Neue Atomkraftwerke?

In letzter Zeit kommt erneut die Diskussion auf nach längeren Laufzeiten von Atomkraftwerken, ja mancher meint sogar, man müsse neue Atomkraftwerke bauen. Das würde nicht nur bei der Erreichung der Klimaziele helfen, sondern auch billigen Strom produzieren. Ist das wirklich die Lösung?

Ich habe mich mal mit dem Thema schon satirisch auseinander gesetzt. Aber nun mal ernst. Die Antwort ist wirklich nicht so leicht. Zum einen gibt es mit den Hochtemperaturreaktoren eine Technologie die relativ sicher ist, wenig Uran benötigt und auch Fernwärme produzieren kann. Interessanterweise wurde dies in der BRD entwickelt, aber nach Tschernobyl nicht mehr praktisch umgesetzt. „Sicher“ ist bei Reaktoren ein dehnbarer Begriff: Es kann bei diesem Typ nicht zu einer Kernschmelze oder Explosion wie bei Tschernobyl kommen. Wie bei jedem Kernkraftwerk, kann aber natürlich auch hier bei Unfällen radioaktives Material nach außen kommen. Insgesamt halte ich das Risiko aber für kleiner als bei den bestehenden Reaktoren.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Auch 40 Jahre nach dem Bau der ersten kommerziellen Kernreaktoren in der BRD, gibt es kein Entsorgungskonzept, oder anders ausgedrückt, man wüsste schon wo, nur überall wird dagegen protestiert. Da derzeit aus Bayern die stärksten Forderungen nach längeren Laufzeiten kommen und dort auch neue Reaktoren gefordert werden, und dort seit Jahrzehnten eine Partei absolutistisch regiert, wäre es doch kein Problem, dass man in Bayern eine Endlagerung betreibt, dann könnte man auch über Verlängerung der Laufzeiten sprechen.

Worüber es sehr widersprüchliche Aussagen gibt ist die Effizienz von Kernkraftwerken. Zum einen ist unbestritten, dass man pro Kilogramm Uran sehr viel Energie erzeugen kann. Doch das ist nur ein Teil der Ökobilanz. Das Uran muss aus Erz gewonnen werden, es muss angereichert werden und im Kernreaktor erzeugt es neben Energie jede Menge radioaktiver Isotope. Diese müssen aus den Brennstäben herausgelöst und sicher endgelagert werden, dazu werden sie z.B. mit Glas eingeschmolzen und in Bergwerken verfüllt. Schlussendlich muss das Kernkraftwerk demontiert, und der innere Reaktorkern als Sondermüll endgelagert werden. Das alles gehört auch in eine Ökobilanz hinzugenommen. Ich habe mal gesucht und auch etwas gefunden:

Nach einer Studie des Ökoinstituts Darmstadt Versursachen deutsche Kernkraftwerke im Mittel 33 g Kohlendioxid je erzeugte kWh Strom. Dieser Wert beinhaltet nicht den Abriss der Meiler und die Endlagerung

Philip Smith und Jan Willem Storm van Leeuwen haben einen Lebenszyklus eines Kernkraftwerks durchgerechnet. Inklusive des Abrisses der Meiler produziert ein Kernkraftwerk 84 bis 122 g Kohlendioxid pro erzeugter kWh. Deutsche Kernkraftwerke lägen günstiger als dieser Durchschnittswert, weil die Erzeugung aus Uranerz nicht so aufwendig ist wie der weltweite Durchschnittswert. Die Gewinnung von Uran und die Anreichung verschlingt am meisten Energie, durchschnittlich heute 56 g / erzeugte kWh. Der Energieaufwand steigt mit sinkendem Erzgehalt an: Unterhalb von 0.05 % Erzgehalt braucht man mehr Energie zur Uranaufarbeitung, als man später gewinnen kann. So gesehen nützen die großen Vorräte an niedrig konzentriertem Erz nichts und schon im Jahre 2050 soll bei einem gleichbleibenden Anteil an der Weltenergieerzeugung dieser Punkt kommen, an dem sich Kernkraftwerke wirtschaftlich nicht lohnen.

Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerk produziert Energie mit einem Aufwand von 800 g Kohlendioxid/kWh – So gesehen sind Kernkraftwerke immer noch um den Faktor 10 günstiger. Aber…. deswegen gibt es nicht den billigen Strom, wie uns die Regierung weismachen möchte. Tatsache ist: Während der letzten 10 Jahre sind die Strompreise um fast 100 % gestiegen, was früher Strom in Pfennigen/kWh kostet, das kostet er heute in Cent pro kWh. Dabei ist der Anteil der Kernenergie gleich groß geblieben, wie also sollte in Zukunft dann bei gleichem Anteil der Strom billiger werden? Wenn Kernenergiestrom so billig ist, warum wird er nicht auf unserem liberalisierten Strommarkt von Frankreich angeboten? Dort wird wesentlich mehr Strom mit Kernkraftwerken produziert als bei uns.

Der Strompreis ist so hoch weil ein Drittel auf die Steuer entfällt und ein weiteres Drittel für die „Durchleitungsentgelte“, an denen die Stromkonzerne gut verdienen und es nicht in die Erhaltung und den Ausbau des Netzes stecken. Nur ein Drittel entfällt auf die Erzeugung und ach ja, obendrauf zahlen wir noch Mehrwertsteuer. Aus der Wikipedia: Die so teuren und ökologisch schlecht verschrienen Kohlekraftwerke produzieren Strom zum Erstehungspreis (ohne Gewinn) von 4 ct/kWh. Wenn Kernkraftwerke dann davon noch 9/10 einsparen können, dann sinkt der Gesamtpreis um 3 ct/KWh. Mir wäre lieber die Steuern und Wegegebühren würden wegfallen. Mein E-Mail kontakt in den USA zahlt für Kohlestrom 10 US-ct/KWh. Das sind 6 Euro-Ct.

Das Reden der Politiker von billigem Strom aus Kernenergie, von Sozialtarifen und ähnliches zeigt vielmehr den Zustand der Koalition, als das sie Sachverstand aufzeigt. Solange der Staat über Stromsteuer, Ökosteuer und Mehrwertsteuer kräftig an den Stromerhöhungen mit verdient und solange er selbst über die Durchleitungsgebühren, die pauschal ohne Investitionsnachweis gewährt werden, befindet, solange ist das ganze Gerede derzeit nur Heiße Luft.

