Risikobewertungen

Der letzte Eintrag in meinem Gästebuch veranlasst mich mal meinen geplanten Blog Eintrag über Vitamin-A zu verschieben und heute mal etwas über Risiken zu sagen. Zum einen finde ich es natürlich schön wenn nicht nur ich meine Zweifel an der Aussgae über die Strahlenbelastung durch Urankernmunition habe, zum anderen ist mir natürlich nicht entgangen, dass Kernkraftwerke die Kohlendioxidbelastung senken und es noch erheblich schwerer sein wird diese zu senken wenn man sie vom Netz nimmt. Wäre dem nicht so, so hätten sie auch nicht so lange Restlaufzwiten zugebilligt bekommen.

Das ganze ist schlicht und einfach eine Abwägung von Vorteilen und Nachteilen, in diesem Falle eben auch von Risiken. Meine persönliche Meinung die ich satirisch überspitzt (es nimmt doch wirklich nicht jemand wirklich den Vorschlag Helgoland in eine Kernkraftwerksinsel zu verwandeln ernst?) formuliert habe ist: Ich halte angesichts der Folgen eines GAU bei der dicht besiedelten Bundesrepublik und den Erfahrungen bei Tschernobyl für sehr hoch: Hoch an kosten, weil ganze Landstriche unbewohnbar werden, hoch an einer möglichen gesundheitlichen Schädigung tausender. Die Chance dafür liegt nach offiziellen Angaben bei 1/60 in den nächsten 40 Jahren, dass ein Kraftwerk einen solchen GAU hat.

Andere mögen dasselbe Risiko erheblich weniger bedrohlich sehen, zumal ja keines der Kernkraftwerke ja solange arbeiten wird und niemand über den Neubau redet. Da sind wir schon bei Risiken und ihren Bewertungen. Statistiker teilen Risiken in 3 Gruppen ein: Risiken mit den man täglich rechnet und gegen die man sich vorsieht. Das ist praktisch alles was uns im täglichen Leben passieren kann. Man kann von einer Leiter stürzen und vergewissert sich (hoffentlich) ob sie mechanisch in Ordnung ist und fest steht. Man kann von einem Auto angefahren werden und schaut ob eines kommt, wenn man die Straße überquert.

Das zweite sind Risiken die nicht täglich vorkommen, aber mit denen man in seinem Leben rechnen muss mit einer nicht zu vernachlässigbaren Wahrscheinlichkeit konfrontiert zu werden. Diese versucht man durch Versicherungen, Sicherheitsmaßnahmen etc. zu Mininieren, aber man denkt nicht täglich dran. Dazu gehört alles wogegen man eine Versicherung abschließt: Brände im Haus, Hochwasser, Sturmschäden.

Das dritte sind Risiken die von vielen nur wenige während eines Lebens ausgesetzt werden, an die denkt man nicht, zumindest nicht solange man nicht konkret mit ihnen konfrontiert wird: So wird niemand eine Versicherung gegen den direkten Einschlag eines Blitzes auf einen Menschen abschließen – das passiert in der Bundesrepublik nur etwa 30 mal im Jahr, selbst ein 6 er im Lotto ist bei wöchentlicher Spielweise wahrscheinlicher.

Bei Menschen klappt dieses System sehr gut. Problematisch ist es wenn Regierungen genauso handeln. Versicherungen müssen sich nämlich durchaus auch mit der letzten Kategorie beschäftigen, auch wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit gering ist. Nämlich dann wenn der Schaden recht groß ist. Ich habe mich in Teil 16 mit den Folgen eines Asteroideneinschlages beschäftigt. Man kann diesen nur statistisch vorhersagen. Die Unsicherheit ist dabei groß, doch typische Zahlen sind:

Einschlag eines 100 m Asteroiden alle 0.1-0.5 Millionen Jahre: Das klingt nach nichts worüber man sich sorgen machen müsste …. Ja wie der Supergau eines Atomkraftwerks, der eben statistisch gesehen alle 25000 Jahre vorkommt. Das dumme nur an beiden Zahlen: Man weis es nicht wann das nächste Ereignis ansteht. das kann morgen sein, oder in 100.000 Jahren. Bei Asteroiden hat man zumindest nach einer langen Schlafperiode nun mehr Geld für Suchprogramme bewilligt. Lange Zeit wurden die meisten Asteroiden von einem kleinen Teleskop der US-Air Force entdeckt, das diese Aufgabe vor allem deswegen inne hatte um Asteroiden von Satelliten unterscheiden zu können, nun fängt man an den Himmel gezielt zu untersuchen, weil in den letzten Jahren einige größere Körper nahe der Erde vorbeirauschten und man sie erst Tage vorher entdeckte, teilweise auch erst danach. Ein 100 m Asteroid erzeugt einen 1-2 km großen Krater und zerstört jegliches höhere Leben in einem 20-40 km Kreis. Die Folgen sind also noch größer als bei einem Super-Gau. Man könnte bei genügend Vorwarnzeit (wozu man die Bahn kennen muss einen 100 m großen Körper mit den heutigen konventionellen Methoden aber leicht von der Bahn ablenken). (siehe dazu Weblog Nr.17). Trotzdem geniest die Suche nach solchen Körpern erst nachdem man auf die Gefahr aufmerksam geworden ist größere Priorität, dabei wusste man schon früher alleine von den Einschlagskratern auf der erde, dass das Risiko bestand und es mehr als die wenigen Körper geben musste die man zufälligerweise entdeckte weil man nie systematisch nach ihnen suchte: Astronomen nehmen normalerweise einen kleinen Ausschnitt des Himmels auf und zwar über stunden um lichtschwächste Objekte zu finden. Für die Asteroidensuche müsste man aber über einige Jahre den gesamten Himmel in größeren Ausschnitten absuchen, wobei die Belichtungszeiten nur kurz bis mittellang sind um die Durchmusterung in absehbarer Zeit zu schaffen. Die ersten systematischen Suchprogramme haben daher auch zu einem Anstieg der bekannten Objekte geführt. seit einem Jahr sucht nun mit "Pan Starrs" das erste nur dafür konzipierte Teleskop nach Asteroiden : 4 relativ kleine 1.8 m Teleskope die zusammen eine Kamera mit 1.4 Milliarden Pixeln bilden und in 5 Jahren alle Asteroiden über 300 m Größe detektieren sollte und später alle Asteroiden über 200 m Größe. Für die 100 m Klasse wird man nochmals größere Teleskope oder mehr davon brauchen.

Nun bei der Kernkraft ist es ähnlich. Auch hier ist das Risiko gering, auch wenn es signifikant höher ist als man noch in den 70 er und 80 er Jahren annahm – Damals ging man von einem Gau alle 1 Million Jahre pro Kernkraftwerk aus, die Zahl ist nun schon runter auf 25000 Jahre, obgleich ich denke dass die Kraftwerke heute sicherer als vor 20 Jahren sind. Schon alleine das zeigt, dass man eben in der Zeit wohl einige Risikobewertungen geändert hat. So muss man auch heute sich fragen, ob der Nutzen in Form von billigem Strom den Kosten wenn eines wirklich gravierende Mengen an Radioaktivität freisetzt rechtfertigt. Das ist eine Entscheidung die jeder persönlich fällen muss, denn solange es eben keinen GAU gab redet man von ungelegten Eiern – Die Atomkraftwerke können noch 100 Jahre laufen und es passiert nichts oder morgen geht eines hoch, weil etwas völlig unvorhergesehenes eintrat, das nicht in den 68 Bedienungshandbüchern steht oder die Technik versagt. Wer weis das schon?

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