Regelungswut

Nach einer längeren Pause heute mal wieder einen Blog. Neben der Arbeit die mir wenig Zeit lies, auch an der Überarbeitung der Galileo Artikel ist es auch, dass mir irgendwie ein Thema fehlt. Heute mal meine Gedanken zu einem "Dauer" Thema: Die Deutschen und die Regelungswut.

Seien wir ehrlich: Die Deutschen sind dafür bekannt, dass alles geregelt werden muss. Nicht nur grundsätzlich, sondern bis ins kleinste Detail. Das ist eine der schlechten Angewohnheiten der Deutschen. Ich will es mal an ein paar Beispielen festmachen.

Fangen wir an im Straßenverkehr. Kennen Sie alle Verkehrsschilder? Wohl kaum! Sie können das mal auf der Wikipedia nachprüfen. Das Problem ist es aber nicht nur, dass es so viele Schilder gibt, sondern diese auch kombiniert werden, der berühmte Schilderwald. Es gibt eine Untersuchung wonach die Verkehrssicherheit sich erhöht, wenn man die Zahl der Schilder reduziert. Die Schilder erfordern Aufmerksamkeit. Selbst das beste Schild ist ein abstraktes Symbol, das geistige Arbeit und Aufmerksamkeit erfordert um seinen Inhalt zu begreifen. Daher sind weniger Schilder besser: Sie lenken weniger vom Verkehr ab. Doch machen sie das mal einer Gemeinde klar….

Beispiel 2: Ich weis nicht ob es stimmt, aber in einem Beitrag über das deutsche Steuersystem kam, dass es das komplexeste in der Welt ist. Ein Interview mit dem ehemaligen Präsident des Bundesfinanzhofes endete in dem Geständnis, das auch er es nicht wirklich versteht, und Zweifel hat, das seine Beamten alle Regelungen kennen. Warum ist es so komplex? Nun die Antwort ist einfach: Lobbyismus. Es gibt zahlreiche Vertreter von Interessenverbänden, Berufsgruppen, Branchen die Sonderregelungen für ihre Mitglieder herausschlagen wollen. So regelt das Steuerrecht besonders die Nacht- und Feiertagsarbeit, obwohl eigentlich eine höhere Bezahlung eine Frage des Tarifvertrages ist. So gibt es Sonderregelungen für Investitionen in den neuen Bundesländern und natürlich auch für Abgeordnete. Diese Pfründe werden verteidigt und so ist das Steuerrecht niemals einfacher, sondern immer nur komplexer geworden. Daran ist Merz gescheitert und daran wird jeder andere scheitern. Das einzige was sicher ist, ist das irgendwelche Steuervereinfachungen, nur die wenigen Vorteile betrifft die man als Arbeitnehmer hat wie die Pendlerpauschale oder der Freibetrag bei den Kapitaleinkünften der mal bei 6100 Mark, also also 3100 Euro lag (jeder Politiker redet ja davon, man müsste für sein Alter privat vorsorgen, doch wer wirklich Geld anspart wird bestraft). An den wirklichen Großsubventionen für Bergbau oder Landwirtschaft traut sich aber keiner heran.

Beispiel 3: Die deutsche Sprache: Ander als Englisch oder Französisch, welches über Jahrhunderte praktisch unverändert ist, müssen wir andauernd unsere Sprache verändern. Besser gesagt: Verkomplizieren. Nach der Rechtschreibreform kam die Reform der Reform und nun wieder neue Korrekturen. Der Effekt? Wer bitte kann alle deutschen Rechtschreibregeln? Alle Sonderschreibweisen von Worten? Nicht einmal die Redakteure des Duden Verlages, die nichts anderes tun als sich damit zu beschäftigen, können das von sich behaupten. Und dies obwohl man die Duden Redakteure gegen Gebühr online oder per Telefon konsultieren kann. Natürlich gibt es Deutschlehrer, die das von sich behaupten, doch ich halte das für persönliche Selbstüberschätzung. Sie entdecken zwar die Fehler bei anderen die sie kennen, wissen aber auch nicht über alle Sonderfälle bescheid. Wer jedoch Rechtschreibfehler macht, wird schief angeguckt "Der kann doch nicht Deutsch" oder wie ich schon gehört habe: "Wenn ihr Deutsch so falsch ist, kann es mit der fachlichen Genauigkeit nicht weit her sein". Schade nur, dass Deutschlehrer von Raumfahrt keine Ahnung haben, dann könnte ich mir eine Menge Arbeit sparen.