Natürlich sind Kohlekraftwerke ökologisch das schlimmste was es gibt. Sie produzieren den höchsten Kohlendioxidausstoß pro erzeugter kWh, sie haben einen im Vergleich zu Gaskraftwerken niedrigen Wirkungsgrad. Doch anstatt dies zu bejammern sollte man den Stromverbrauch senken. Warum gibt es eigentlich keine Vorschrift über einen niedrigen Stand-By Verbrauch? Elektronische Geräte konsumieren immer mehr im Stand-By, teilweise bis zu 20 Watt und es werden immer mehr. Außerdem kann man auch dafür sorgen, dass die mit erzeugte Abwärme besser genutzt wird und so der Wirkungsgrad steigt. Aber damit kann man ja keine Schlagzeilen machen…

29 thoughts on “Neue Atomkraftwerke?

  1. Angesichts der nur sehr begrenzten Verfügbarkeit von Uran, der absoluten Unmöglichkeit der Beherrschung von Unfällen, der nicht möglichen Haftpflicht-Versicherung und der absolut ungelösten Entsorgung extrem giftiger und radioaktiver Substanzen, sollte man von sich dem Gedanken neue Atomkraftwerke würden irgendwelche Vorteile bei der Stromerzeugung haben verabschieden. In relativ kurzer Zeit werden die erneuerbaren Energien auf dem Markt dermaßen günstige Strompreise ermöglichen, dass die Betreiber von veralteten Konzepten, wie dies Atomkraftwerke sind, diese ohnehin, sozusagen freiwillig gezwungen, aufgeben werden.
    Alle Versuche eine menschenverachtende vollkommen veraltete Technologie irgenwie noch aufrechterhalten zu wollen sind Energieverschwendung.

  2. Hallo!

    Alleine der Standby Verbrauch von Elektrogeräten in Deutschland entspricht etwa der Stromerzeugung von 2 AKWs.

    Das könnte man relativ schnell beheben durch Verhaltensänderung bzw. Standby Killer.
    Ich selbst habe den Kaffeevollautomaten mit einer einfachen Schalterzwischendose Standby Strom frei gemacht, sowie den Komplex Hifi-Anlage bzw. TY mit einem Infrarotschalter von Pollin.
    Gesamtkosten etwa 10 EUR.
    Rechnet man das auf 40 Millionen Haushalte hoch, wären die Gesamtkosten 0,4 Mrd. EUR. Selbst wenn „nur“ ein AKW damit verzichtbar wäre, eine extrem effiziente Maßnahme.
    Im Merkelschen „Ausstiegskonzept“ ist aber bezeichnenderweise davon nicht die Rede.

    Fehlanzeige ebenso beim Gebäudesanierungsprogramm:
    In der SZ war zu lesen, dass das Programm auf Basis von Zinsverbilligten KfW Krediten seit 2005 äusserst erfolgreich ist. Jetzt ist Sand im Getriebe.
    Weil die Bundesregierung eine steuerentlastende Komponente einführen will, was z.T. die Länder bezahlen muss, Ist das ganze erst mal im Bundesrat gescheitert.Was tut die Regierung Merkel? Das was sie am Besten kann: NICHTS!
    Sie haben noch nicht mal ein Vermittlungsverfahren angestossen.
    Folge ist, dass die Handwerksbetriebe Millionenausfälle beim Umsatz haben und voraussichtlich DEUTLICH weniger energetische Sanierungen als 2010 gemacht werden.
    Und das im Jahr der „Energiewende“.
    Ein weiterer Beweis für die BODENLOSE UNFÄHIGKEIT und VERANTWORTUNGSLOSIGKEIT von Fr. Merkel.

    Grüße
    Peter

  3. Das mit dem Standby-Betrieb und fehlenden oder sinnlos versteckten netzschaltern ist wirklich ein Problem. Anfang der 90-er Jahre war es üblich, daß Monitore den Netzschalter irgendwo auf der Rückseite hatten. Bei jedem Vergleichstest in den Computerzeitschriften gab es dafür Punktabzug. Beim nächsten Gerät saßen die trotzdem wieder auf der Rückseite. Es hat Jahre gedauert, bis die Gerätehersteller das kapiert haben und der Schalter auf die Vorderseite gewandert ist, wo er hingehört.
    Jetzt Teil 2 der Kommödie: Vor kurzem habe ich mir einige Flachbildschirme zugelegt. Erst nach mehreren Wochen habe ich dann festgestellt, daß die einen Netzschalter haben. Jetzt ratet mal wo: Richtig, wieder auf der Rückseite, und noch dazu an einer recht versteckten Stelle.
    Muß man denn die Hersteller immer erst durch einen Tritt in den Hintern dazu bringen, das Gehirn einzuschalten?
    Ein einfaches Gesetz könnte mit diesem Blödsinn aufräumen, und mächtig Energie sparen: Verkaufsverbot für alle Geräte, die keinen Netzschalter auf der Vorderseite haben. Aber weil das Sinn hätte, ist es von dieser Regierung wohl kaum zu erwarten.

    In der Praxis geht das eher in die entgegengesetzte Richtung: Die Umstellung der Netzspannung von 220 auf 230 V. Die Leistung steigt aber im Quadrat zur Spannung, das macht rund 10 % mehr aus. 10 % mehr Energie, von denen man nichts hat, die man aber mit bezahlen muß. So sieht Klimaschutz in Deutschland aus.

  4. Elendsoft: Das mit den 230 V ist leider Unfug 😉 Die Anhebung der Netzspannung von 220 auf 230V bewirkt unter anderem auch, dass die Verluste bei der Stromuebertragung geringer sind… das ist der Hauptgrund fuer die Spannungserhoehung gewesen.

    Und da alle modernen Netzteile sowieso fuer 230V ausgelegt sind bzw. sowieso unabhaengig von der Eingangsspannung arbeiten, sind die Effekte dieser Spannungserhoehung praktisch ausschliesslich positiv…

  5. Eine EU-Regelung zur Limitierung des StandBy-Verbrauchs gibt es m.W. seit letztem Jahr. Diese Regelung kommt aber IMO ca. 10-15 Jahre zu spät.

