Was kostet ein europäisches Mondprogramm?

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Bei meiner Satire über die Weltraumpartei hat sich ja eine Nebendiskussion entsponnen, ob man ein europäische Mondprogramm durchführen könnte und was konnte es kosten (dort als „deutsches“ angegeben, doch wegen der Beteiligung von Frankreich und Italien in den Kernelementen, wäre es ein europäisches). Nun die Kostenabschätzung wird immer spekulativ sein, doch ich will mal einen „best guess“ abgeben und die Zahlen soweit es geht begründen.

Fangen wir mal an zu untersuchen, was das Apolloprogramm gekostet hat. Da gibt es einige Zahlen die sich leicht unterscheiden. Die Wikipedia referenziert 25,4 Milliarden Dollar, die ich auch von anderen Quellen kenne. Die Differenzen entstehen dadurch dass die NASA Zwischenberichte machte das das ganze bisher kostete und wenn man den von 1969 nimmt, ist man billiger dran (23,5 Milliarden) als beim Abschlussbericht und daran ob man nur die Dollar die ausgegeben wurden addiert (dann ist man bei 20,9 Milliarden) oder man die Inflation berücksichtigt (29,3 Milliarden in 1975).

Aber nehmen wir mal die dortige Aufschlüsselung:

  • Apollo spacecraft: $7,945.0 million
  • Saturn I launch vehicles: $767.1 million
  • Saturn IB launch vehicles: $1,131.2 million
  • Saturn V launch vehicles: $6,871.1 million
  • Launch vehicle engine development: $854.2 million
  • Mission support: $1,432.3 million
  • Tracking and data acquisition: $664.1 million
  • Ground facilities: $1,830.3 million
  • Operation of installations: $2,420.6 million.

Über die Kosten von LM und CSM habe ich auch folgende Kosten von 4 Milliarden für das CSM und 1,4 bis 2 Milliarden für das LM gefunden. Auch wenn diese Angaben nicht zu den obigen passen, so ist doch das LM deutlich billiger. Nehmen wir mal im folgenden 50% der CSM Kosten für das LM an.

Man muss aber auch einiges über das Apolloprogramm wissen, um die Kosten einzuschätzen. Das erste ist das es „schedule driven“ war. Es gab einen fixen Termin für die erste Mondlandung. Die Kosten waren zweitrangig. Das zweite war die Ausgangsbasis. Als Apollo im Mai 1961 beschlossen wurde, hatte die leistungsfähigste US-Trägerrakete die Atlas Agena eine Nutzlast von 2.500 kg. Es musste eine Rakete mit der 50-fachen Nutzlast konstruiert werden. Es gab bisher einen Raumflug von 15 Minuten Dauer über eine Höhe von weniger als 200 km. Apollomissionen dauerten 12 Tage und führten auf 400.000 km Entfernung. Kurzum: viel Geld wurde investiert um überhaupt erst einmal die Technologie zu gewinnen die man brauchte. Sie steht heute aber zur Verfügung und die Sprünge und Ausgaben sind daher kleiner.

Ein weiterer Punkt ist, das Apollo beim damaligen Stand der Technik äußert personalintensiv war. Zur Spitzenzeit sollen je nach Schätzung 250.000 bis 400.000 Personen an Apollo gearbeitet haben. Beim Countdown arbeiteten 450 Personen im Kontrollzentrum, die Bergungsflotte der US-Navy umfasste mehr als 10.000 Mann und diese Kosten musste die NASA übernehmen. Dafür braucht man heute weitaus weniger Personen. Was bleibt sind Investitionen in Infrastruktur. Die Anlagen am KSC wurden auch beim Space shuttle weiter benutzt und nur abgeändert. Als das DoD eine zweite Startanlage in Vandenberg errichtete kostete dies rund 3 Milliarden Dollar.

So, nach den Vorworten, kommen wir zu dem wie wir ein europäisches Mondprogramm anlegen können. Dreh- und Angelpunkt ist eine Trägerrakete. In einem Scenario hat EADS eine Ariane 5 mit 50 t Nutzlast entworfen. Die genauen Daten sind nicht bekannt. Sie hat aber 6 Booster und eine größere Oberstufe. Bei etwa 50 t für die Oberstufe würde eine Nutzlast von 50 t LEO oder rund 13 t LTO möglich. Die Daten von EADS Astrium sind für die Oberstufe relativ „robust“, 49 t Startmasse und 10 t Trockenmasse, selbst wenn man nur die ESC-B verlängert und ein zweites Triebwerk einbaut, also sich keine Mühe gibt besonders gleichgewichtig zu konstruieren, sollte eine Trockenmasse von 8 t möglich sein. Würde man eine leichtgewichtige Oberstufe konstruieren, dann wären es wohl eher 5-6 t, In der Summe ist eine LTO Nutzlast von 15 bis 16 t möglich. Legt man die Oberstufe gleich auf diese Last aus, so wird sie auch leichtgewichtiger, da sie rund 35 t weniger Last tragen muss.

