Ankündigungen und Realität

Der eine oder andere hat es bemerkt: Der erste Versorgungsflug von SpaceX für die ISS steht an. Endlich, Drei Jahre hinter dem Zeitplan sind sie ja hinterher. Die Partner mussten die letzten eineinhalb Jahre die Station versorgen und das wäre noch gravierender gewesen, hätte es nicht noch STS-135 mit Vorräten gegeben. Nun sollte man meinen kann die Firma zeigen was sie kann. Wie schreibt sie doch auf ihrer Webseite: „6,000 kg (13,228 lbs) payload up-mass to LEO; 3,000 kg (6,614 lbs) payload down-mass“. Na das ist doch eine gute Nachricht. Wie viel Nutzlast transportiert nun CRS-SPX1, so die offizielle Flugbezeichnung? Es sind 450 kg. Ja das ist kein Witz. Ich bin überrascht, denn in NASA Dokumenten fand ich 1.268 kg. Also nochmals deutlich weniger. Wie praktisch immer wie bei SpaceX sinken die Nutzlasten. Die Falcon 9 „v1.1“ wurde 2011 noch mit 16 t LEO angekündigt, aktuell liegt sie noch bei 13,23 t. Ganz besonders übel hat es die Falcon Heavy erwischt, deren GTO Nutzlast von 19 auf 12 t absank.

Man kann leicht ausrechnen, dass wenn die „v1.1“ mit 480 t Startmasse 13,23 t transportiert, das derzeit 314 t schwere „v1.0“ Vehikel dann im Bereich von 8,6 t liegt. Auch das verwundert mich nicht, das habe ich vor vier Jahren schon errechnet und die DLR hat bei einer Berechnung ungefähr das gleiche rausbekommen. Für ISS Bahnen ist es dann noch etwas weniger (nimmt man das Users Manual so kommt man auf ungefähr 7740 kg bei 8650 kg 200 km, 28,5° LEO-Maximalnutzlast) und da die Dragon leer 4,9 t wiegt, 1,29 t Treibstoff zulädt sind wir schon bei 6,19 t leer. Da bleiben nur noch 1,55 t und ein Orbcomm Satellit wird auch noch transportiert und da dieser in eine höhere Bahn gelangt braucht man noch etwas Treibstoff in der zweiten Stufe für die nächste Zündung. So bleibt nicht viel übrig. Eben 450 kg.

133 Millionen Dollar bekam (der Flug und der nächste sind ja schon bezahlt) SpaceX für 450 kg Nutzlast. Hmmm, also Preisbrecher sieht bei mir anders aus. Aber vielleicht rechne ich auch falsch und die Firma rechnet Up- und Downmass zusammen, dann sind es immerhin 1015 kg. Das sollte man der ESA sagen, dann kann das ATV nämlich nicht 7,7 sondern 13,2 t transportieren…..

Und dann gibt es noch Neuigkeiten von Grashopper. Ja dieses Versuchsvehikel hat abgehoben – so irgendetwas zwischen 10 und 20 cm, siehe Video: http://www.youtube.com/watch?v=ObJb3OncSEY. Bei SpaceX ist das ein großer Schritt, bei der NASA gilt der MR-1 Flug mit derselben Höhe als große Blamage. Man muss nur die Latte niedrig genug legen….

Ich vermute mal das war so nicht geplant. Sonst hätte die Medienabteilung von SpaceX auch was rausgelassen, denn wir wissen ja ankündigen tun sie viel, nur mit dem Halten klappts noch nicht so ganz….

16 thoughts on “Ankündigungen und Realität

  1. Noch eine Ankündigung, diesmal von der NASA:

    http://www.spacenews.com/commentaries/120924-fromwires-nasa-outpost-beyond-moon.html

    Eine Raumstation am Lagrange-Punkt L2 hinterm Mond. Was will man da überhaupt?
    Als Ausgangsbasis für Mondlandungen wäre das nutzlos.
    Die Mondrückseite beobachten? Das geht viel besser und billiger mit einem unbemannten Satellit aus einer niedrigen Umlaufbahn. Und wenn man das selber nicht packt, kann man ja mal bei den Chinesen oder Indern nachfragen…
    Funkverbindung bei Landungen auf der Mondrückseite? Auch dafür braucht man keine bemannte Station, sämtliche Nachrichtensatelliten sind unbemannt, egal ob auf Umlaufbahnen um Erde, Mars oder andere Planeten.
    Also wofür soll der Spaß gut sein, außer als Reklame? Sieht so aus, als ob man verzweifelt ein Ziel sucht, um nicht auf dem Mond landen zu müssen. Da lassen sich doch die tollsten Verschwörungstheorien basteln…

  2. Es ist die Rede von Spacecraft und dem MPCV, nicht Space Station. Sieht mehr so aus wie eine Kurrzeitmission dahin. Auch ist nicht so viel von der ISS übrig, weil man die schon 2006 zusammengestrichen hat, bevor die Module fertig waren. Was es gibt ist noch die Hülle eines Moduls. Das wars.

