Der Fehler des linearen Denkens

Ich habe ja eine neue Seite online gestellt, in denen man empfehlenswerte Raumfahrtbücher angeben kann. Nicht ohne Hintergedanken: So kann ich auch meine eigene Bibliothek ergänzen. Die drei älteren von Michel Van empfohlenen habe ich mir dann auch gleich über Amazon Marketplace bestellt. Man merkt da wie optimistisch 1973 die Zukunft noch gesehen wurde: Nukleare Triebwerke – Einsatzbereit vor 1980. Was dann kommt? Marslandung, Flug zu den äußeren Planeten und bald drauf dann die erste interstellare Reise. Steinhoff ist da nicht der einzige. Ich kann mich noch an ein Kinderbuch erinnern in dem so um das Jahr 1972 die Welt im Jahre 2000 beschrieben wurde – mit fliegenden Autos, Wohnen auf dem Meeresgrund, Roboter als Haushaltshelfer. Warum sahen alle diese die Zukunft so optimistisch? Weil sie alle linear weiter gerechnet werden. Beispiel Raumfahrt: Man hat in 10 Jahren den Mond erreicht, die Nutzlast von Trägerraketen von 1 auf über 100 t gesteigert und wenn man das so linear weiter rechnet ist man eben 10 Jahre später bei 3000 t für eine Marslandung.

Beispiel allgemeines Leben: Nach dem Krieg gab es sowohl in den USA wie auch bei uns eine enorme Veränderung des Alltags – elektrisch betriebene Geräte zogen überall ein und ersetzten mechanische und machten das Leben leichter – Staubsauger, Kühlschrank das alles kannte man vorher nicht im Privathaushalt. Erstmals konnten sich breite Schichten der Bevölkerung ein Auto leisten. Wenn man dies linear weiter spinnt kommt man eben darauf dass auch bald das Flugzeug für jeden zur Verfügung steht oder Roboter alles übernehmen.

Beide Vorstellungen sind nicht eingetreten. Warum? Bei der Raumfahrt hat man schlicht und einfach vergessen, dass diese Steigerung nur mit enormen Mitteln möglich war. Während des Apollo Programms lag das NASA Budget über Jahre bei 3-5 % des Gesamthaushalts. So viel Geld für ein einzelnes wissenschaftliches Programm gibt es nicht über Dekaden. Vor allem würde natürlich eine weitere Nutzlaststeigerung in der Form auch eine Steigerung der Finanzmittel notwendig machen.

Bei der Allgemeinen Betrachtung hat man außer acht gelassen, dass Produktivität nicht endlos gesteigert werden kann und vor allem immer mehr Ressourcen benötigt werden – die sind aber limitiert und so steigen deren Preise an – was schlicht und einfach Energie aufwendige Projekte wie fliegende Autos (die wohl nur mit Helikopterantrieb möglich wären) unmöglich macht.

Die lineare Denkweise vergisst aber auch etwas: Sie kann nur das vorhersehen was es heute schon in Ansätzen gibt. Nahezu jede Veröffentlichung über die Zukunft hat damals die Computertechnik vollständig unterschätzt – obwohl es diese schon gab und sie laufend leistungsfähiger wurde. Aber sie war damals immer noch nicht leistungsfähig genug um sie ohne Programmierkenntnisse bedienen zu können und benötigte immer noch ganze Räume. Was man dachte waren Fortentwicklungen des Fernsehens – Gespräche über Bildtelefon, heute würden wie Videokonferenzen sagen. Aber dass jemand an so etwas wie das Internet gedacht hat, oder dass Leute Tage  vor dem Computer WoW spielend verbringen – das habe ich noch nie gehört.

Was lernen wir daraus? Zukunftsprognosen sind sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Die einzige Prognose de ich wagen werde ist: Die Menschheit wird weiter wachsen, weil sie dass seit Jahrtausenden tut. Sie wird noch mehr Natur in „Agrarland“ verwandeln, solange bis jeder bewirtschaftbare Flecken genutzt wird, sie wird die Ressourcen (fossile Brennstoffe, Metalle) verbrauchen bis keine mehr da sind. Warum? Weil sie so seit Jahrtausenden verfährt. Eine Ende wird nur eintreten, wenn dies nicht mehr geht – wenn einfach die Fläche nicht mehr ausreicht für ein weiteres Wachstum, die Rohstoffe erschöpft sind. Doch was dann passiert- das glaube ich kann keiner vorhersehen. Ich vermute mal es wird so gehen wie auf der Osterinsel, auf der die Menschen schon vor Jahrhunderten mit einem begrenzten Biotop konfrontiert waren und nichts gegen ihren Untergang tun konnten. Mehr dazu hier (ganz nach unten scrollen).

2 thoughts on “Der Fehler des linearen Denkens

  1. Erinnert mich an einen Spruch von Alvin Toffler:

    Wer glaubt die Zukunft würde so sein wie jetzt, nur etwas mehr, aber das gleiche System, der wird einen Gewaltigen Schock erleben… einen „Zukunftsschock“. ^^

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