Man braucht dann mehrere Flüge um zum Mond zu gelangen. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Die eine die ich auch schon mal vorgeschlagen habe und die auch das Szenario einsetzt ist es in einem Erdorbit alles zusammenzubauen. Danach koppelt eine ESC-B an und transportiert es in eine immer höhere Ellipsenbahn, die am Schluss beim Mond endet.

Eine zweite Möglichkeit ist es in einen Mondorbit eine Auftankstufe zu bringen. LEM und CSM werden getrennt gestartet. Im Mondorbit dann von der Auftankstufe aufgetankt. Denkbar ist auch eine Kombination beides. So kann man eine Mondmission auf drei bis vier Missionen aufteilen. Die Nutzlast wäre bei drei Missionen mit der einer Saturn V vergleichbar.

Die Ariane 5 ESCB wird gerade entwickelt. Von ihr unterscheidet sich die Ariane 5 50 t nur durch verlängerte ESC-B Tanks und und ein zweites Triebwerk im Schubrahmen und vier weitere Booster. So was müsste nicht so teuer sein. Benötigt wird auch eine neue Startanlage und weitere Gebäude für die Nutzlastvorbereitung. Rechnen wir mal mit 4-5 Milliarden für Infrastruktur im CSG und und die Ariane 50 t.

Einfacher ist es beim CSM. Für das ATV wurde ja schon die Weiterentwicklung zu einem Crewvehicle untersucht. Von diesem unterscheidet sich ein Mondgefährt dadurch, dass ein Crew Vehicle wahrscheinlich nicht 12-14 Tage autonom fliegt sondern schnell die ISS anfliegt und wieder ablegt. Das ist jedoch mit mehr Sauerstofftanks und einigen Kohledioxidfiltern, sowie Wasser und Nahrungsmitteln lösbar. Etwas problematischer ist das das ATV recht schubschwache Triebwerke hat. Selbst wenn alle vier zusammen arbeiten brauchen sie rund fünf Stunden um eine 20 t schwere Kombination in einen Mondorbit zu bringen. Auch von der Treibstoffeffizienz (höherer spezifischer Impuls) wäre ein schubstärkeres Triebwerk ideal. EADS hat als Prototyp das Aestus II, ein Aestus mit Turbopumpe und 55,6 kN Schub und einem hohen spezifischen Impuls von 3345 m/s. EADS schätzte die Entwicklungskosten für ein CRV auf 2-3 Milliarden Euro. Nehmen wir noch 1 Milliarde für Modifikationen für Langzeitmissionen und Einbau des Triebwerks hinzu, dann ist man bei 3-4 Milliarden.

Völlig neu zu entwickeln wäre der Mondlander. Hier kann man dann nur die Kosten abschätzen. ATV und CRV Entwicklung zusammen machen rund 4,4 bis 5,4 Milliarden Dollar aus, bei Apollo war der Lander für die Hälfte zu haben. Das wären rund 2-3 Milliarden Euro.

Dazu kämen die Flüge, die anders als bei Apollo, nicht in den Kosten enthalten sind. Was bekannt ist: Ein Ariane 5 Start kostet 160 Millionen Euro, ein ATV 280 Millionen Euro. Eine Rakete mit vergrößerter Oberstufe und mehr Booster würde bei gleichen Kosten pro Tonne 240 Millionen Euro kosten. Ein bemannter ATV das doppelte eines unbemannten Exemplars – 560 Millionen Euro. ein Mondlander dann weitere 300 Millionen. Das wären dann bei drei Starts 1580 Millionen Euro pro Mission. Apollo umfasste sieben geplante Landungen und vier Vorbereitungsmissionen. Heute würde man wohl nur zwei Vorbereitungsmissionen durchführen. Das wären dann 9 Starts mit 27 Raketen mit Kosten von 14220 Millionen Euro.

