Die Thor-Delta Entwicklung – kompakt

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Was die Delta von allen anderen Trägerasketen, nicht nur der USA, sondern auch weltweit, unterscheidet ist die enorme Anzahl an Versionen. Selbst wenn man die militärischen Varianten ausklammert, gibt es elf Versionen bei der Buchstabennummerierung und (wenn man die Delta 3 ausklammert, weil sie keine Delta-Stufe mehr einsetzt) acht Versionen bei der 4-Ziffernummerierung. Da sind Subversionen wie C1 und E1 oder Varianten in der 4-Ziffernummerierung ausgeklammert. Die vielen Versionen kommen durch die Evolution zustande: Die Thor wurde dreimal verlängert, setzte zwei Triebwerke in fünf Versionen ein, die Delta vier Triebwerksversionen, sie wurde ebenfalls mehrmals vergrößert (drei größere, mehrere kleinere Anpassungen). Es gab sechs verschiedene dritte Stufen und ebenso sechs verschiedene Booster. Davon konnte man 3, 4, 6 oder 9 an die Thor anbringen.

Ehrlich gesagt: wenn das Buch mal geschrieben ist, vergesse ich die vielen Details auch wieder. Einigermaßen sicher bin ich ab der 2000-er Serie, da dann die Zeit beginnt, die ich aktiv mitbekommen habe, alle anderen Versionen waren im Einsatz, bevor ich mich für Raumfahrt interessierte oder ich war noch nicht mal geboren.

Neu in der aktuellen Version sind nach jeder Subversion kleine Kästchen in Grau, in denen ich die wichtigsten Veränderungen in wenigen Sätzen wiedergebe. Im Blog kommen die wegen der Webformatierung nicht so gut rüber, daher hier ein PDF einer Doppelseite mit einem solchen Kästchen.

Die Kästchen nutze ich nun um alle Versionen der Delta (nicht der militärischen Versionen Thor Able / Ablestar / Agena) hier kurz zu beschreiben.

Thor Delta

Die Thor Delta war in der ersten Version ein Variante der Thor Able. Die Delta Oberstufe wurde aus der Able heraus entwickelt, war aber bedeutend zuverlässiger. Sie ähnelte der Thor Able auch optisch. Nur der erste der 12 Starts misslang, was damals eine Besonderheit war. Sie startete ausschließlich vom Cape aus.

Delta A

Die Thor Delta A unterschied sich von dem ersten Modell nur darin, dass die Thor den etwas schubstärkeren Motorblock MB3-3 einsetzte. Es fanden nur zwei Starts mit Explorer 14 und 15 in hochexzentrische Orbits zur Untersuchung des Strahlungsgürtels und Magnetfeldes statt.

Delta B

Die Thor Delta B nutzte den höheren Schub des MB3-3 um 30 Prozent mehr Treibstoff in der Delta mitzuführen. Sie transportierte mehrere Kommunikationssatelliten: Relay 1+2, Telstar 2 und Syncom 1+2. Es gab neun Starts zwischen 1962 und 1964, von denen der letzte scheiterte.

Delta C

Die Thor Delta C setzte eine um 20 kg schwerere dritte Stufe ein. Sie wurde relativ lange, von 1963 bis 1969 eingesetzt und startete ausschließlich wissenschaftliche Satelliten oder Wettersatelliten, die für die kommenden Modelle zu leicht waren. 13 Starts gab es, einer mit OSO-C schlug fehl.

Delta D

Die Thor Delta D nutzte erstmals drei Booster als Startunterstützung. Verwendet wurden die Castor I Booster. Sie steigerten die GTO-Nutzlast um 20 Prozent. Die Delta D wurde nur zweimal für den Start der beiden geostationären Satelliten Syncom 3 und Early Bird 1964/65 eingesetzt.

Delta E, G und J

Die Thor Delta E setzte die etwas leistungsfähigeren Castor II Booster ein. Die Delta hatte nun einen Durchmesser von 1,38 m und eine mehr als doppelt so hohe Treibstoffzuladung. Die Subversion E1 setzte die leistungsfähigere Burner I (FW-4D) Oberstufe ein. Die Delta G wurde zweimal ohne dritte Stufe für zwei Biosatelliten eingesetzt. Die Delta J setzte die doppelt so schwere Burner II Oberstufe ein. Sie startete nur einmal den Radioastronomiesatelliten RAE-A. Alle 25 Starts waren erfolgreich, ein neuer Rekord für die Delta.

Delta L-N

Die Delta L-N sind Varianten einer Familie. Alle drei Modelle setzten die Long Tank Thor ein. Eine weitere Neuerung war, dass nun sechs Booster angebracht werden können. Die Delta L setzte noch die alte FW-4D Drittstufe ein, sie wurde nur zweimal eingesetzt. Die meisten Starts (13) erfolgten mit der Delta M und dem Star 37 Antrieb. Die Delta N, ohne dritte Stufe, wurde neunmal für Starts in erdnahe Orbits meist von Vandenberg aus eingesetzt. Bei dieser Serie häuften sich die Fehlstarts, vier der 24 Starts schlugen fehl.