    Technisch war man auch schon vor 15 Jahren in der Lage, den Standbyverbrauch eines Fernsehers, Videorecorders etc. auf 1W zu begrenzen, nur hätte es Einemark Fuffzig mehr Herstellungskosten bedeutet.

    Bei Kernkraftwerken sollte man noch die Folgekosten für gescheiterte Endlagerversuche (Asse) und für Kosten im Gesundheitssystem (Leukämiefälle rund um AKW) mit einbeziehen. Dann wird es interessant.

    Außerdem sollte man offenlegen, wie stark Atomkraft ggü. regenerativen Energieen subventioniert wird. Viele Folgekosten der Atomkraft werden ja der Allgemeinheit aufgebürdet. Und bis zum heutigen Tage gibt es keine Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke.

  6. Hallo!

    Bezüglich der Haftung der AKW Betreiber zeigt eine einfache Kalkulation, wie lächerlich gering die Pool-Summe von 5 Mrd. EUR ist.

    Geht man von dauerhafter Nicht-Bewohnbarkeit einer Zone mit Durchmesser 30km ums AKW nach dem GAU aus, kommt man etwa auf 1Mrd. Quadratmeter.

    Im Klartext wäre die Entschädigung pro Quadratmeter 5 EUR.
    Da die Grundstückspreise im Schnitt eher bei 50-100 EUR liegen, können also nur 5-10% davon abgedeckt werden.
    NICHT gerechnet: Gesundheitsschäden an Mensch und Tier sowie der Produktionsausfall der in der Sperrzone gelegenen Betriebe.

    Für den Rest kommt auf, wer wohl?

    Wir steuerzahlenden Volldeppen!

    Mit einem Satz im Atomgesetz stünden morgen alle AKWs still:

    „Die Betreiber haften in vollem Umfang.“

    Grüße
    Peter

  7. Die Richtlinie zur Begrenzung des Standby-Verbrauchs wurde fast zeitgleich mit diesem Blogeintrag beschlossen und trat Anfang 2010 verbindlich in Kraft.
    Hat jemand eigentlich eine Übersicht, wie viele Kraftwerke die Umstellung aller Glühbirnen auf die von vielen Kommentatoren hier so verteufelten Energiesparbirnen einsparen würde? Das müsste doch noch deutlich mehr bringen als verminderter Standby-Verbrauch.

  8. Hallo!

    Anteil der Beleuchtung am Stromverbrauch,
    Privathaushalte 14%:

    siehe:
    http://web484.login-27.hoststar.ch/files/Typischer_Haushaltstromverbrauch-SEV0719.pdf

    Gewerbe 6%:
    siehe:
    http://www.energiekosten-unternehmen.de/energie-und-stromkosten-bei-der-beleuchtung-einsparen.php

    Die EU-Richtlinie für Standby ist ja O.K.
    Greift aber erst mittel bis langfristig, da sie nur für Neugeräte zutrifft und es entsprechend lange dauert, bis alle Altgeräte ersetzt sind.

    Wem es wirklich Ernst mit einem schnellen Atomausstieg ist, der sollte ein Sofortprogramm unterstützen, bei dem alle JETZT in Umlauf befindlichen Geräte mit Netz- bzw. Standby Schaltern nachgerüstet werden.

    Grüße
    Peter

  9. Ich frage mich, wie man die Nutzung der Kernenergie beschliessen konnte, ohne ein (nachhaltiges) Konzept für die Abfallbeseitigung zu haben. Eventuelle Störfälle und Haftpflichtversicherungen sind meiner Meinung nach sekundäre Probleme, um die ich mich erst kümmern würde, nachdem ich wüsste, wie ich den unvermeidlichen Abfall entsorge – und erst wenn alle vorhersehbaren Probleme gelöst sind darf man so eine Maschine in Betrieb nehmen. Das ist ein moralischer Imperativ und der sollte auch auch bei einer noch so faszinierenden Technologie nicht ignoriert werden.
    Ausserdem fallen mir noch ein paar unerwähnte Punkte ein, die für einen Vergleich der Bilanzen von KKW und Kohle KW interessant sein könnten:
    Wer Leukämiefälle und Subventionen für Kernenergie erwähnt, der darf aber auch die Staublungen der Arbeiter in Kohleminen und die Subventionen für Bergbau nicht vergessen. Und auch Kohlekraftwerke müssen rückgebaut werden, obwohl das natürlich einfacher ist, da die Abfälle nicht radioaktiv sind und sie teilweise sogar recycelt werden können. Was die betrieblichen Abfälle eines Kohlekraftwerks angeht, so beschränken sie sich meines Wissens hauptsächlich auf Schlacke (die verglast werden und als Füllmaterial im Strassenbau benutzt werden kann) sowie Gips, der in der Abgasreinigung (Entschwefelung, glaube ich) entsteht. Ich weiss aber nicht, ob es einen Markt für diese Mengen an verglaster Schlacke und Gips gibt, oder ob sie nicht teilweise in Deponien verfüllt werden müssen.
    Ein weiterer noch nicht genannter Punkt der KW ist die Temperaturerhöhung der Fliessgewässer, in die häufig das Kühlwasser eingeleitet wird. Dies gilt zwar sowohl für Kohle- als auch für Kern KW, jedoch ist laut wikipedia der leistungsbezogene Kühlwasserverbrauch eines KKW deutlich höher als der eines Kohle verfeuernden KW.
    (s. Tabelle im Artikel „Kühlturm“). Eine Temperaturänderung hat Auswirkungen auf das Ökosystem, die wahrscheinlich eher negativ sind (z.B.: höhere Wassertemperatur = geringere O2-Konzentration). Auch ist die Wolkenbildung durch den höheren Kühlwasserverbrauch der KKW an deren Kühltürmen stärker ausgeprägt…

  10. Gips fällt weitaus mehr an als Schlacke. Als die Kohlekraftwerke in den Achtziger Jahren entschwefelt wurden musste die deutsche Baustoffindustrie die Produktion von Gips praktisch einstellen. Es ist auch nicht so sehr Schlacke, eher Sand. Ich war mal in Neckarwestheim und da konnte man das besichtigen. Die Kohle besteht ja aus Pflanzen und wenn da was zur Entstehungszeit dazu kam, dann war das flugsand. Die Menge hält sich in Grenzen. Ich denke Neckarwestheim produziert pro Tag so viel Sand wie man für den Bau eines einfamilenhauses braucht.

