Wumms!

Vorletzte Woche gab es verhinderte Terroranschläge in London, bei denen die Attentäter als Sprengstoff Acetonperoxid, in den Nachrichten meist als Triacetontriperoxid TATP bezeichnet. Nun liegt meine Chemie Ausbildung schon etwas zurück und las Lebensmittelchemiker hatte ich organische Chemie nur bis zum Vordiplom. Doch eines habe ich noch in Erinnerung: organische Peroxide sind extrem instabil und ihre spontane Bildung wird bei Ethern gefürchtet, da sie zu spontanen Explosionen führen.

Die Attentäter wollten offensichtlich den Sprengstoff während des Fluges aus den beiden Ausgangsstoffen Aceton und konzentriertem Wasserstoffperoxid bilden. Dies ist nachdem was ich gelesen habe auch möglich, allerdings wird dann eine Reaktionszeit von einigen Tagen angegeben. Gängiger ist das Zusetzen einer konzentrierten Säure als Katalysator, doch dann muss man die Mischung kühlen um die Wärme abzuführen. Es entsteht übrigens anders als in den Nachrichtenmeldungen suggeriert nicht quantitativ das Trimere, sondern auch das Dimer und Monomer, wobei das Dimer am explosivsten ist. Continue reading „Wumms!“

Danke Voyager!

Der Saturn, aufgenommen von Voyager 2In einer Woche, am 25.8.2006 jährt sich der 25 jährige Vorbeiflug von Voyager 2 an Saturn. Ich verbinde mit den Voyager Raumsonden viele persönliche Erinnerungen und es ist mal Zeit in sentimentalen Gefühlen zu schwelgen. Alles fing im Juli 1980 an. Ich hatte die Hauptschule abgeschlossen und einen Preis erhalten. Für 50 Mark konnte ich mir ein Buch kaufen und meine Wahl fiel auf das „Planetenlexikon“ von Bruno Stanek. Eigentlich nur aus einem Grund: Auf dem Cover war eine farbenfrohe Aufnahme von Jupiter mit seinen Monden Europa und Io zu sehen. Schon vorher habe ich mich für Astronomie und die Planeten interessiert. Doch die Aufnahmen von Viking und Voyager haben das zu meiner Passion gemacht. Das waren keine unscharfen Fotos von Großteleskopen oder Zeichnungen in Jugendbüchern. Mir eröffnete sich eine neue Welt. Wie es auf dem Mars und Jupiters großen Monden aussah. Und ich begann mich für die Raumsonden zu interessieren. Daraus wurde dann mein heutiges Interesse an der Raumfahrt. Ich habe über mir Bücher gekauft, Zeitungsausschnitte gesammelt und sogar versucht Fotos vom Fernseher zu machen, als Voyager 1 am Saturn vorbei flog (mit mäßigem Erfolg). Bei Saturn wiederholte sich das – Da gab es Mimas, mit dem Krater sah er aus wie der Todesstern aus Star Wars. Enceladus – glatt wie Europa und Dione, Tethys und Rhea, jeder Mond verkratert, aber auch mit diesen seltsamen Streifen. Enttäuschend war nur Titan. Damals konnte man nicht zur Oberfläche sehen und kannte nur seine Atmosphärenzusammensetzung.

Damals begann mein Interesse an der Raumfahrt. Der Space Shuttle hatte am 12.4.1981 seinen Erststart, doch schon bald interessierte ich mich mehr für unser europäisches Baby, die Ariane. Die Vorliebe für Trägerraketen und Raumsonden ist mir über die letzten 25 Jahre erhalten geblieben. Der Astronomie bin ich verbunden geblieben, doch seit es Internet gibt und ich so an viel mehr Informationen komme und eher das Problem habe, dass der Tag viel zu kurz ist für Arbeit und Hobby und das alltägliche konzentriere ich mich auf die Raumfahrt.

Voyager vor dem StartMein zweites Hobby – Programmieren verdanke ich auch Voyager. Eines war mir bald klar – um eine Raumsonde autonom steuern zu können braucht man einen Computer, wenn die Funklaufzeiten 90 Minuten und mehr betragen. Ich hatte keine Ahnung wie komplex die Software an Bord von Voyager war (im Vergleich zu dem was ich von ihr annahm ist sie wirklich primitiv) aber das erweckte mein Interesse an Computern. Und als diese Mitte 1982 bezahlbar wurden, also unter die 1000 Mark Grenze rutschten kaufte ich mir im August 1982 von meinen Ersparnissen einen Ti 99/4A. Einen 3 MHz 16 Bit Computer mit 16 KByte RAM und 26 KByte ROM. Wie ich beim Studium der technischen Daten merkte, war dieser Rechner leistungsfähiger als jeder der 6 Bordrechner von Voyager !

Die Programmiersprache BASIC war wirklich einfach zu erlernen und damals gab es noch wirklich gute Handbücher. Das mitgelieferte Handbuch habe ich in einem Wochenende ohne Schlaf und ohne Essen durchgearbeitet und danach war ich Computer Junkie. Aber ich bemerkte bald die Grenzen des Ti 99/4A. Er war sehr langsam und ein Ausbau an Speicher oder Disklaufwerke kostete ein Vermögen. Ich verkaufte ihn nach 1 Jahr und wartete bis es einen Computer gab der das konnte was ich wollte – Das war zu meinem schriftlichen Abi der Fall und zu meinem 20.sten Geburtstag habe ich mir einen CPC 464 gekauft – satte 64 KByte Speicher, 80 Zeichendarstellung, bezahlbare Peripherie und CP/M als Goodie – Mit CP/M kam Wordstar als Textverarbeitung, DBase als Datenbank und vor allem Turbo Pascal – eine tolle Programmiersprache: Schnell, leistungsfähig, sauber strukturiert ohne die Fehlermöglichkeiten von BASIC. Bei Turbo Pascal bin ich hängen geblieben – bis heute.

Was wäre wohl passiert wenn ich im Juli 1980 ein anderes Buch gekauft hätte ? Mit Sicherheit gäbe es dann diese Website nicht. Also wenn sie gerne meine Raumfahrtaufsätze und Computerartikel studieren. Seien auch sie Voyager dankbar. Beide Sonden sind noch aktiv, 29 Jahre nach ihrem Start und befinden sich am 14.7.2006 14,919,000,000 km (Voyager 1) und 11,986,000,000 km (Voyager 2) von der Sonne entfernt. Bis eine Nachricht die von der Erde zu Voyager 1 gesandt wurde empfangen und das Bestätigungssignal wieder auf der Erde ankommt vergehen 27 Stunden, 27 Minuten und 12 Sekunden ! Die Sonden können wahrscheinlich bis zum Jahr 2020 betrieben werden, wenn die Stromabgabe der Radionuklid Generatoren soweit absinkt, dass man kein Experiment mehr betreiben kann.

Ach ja man kann auch beides verbinden: Voyager und Programmieren. So gibt es von mir ein Programm, welches die Voyager Bilder aus den Rohdaten die man auf den NASA Servern findet in JPG, GIF oder PNG konvertiert. Sie finden es bei den anderen Softwaretools auf meiner Seite.