Vergleiche die ich nicht ausstehen kann

Astronaut bei 28.000 km/hEs gibt Dinge über die kann ich mich immer wieder aufregen. Eines sind Vergleiche die nicht passen oder Vereinfachungen die extrem suggestiv wirken. Gerade in der Raumfahrt sind die ja oft gängig. Hier mal zwei Beispiele:

„Die Astronauten verließen die Raumstation um bei einer Geschwindigkeit von 28.000 km/h Außenarbeiten durchzuführen“ oder „Die Entwicklung eines Raumgefährts das mit einer 28.000 km/h schnellen Raumstation ankoppeln kann ist eben so teuer“.

Okay ich denke jeder der sich auskennt weiß was hier die suggestive Unterstellung ist. Was wir seit Einstein theoretisch untermauert haben, aber intuitiv wahrscheinlich auch so wissen ist, dass in einem sich mit unveränderlicher Geschwindigkeit bewegenden System es keinen Unterschied zu den Zustand ohne Bewegung gibt, die ein Beobachter feststellen kann – logisch sonst wäre das Bewegen im Zug oder im Flugzeug etwas problematisch. Die Stewardessen hätten einen harten Job wenn der Kaffee sich mit 900 km/h von der Kanne wegbewegen würde. So auch im Weltall, ja dort gibt es sogar noch idealere Bedingungen als wie auf der Erde – keine Turbulenzen, keine Verbindungen zwischen den Schwellen…

Es ist für einen Astronauten völlig unwesentlich ob sich die Station mit 28.000 km/h bewegt. Das Problem das er hat ist wohl eher das Arbeiten in einem Druckanzug mit klobigen Handschuhen und das Problem sein Drehmoment oder seinen Impuls loszuwerden.

Vor allem bewegen auch wir uns immerzu gegenüber einem anderen Bezugssystem. Auf der geografischen Breite wo ich wohne, bewegt sich die Erde mit 300 m/s um ihre eigene Achse. Die Erde selbst umrundet die Sonne mit 29,8 km/s und die Sonne bewegt sich mit 220 km/s relativ zum Zentrum der Galaxis und gegenüber anderen Galaxien wird die Geschwindigkeit leicht noch größer, allerdings hier nicht wegen der Relativbewegung sondern der Ausdehnung des Universums. Gegenüber 29,8 km/s Umlaufgeschwindigkeit relativ zur Sonne finde ich ehrlich gesagt 7,7 km/s im Orbit der ISS ziemlich lahm….

Eine Variation des Themas auf das ab und an auch Raumfahrtfans hereinfallen ist die zweite Variante die suggeriert, das es wahnsinnig kompliziert und teuer ist im Orbit Kopplungen durchzuführen. Nun eines ist es nicht: Es ist nicht intuitiv. Das war das erste was die NASA im Gemini Programm herausfand. Es ist nicht möglich eine Ankopplung wie bei Flugzeugen durchzuführen (die auch koppeln, z.B. zum Auftanken). Aber die Gesetzmäßigkeiten sind bekannt Schon im Gemini Programm bekamen die Astronauten Computerunterstützung und bei Apollo wurde der gesamte Anflug vom Computer gesteuert wurde bis zur letzten Phase wo dann die Astronauten auf Sicht ankoppelten.

Die UdSSR demonstrierte schon 1968 mit der Kopplung von Kosmos 212 und 213, dass es auch unbemannt geht und seit 1985 koppeln auch alle bemannten Raumschiffe automatisch an – der einzige Versuch das durch eine Handsteuerung bei Progress M-34 abzulösen, endete in einer Katastrophe. Trotzdem klappt das immer noch um dem einen oder anderen Laien Respekt einzuflößen.

Das zweite das ich nicht mehr hören kann, sind solche Aussagen wie „Die gesamte empfangene Sendeleistung von Voyager 2 würde nicht mal ausreichen eine 10 W Glühbirne kurz aufblitzen zu lassen“. Da ist einiges falsch. Zum einen ist der Vergleich von Radiowellen mit Licht nicht besonders sinnvoll. Wenn ich pro Bit eine bestimmte Anzahl an Photonen brauche, dann haben alleine diese eine 100.000 mal höhere Energie aufgrund der kürzeren Wellenlänge.

Das nächste ist dass man selbst bei Laser oder Glasfasern gemessen an der Bandbreite des Mediums die Information recht ineffizient überträgt. Man belegt nur einen winzigen Bruchteil der möglichen Bandbreite und überträgt daher pro Bit recht viele Photonen.

Dann ist auch die Übertragung von Information über eine Richtantenne nicht mit der Beleuchtung vergleichbar die noch dazu bei Glühbirnen recht ineffizient ist. Ein Vergleich mit einer Übertragung per Laser wäre wesentlich sinnvoller.

Vor allem: Es gibt im Radiofrequenzbereich viel weniger Störungen durch andere Quellen wie beim Licht. Auch das kennt jeder aus der eigenen Erfahrung. Ein Kofferradio kann Radiostationen in der Mittelwelle über 1000 km Entfernung empfangen – mit einer Leuchtschrift klappt das nicht.

Ansonsten: Dank ALDI war der Februar der bisherige Rekordmonat im Blog. Mit über 13.000 Abrufen gab es fast 30 % mehr als im Dezember, dem bisher Rekordhalter. Ich denke aber ein Großteil der Besucher hat sich nur für die Traveller FX-5 Kamera interessiert.

2 thoughts on “Vergleiche die ich nicht ausstehen kann

  1. Was hier doch vor allem falsch ist, ist, dass Leistung mit Arbeit verglichen wird. Denn es wird ja gesagt „KURZ“ aufblitzen zu lassen. Wenn es um einen Zeitraum geht, ist es aber Arbeit, und bei der Sendeleistung ist es ja Leistung…

    Richtig waere also entweder „Die gesamte in der Missionsdauer von Voyager 2 empfangene Energiemenge in Form von Funksignalen bringt keine 10W-Birne auch nur kurz zum Leuchten“, ODER „Die aktuell empfangbare Leistung von Voyager 2 reicht nicht, um eine 10W-Birne zum leuchten zu bringen“.

    Ist uebrigens mit der typischste Fehler, der in der Berichterstattung ueber technische Gegebenheiten, egal wo, gemacht wird. Die beiden absoluten Klassiker sind „Das Kraftwerk erzeugt 1000 MW Leistung pro Jahr“ und „Die Batterie hat 10 Ampere.“

    Oder irre ich mich? 🙂

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