  11. Um nochmal auf die Energiespardiskussion zurückzukommen: Was wäre, wenn man für den Bürger aufkommensneutral die Steuerlast ganz stark oder sogar ausschließlich verlagert auf Energie?

    Also nehmen wir mal den Extremfall: Lohnsteuer, Mehrwertsteuer u.s.w. fallen, aber dafür kostet die kWh dann incl. Energiesteuer 1€.

    Dann hätten wir eine ganz starke Steuerungsfunktion auf den Markt, ohne unsinniges Glühlampenverbot. Dann würden von ganz alleine (ohne EU-Regelung) Geräte mit 0,05W Standbyverbrauch kommen, und Leuchtmittel würden sich automatisch bei Fremdlicht abschalten. Es würde Fernseher mit 42″ TFT Display ohne Backlight geben, die wie ein Fenster in eine Außenwand eingebaut werden und vom Tageslicht beleuchtet würden. Verbrauch 15W statt 250W. (bei Nacht guckt man dann übers 21″Local Dimming Display oder OLED) Häuser hätten für den Winter Außenluft-Kühlschränke in die Außenwände eingebaut. Das sind Metallboxen, die die kalte Winterluft über Klappen gesteuert zum Kühlen nutzen. Nach innen eine ganz normale isolierte Kühlschranktür. Verbrauch 1W für die Steuerung. Ich könnte die Reihe noch fortsetzen bei PCs und Heimkino-Systemen, bei denen auch 50-90% Einsparpotential herrschen, lasse es aber…

  12. Ich frage mich, wie man nach Jahrzehnten immernoch in erster Linie über die Frage streiten kann, warum man ohne Entsorgungskonzept angefangen hat und mit dieser Diskussion ganz praktisch jede Diskussion über ein Entsorgungskonzept nicht nur auf die lange Bank schiebt, sondern effektiv unterdrückt.

    Würden die abgebrannten Brennelemente nur aus den Produkten der Kernspaltung bestehen, müsste man sie nur 200-300 Jahre lagern, bis sie etwa auf das Niveau der Radiotoxidität von natürlichem Uran abgeklungen sind – die von den langlebigen Spaltprodukten stammt.

    Der Grund für die Lagerzeiten die je nach Quelle im Bereich von 100.000 Jahre liegen, sind die Atome die in den Reaktoren während des laufenden Betriebs nicht gespalten werden konnten – weil sie in moderierten Reaktoren mehr Neutronen absorbieren als bei der Spaltung frei werden. Z.B.: U-236, Np-237, Pu-238, Pu-239, Pu-240, Am-241, Pu-242, Am-243 und diverse andere.

    Gerade Pu-240 und Pu-239 haben Halbwertszeiten im Bereich von 6500 bzw. 24000 Jahren die anderen sind deutlich kürzer oder sie kommen nur in Spuren vor. Das sind durchweg Alpha-Strahler die im Körper gefährlich sind. (1Bq von Alphastrahlern entspricht dort etwa 100Bq eines starken Beta-Strahlers oder etwa 10.000 Bq Tritium, dem schwächsten Beta-Strahler.)

    In Wiederaufbereitungsanlagen werden unter anderem die Spaltprodukte vom Rest abgetrennt. Und der Rest kann in nicht moderierten Reaktoren vollständig zu Spaltprodukten gespalten werden (für die dann wieder das oben gesagte gilt). Bezahlen können die letztlich für sich selbst – bei der Kernspaltung wird schließlich Energie frei.

    Solche Reaktoren wurden schon gebaut. Der Superphenix hätte dabei Strom für 4-6ct/kWh hergestellt – das war den Franzosen zu teuer, weshalb er eingestellt wurde. Dem Reaktor in Kalkar wurde der Betrieb gleich ganz verweigert.

    Da heute ohne niemand mehr bereit ist, Geld langfristig zu investieren – erst recht nicht mehr in Reaktoren in Deutschland – wird es wohl noch bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts dauern, bis sich jemand an einer ernsthaften Diskussion über eine *Lösung* des Problems beteiligen wird.

    Wenn es ganz schlimm kommt, werden die Brennelemente so wie sie sind verbuddelt – höchstwahrscheinlich mit dem Segen der Grünen. Damit sich nur wirklich niemand mehr in Deutschland mit Kerntechnik befasst.

    P.S.:
    Entschuldigung, aber wer als Umweltschützer Kernkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzt (die alle unter Rot-Grün genehmigt wurden – sonst könnte sie wegen der Bürokratie heute niemand bauen);

    wer im Norden und im Osten Deutschlands Windstrom für den Westen und den Süden erzeugen will und dann bestreitet, dass man dafür Stromleitungen bauen müsste und gegen ihren Bau überall in Deutschland demonstriert;

    wer wissen muss, dass man Strom aus Photovoltaik und Windkraft speichern muss wenn man ihn nicht sinnlos verschwenden will und dann überall in Deutschland gegen Pumpspeicherkraftwerke wegen der Umweltzerstörung demonstriert, aber sagt, dass in Norwegen und Österreich doch riesiges Potential besteht;

    wer Solarthermie in der Wüste haben will, aber nicht sagt woher Kühlwasser dafür kommen soll ohne die ohnehin extrem knappe Versorgungslage mit Trinkwasser zu verschärfen (und Stromleitungen dafür müssten auch gebaut werden – wogegen dann auch wieder jeder einzelne Ortsverband vor Gericht ziehen wird);

    wer „nachwachsende grüne Energie“ fordert ohne zu sagen, wenn es zu viel wird, weil die weltweite Zweckentfremdung riesiger Ackerflächen heute schon alle Reserven aus dem System genommen hat und die Lebensmittelpreise bei jeder (ab und an schon immer unvermeidlichen) Missernte explodieren läßt;

    der wird von mir nichts anderes mehr als Hohn und Spott ernten, bis man dort endlich zur Vernunft gekommen ist.