Dazu kämen natürlich noch Kosten für weitere Infrastruktur und Programmkosten hinzu. Ich schätze das mal auf weitere 2 Milliarden Euro. Dann wären wir zusammen bei 25,22 bis 28,22 Milliarden Euro. Apollo wurde über einen Zeitraum von 10 Jahren durchgeführt, das wären 2,6 Milliarden pro Jahr, in etwa so viel wie die ESA heute insgesamt zur Verfügung hat. Das entspricht auch der Situation bei Apollo als das Programm rund 60% des NASA Budgets ausmacht. Es ist jedoch inflationskorrigiert billiger als Apollo, das 109 Milliarden Dollar im Wert von 2010 umfasste. Es kostet also nur etwa 25-30% dessen. Allerdings bauen wir auch keine drei Trägerraketen und diese ist noch dazu kleiner. Bei Apollo machte die Saturn Entwicklung rund 40% der Kosten aus.

Es gibt auch Chancen, Chancen die Apollo nicht hatte, bei dem man zuerst mal nur das Ziel einer Mondlandung hatte und dann erst an die Wissenschaft dachte. Da die einzelnen Bestandteile getrennt gestartet werden ist es auch möglich, anstatt einem Mondlander ein Mondhabitat zu starten. Es würde direkt landen, computergesteuert auf Basis von Radar, Altimeter und Kameras die heute in Echtzeit bodenaufnahmen auf raues Gelände untersuchen können. Ein 16 t schwerer Lander könnet rund 6 t auf der Mondoberfläche absetzen. Nicht viel, aber ausreichend für eine kleine Druckkabine. Eine 5 m durchmessende Kabine mit zwei Stockwerken hätte rund 39 m² Wohnfläche. Nicht viel, aber für einige Astronauten und einige Tage ausreichend. Damit könnte die Besatzung bei Sonnenaufgang landen und bei Sonnenuntergang starten, wegen der Mondnacht und ohne nukleare Energieversorgung ist ein längerer Aufenthalt nicht möglich das sind dann maximal 14 Tage Aufenthalt anstatt 2-3 Tage wie bei Apollo. Analog könnte man in einem zweiten Start schweres Gerät, Instrumente, Fahrzeuge etc. bringen um diese Zeit auch sinnvoll zu nutzen.

Für die Entwicklung eines solchen Habitats kämen weitere Kosten hinzu, aber Columbus ist ja auch ein bemanntes Raumlabor und das kostete nur rund 1 Milliarde Euro. Ein solcher Flug schlägt dann mit einem solchen Exemplar und Startkosten von 240 Millionen Euro zu Buche.

Die Missionskosten sind meiner Ansicht nach sogar eher zu hoch angesetzt. Wir haben eine hohe Startrate. Wenn von den Zehn Jahren die Starts in den letzten drei Jahren erfolgen, hat man eine Produktionsrate von 9 x  50 t Raketen pro Jahr, die zusätzlich zu den Ariane 5 gefertigt werden. Dadurch müssten Stückkosten für Booster und EPC deutlich sinken. Das gilt auch für die Servicemodule. Wir haben derzeit einen ATV Start pro Jahr, es wären dann drei der analogen Crewmodule. Gemäß Lernkurve würde alleine die höhere Stückzahl den Start auf 200 Millionen Euro verbilligen und ein Crewmodul auf 420 Millionen. Das wären dann noch 1320 Millionen anstatt 1580 Millionen. Auch sind die Aufschläge großzügig gerechnet. Ein Mondlander muss z.B. nicht mehr können als ein ATV, eher weniger, Ein Crewmodul unterscheidet sich vom ATV nur durch eine Kabine, einige Luftfilter, Anschlüsse für Wasser und Luft und einen Hitzeschutzschild. das man so was preiswert bauen kann zeigt SpaceX mit der Dragon.

