Abdul Ahad Momand

Nein ich schreibe nicht über den 11.9.2001. Das überlasse ich anderen, derzeit wird man ja von den Medien damit zugeschüttet. Es geht heute um Abdul Ahad Momand. Momand war Astronaut, und mir unbekannt bis letzten Freitag. Wer schon mal in meiner Raumfahrtsektion gestöbert hat weis auch warum:Ich interessiere mich nicht besonders für bemannte Raumfahrt und insbesondere bei Astronauten gibt es alleine durch die Space Shuttle Flüge so viele, dass man leicht den Überblick verliert. Warum ich mich für Abdul Ahad Mohmand interessiere ?Nun weil ich erst seit Freitag letzter Woche weis, dass er in dem gleichen Ort lebt wie ich ! Das ist doch Grund genug für einen Aufsatz

Als die USA Mitte der 70 er Jahre ankündigten mit dem SpaceShuttle könnten auch ausländische Astronauten mitfliegen, um Experimente zu betreuen, kam es zu einem der letzten Wettrennen der Supermächte um Prestige im Weltraum. Die Sowjetunion initiierte ein Programm, bei dem nun auch ausländische Astronauten (in Russland Kosmonauten genant) mitfliegen konnten. Dieses begann 1978 und als einer der ersten flog auch Siegmund Jähn aus der DDR mit. Einer der letzten in diesem Programm, bei dem die Astronauten aus kommunistischen Ländern kamen war Abdul Ahad Momand. Er wurde am 1.1.1959 in Sardah in Afghanistan. Nach dem Abitur begann er ein Geologiestudium das er an der polytechnischen Hochschule in Kabul abschloss. Danach wurde er zum Militärdienst einberufen. Er meldete sich zur Pilotenausbildung die in dem schon von der Sowjetunion besetztem Afghanistan in der UdSSR stattfand. Danach absolvierte er ein dreijähriges Studium der Luftfahrt in Kiew.

Aufgrund dieser Ausbildung und seiner Geologiekenntnisse wurde er als Astronautenkandidat ausgewählt und absolvierte die entsprechende Ausbildung zum Kosmonauten in der Rekordzeit von 6 Monaten. Dies war nur möglich, weil er nur Aufgaben auf der Raumstation MIR hatte, aber nicht auch das Training für den Start, Ankopplung und Landung wie seine sowjetischen Kollegen absolvieren musste. Der Hauptgrund für das verkürzte Training war aber der bevorstehende Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, weshalb der Flug von Momad vorgezogen wurde.

Am 29.8.1988 startete er zusammen mit Wladimir Ljachow und Waleri Poljakow mit dem Raumschiff Sojus TM-6 zur MIR. In den nächsten 7 Tagen absolvierte er einige medizinische und biologische Experimente. Insgesamt 24 Experimente wurden von allen 3 Kosmonauten durchgeführt. Die Hauptaufgabe war aber die Fotographie von Afghanistan mit einer hochauflösenden Kamera. Zu der damaligen Zeit war dies im Ostblock die einzige Möglichkeit große Territorien in kurzer Zeit zu erfassen. Aus diesen Aufnahmen wurde später ein erheblich genauerer Atlas von Afghanistan erstellt. Nach etwas mehr als 7 Tagen bestiegen Ljachow und Momand das Raumschiff Sojus TM-5 und bereiteten sich zur Rückkehr zur Erde vor. (Die Sowjetunion vermied es die Sojus Kapseln zu lange im Weltall zu lassen, so dass die neue Besatzung jeweils mit der Kapsel der vorhergehenden Besatzung zurückkehrte).

Nach dem Abkoppeln von der MIR am 5.9.1988 feuerte die Retrorakete der TM-5 nicht. Über den Vorgang gibt es heute noch unterschiedliche Berichte. Nach westlichen Berichten wären die Astronauten verloren im Weltraum gewesen und hätten nicht genug Vorräte für einen längeren Aufenthalt gehabt. Am Tag später konnte das Raketensystem erfolgreich gezündet werden und die Astronauten landeten im Zielgebiet. Das auch die Sowjetunion den Zwischenfall ernst einstufe zeigt sich darin, dass man anders als bei anderen Missionen keine Lifeberichterstattung von der Landung veröffentlichte.

Anders als sonst wurde auf einer Pressekonferenz jedoch die Ursache veröffentlicht – auch ein Resultat von Glasnost und Perestroika. Ursache war ein Infrarotsensor, der auf die Wärmestrahlung der Erde reagierte und an der Grenze zu Tag/Nachtseite ausfiel und so die Bremsraketen abschaltete. Die Kapsel war einfach falsch orientiert gewesen. Ljachov versuchte das System manuell in Betrieb zu nehmen und verursachte erst dadurch weitere Komplikationen. Als man auf das Reservesystem umschaltete fiel es aufgrund desselben Fehlers auch aus. Als man den Fehler nach 7 Minuten erkannt hatte war es zu spät. Sojus TM-5 hatte sich bei 28000 km/h soweit fort bewegt, dass man über China niedergegangen wäre. Da die Landung am Tag erfolgen musste gab es den nächsten Überflug des Zielgebietes in der Sowjetunion erst einen Tag später und so lange mussten die beiden Kosmonauten (Poljakow blieb für einen Langzeitaufenthalt an Bord der MIR) eben in der kleinen Kapsel ausharren. In der Zwischenzeit wurde der Bordcomputer vom Boden aus neu programmiert, so dass er auch mit einem Sensor ausgerichtet an der Tag und Nachtgrenze klar kam. Die Landung war dann auch problemlos.

Nach seinem Astronautenaufenthalts gründete Momand in Kabul das Institut für Luft und Raumfahrt an der Akademie der Wissenschaften und erarbeitete unter anderem aus den Aufnahmen einen Atlas von Afghanistan. Später übernahm er Aufgaben in der zivilen Luftfahrt und des Tourismus. Mit der Machtergreifung der Taliban musste er fliehen und gelangte nach Deutschland, wo sein Bruder lebte. Heute wohnt er in Ostfildern und spielt Volleyball in einem Verein.

Der Name wird in fast allen englischsprachigen Veröffentlichungen als „Mohmand“ angegeben, aber er steht als „Momand“ im örtlichen Telefonbuch.

Nachtrag Juli 2008: Ich bekomme aufgrund dieses Artikels in letzter Zeit einige Mails und Anrufe weil Journalisten zum 20 jährigen Jubiläum von Sojus TM-6 Momand kontaktieren wollen und er nicht mehr im Telefonbuch steht. Ich habe seine Adresse und Telefonnummer nicht, und wenn ich sie hätte so würde ich den Wunsch nicht von jedem angerufen zu werden respektieren, schlussendlich stehe ich aus genau dem Grunde auch nicht im Telefonbuch : Ich will nicht von jedem Journalisten dauernd angerufen werden.