  13. Am stärksten kann man den Standbyverbrauch senken, wenn man ihn ganz abschafft. Welche Geräte brauchen wirklich einen Standby-Modus? Bei 99 % der Geräte ist der keine Notwendigkeit, sondern nur eine Modekrankheit. Warum muß zum Beispiel ein Drucker unbedingt einen Standby-Modus haben? Nur weil es ein paar Dummdödel gibt, die zu blöd sind das Ding einzuschalten? Oder ein Fernseher? Selbst bei Röhrengeräten brachte der keinen Vorteil, weil ja die Heizung der Bildröhre im Standby-Betrieb abgeschaltet wurde. Und man deswegen trotz Standbybetrieb warten mußte bis die Bildröhre ihre Betriebstemperatur erreicht hat.

    Die Grünen sind auch nur ein schlechter Witz. Sie wissen nur was sie nicht wollen: Alles. Nur was sie eigentlich wollen und wie das erreicht werden soll wissen sie selber nicht.
    Die Liste ihrer Schildbürgerstreiche könnte man noch endlos fortsetzen.

    – Die relativ umweltfreundliche Bahn zahlt Umweltsteuer, die Fluggesellschaften nicht.

    – Gegen Neubau von Straßen wird protestiert, bis zu einem gewissen Punkt noch einzusehen, wegen dem hohen Energieverbrauch. Protestiert wird aber genau so gegen die energiemäßig günstigeren Alternativen wie Ausbau des Bahnnetzes oder der Wasserstraßen.

    Wie heißt es doch so schön: Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß.

  14. Zu Peter:
    KfW-Kredite für energieeffizientes Bauen oder das Sanieren von Bestandswohnungen gibt es doch noch (zumindest finde ich diese auf den Seiten der KfW, zum Beispiel
    http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/Energieeffizient_Bauen/index.jsp ). Alternativ zahlt die KfW auch Zuschüsse, wenn man keinen Kredit braucht.

    Soweit die Bundesregierung diese Programme auf einen Steuererlass und damit teilweise auf die Länder verlagern wollte, die das dann gemerkt haben und widersprochen haben, ist das das übliche politische Gezänk.

    Wichtig ist natürlich, dass die KfW-Programme bleiben bzw. weiter ausgebaut werden.

    Zu Verkehrsvision:
    Einen solchen Steuerumbau weg von Arbeit hin zu Energie gab es unter rot-grün. Nannte sich „Ökosteuer“ und brachte der Opposition extrem viel Punkte. Sinnvoll wäre es trotzdem, aber durchsetzbar erscheint es aktuell nicht.

    Zum Standby-Verbrauch:
    Es müssen nachhaltig in aller Elektrik und Elektronik die Einsparpotenziale gehoben werden, wenn wir die Energiewende wirklich schaffen wollen. Dazu kommt eine angebotsabhängige Steuerung derjenigen Verbraucher, die ihren Stromverbrauch in gewissen Grenzen verschieben können (z.B. Gefriertruhen, die ca. einmal täglich laufen, um nachzukühlen, können das problemlos auch eine Stunde früher oder später tun). Und ja, wir müssen GROßE Speicher bauen und die Technologien dafür heute bereits erforschen. Meines Erachtens haben hier im stationären Bereich Natrium-basierte Batteriesysteme das größte Potenzial.

    Für die Verbrauchssteuerung der Geräte brauchen wir einen einfachen Kommunikationsstandard zwischen E-Werk, Stromzähler und Verbrauchern. Der muss nur ein paar Bit pro Sekunde übertragen können, das aber zuverlässig. W-LAN und DSL sind da schon aufgrund des Eigenverbrauchs der Endgeräte eher ungeeignet. Einen alternativen Standard kann nur die Politik oder die Forschung vorgeben; den wird die Industrie wegen zu vieler widerstreitender Interessen nicht heben.

    Um die Effizienz in den Mittelpunkt zu stellen, ist mein allgemeiner Vorschlag, bei Geräten, die einen nicht unerheblichen Mehrverbrauch gegenüber den effizientesten Vergleichsgerät haben, die Mehrkosten für den Mehrverbrauch während der üblichen Lebensdauer dem Kaufpreis zu addieren. Im Gegenzug erhält der Käufer einen Stromgutschein, den er beim Energieversorger einreichen kann und der den Stromrechnungen gutgeschrieben wird. Auf dem Gutschein steht deutlich der Hinweis, dass der Kunde damit nicht spart, sondern nur den Mehrverbrauch ausgleicht.

    Wenn dann der eine DSL-Router 1 Watt braucht und der andere DSL-Router 10 Watt, dann kostet der 10-Watt-Router bei einer angenommenen Nutzungsdauer von 4 Jahren eben 70 Euro mehr im Laden, bringt dafür einen 70-Euro-Stromgutschein mit. Ganz schön bitter für einen 30-Euro-Router, wenn er plötzlich 100 Euro kostet. Und ganz schön Klasse für die 40-Euro-Router, die eben nur 1 Watt brauchen und ihren Besitzern so über die 4 Jahre 70 Euro Strom sparen.

    Mit welchen Parteien solche Gesetze (Übertragungsstandard für Stromverfügbarkeits- und -preisinformationen; Umlage von Mehrverbrauch) machbar sind und mit welcher nicht, ist ja allgemein bekannt. Wir müssen nur in zwei Jahren alle das Kreuz an der richtigen Stelle setzen.

    Kai

  15. Zu Elendsoft:
    So umweltfreundlich ist die Bahn auch nicht. Die CO2-Emmissionen von ICE & Co. liegen nach Bahnangaben bei 52 Gramm pro Personenkilometer. Fährt man zu dritt, liegt man im Auto gleichauf; ein vollbesetzter Opel Zafira (7 Sitze) oder VW-Bus (bis zu 9 Sitze) erzeugt pro Person etwa die Hälfte an CO2 wie eine Bahnfahrt. Reisebusse sind, sofern die Auslastung stimmt, noch besser.