Ich befürchte aber es wird gerade anders kommen. Weil es bemannte Raumfahrt ist, wird man sehr hohe Sicherheitsstandards ansetzen, sehr viel testen und das verteuert alles ungemein. Wenn es aber zu moderaten Kosten zu finanzieren ist – sagen wir mal 3 Milliarden Euro pro Jahr bin ich voll dafür! Bei einem deutschen Anteil von 25% wären das für Deutschland weitere 750 Millionen Euro pro Jahr – sicher nicht eine Summe die wir nicht hätten. Dafür könnten wir 10 Jahren den ersten europäischen Astronauten auf dem Mond landen sehen. Das relativ große CRV würde auch mehr Astronauten zulassen. Bis zu sieben sollen Platz haben, selbst wenn man die Zahl wegen der längeren Missionszeit begrenzt, vier bis fünf könnten es schon sein. Da wären sicher einige deutsche darunter. Ich denke damit müsste man auch die Politiker gewinnen. Nebenher würde, wenn es nicht nur eine Wiederholung von Apollo ist, sondern man ein Mondhabitat angeht, damit mehr Forschung, mehr schweres Gerät für Tiefenbohrungen oder weite Exkursionen, auch die Mondforschung profitieren. Damit würde es sich von anderen Vorhaben wie von China, wo es nur um das nationale Prestige geht abheben. Denn was in Europa bei der ESA immer ging (anders als bei Deutschland und der NASA) ist das man bemannte Raumfahrt neben unbemannter durchführt ohne das letztere zusammengestrichen wird. Daher ist es auch als europäisches Programm gut aufgehoben.

Ich befürchte nur, wenn die ESA eine anfrage bekommt sie es komplett anders als ich machen wird – eine neue Trägerrakete entwickeln, ein neues Crewmodul und dann wird es erheblich teurer und man bekommt eben keinen Auftrag.

Einige Nebeneffekte die man hätte:

  • Eine Trägerrakete von rund 19 t GTO Nutzlast
  • Ein Mannschaftstransporter für die ISS oder eine europäische Raumstation, die man natürlich mit der Trägerrakete auch errichten könnte.

doch das wäre mehr etwas für den Artikel – „Was kommt nach dem europäischen Mondprogramm“.

10 thoughts on “Was kostet ein europäisches Mondprogramm?

  1. Danke Bernd für die interessante Berechnung! Was bei der Diskussion meinerseits gemeint war, waren zwei Fragen: was würde ein europäisches Programm kosten und was würde es kosten, wenn Deutschland alleine es durchziehen würde (so wie von Dir mal eine rein deutsche Trägerrakte angesprochen wurde). Der zweite Fall wäre wohl viel teurer, weil einiges neu entwickelt werden müßte bzw. an Infrastruktur nicht vorhanden wäre.
    Es ist aber interessant zu sehen, was möglich wäre, wenn man es nur wollte. 3Mrd pro Jahr sind für Europa nicht die Welt…
    Der Folgeartikel “Was kommt nach dem europäischen Mondprogramm” würde mich aber auch interessieren 😉

    Viele Grüße, T.J.

  2. Ich bin für eine Raumfahrt der Vernunft, das bedeutet, dass man versucht das beste aus den verfügbaren Mitteln oder der bestehenden Infratruktur zu machen. Das hat mir ja schon Kritik eingebracht von Leuten die für alles sind, egal was es kostet. Deswegen habe ich das gar nicht erst untersucht

    Deutschland kann noch nicht mal eine State of the art LOX/Lh2 Oberstufe konstruieren. Die Kosten für eine Trägerrakete wären daher enorm. Man benötigte ein eigenes Weltraumzentrum und das wäre auch teuer (die ESA hat etliche Milliarden in das CSG investiert) und das einzige was man schon hätte wäre das know How des ATV, der zum größten Teil in Deutschland gebaut wird.

    Doch Deutschland wird es nie angehen. Gerade läuft durch die Presse dass man Radarsatelliten mit der Falcon 9 starten will. Sie wären auch startbar mit einer Vega. Aber so viel Solidarität mit einem europäischen Träger kann man von den Pfennigfuchsern von Astrium ja nicht erwarten. Dabei wollte Deutschland ja sogar eine eigene stufe für die Vega entwickeln. Nur ist da wohl der Zug abgefahren, weil man das Angebot zu spät machte und es auch nicht sehr überzeugend war.

