Spielekritik: Jagged Alliance Online

Wie ich schon mal hier habe anklingen lassen, spiele ich immer noch gerne Jagged Alliance, ein Spiel das mittlerweile 14 Jahre auf dem Buckel hat. 2012 war dann geprägt von zwei Neuigkeiten: Es gab zuerst „Back to Action“ als Nachfolger. Doch als ich eine Demoszene durchspielte wurde mir gleich klar, dass dies nichts für mich ist. Der Rundenmodus fehlt komplett, Man weiß wo Gegner sind etc. Gamigo kündete dann eine Online Version von Jagged Alliance an, die ich mir angesehen habe.

Ich hatte mich für die Beta Jagged Alliance Online Version (JAO) beworben, aber dann bald die Lust verloren. Die Bedienung war ruckelig, verzögert und machte keinen Spaß. Es blockierte den Browser und stürzte dauernd ab. Daher habe ich es nicht mehr gespielt.

Im Juni 2013 kündigte Steam an, das Spiel zu vertrieben und zwar auch als offline zu spielende Version. Also habe ich es nochmal getestet. Es läuft nun etwas flüssiger. Auf meinem AMD 5150e Prozessor (2 x 2,6 GHz) mit OnBoard Grafik (ATI3200HD), also nicht gerade „Gamer“ Hardware läuft es selbst bei 1920 x 1200 Punkten in niedrigen Detailstufen annehmbar, aber auch nicht flüssig. Was bliebt ist das der installierte Player den Browser weitgehend lahmlegt. Es ist ratsam nur zu spielen, und nicht andere Webseiten offen zu lassen. Stellenweise konnte man auch nicht auf andere Anwendungen wechseln und Chrome crashte beim Schließen per Task-Manager (anders ging es nicht mehr).

Was hat es mit Jagged Alliance zu tun?: Man kann Söldner rekrutieren, die verschiedene Eigenschaften und Spezialisierungen haben. Diese müssen Aufträge erfüllen, die aus mehreren Missionen bestehen. Dafür gibt es Geld und Erfahrungspunkte und man findet Beute. Die Namen von JA2 Söldnern findet man wieder. Die Portraits sind auch etwas ähnlich und die Stimmen wurden vom englischen Ja2 übernommen. Das war es aber schon.

Es gibt nicht die Freiheit die Gegend zu erkunden. Es gibt einen Sektor, eine Mission, das war es. Wer Ja2 Erfahrung übertragen will wird enttäuscht. Ich kaufte zuerst ein Erste-Hilfe Päckchen, ohne die geht es in Ja2 nicht. Die kosten schon ein Zwanzigstel des Anfangsbudgets. Nutzen? Sinnlos. Ein Söldner verliert nicht Blut und auch keine AP (der Feind auch nicht) wenn er getroffen wird. Selbst wenn er tot ist, ist er bei der nächsten Mission wieder dabei. Die Waffen reparieren sich von selbst und es gibt nur zwei Waffen pro Personen, einen Helm und eine Weste. Kein komplexes Erweiterungssystem der Ausrüstung. Selbst in den Bewegungsmöglichleiten wurde gespart. Es gibt z. B. kein Liegen oder springen.

Es gibt auch keinen Realitötsbezug. Die Feinde tauchen aus dem Nichts auf. Ihre KI ist nur dämlich. Sie rennen auf einen zu und selbst wenn man hinter Benzinkanistern kauert wird man nicht getroffen – und natürlich auch die Benzinkanister nicht. Es ist natürlich auch immer möglich genau den Gegner zu treffen, den man trefen will, selbst wenn er hinter einem anderen steht (genauso auch bei den eigenen Söldnern). Also bleibt von dem komplexen Steuersystem, der Ausrüstung und Taktik von JA2 nichts mehr übrig.