    Zudem gibt es seit diesem Jahr die Luftverkehrssteuer, die sehr wohl so etwas wie eine „Ökosteuer aufs Fliegen“ ist. Da sie pro Passagier und nicht etwa proportional zum Kerosinverbrauch erhoben wird, bildet sie keinen Anreiz für die Fluggesellschaften, Kerosin zu sparen (auch das kann die richtige Partei möglicherweise ab der nächsten Legislaturperiode beheben). Sie erhöht aber die Kosten des Flugzeugs im Vergleich unterschiedlicher Verkehrsmittel, und begünstigt somit i.d.R. die weniger belastenden bodengebundenden Verkehrsmittel.

    Zu tp1024:
    „Schnelle Brüter“ wie der Superphenix sind dafür ausgelegt, mehr Plutonium und andere Aktiniden zu erzeugen, als sie verbrauchen. Americium und Curium, von denen ebenfalls einige Nuklide mit Halbwertszeiten im „hässlichen“ Bereich von 30 bis 30.000 Jahren existieren, und deren Folgenuklide oft ebenfalls im „hässlichen“ Bereich liegen, werden aktuell in Wiederaufbereitungsanlagen zudem der „Abfall“-Fraktion zugeschlagen, die ins Endlager geht.

    Würde man stattdessen Americium und Curium ebenfalls den MOX-Brennelementen zusetzen, droht ein radiologisches Problem: Auch „neue“ Brennelemente strahlen dann ähnlich stark wie „abgebrannte“ nach einigen Jahren Lagerzeit. Transmutationsreaktoren, die gezielt Americium, Curium und Co. verbrennen sollen, müsste man also direkt neben der WAA bauen.

    Bei üblichen Leistungsdichten herkömmlicher Kernkraftwerke werden ca. 1% des eingebrachten Gesamt-Brennstoffs pro Jahr verbraucht. Zugleich werden ca. 0,75% des Gesamt-Brennstoffs von einer nicht direkt spaltbaren Form (insbesondere Uran-238) in eine spaltbare Form (insbesondere Plutonium-239) überführt. Pro Jahr nimmt der Gehalt an spaltbaren Stoffen also um ca. 0,25% ab. Nach vier Jahren ist der Spaltstoffgehalt von 3% auf 2% gesunken und das Brennelement gilt als verbraucht.

    Eine Transmutationsanlage zum „Verbrennen“ von Plutonium und höherer Aktinide wird, hat zwei Möglichkeiten: Entweder verwendet auch sie eine Uran-238-Matrix, in die die anderen Aktinide (Plutonium, Americium usw.) eingebettet sind. Dann wird aber auf jeden Fall in einem „schnellen“ Reaktor mehr Plutonium erzeugt als verbraucht! Oder sie arbeitet mit puren Aktiniden als Brennstoff. Dann hat man aber ein Proliferationsproblem, denn in den Brennelementen steckt ja purer Bombenstoff!

    Kai

  16. @Kai: Deine Idee mit der ferngesteuerten Zuschaltung von Gefriergeräten ist sehr gut und würde gut harmonieren mit einem schwankenden Netz mit hohem Windenergieanteil. (wo das Problem der Zwischenspeicherung von Einspeisespitzen besteht) Ebenso könnte man dafür ausgelegte Waschautomaten zuschalten, die mit Wäsche und Pulver einfach befüllt und auf Standby gesetzt werden. (ein simpler Timer ist ja heute schon Standard). Genauso übrigens Geschirrspüler.
    Die grundsätzliche Idee ist nicht neu und nannte sich http://de.wikipedia.org/wiki/Rundsteuerung

    Aber in unserem Fall ist das etwas anspruchsvoller und jedes steuerbare Gerät muß als Netzwerkgerät mit einer MAC-Adresse ins Stromnetz eingebunden werden, so daß jedes Gerät von der automatischen Leitstelle auch individuell zugeschaltet werden kann.

    Desweiteren könnte man zu dynamischen Stromzählern übergehen, wo sich der Stromtarif im 2h-Rhytmus wie an den Tankstellen ändern kann und auf einem großen Display in der Wohnung angezeigt wird. Somit animiert man einige Leute, bestimmte Tätigkeiten zu Spitzeneinspeisezeiten vorzunehmen. Diese Leute würden dann auch mit der Zeit intuitiv ahnen, zu welchen Zeiten gerade ein günstiger Tarif herrscht und sich darauf einstellen.

  17. Der Vergleich ICE mit einem normalen PKW hinkt aber mächtig: Auf der einen Seite eine lebensgefährliche Angeberkarre, auf der anderen ein Gerät für den Normalverbraucher. Wenn schon dann müßte man den ICE eher mit einem Porsche vergleichen. Und für den Frachttransport sind beide Geräte eher ungeeignet.

    Die Idee mit den ferngesteuerten Geräten hat einen Haken: Bei dem jetzigem „Sicherheits“-Niveau könnten Hacker mächtigen Schaden anrichten. Das gesamte europäische Energienetz könnte zum Zusammenbrechen gebracht werden, wenn allen Geräten gerade in der Spitzenbelastungszeit vorgegaukelt wird, jetzt wäre die beste Zeit zum Einschalten.
    Übertriebene Panikmache? Eine Reihe von Regierungen geben Milliarden aus, um das Internet als Waffe mißbrauchen zu können. Und erste Versuche in dieser Richtung gab es schon: Der Versuch, iranische Nukleareinrichtungen zu stören.
    Wobei Industrieanlagen (hoffentlich!) besser gesichert sind als Geräte in einem Durchschnittshaushalt. Da wäre ein Angriff auf dem Umweg über die Haushaltsgeräte durchaus eine ernstzunehmende Gefahr.

  18. @Elendsoft: Wenn man eine Haustür-zu-Haustür-Verbindung zweier durchschnittlicher Provinznester mit ICE ÖPNV zugrundelegt, ist ein ICE trotz 250km/h Spitzengeschwindigkeit nicht schneller als ein Kleinwagen mit 150km/h Spitzengeschwindigkeit. Der Zubringerverkehr und die Wartezeiten bremsen die Zugverbindung enorm aus. Und das ist jetzt der Fehler, den du machst, Elendsoft.

    Daß die Bahn hammermäßig ökologisch ist und notwendigerweise ökologischer als ein PKW, ist ein Mythos, der aus politisch-ideologischen Gründen aufrechterhalten wird.