Delta 0X00

Die 3-Digit Erstserie war eine Übergangsserie, in der – fortgeführt in der 1000-er Serie – nach und nach alle Stufen modernisiert wurden. Neu war die Universal Boat Tail Thor UBT, die bis zu neuen Booster in zwei Größen aufnahm und auch bei der Thorad eingesetzt werden konnte. Die Delta Oberstufe erhielt ein neues Triebwerk und setzte die leistungsfähigere Kombination NTO/Aerozin-50 ein. Es erfolgten nur vier Starts, jeweils ohne dritte Stufe, zwei mit drei und zwei erstmals mit neuen Boostern zwischen 1972 und 1973.

Delta 1000

Die 1000-er Serie absolvierte nur acht Starts zwischen 1972 und 1975 in sechs Konfigurationen. Sie führte bei allen drei Stufen Neuerungen ein: die verlängerte ELT Thor, das TR-201 Triebwerk in der Delta und die verlängerte Burner IIA Stufe. Sie setzte aber noch das MB3 Triebwerk in der Thor ein. Die letzten 1000-er Versionen setzen auch die voluminösere Nutzlastverkleidung von 8 Fuß Durchmesser ein. Wie die Delta 0x00 gilt sie als Übergangsversion, in der noch vorhandene MB3 Triebwerk genutzt wurden. Acht Starts fanden von 1972 bis 1975 statt.

Delta 2000

Die 2000-er Serie war das bisher meist eingesetzte Modell der Delta. Die einzige Änderung war das Ersetzen des MB3 Triebwerks durch eingelagerte Saturn-I Triebwerke. 44 Starts, davon zwei Fehlstarts und ein Teilerfolg, fanden zwischen 1972 und 1981 statt.

Delta 3000

Die 3000-er Serie bekam neue Castor IV Booster, die fast dreimal so viel wogen wie die Castor II. 1982 erhielt die Delta Oberstufe wieder ein AJ10 Triebwerk. Im gleichen Jahr wurde als zusätzliche Oberstufe die PAM eingeführt, die doppelt so schwer wie die bisherige Burner IIA war. Ab Anfang der Achtziger Jahre wurde die Produktion heruntergefahren und schließlich 1984 eingestellt. Nach dem Startverbot für viele Satelliten der Delta-Klasse aus dem Space Shuttle wurden aus vorhandenen Bauteilen noch weitere Deltas gefertigt die bis 1989 eingesetzt wurden. 38 Starts gab es von 1975 bis 1989, davon scheiterten zwei.

Delta 4000/5000

Die 4000-er und 5.000-er Serie waren Deltas, die aus vorhandenen Einzelteilen zusammengebaut wurden. Die beiden 4925 setzten das MB3 Triebwerk mit der ELT Thor der 2000/3000 Serie ein. Der letzter Einsatz von MB3 bisher war in der 1000-er Serie 1972. Die 5920 setzte die normale ELT-Thor der 3000-er Serie mit dem RS-27 Triebwerk ein. Einzige Neuerung bei beiden Versionen waren die Castor IVA Booster, die etwas bessere Leistungen als die Castor IV, der 3.000-er Serie hatten. Die drei recycelten Deltas starteten 1989 und 1990, als schon die 6000-er Serie in Dienst war.

Delta 6000

Die 6000-er Serie war eine Delta 2 lite – sie hatte schon die nochmals vergrößerte XLT-Thor der Delta 2, aber noch das RS-27 Triebwerk und die Castor IVA Booster. Sie war ausreichend für den Start der ersten GPS Block II Satelliten und wurde primär dafür eingesetzt. Nach Einführung der Delta 2, ab 1990 nahm die Startzahl deutlich ab und das Modell lief 1992 nach 17 Starts – alle erfolgreich – aus.

Delta 7000

Die 7000-er Serie war die letzte Version der Thor-Delta mit Delta Oberstufe, sie wurde am längsten (von 1990 bis 2018) und am häufigsten (138-mal) eingesetzt. Neu waren die GEM-40 Booster mit Verbundfasergehäuse und das schubstärkere RS-27A Triebwerk. Ab 2003 fanden einige Starts auch mit den GEM-46 Boostern der Delta 3 statt, als „Heavy“ Variante. Es erlebte die Star 37 Oberstufe eine Renaissance, aber nur bei vier Starts. Die Delta 2 transportierte zahlreiche wissenschaftliche Satelliten. Erstmals seit den Sechziger Jahren auch zahlreiche Raumsonden. Als die Delta für die USAF zu klein war, wurde die Produktion 2009 eingestellt. Mit den verfügbaren Einzelteilen wurden vier Deltas für die NASA zusammengebaut. Sie starteten von 2013 bis 2018.

So das waren 14 Steckbriefe aller wichtigen Delta Versionen in nur rund 7000 Buchstaben!

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