Die Beute die Gegner hinterlassen ist oft nutzloser Plunder. Das man über kurz oder lang mit den Leuten Geld verdienen will ist klar. So gibt es Geld und Gold. Bestimmte Dinge wie Aufrüstungen oder Waffen sind nur mit Gold erhältlich. Mit Gold kann man auch Geld erhalten (Kurs: 50 Gold = 50.000 Dollar). Und das ist notwendig. Die Söldner kann man noch billig rekrutieren, doch die Ausrüstung kostet und das Aufsteigen in jeder Stufe. Beispiel: Es gibt für eine Kampagne mit 5 Missionen 12.420 $. In dieser Stufe angekommen kostet eine aktuelle Waffe aber 13.200 $, genauso viel eine Schutzweste und ein Helm. Um nur also die zu diesem Zeitpunkt drei Söldner aufzurüsten muss man die Kampagne neunmal durchspielen. Da der Gegner leistungsfähiger wird muss man aufrüsten, genauso wie in Ja2, da kann man Meduna auch nicht mit einer Baretta, Splitterschutzweste und Stahlhelm einnehmen. Mit dem Geld kommt man also nicht aus. so habe ich mehrere Missionen mehrmals gespielt um Geld zu bekommen. Spielspaß ist was anderes. Die alte Ausrüstung zu verkaufen bringt auch nichts – nur ein Zehntel des Wertes bekommt man zurück. Es gibt nur Feuerwaffen die mit jedem Level freigeschaltet werden, also nichts damit gleich ein FN-FAL zu kaufen. Messerattacken oder Handgranaten sind auch nicht vorgesehen.

Als Online Game für die Pause ganz nett, aber in keiner Weise vergleichbar mit Ja2. Für mich ist eines klar. Für das aufs nötigste reduzierte Konzept werde ich kein Geld ausgeben. Zumal man nicht erkennen kann wo die Kosten enden. Wenn man die Kampagnen bis Level 10 durchgespielt hat gibt es nur noch Prestige Missionen oder die per Kampagne zu kaufenden Missionen. Da die Kampagne 675 Gold kostet, man aber wenn man kein Gold seit Spielanfang ausgab maximal 160 Gold hat, läuft das auf Bezahlung raus. Benötigt werden 675 Gold, das kostet 2 Pakete à 300 Gold zu je 9,99 Euro, also fast das gleiche wie bei Steam.

Es ist zu raten die Shortcuts zu benutzen. obwohl diese nicht für alle Aktionen(und es gibt eigentlich wenige) vorgesehen sind, denn die Maus reagiert auch jetzt noch sehr verzögert. so habe ich schon als ich an den linken und oberen Rand fuhr und klickte ein Programm gestartet (die Taskleiste ist bei mir links) und auf eine andere Webseite gewechselt (die Lesezeichenleiste ist oben). Öfters bewegte sich auch ein Söldner obwohl das nicht gewollt war.

Was man machen kann ist gegen andere Spieler anzutreten – wenn es welche gibt. Zwei Versuche ergaben nach mehreren Minuten keine passenden Gegner, wahrscheinlich weil es kaum Anfänger gibt. Zudem möchte ich die Wahl haben, was ich speile und nicht verdonnert werden gegen Menschen zu spielen die sich für Geld die gute Ausrüstung gekauft haben.

Die Steam Version

Die Steam Version ist vom Gameplay, Story, Missionen etc. völlig identisch mit der Online Version. Das bedeutet auch: die Restriktionen eines Online Games (man will ja viele Leute anlocken, da gibt es keine komplexe Steuerung, komplexes Spielsystem oder irgend etwas was längere Einarbeitungszeit erfordert) bleiben bei einem Stand Alone Spiel erhalten. Einzige Neuerung ist beim Start eine frei wählbare Fenstergröße. JOA nutzt immer die volle Breite des Browserfensters aus. Es läuft flüssiger, Verzögerungen bei den Mausaktionen habe ich nicht beobachtet und man kann auch die Anwendung per Alt-Tab verlassen (allerdings habe ich schon Crash gehabt, als ich den Startbildschirm mit Lademeldung wegdrückte um was anderes in den Vordergrund zu holen).