Das sind nur einige Beispiele: Gerichte haben sich mit Nachbarstreitigkeiten und dem Auslegender Regeln, wie und welcher Baum geschnitten werden muss, zu beschäftigen. Harz IV Formulare sollen nicht gerade übersichtlich und einfach sein. Das alles nur mit dem Zweck, nur ja alles genau zu Regeln um nichts zu vergessen oder keine Ungerechtigkeit aufkommen zu lassen.

Der Effekt ist aber doch genau das Gegenteil. Es bewirkt einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Behörden brauchen viel mehr Personal, um die ganzen Regelungen zu überwachen, Verstöße zu ahnden und Anträge etc. zu prüfen und zu bearbeiten. Steuerberater müssen von Privatpersonen bezahlt werden um die Steuererklärung machen zu können – entweder weil sie sonst alleine nicht mehr machbar ist, oder weil man fürchtet Geld zu verschenken (da der Steuerberater das nicht für umsonst macht, bezweifele ich allerdings an einem Sparpotenzial bei den meisten Privatpersonen). Gerichte müssen sich mit Verfahren herumschlagen die man vermeiden könnte und Privatpersonen müssen Freizeit für das Bearbeiten von Anträgen investieren.

Es wäre also die Zeit alles auszumisten, radikal zu vereinfachen. Doch dies wird nicht geschehen, nicht solange es keinen großen Knall gibt und alle sehen das es so nicht mehr weitergeht. doch selbst dann wird jeder versuchen seine Pfründe zu verteidigen. Schade eigentlich ….

2 thoughts on “Regelungswut

  1. Man mag es belächeln, dieses typisch deutsche Geregele. Nicht, das ich es mögen würde, aber ich habe zwei Gegenbeispiele.
    Einmal wurde ich von ausländischen Touristen gefragt, was es mit diesen seltsamen Schildchen auf sich habe, die relativ häufig zu sehen sind, doch nur unverständliche Striche und Zahlen zeigen…? Es handelte sich um Schilder, die besagen wo Gas- bzw. Wasserleitungen verlaufen, und in welche Richtung sie das tun. Gäbe es sie nicht, so nehme ich an, dass Tiefbauarbeiter größere Probleme hätten, die Leitungen im Bedarfsfall zu finden oder diese häufiger ungewollt zerstörten.
    Das andere Beispiel betrifft mich selbst. Ich hielt mich längere Zeit in Spanien auf und muss sagen, dass mir dort ein bisschen die Deutsche Disziplin fehlt. Ganz besonders im Straßenverkehr. Innerorts gibt es manchmal keine Vorfahrts- oder Antivorfahrtsschilder, doch existiert so viel ich weiss auch keine Rechts-vor-Links-Regel. Doof ist das! Man weiss nie, wer Vorfahrt hat. Außerorts wartet man zudem vergeblich auf ein Schild, das Geschwindigkeitsbeschränkungen wieder aufhebt – auch das stört mich. (Beides ist jedoch schon weniger geworden)
    Nochwas: die gelben MLC-Schilder, wie man sie vor jeder Brücke findet, fehlen auf der wikiseite des Schilderwaldes – er wird im Gegensatz zu den echten Wäldern also sogar noch dichter.

  2. Nun ja, wie man fährt hat nicht unbedingt etwas mit dem Schildern zu tun. in Italien und Frankreich gibt es deren ja auch, sogar Ampeln, nur kümmert sich keiner drum. Ich glaube der „durchschnittliche“ Deutsche fährt ingesamt rücksichtsvoller und vortsichtiger auch bei weniger Schildern als viele im Ausland selbst wenn man dort alles so zupflastert wie bei uns.

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