    Ein PKW KANN bereits mit 2 Personen besetzt weniger g CO2/km und Person emittieren als eine Zugverbindung incl. ICE.

    Personenfernverkehr per Bahn sollte abgeschafft werden und der Güterverkehr auf dem Schienennetz massiv ausgebaut, denn das ist die Stärke des Rad-Schiene-Systems: Enorme Nutzlasten mit geringer Rollreibung.

  19. zu Verkehrsvision

    “Personenfernverkehr per Bahn sollte abgeschafft werden…..”
    Geht´s noch!?

    Die Folge wäre der totale Verkehrskollaps.

    Ich frage mich, wie man so eine Forderung aufstellen kann und gleichzeitig anderen “politisch-ideologische Gründe” vorwerfen kann.

    Ich würde empfehlen, sich an den Fakten zu orientieren und mal nach Frankreich zu schauen. Die haben ihr Hochgeschwindigkeitsnetz konsequent ausgebaut. Die Folge ist, dass der TGV ein Erfolgsmodell ist und Flugverkehr innerhalb Frankreichs DRASTISCH gesunken ist.

    Ausserdem sollte man die Diskussion Bahn vs. PKW nicht auf die Frage nach CO2/km reduzieren. Der PKW Verkehr hat ja noch viel weiter gehende ökologische Folgen. Enormer Flächenverbrauch, enormer Energieverbrauch für Bau und Unterhalt der Strassen und Brücken, enormer Ressourcenverbrauch für die Herstellung und Entsorgung der PKW. Enorme volkswirtschaftliche Kosten für Verkehrsopfer (Arbeitsausfall, Hinterbleibenen Rente, Reha etc.) Vom menschlichen Leid ganz zu schweigen….
    Übrigens lässt sich der CO2 Verbrauch der Bahn deutlich senken, wenn die Erzeugung des Bahnstroms auf erneuerbare Energie umgestellt wird.

    In jedem Fall wesentlich schneller, als auf die flächendeckende Einführung von Elektroautos zu warten.

  20. @Verkehrsvision

    zum Thema MAC Adresse für jedes Gerät ist unnötig, da dann der Energieversorger auch wissen müsste was vorhanden ist und gebraucht wird (gibt es schmutzige Wäsche oder nicht). Es reicht eine haushaltsweite Freigabeinform

  21. @ Verkehrsvision: Löse dich doch mal von der Formel Bahn = ICE. Und daß ein PKW weniger CO2 emittieren kann als eine Bahnfahrt, heißt noch lange nicht daß es unbedingt so sein muß. Klar ist eine Reise mit vollbesetztem PKW umweltfreundlicher als die Reise mit einem leeren Zug. Genau so gut kann man aber auch einen gerammelt vollen Zug mit 1-Personen-Reisen im Luxus-PKW mit 1000 PS pro Gerät vergleichen. Je nach Wahl der Versuchsbedingungen ist so jedes gewünschte Ergebnis möglich.
    Wenn man schon vergleicht, dann sollten diese Vergleiche wenigstens einigermaßen realistisch sein.

    Bei einem Stimme ich aber voll zu: Die Hauptaufgabe der Bahn sollte der Massen-Güterverkehr sein, und gerade da liegt es sehr im Argen. Wußtest du, daß die Bahn Transportaufträge an andere Firmen weitergibt und die Fracht am Ende doch wieder per LKW transportiert wird? Natürlich umweltfreundlich, weil der Transportauftrag ja über die Bahn läuft.

    Nochmal zur Protestiererei: Weshalb werden denn neue Verkehrsverbindungen gebaut, egal ob nun Straße oder Schiene? Weil die existierenden entweder große Umwege oder total überlastet sind. Ist der Bau einer neuen Straße denn wirklich so viel umweltschädlicher als Autokolonnen, die 10 km Umweg fahren oder eine Stunde mit laufendem Motor im Stau stehen?
    Womit sich wieder mal bestätigt: Der größte Schaden wird einer Sache nicht von Gegnern zugefügt, sondern von übereifrigen Anhängern.

  22. @Peter Langer: Ja, es geht noch: Ich bleibe dabei. Speziell Hochgeschwindigkeitszüge wie ICE oder TGV sind ökologisch völlig fragwürdig, da das Rad-Schiene-System hier nur noch mit aufwendiger Sicherheitstechnik und speziellen Hochgeschwindigkeitstrassen in den Griff zu kriegen ist. Vom Flächenverbrauch der Bahn und der bahntechnischen Anlagen zur Wartung, Instandsetzung und Energieversorgung brauchen wir gar nicht zu reden. (ich habe mal bei der Bahn gearbeitet, kenne den Flächenverbrauch recht gut) Wenn du vom menschlichen Leid anfängst, sage ich nur Eschede oder auch die Panikattacken von eingesperrten Menschen im über 40°C heißen Glassarg (ICE)u.s.w. u.s.f.
    Das Beispiel Frankreich taugt auch nichts, da der TGV als Prestigeobjekt hoch subventioniert ist.
    ICE, TGV & Co sind Möchtegern-Flugzeuge, die aber die Nachteile vom normalen Personenzug und Flugzeug kombinieren, aber keine Vorteile. Sie gehören abgeschafft, stattdessen gehören flexible Gütertransportsysteme auf die Schiene die ganze LKW-Sattelauflieger automatisch verladen.

    Daß die Bahn im Fernverkehr völlig unwirtschaftlich ist, zeigt auch, wie empfindlich die Bahn getroffen wurde vom Bus-Charter-System http://www.meinbus.de. Meinbus.de hat so attraktive Konkurrenzangebote, daß die Bahn dagegen geklagt hat und sich auf ein Gesetz vom Adolf von 1938 berufen hat. Zum Glück unterlag sie.

    Wie ein Vorredner schon schrieb, wenn man einen Durchschnitts-PKW zugrundelegt und die durchschnittliche Auslastung von Zügen, dann hat der PKW ab 3 Personen eine bessere CO2-Bilanz. Das gute am PKW ist, diese Bilanz kann der Einzelne beim Kauf des PKW stark beeinflussen, so daß er schon mit 1,5-2 Personen den Zug schlägt. Es mehr als ein Dutzend passende PKW-Modelle dafür.