In Jagged Alliance Online konnte man mit „Gold“ nur bestimmte Dinge kaufen und das gab es wenig, etwa 2-3 Stücke pro Mission, 684 davon braucht man für eine Kampagne, also muss man sich ziemlich abrackern. Das ist auch hier so. Sobald man die dritte Kampagne nach der Einführung abgeschlossen hat, also Level 12, kommt man nicht weiter. Auf der Weltkarte tauchen neue Missionen auf, doch klickt man sie an erfährt man, dass man nur mit der für 24,99 Euro zu erwerbenden Kampagne spielen kann, die 100 Stunden Spielspaß bieten soll. Was bleibt? Man ersetzt viele kleine Downloads durch die eines Steam Clients (1,1 GB), aber man hat keinen Zusatznutzen. Ohne Online Anbindung läuft das Spiel trotzdem nicht und ohne Geld auch nicht.

Wer nicht nur exklusiv mit JAO spielen will wird vielleicht einen Vorteil schätzen. JAO blockiert den Browser, das heißt man kann die Seite nicht wechseln oder diese reagiert nicht mehr auf Aktionen. Das geht soweit dass man nicht mal mehr den Popupblocker instruieren kann ein Popup der Jagged Alliance Webseite zuzulassen. Mit Steam kann man nebenher arbeiten und auch auf andere Anwendungen wechseln.

Fazit

Ziel eines Browsergames oder eben einer Steam Version ist es, Geld zu verdienen, wie auch bei anderen Spielen auch. Das ist nicht verwerflich. Was mich an der Umsetzung mit Jagged Alliance stört, ist das ich zum einen nicht weiß, wenn ich eine Kampagne kaufe, ob damit Schluss ist – ich vermute nicht, denn nach wie vor Kosten ja auch die Waffen und bessere Ausrüstung Gold – und das ich wenn ich nichts investieren möchte nach dem Abschluss der Mission von Level 10 gegen eine Mauer fahre. Danach kommt man ohne Geld nicht weiter. Das macht auf mich keinen guten Eindruck und vermittelt eher den Eindruck dauerhaft zahlen zu müssen.

Vom Spielprinzip her, der Einfachheit mit der es gestrickt ist ist es mir zumindest die 24,99 Euro nicht wert. Maixmal 5 bis 10 Euro würde ich dafür ausgeben. Ich habe lieber denselben Betrag der Entwicklerschmiede Full Control gestiftet die einen JA Nachfolger entwickeln will.

Links:

Jagged Alliance Online
Jagged Alliance Online Steam Version

6 thoughts on “Spielekritik: Jagged Alliance Online

  1. Hm… das klingt nicht nach einem Spiel, das ich würde haben wollen. Nach dieser Kritik zu schliessen scheint es den Machern in erster Linie NUR ums Geldverdienen zu gehen, und weniger darum, den Kunden grossen Spass beim Spiel zu bescheren. – Oder die verstehen was anderes darunter. Zum anderen bin ich aber auch prinzipiell nicht gut auf Browserspiele zu sprechen, denn Browser und Spiele sind für mich zwei Dinge die sich prinzipiell gegenseitig ausschliessen. Ich weis auch, dass das real nicht der Fall ist, aber ich sehe die Sache halt so, dass Spiele im Browser nichts verloren haben und ein Browser grundsätzlich keine Spielplattform ist! Mag ja sein, dass diese Sichtweise etwas Engstirnig ist, aber wir haben ja alle unsere Macken und das ist dann eben eine von mir.
    Wenn schon Netzwerk oder gar Onlinespiel, dann sollte jedes Spiel seinen eigenen NetzClient mitbringen. Wenn es dann auf Routinen zurück greift, die eigentlich zum Internet Explorer gehören, dann ist das wahrscheinlich zwar gängige Praxis, weil MS das ja vorgemacht hat, aber nicht gerade die reine Lehre. Aber das ist ein anderes Thema.

    Zum Spiel selbst wäre vielleicht noch zu klären, wie es auf Gamer Hardware läuft, also etwa 4 x 3,2GHz, mind. 8GB RAM und Highend GraKa; keine Ahnung, wie die Chips und Karten dafür gerade heissen.

