Meine „Mini Vega“

Die ESA entwickelt ja gerade die Vega C. Sie soll eine 50 % höhere Nutzlast als die Vega haben, da der P120C Booster zum Einsatz kommt. Das ist sicherlich ökonomisch sinnvoll wegen der Synergie mit der Ariane 6. Es geht aber am Markt vorbei. Boomend sind derzeit die Satelliten der Cubesat bis Microsatgröße, also eine Obergrenze von 100 bis 200 kg, wie z. B. der 2017 von der Uni Stuttgart gestartete „Flying Laptop“, ein nur 120 kg schwerer 10 Millionen Euro teurer Technologiesatellit, gebaut und entwickelt von Studenten.

Für die ist schon die derzeitige Vega zu groß. Ihre Nutzlast liegt schon heute an der oberen Grenze der „kleinen“ Träger. Höher als bei den direkten Konkurrenten Rockot und PSLV. Sie ist noch dazu nicht geeignet viele kleine Satelliten zu transportieren. Dafür gibt es bisher nur die VESPA (wusstet ihr, das 65 % der Vega in Italien gebaut werden?) eine Doppelstartstruktur wie die Sylda. Allerdings ist aufgrund des langen Satellitenadapters die Höhe begrenzt, was den Nutzen doch stark einschränkt. Zudem kostet sie bei der derzeitigen Vega 250 kg Nutzlast, also ein Sechtsel der Nutzlast im Referenzorbit. Continue reading „Meine „Mini Vega““

Mein durchrechneter Ariane 6 Gegenentwurf – Teil 2

In Teil 1 habe ich eine Ariane 6 auf Basis der Aufstiegssimulation konstruiert. In diesem Teil geht es um die Optimierung. Die Rakete von Teil 1 funktioniert ja schon und hat eine ordentliche Nutzlast von 9 bis 15 t bei zwei bis sechs Boostern. Wenn man nur einen Booster nutzt, sind es 6,3 t in den GTO und das wäre bei 2000 kN Schub auch möglich, das Haupttriebwerk hat dann denselben Schub wie der Booster und kann dessen schrägen Schub durch Schrägstellen ausgleichen. Trotzdem ist sie in meinen Augen zu groß. Ein Aspekt, der bei den frühen Ariane 6 Entwürfen ja immer genannt wurde, war die Kadenz. Es wurde argumentiert, dass das seit Ariane 3 eingeführte System der Doppelstarts immer schwieriger umzusetzen ist. Die Rakete sollte daher nur noch Einzelstarts durchführen und in größerer Stückzahl gefertigt werden. Beim Übergang vom PPH-Konzept, also die ersten beiden Stufen mit reinen Feststoffraketen auf das heutige ist das wieder entfallen und die aktuelle Ariane 64 hat nach ESA Angaben eine Nutzlast von 12 t, also noch mehr als eine Ariane 5 ECA. Continue reading „Mein durchrechneter Ariane 6 Gegenentwurf – Teil 2“

Wetten das Arianegroup?

Es wird einmal Zeit, dass ich auch eine Wette mit den Bauern der Ariane 5/6 abschließe, die derzeit Arianegroup heißen. Derzeit, weil das fast im Jahresabstand wechselt.

Ich habe an meiner Aufstiegssimulation noch etwas mehr gearbeitet und noch mehr Raketen mit den genauen Daten erfasst und bin mir inzwischen recht sicher, dass die Simulation weitestgehend korrekt ist, weil ich für verschiedene Träger unterschiedlichster Technologie und Aufstiegsverluste fast immer die publizierten Nennnutzlasten erreiche. Das macht mich optimistisch die Nutzlast der Ariane 6 abzuschätzen. Continue reading „Wetten das Arianegroup?“

Teure Nachbesserungen

Das heutige Thema beschäftigt sich mit der europäischen Raketenpolitik. Obwohl die sich von der vieler anderer Nationen darin unterscheidet, dass man regelmäßig neue Rakete entwickelt ist, doch eines auffällig: die Nachbesserungen oder wenn man es anders ausdrücken will: Performance Steigerungen.

Die USA machen mehr Starts als Europa, doch sie kamen von 1960 bis zur Jahrtausendwende mit drei Basismustern aus: Der Thor-Delta Serie, Atlas und Titan. Diese wurden durch Oberstufen, Booster oder leistungsfähigere Triebwerke in der Leistung gesteigert. Am stärksten gelang dies bei der Delta, deren erstes Modell die Delta-A 291 kg in einen niedrigen Erdorbit und 45 kg in den GTO transportieren konnte. Das letzte Modell, die 7925H dagegen 5.648 kg in einen LEO und 2.270 kg in einen GTO. Eine Steigerung der Leistung um den Faktor 20!

Demgegenüber entwickelte man in Europa immer neue Trägerraketen:

  • Der Europa I folgte die Ariane 1.
  • Die Ariane 1 wurde nach 17 Jahren durch die Ariane 5 ersetzt.
  • Nun wird die Ariane 5 nach 23 Jahren durch die Ariane 6 ersetzt.
  • Dazwischen gab es dann auch noch die Vega.

Wenn nun einer fragt: Was ist denn mit der Ariane 2,3 und 4? Um genau diese geht es in diesem Blog. Es ist eine europäische Spezialität eine Trägerrakete zu entwickeln, die man nur wenige Male in der Ursprungskonfiguration einsetzt, und sie dann durch eine verbesserte Generation ersetzt: Continue reading „Teure Nachbesserungen“

Eine Neuauflage zum Jahresausklang

Ich habe heute die Neuauflage des Buchs „Die Vega – Europas jüngste Trägerrakete“ fertiggestellt. Bis zu Weihnachten wird sie nicht verfügbar sein, aber ich wollte sie von der Liste haben, obwohl ich eigentlich noch zwei Monate Zeit haben bis der erste Vertrag nach 5 Jahren ausläuft. Bis zum Jungfernflug der Vega-C der 2019 ansteht, wollte ich nicht warten. Finanziell lohnt es sich nicht, das weiß ich schon von den anderen Auskopplungen, aber irgendwie drängt es mich das Buch zu aktualisieren, wobei man ehrlich gesagt sagen muss, viel machen musste ich nicht, weil ich schon vor einem Jahr viel für die Neuauflage der „Europäischen Trägerraketen 2“ recherchiert habe. Es ist einfach der preußische Gedanke etwas „richtig fertig zu stellen“.

Neu ist ein Kapitel über die seit dem Jungfernflug erfolgten Flüge und Abschlüsse und eines über die Vega C und E. Insgesamt sind das 18 Seiten mehr. Das heißt für die, die schon Auflage 1 oder eine der Europäischen Trägerraketen 2 haben, lohnt sich der Kauf bestimmt nicht. Immerhin eine Neuerung gibt es diesmal: 4 Sexten mit schönen Startfotos sind in Farbe. Der Rest (weil jede Farbseite das Buch um 10 ct verteuert) wie sonst in Schwarz-Weiß. Der Preis ist trotz des gesteigerten Umfangs gleich geblieben.

Obwohl ich eigentlich mein Engagement bei den Büchern herunterfahren will, habe ich dieses Jahr doch einiges gemacht. Wenn ich mal von zwei Neuauflagen, die sich kaum von der ersten Auflage unterscheiden absehe (Skylab, US-Trägerraketen) und die nur den Zweck hatten, die gesunkenen Druckpreise an die Leser weiterzugeben, dann gab es dieses Jahr drei neue Bücher: Continue reading „Eine Neuauflage zum Jahresausklang“