Der Unterschied zwischen China und Indien

Gestern startete die indische Mondsonde Chandrayaan 1. Es ist die zweite Mondsonde eines Schwellenlandes, nach dem Start von Chang’e-1 zum Mond, fast genau auf den Tag 1 Jahr nach dem Start Chinas Mondsonde am 24.10.2007.So weit so gut. Trotzdem unterscheiden sich beide Sonden dramatisch.

Es gibt über Chandryaan-1 viel mehr Informationen, vor allem aber ist es eine internationale Mission. Zwei Experimente kommen aus den USA, drei aus der ESA. Auch ein technischer Vergleich der beiden Sonden – Leistungen und Anzahl der Experimente verglichen gegen die Startmasse fallen zu Gunsten von Chandrayaan 1 aus. Indien zeigt, dass es technologisch China auf dem Gebiet der Raumfahrt die Stirn bieten kann. Zumindest in diesem Teilgebiet sogar führend ist.

Es bleibt zu hoffen, dass auch die Informationspolitik so bleibt. Obgleich nicht vergleichbar mit der ESA und NASA gibt es von indischen Trägern erheblich mehr Informationen. Überträgt man dies auf Chandrayaan 1 So wird diese Mission sich recht deutlich publizistisch von Chang’e‘-1 unterscheiden.

Das interessante daran ist, dass Chinas Raumfahrtpolitik nicht neu ist. Sie erscheint im wesentlichen als eine Kopie der Raumfahrtpolitik der Sowjetunion in den 60 ern.  Bei der Sowjetunion ging es vor allem um propagandistische Wirkung. Das grundsätzliche Problem war, dass die Sowjetunion technologisch hinter den USA hinterherhinkten. So wurden kaum Angaben über die Technik von Raumsonden oder bemannten Missionen veröffentlicht. Auch gab es kaum Ergebnisse von Sonden. Es ging eigentlich nur um das Erreichen einer Erstleistung. Sehr deutlich ist dies am Luna Programm: Zuerst ging es darum hart auf dem Mond aufzuschlagen. Als dies mit Luna 2 gelang, ging man zum nächsten Projekt über: Der Fotografie der Mondrückseite. Als dies mit Luna 3 gelang, stellte man auch dies ein. Danach war das nächste Ziel die weiche Landung auf dem Mond. Das gelang erst nach zahlreichen Fehlversuchen mit Luna 9. Auch dieses Projekt wurde dann eingestellt. Nur einmal wurde noch ein übrig gebliebener Lander gestartet. Das nächste Projekt war ein Mondorbiter. Von dem ist heute eigentlich nur das Abspielen der "Internationale" zu einem Parteitag in Erinnerung. Danach gab es einen Bruch in der Technologie und größere Sonden wurden eingesetzt. Ziel war es mit ein und demselben Sondentypes nun Bodenproben zur Erde zurückzubringen oder durch Ersetzen der Rückstartstufe durch einen Lander ein Mondauto abzusetzen oder den Lander durch einen Orbiter zu ersetzen.

Von allen Sonden gab es nur wenige Nachrichten – Den Start konnte man nicht mehr verheimlichen wenn er zum Mond führte, also bekam jede Sonde eine Luna Nummer. Danach gab es aber nur noch Erfolgsmeldungen. Über die Mission gab es oftmals Stillschweigen, bis es eine Erfolgsmeldung gab. Mehr aber auch nicht. Ähnliche Tendenzen sieht man auch in der Planetenforschung oder dem Saljut/Mir Projekt.

Chang’e-1 startete vor einem Jahr. Nach dem Einschwenken in den Mondorbit gab es 2 Wochen lang einige Bilder und seitdem hört man nichts mehr von der Sonde. Ist sie überhaupt noch aktiv? Beim bemannten Projekt sieht man deutlicher die Tendenz – 1 Mann Mission – 2 Mann Mission – 2 Mann EVA Mission. Es ist also eine Folge von Erstleistungen, die aber für sich alleine gesehen völlig sinn frei sind, denn es wird an Bord von Shenzhou ja nicht geforscht und eine Raumstation ist auch nicht geplant.

Doch die Zeit hat sich geändert: Schon die NASA hat in den 60 ern erkannt, wie wichtig es war der Öffentlichkeit jede nur erdenkliche Information zukommen zu lassen. Offenheit schafft Vertrauen, es befriedigt aber auch die Neugier und schafft Interesse. Aber es klappt auch nur wenn die Öffentlichkeit einen Sinn erkennt. Das ist der Grund warum die ISS in der Kritik ist und auch Bushs Constellation Program. Das wird auch China bald merken. Nämlich wenn die Phase der Ersatzleistungen vorbei sind – viele gibt es ja nicht mehr: 3 Mann Crew, Längerer Aufenthalt, Kopplung von zwei Kapseln. Also so was wie Woschod 2 und die ersten Sojus Flüge. Was dann? China wird neue Antworten liefern müssen.

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