Wumms!

Vorletzte Woche gab es verhinderte Terroranschläge in London, bei denen die Attentäter als Sprengstoff Acetonperoxid, in den Nachrichten meist als Triacetontriperoxid TATP bezeichnet. Nun liegt meine Chemie Ausbildung schon etwas zurück und las Lebensmittelchemiker hatte ich organische Chemie nur bis zum Vordiplom. Doch eines habe ich noch in Erinnerung: organische Peroxide sind extrem instabil und ihre spontane Bildung wird bei Ethern gefürchtet, da sie zu spontanen Explosionen führen.

Die Attentäter wollten offensichtlich den Sprengstoff während des Fluges aus den beiden Ausgangsstoffen Aceton und konzentriertem Wasserstoffperoxid bilden. Dies ist nachdem was ich gelesen habe auch möglich, allerdings wird dann eine Reaktionszeit von einigen Tagen angegeben. Gängiger ist das Zusetzen einer konzentrierten Säure als Katalysator, doch dann muss man die Mischung kühlen um die Wärme abzuführen. Es entsteht übrigens anders als in den Nachrichtenmeldungen suggeriert nicht quantitativ das Trimere, sondern auch das Dimer und Monomer, wobei das Dimer am explosivsten ist.

Als Sprengstoff ist TATP nicht im Gebrauch, es ist zu flüchtig (Substanzverlust von 6-7 % pro Tag) und vor allem viel zu empfindlich. Nitroglycerin, vielen bekannt aus schlechten Spielfilmen wo man ein Röhrchen zu Boden fällen lässt und es macht “Bumm” explodiert bei einem standardisierten Test, wenn ein 2 kg schwerer Fallhammer aus 10-12 cm Höhe auf es fällt. TATP explodiert schon bei einem 1 kg Hammer aus 3 cm Höhe. Damit ist es einer der schlagempfindlichsten Sprengstoffe, deutlich empfindlicher als alle üblicherweise verwendeten Initialsprengstoffe. Es gab schon Unfälle weil sich Kristalle am Deckel durch Sublimation niederschlugen als man Gefäße nur öffnete.

Kurzum: Seit ich gehört habe welche Sprengstoffe diese Attentäter eingesetzt haben, bekommt das Wort Selbstmordattentäter eine neue Bedeutung – denn ich betrachte das herumlaufen mit einem so explosiven Sprengstoff als Selbstmord, man muss nur einmal stolpern…. Bleibt nur zu hoffen, das nun der eine oder andere der sich umbringen wollte und bislang davor vor allem wegen der Umsetzung zurückschreckte (Man könnte es ja schwer verletzt überleben, oder es dauert zu lange oder es ist schmerzhaft….) nicht auf die Idee kommt TATP selbst zu synthetisieren, denn was man dazu braucht bekommt man in der Apotheke.

 
1185 Besucher haben das bisher gelesen.

Kommentar schreiben