  3. Stimmt, da hab ich nicht richtig hingesehen. Trotzdem bleibt die Frage was will man dort? Dort gibt es nichts zu erforschen, und nicht mal einen Felsbrocken auf den man „ich war hier“ draufschreiben könnte.

  4. Kleiner Nachtrag, da ich bei dem Durchlesen der neuesten Nachrichten drauf kam: Die NASA rechnet mit einem 2018 Start mit der Falcon 9 v1.1 mit Kosten von 168 Millionen und 2020 mit 198 Millionen
    http://www.nasa.gov/pdf/691580main_MPPG-Integrated-v13i-Summary Report-9-25-12.pdf
    Folie 40
    Sieht so aus, als wären die Preise nur Einführungspreise und wenn die Position gefestigt ist, dann ziehen sie kräftig an. Der Start von JASON-3 war schon 82 Millionen $ teuer. So langsam bleibt nicht mehr viel übrig von den Versprechungen. Preise Steigen, Nutzlasten sinken, die vielen versprochenen Starts gibt es auch nur auf dem Papier.

  5. Moin,

    *aehm* 1000 pounds up ~ 453kg, bei der Falcon 1 von 2006 wären also noch gute 200kg für die Verpackung gewesen.

    # bahnneigung
    lat 52
    # erste stufe
    mass 1 22.600000
    empty 1 1.360000
    isp 1 2560.000000
    sec 1 169.000000
    alt 1 403
    # nutzlastverkleidung
    mass 2 0.157000
    # zweite stufe
    mass 3 4.545000
    empty 3 0.412000
    isp 3 3188.000000
    sec 3 408.000000
    # nutzlast
    mass 4 0.670000

    1 : 0.0 km 27.972 ton 285.05 m/s 321.7kN thrust 1.2 to 4.9 g 169.0 seconds
    -> 403.0 km 6.732 ton 2703.40 m/s offperigee (-5922.7-403.0) km
    -> 403.0 km 5.372 ton 2703.40 m/s offperigee (-5922.7-403.0) km
    3 : 403.0 km 5.215 ton 2703.40 m/s 32.3kN thrust 0.6 to 3.0 g 408.0 seconds
    -> 403.0 km 1.082 ton 7717.25 m/s orbit (403.0-564.0) km 1h:34m:6.7s
    4 : 403.0 km 0.670 ton 7717.25 m/s orbit (403.0-564.0) km 1h:34m:6.7s

    Wenn ich Reibungsverluste und alles andere ignoriere, und so rechnet SpaceX doch, dann kommt das sogar auf ner ISS Bahn an.

    ciao,Michael

  6. @Elendsoft: Warum wäre das für Mondlandungen nutzlos? Ganz im Gegenteil…

    Der Hauptzweck der L2-Station (die nicht „geplant“ ist, nur angedacht) wäre als „stepping stone“ für eine Asteroiden- oder Marsmission. Sie wäre vom Mond aus leicht zu erreichen (z.B. mit Treibstoff von den Polen) und könnte gleichzeitig als Relais für Aktivitäten auf der Rückseite dienen (z.B. unbemannte Sample-Return Missionen). Dass die NASA gegenwärtig nicht auf dem Mond landen will, ist hinlänglich bekannt, auch der Grund dafür: weil man dann einen teuren Mondlander entwickeln müsste, und weil der Bau einer Station (der logische nächste Schritt) die klammen Gelder für Jahrzehnte binden würde. Wenn Private dereinst auf dem Mond landen wollen, wird die NASA das sicher unterstützen, und allenfalls wohl auch für Mondwasser bezahlen.

    Man hätte die ISS schon dort oben bauen sollen. Dann wären wir jetzt einiges weiter.

  7. Ich verstehe die Argumentation nicht. Wenn ich sie vom Mond aus erreichen kann, dann muss ich zuerst auf dem Mond landen, bevor ich an diese Station gehen kann. Also kommt sie nach der Mondlandung, und leitet nicht zur ihr über.

