerne nutzen, wenn der Start 50% weniger kostet als bisher. Ob SpaceX so weit runtergehen kann oder möchte, ist noch nicht sicher, aber in jedem Falle erhöht das den Druck auf die Konkurrenten. Denn billiger wird es wohl werden, sonst bräuchte man das ganze ja nicht druchexerzieren.

Arianespace hat ja schon die Ariane 6 bei der ESA durchgedrückt. Da werkelt man nun schon seit zwei Jahren am Design herum und ist noch nicht zu einem Schluss gekommen, ein Indiz dass man noch nach Kosteneinsparungen sucht. Immerhin wird Ariane 6 nach den Versprechungen deutlich billiger als die Ariane 5 und mit der Skalierbarkeit und geographisch günstigem Startplatz soll sie auch preislich konkurrieren können (so zumindest das Versprechen). Continue reading „I don’t like Reggae, no, no“

Es läuft einiges schief …

– und zwar ziemlich in der russischen Raumfahrt. Eigentlich gilt die Zeit von 1995 bis 2000 als schwarze Periode der russischen Raumfahrt: damals gab es als Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion kaum Geld für die Raumfahrt. An neue Projekte war nicht zu denken, zeitweise gab es monatelang keinen Lohn. Eigentlich sollte Russland das hinter sich gelassen haben. Das Raumfahrtprogramm funktioniert zumindest soweit, dass die militärisch wichtigen und anwendungsorientierten Satelliten wie das Glonassprogramm betrieben oder aufgebaut werden. Die Versorgung der ISS stand ja nie zur Disposition, das ist das wichtigste Prestigeprojekt der russischen Raumfahrt. Zudem verdient man mit den Sitzen für Astronauten und den Transport von Versorgungsgütern auch noch Geld. Aber schon Nauka wartet seit 6 Jahren auf den Start. Vor einem Jahr war es startbereit, da musste es wegen Lecks im Antriebssystem wieder zurück zum Hersteller, sodass der Start nicht vor einem Jahr geplant ist. Meiner Ansicht nach kommt es überhaupt nicht mehr zur ISS.

Auch die Angara hinkt Jahre hinter den Planungen hinterher. Letztes Jahr gab es einen suborbitalen Start, seitdem Pause, dabei sollte die Angara ja die alten Träger ersetzen, man sollte also annehmen das man das zügig umsetzt. Noch schlimmer sieht es im wissenschaftlichen Programm aus. Bei den Planetensonden gibt es tolle Präsentationen, was man alles machen will. Doch von den einzigen konkret geplanten scheiterte Phobos-Grunt an Computerproblemen und Venera D ist seit einem Jahrzehnt ein Papierprojekt. Continue reading „Es läuft einiges schief …“