  2. Wenn Du mir den finanzierst – gerne. Mir reicht mein PC noch gut und solange er funktioniert wird kein neues gekauft.

    Ich würde es eher anders herum aufziehen: Browsergames wenden sich an die Gelegenheitsspieler, die keine Gamer-Hardware haben und das sind die meisten: in 2/3 aller desktop-Pcs steckt keine Grafikkarte und die Notebooks mit Spiele-Beschleunigungschipsatz sind noch seltener. Daher ist das Konzept ja auch so einfach und reduziert, denn da kauft man ja kein Spiel, sondern probiert aus und bleibt dabei – oder eben nicht.

    Nur ist diese Reduktion der Komplexheit gier schon extrem, es ist auch nicht so, dass es nach einigen Stunden der Einfachheit sich dann dem Vorbild nähert, sondern es bleibt auf dem niedrigen Einstiegsniveau.

  3. Bei Onboardgrafik wird gern der Grafikspeicher eingespart, und dann wird das zu einer argen Systembremse. Selbst eine Billig-Grafikkarte bringt da deutlich mehr.

    Was mich bei Onlinespielen stört: Man ist menr oder weniger abhängig von anderen Spielern. Und wenn dann einige einfach zum Spielen zu blöd sind oder als Klassenkasper alles durcheinander bringen macht es keinen Spaß mehr.

  4. Es ist nicht der Grafikspeicher an sich, sondern dass die APU verglichen selbst mit einfachen Grafikkarten eine schlechte Performance haben.

    JAO hat einen Modus wo man gegen andere kämpfen kann, aber der interessiert mich nicht. Auch aus dem Grund den Elendsoft nennt.

  5. Ich bin selber kein PC-Spieler mehr und „Hardcore Gamer“ war ich noch nie. Deshalb lege ich auch auf so hochgetunte Spielehardware keinen Wert. Ich hätte zwar auch nichts gegen eine 4-Kern CPU mit 8 GB RAM, aber bisher kann ich die kaum ausnützen. Und entsprechende Software dafür hab ich auch nicht. Mir schweben zwar einige Grafikprojekte vor, die diese Resourcen benötigen und auch ausnutzen könnten aber dabei dürfte es wahrscheinlich wieder an der Software haken…

    Ausserdem kann ja auch noch jemand von den Lesern, der so einen Rechner hat, hier seine Erfahrungen mitteilen, wie sich das Spiel darauf verhält. Und so hatte ich das auch gemeint.

  6. Zum Anzeigen der Grafik muß die GPU (egal ob nun als APU, im Chipsatz oder als extra Chip aif einer Grafikarte) das Bild immer wieder aus dem Grafikspeicher auslesen und zum Bildschirm schicken. Bei 1024 x 768 Pixeln, 32 Bit Farbtiefe und 100 Hz Bildwiederholfrequenz sind das immerhin 300 MB/s. (Bei höheren Auflösungen noch entsprechend mehr.) Teilen sich CPU und GPU den normalen RAM, stehen sie sich also öfter gegenseitig im Weg. Wenn dann auch noch die GPU nicht viel taugt ist die Wirkung verheerend.

    Dazu kommt daß bei den Billiggeräten in denen APUs eingesetzt werden meistens auch noch am RAM gespart wird. Weniger an der Menge, vor allem an der Geschwindigkeit. (Wieviel RAM eingebaut ist, steht in jedem Werbeprospekt, wie lahm nicht.) Für heütige Prozessoren sind zwei Speicherkanäle üblich, was aber nur genutzt werden kann wenn auch zwei RAM-Module verbaut werden. Wird dann um ein paar Cent zu sparen nur eins verbaut, halbiert sich der Speicherdurchsatz nochmal.

    Zum Briefe schreiben und etwas im Internet surfen reicht das aus, aber bei Spielen wird es recht schnell zu lahm.

    Deshalb mein Tip: Sieh mal ob irgend Jemand noch eine alte Grafikkarte übrig hat.

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