  23. @ Verkersvision
    „Vom Flächenverbrauch der Bahn und der bahntechnischen Anlagen zur Wartung, Instandsetzung und Energieversorgung brauchen wir gar nicht zu reden.“

    Fakt: Der Flächenverbrauch der Strasse ist dreimal so groß wie derjenige der Bahn.
    http://www.allianz-pro-schiene.de/umwelt/flaechenverbrauch

    „Wenn du vom menschlichen Leid anfängst, sage ich nur Eschede oder auch die Panikattacken von eingesperrten Menschen im über 40°C heißen Glassarg (ICE)u.s.w. u.s.f.“

    Fakt:
    BRD: Verkehrstote Strassenverkehr 2010: 3.651
    Todesrisiko im Zug 63-mal geringer als im Auto, Verletzungsrisiko 96 mal geringer.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrstod

    http://www.allianz-pro-schiene.de/sicherheit/sicherheitsvergleich-der-verkehrsmittel/

    “ …wenn man einen Durchschnitts-PKW zugrundelegt und die durchschnittliche Auslastung von Zügen, dann hat der PKW ab 3 Personen eine bessere CO2-Bilanz. Das gute am PKW ist, diese Bilanz kann der Einzelne beim Kauf des PKW stark beeinflussen, so daß er schon mit 1,5-2 Personen den Zug schlägt.“

    Fakt:
    CO2 in g/Pkm:
    PKW 141
    Bahn 66
    Flugzeug 191

    Und zwar NICHT auf Grund von konstruierten Fallbeispielen, sondern
    wenn man auf Basis von REAL ermittelten Daten mit der tatsächlichen Verkehrsleistung, tatsächlichen durchschnittlichen Besetzungen etc. rechnet:

    http://www.allianz-pro-schiene.de/umwelt/co2-emissionen/

    auch: http://www.ifeu.de/index.php?bereich=ver&seite=direkt_downloads#schwerpunkt_bilanzen_szenarien

  24. @Peter Langer: Zitat: „Der Flächenverbrauch der Strasse ist dreimal so groß wie derjenige der Bahn.“

    Wenn man das ins Verhältnis zu geleistete Personenkilometer pro Jahr setzt, ist die Straße dann aus dem Bauch heraus 6 mal effizienter 😉 (ich recherchiere jetzt nicht nach)

    „BRD: Verkehrstote Strassenverkehr 2010: 3.651
    Todesrisiko im Zug 63-mal geringer als im Auto, Verletzungsrisiko 96 mal geringer.“

    Interessant wäre hier ein Vergleich ICE vs. Autobahn, da unsere Debatte ja den Personenfernverkehr im Focus hat.

    „CO2 in g/Pkm:
    PKW 141
    Bahn 66
    Flugzeug 191“

    Nochmal: Bei PKW kann jeder Einzelne die CO2-Bilanz direkt stark beeinflussen: Durch die Wahl des Fahrzeugs und durch die Wahl der Fahrgewohnheiten (z.B. Fahrgemeinschaft). Daß der PKW relativ schlecht ist, ist also kein inhärenter Mangel des Transportsystems PKW, sondern ein Fehlverhalten der Nutzer.

  25. „Wenn man das ins Verhältnis zu geleistete Personenkilometer pro Jahr setzt, ist die Straße dann aus dem Bauch heraus 6 mal effizienter.“

    Mit Bauch kann ich nix anfangen.
    Die Bahnstrecken sind momentan im Gegensatz zu vielen wichtigen Autobahnen BEI WEITEM nicht an Ihrer Kapazitätsgrenze.

    Im ersten Semester Verkehrsplanung lernt man folgende Faustregel.
    Kapazitiät Personen je Fahrtrichtung:

    Fahrspur PKW: 2000 (bei V= 80km/h ohne Stau)
    Fahrspur Bus: 10.000
    Trambahn: 20.000
    Bahn: 40.000

    Bis auf die PKW werden diese Parameter aber in der Praxis nur ganz selten genutzt.
    Das erste mir bekannte Beispiel für den ÖPNV war die S-Bahn Berlin, wo während der olympischen Sommerspiele 1936 die S-Bahn bei Großereignissen im 60 Sekunden Takt fuhr.
    Die S-Bahn Stammstrecke in München kommt in Spitzenzeiten auch so an die 40.000.

    Bei den ICE Strecken ist es weniger, da ein 60 Sekunden Takt wegen der hohen Geschwindigkeiten natürlich nicht geht. Bei 5 -Minuten Takt und ICE1 mit 800 Sitzplätzen wären wir bei ca. 9600 Personen.

    Das ist etwa 4 mal soviel, wie eine Autofahrspur leistet.

    Es liegt auch auf der Hand, warum ein schienengebundenes System so viel mehr leistet. Es ist fahrplangebunden und signalgesteuert.

  26. Das gleiche wie bei den Autos kann man auch für die Bahn sagen:

    Bei der Bahn kann jeder Einzelne die CO2-Bilanz direkt stark beeinflussen: Durch die Wahl des Fahrzeugs, indem er eben nicht mit dem ICE fährt, sondern mit normalen Zügen. Daß die Bahn relativ schlecht ist, ist also kein inhärenter Mangel des Transportsystems Bahn, sondern ein Fehlverhalten der Nutzer.

    Daß es Leute gibt, die aus prestigegründen nur mit dem ICE fahren ist eine andere Frage. Diese würden es aber auch als unzumutbar betrachten, mit einem spritsparenden Kleinwagen zu fahren. Da muß es schon ein Nobelschlitten sein, der mehr schluckt als ein Panzer.

  27. Ergänzung

    Es muss natürlich heissen:
    „Kapazitiät Personen je Fahrtrichtung und STUNDE:“

    und 9600 sind natürlich eher 5 mal soviel wie 2000 🙂

  28. Ich empfehle ihnen sich noch das Modell des Thorium-Flüssigsalz-Reaktors anzusehen. Dieser ist ebenfalls passiv sicher, produziert aber keine langlebigen Abfälle und ist sogar bis zu einem gewissen Grad in der Lage die bis jetzt angefallenen Abfälle nochmal zu verwenden.

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