    Um vom Mond in den L2 zu kommen braucht man genauso viel Energie wie um zur Erde zu kommen. Ein größerer Nutzen ist daher auch nicht gegeben.

    Und wenn man die ISS dort aufgebaut hätte, dann gäbe es sie heute noch nicht, denn das bedeutet dass sich die Nutzlast aller Träger auf ein Drittel reduziert hätte und das Shuttle hätte man auch nicht einsetzen können – ohne Shuttle gäbe es keine ISS, das war schließlich ein Argument für die Station (endlich ein Einsattzweck für die Shuttles und „billiger“ irds auch noch).

  8. Ein Relais für Aktionen auf der Mondrückseite wäre sicher für die Monderkundung nützlich. Aber das tut ein unbemannter Nachrichtensatellit mindestens genau so gut, für einen Bruchteil des Preises.
    Treibstoff vom Mond für eine Marsmission läßt sich aber mit weniger Aufwand in eine normale Mondumlaufbahn bringen. Also wenn schon eine Station, dann dort. Und ob so eine Orbital-Tankstelle unbedingt bemannt sein muß, ist auch noch die Frage.

  9. Wenns den Treibstoff gibt. LCROSS konnte kein Wasser nachweisen. Im Mondschatten ist man bei 66.000 km Entfernung nicht mehr. Für die Radioteleskope wird daher die Mondrückseite vorgeschlagen und Hubble II (heißt nun JWST) kommt ja in einen anderen Librationspunkt.

  10. Außerdem sind Hubble und JWST keine Radioteleskope. Und egal ob Beobachtungen im optischen oder Radiobereich, dabei stören die Bewegungen der Besatzung. Deshalb gibt es ja auch keine auf der ISS.
    Für ein vom irdischen Funksalat abgeschirmtes Radioteleskop im All gibt es außerdem einen besseren Standort: hinter der Sonne. Also genau auf der Erdbahn, aber um 180 Grad verschoben. Das hätte noch den Vorteil, daß bei Nutzung als Interferrometer eine wesentlich größere Basislänge entsteht. Die ist ja entscheidend für die Auflösung.

  11. @Elendsoft: Wieso setzt Du das Radioteleskop dann nicht gleich im Librationspunkt L3? Die Entfernung ist im Vergleich nur unwesentlich grösser, aber die Bahneigenschaften dürften sich unterscheiden. Aber in beiden Fällen wäre noch ein Kommunikationsproblem zu lösen, da die Sonne ja immer zwischen dem Teleskop und der Erde steht. Ich würde dazu einen oder besser zwei Relaisstationen entweder auf den Librationspunkten L4 un L5 setzen oder im Winkel von etwa 45° versetzt von der Linie Erde – Sonne auf der Erdbahn.
    Aber für den Anfang wäre ein Radioteleskop, oder später auch mal ein Radiointerferrometer aus mehreren Teleskopen auf der Mondrückseite wahrscheinlich erst mal die günstigere Alternative.

  12. Es ist ein Unterschied ob die Sonne 0,5 Grad abschirmt oder der Mond 180 Grad.

    Kurzwellige Radiowellen werden durch die Sonne abgeschirmt, bei langweilligen sieht es anders aus und die Radioastronomie arbeitet vor allem im langwelligen Bereich.

    Beim Interferometer gäbe es auch andere tolle Positionen wie z.B. in einer Umlaufbahn im permanenten Marsschatten, da muss man sich auch keine Sorgen über die Kühlung der Empfänger machen….

  13. Das Problem mit den nötigen Relaissatelliten hat man aber auch auf der Mondrückseite. Theoretisch wäre zwar auch ein langes Kabel zu einer Antenne auf der Vorderseite möglich, aber praktisch ist ein Satellit wohl doch deutlich billiger.
    Ein Radioteleskop muß ja auch nicht unbedingt durch irgend einen Himmelskörper abgeschirmt werden. Wenn man es auf einen ähnlichen Kurs wie die Voyager-Sonden schickt, wäre schon durch die große Entfernung die Störstrahlung stark gedämpft. Ist schon ein Unterschied ob ein Handy aus 100 m stört, oder aus 100 AE.

  14. Normalerweise ist es bei dem Punkt Bernd Leitenbergers Blog
    Ankündigungen und Realität aus meiner Sicht immer
    wichtig, dass die vielen Beiträge detailliert nachgeschlagen werden, damit kein falsches Bild
    entsteht. Genau das scheint hier auf der Seite immer normal zu
    sein. Genau deshalb schmöckere ich auf dieser Seite oftmals
    aufs Neue.

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