  3. Es konnte auch billiger, JPL machte Studien für Minimal kosten Bemannte Mondflug.
    Human Lunar Return von 1995

    Shuttle bringt ein wiederverwendbar 15.6-ton Lunar Orbit Stage (LOS) bis ISS
    das LOS besteht aus 10 Meter Hitzeschild ein Habitat Modul für 2 Personen für 19 tage antrieb
    Eine Proton startet unbemanntes Habitat mit landerstufe zu Mond die 4 tage später landet.
    dort blast das Habitat auf volle große, entfaltet Solarzellen, eine S-band Antenne, und erste Experiment.
    Shuttle bringt 2 Personen Crew Lunar Landing Vehicle (LLV) und Treibstoff für LOS.
    dann starten zwei Proton und bringen zwei Trans-Lunar Injection (TLI) stufe in orbit.
    diese docken mit bemannten LOS in der nahe ISS.
    4 tage später erreicht LOS den Mond orbit, dann macht die Crew eine EVA zum LLV.
    das Lunar Landing Vehicle mit 4565kg ist nicht das Apollo LM.
    Es biete nur zwei primitive sitze für Astronauten in Raumanzüge, Steuerkontrollen und
    Tanks, antrieb und lande beine und sonst nichts, absolut Minimum !
    Die Crew landed bei Habitat und bleibt 3 tage auf Mond und macht mehre EVA.
    Dan startet Sie mit 10 kg Mondgestein wieder in Mond orbit zum LOS
    nach crew zu LOS ging wird LLV aufgeben. LOS benötig 4 tage zu Erde.
    mit Hitzeschild macht LOS die Bremsung in Atmosphäre indem niedrigen orbit zu ISS
    in 1995 wurde die totale kosten für drei Mission mit 2,5 Milliarden US Dollar berechnete.

    nun könnte theoretischen „ESA Mondprogram“ aus dies was lehren ? eigentlich Ja.
    Ersetzten der Proton und Shuttle mit Ariane 5 ES-ATV und 5ME.
    Die 5ME könnte hardware direkt zum Mond bringen 7-8 Tonnen.
    Wahrend zwei ES-ATV die LOS und eine Wasserstoff und Sauerstoff stufen in Orbit bringen.
    interessant wahre ist frage: nutzen der ISS als dock und Transfer für die Crew ?
    oder Start der Crew mit zweite ES-ATV ?
    Das ist eine Kosten frage für Entwicklung einer ESA bemannte Kapsel.
    sicherlich ist billiger wen die Mond crew mit Soyuz oder Dragon zu ISS fliegt
    oder wurde EAS Dragon Kapsel kaufen ?

    apropos SpaceX, das Human Lunar Return Konzept wahre was für die…

  4. Tja, so ist das wenn wir Ingenieure Kostenrechnungen angehen…
    Leider richtet sich die Kostenrealität nur rudimentär nach dem technischen Aufwand.
    Ihr habt nun schlüssig hergeleitet, was so eine europäische Mondmission MINDESTENS kosten wird.
    Um zu verstehen, warum man so ein Projekt nicht angeht, muss man halt auch mal kucken, wie groß denn die MAXIMALEN Kosten sein könnten.
    Nehmen wir mal das einzige bisher erfolgreiche Programm als Referenz: Apollo. Kosten vma. $25MRD.
    Wie wir alle wissen ging beim Apolloprogramm bemerkenswer wenig schief. Das Programm war zeitlich extrem auf Kante genäht und angesichts der Komplexität und des technischen Neulands grenzt es an ein Wunder, dass kein Komplettverlust eines bemannten Trägers oder einer SaturnV zu beklagen war. Also war es, was die Kosten von Fehlschlägen angeht ein nahezu ideal verlaufendes Programm.
    Die Sicherheitsstandards waren wohl nicht schlecht, wie Bernd bemerkt würden sie heute höher sein (müssen?). Also würde man hierfür zusätzliche Kosten einplanen müssen.
    Schließlich wurde das Programm von einem Land durchgezogen, dessen politische Führung felsenfest und permanent dahinterstand. Schauen wir uns Europa an, so ist dies ein nicht zu erreichender Idealzustand. Also wären aufgrund von politischen Querelen, Doppelarbeit, Geheimniskrämerei gegenüber vermeintlichen Partnerunternehmen auf jeden Fall Mehrkosten zu veranschlagen.
    Für eine Maximalkostenabschätzung wären also mindestens die Apollokosten anzusetzen, und zwar inflationsbereinigt. Der Gegenwert von $25MRD des Jahres 1965 sind heute (2013) $184MRD (http://www.usinflationcalculator.com/). Wikipedia.de schreibt „$120MRD nach heutigen Maßstäben“. Da kann man jetzt getrost noch die paar Milliarden abziehen, die ihr für den geringeren technischen Entwicklungsaufwand hergeleitet habt. Es bleiben trotzdem mehr als $100MRD. Mit Milchmädchen gerechnet sind das $10MRD pro Jahr über zehn Jahre, also das Vierfache dessen, was die ESA kriegt. Realistisch natürlich noch mehr, da man solche Beträge nicht ohne Inflationsbereinigung und Zinseszinseffekt rechnen darf. Außerdem noch nicht berücksichtigt ist der Verdienstausfall der dadurch entsteht, dass man die „vorhandene“ Infrastruktur inkl. Ingenieure, etc. nicht mehr für einen komerziellen Betrieb nutzen kann, die machen ab morgen ja alle Mondprogramm. Gut, man kann argumentieren, dass sowas in den $100MRD-$184MRD Worst-Case-Programmkosten schon drin ist 😉
    Sorry, Leute, aber soviel Kohle gibts von der EU nur, wenn man Bank ist.

  5. Du ignorierst leider alles was ich ausgeführt habe. Es geht nicht Apollo nachzuahmen. Sondern aus dem was man hat das beste zu machen und wir stehen eben nicht da wo die USA 1961 waren. Selbst die Vega ist noch leistungsfähiger als das was die USA damals zur Verfügung hatten.

    So werden nicht die Trägerraketen entwickelt die bei Apollo 40% der mittel ausmachten, sondern nur eine bestehende leicht vergrößert. Auch das ein CRV aus dem ATV entwickelt werden könnte und somit dies billiger würde wird ignoriert, einfach die Zahlen von Apollo genommen und nicht hinterfragt. Apollo war gerade so teuer weil es so schnell gehen sollte. Russland hat für ihr Mondprogramm nur ein Zehntel dessen ausgegeben, allerdings wären sie niemals vor den Amis gelandet….

  6. du kennst dich mit raumfahrt aus, ich fast nicht. darum nur eine frage um dir zu helfen zu verstehen was ich meine: wie viele von 10 raumfahrtprojekten sollten auf was ganz einfachem, bekannten basieren und liefen dann kostenmäßig aus dem ruder, weil nach programmstart die spec, das ziel, die anforderungen geändert wurden, technische schwierigkeiten auftauchten, oder fehlschläge verkraftet werden mussten? wenn es nur eins von 10 war (und wenn ich durch dein beeindruckendes archiv scrolle müssten es mehr sein) dann hat meine maximalkostenrechnung eine realistische daseinsberechtigung.
    ich ignoriere nicht was du schreibst, ich ergänze es um das, was du weglässt, weil du von einem funktionierenden, reibungslosen programm mit solider finazierung und steuerung ausgehst. das ist optimistisch.

  7. Natürlich ist dem so, dass die kosten aus dem Ruder laufen können. Das beste Beispiel ist ja „Apollo 2.0“ oder Constellation von G.W.Bush, bei dem man die Finanzierung nicht hinbekam.

    Apollo ist da aber gerade ein Gegenbeispiel: Das Programm hatte Rückschläge (Neukonstruktion des CSM nach dem Brandt von Apollo 1, LM lag immer hinter dem Zeitplan zurück und „leckte wie ein Sieb“ und es war nie so ausgelegt um Kosten zu senken, sondern den Zeitplan einzuhalten und wenn man in Verzug kam butterte man noch mehr Geld dazu. Dazu kommen Investitionen in Startanlagen die man nie brauchte oder Erweiterungen die nie eingesetzt wurde (F-1A, J-2S). Gerade deswegen müsste man, selbst wenn man es wiederholt billiger wegkommen.

  8. Ich glaube nicht, daß die wahren Kostentreiber technische Ursachen haben würden. Bei unserer heutigen politischen Landschaft (egal ob national oder europäisch gesehen) gibt es keine Planungssicherheit, keine rote Linie und den Willen, ein einmal beschlossenes Projekt über mehr als eine Legislaturperiode auch so durchzuziehen, ohne laufend wesentliche Änderungen (technischer, logistischer oder politischer Natur) einzubringen.

    Anja

  9. Auf europäischer ebene gebe ich Dir recht, wie man gerade in den letzten Jahren bei den Themen Ariane 5/6 oder ATV sehen konnte. In Deutschland zieht man was mal begonnen wurde eher durch egal wie unsinnig es ist (Elbphilharmonie, Stuttgart 21) oder wie viel es kostet und selbst wenn Termine nur noch Makulatur sind Flughafen BER.

  10. Ich lehne mich jetzt vielleicht etwas aus dem fenster da ich da keine Expertin bin, aber nach allem was ich gehört und gelesen habe, ist grade BER ein gutes Beispiel dafür, was dabei rauskommt, wenn jeder meint, mitreden und ändern zu müssen. Von dem ursprünglichen Plan ist ja nun nicht viel übriggeblieben, deswegen paßt ja auch nichts zusammen.
    Bei dem Änderungstempo kommt kein Konfi-management hinterher 🙂

    Anja

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