Keine große Sache, aber ärgerlich

Mangels großer Themen im Computer- und Raumfahrtbereich heute ein kurzer Blog mit einer persönlichen Meinung. Es geht um ein spezielles Problem und ein allgemeines. Es geht um Standards. Im Konkreten: Speicherkarten. Ich habe bis vor Kurzem zwei im Einsatz: CF-Karten für meine älteren Digitalkameras und SD-Karten für eine neuere Digitalkamera und den Raspberry Pi. Mit dem Raspberry Pi 2 zogen dann noch die Micro-SD Karten ein. Mein Favorit war lange Zeit die CF-Karte, sie ist robust und nicht fummelig klein. Die SD-Karte fand ich schon fummelig und durch das Plastikgehäuse auch billig. Das hat sich mittlerweile geändert, weil ich schon bei zwei Lesern verbogene Pins für das Lesen der CF-Karten habe. Das sind einfache Drahtpins. An und für sich kann man CF-Karten auch sauber einschieben, ohne sie zu verbiegen. In der Kamera geht das ja auch. Nur gibt es sie in zwei Höhen: CF-I und CF-II. Die zweite Höhe haben nur Minifestplatten gehabt, doch die Gehäuse der Leser sind für sie ausgelegt und wenn man eine CF-Karte falsch einlegt, verbiegt man leicht einen Pin. Das kann bei den SD-Karten nicht passieren.

Für Mikro-SD Karten kann ich mich gar nicht begeistern. Sie wirken extrem zerbrechlich, rasten meiner Erfahrung nach nicht immer sauber ein und sind so klein, dass man sie leicht verliert. Ich tue daher jede Micro-SD Karte nach Benutzung zurück in den Adapter, ein SD-Kartengehäuse. Vor allem verstehe ich den Nutzen nicht. Es mag Gehäuse geben, die so klein sind, dass auch eine SD-Karte zu groß ist, vielleicht eine dieser Smartwatches. Aber das ist selten. Die beiden Devices, die bei mir Micro-SD einsetzen sind bei mir ein MP3-Player und der Raspberry Pi 2. In beiden gäbe es genug Platz für eine SD-Karte und der Raspberry Pi hat bis zum letzten Jahr auch SD-Karten eingesetzt.

Das sind nur die Formate, die ich benutze. Es sind aber auch die häufigsten. Spontan fallen mir noch die Xd-Karten ein und die verschiedenen Memory Stick Formate. Beides sind Firmenstandards. Sony hat sogar mehrere, in den Steckern zueinander inkompatible Memorysticks herausgebracht. Meiner Ansicht nach würde ein Format reichen, vielleicht sogar USB, das hat immerhin jeder Rechner eingebaut und erspart einen eigenen Leser. In der Praxis ist aber der USB-Stecker oft schon zu breit, sodass man sicher ein Kartenformat braucht, doch warum so viele?

Das ist das generelle Problem: Standards. Viele Hersteller treiben hier ihr eigenes Süppchen, um über Zubehör Geld zu verdienen. Meine Canon Cameras haben einen Anschluss für ein Netzteil. Doch kein normaler Standardstecker eines Steckernetzteils passt. Ich setze nun ein in China über EBay gekauftes ein, trotz Zoll und Versandkosten immer noch nur halb so teuer wie das von Canon. Das Gleiche gilt für Mikro-USB Stecker. Ich habe hier mindestens drei verschiedene im Einsatz. Alle sehen ähnlich aus, keiner passt in die Buchse des anderen.

Bei solchen Zubehörsachen werden wir noch lange mit vielen Standards leben müssen die eine Industrie von Adapterherstellern, Nachahmern und Verbindungsgeräten am Leben hält. Besonders problematisch wird es, aber wenn es um Massenmedien geht. So gab es mal drei Videostandards – durchgesetzt hat sich schließlich VHS. Nicht weil es das technisch beste System war, sondern weil es am meisten Videos für das System gab. Das Ganze wiederholte sich beim HD-Standard. Hier ging Blue Ray als Sieger hervor, weil die anderen vor Markteinführung zurückzogen – immerhin schlauer als den Krieg einige Jahre über die Marktanteile auszufechten. Recht selten ist das Kombigerät. Kann sich noch einer erinnern? Vor einigen Jahren gab es für beschreibbare DVD drei Standards: DVD -R, DVD +R und DVD ROM. Inzwischen beherrschen DVD-Brenner alle drei.

Abhilfe ist nicht in Sicht. Wer ein Display anschließen will, kann das heute über DVI, HDMI oder Displayport machen. Das sind nur Beispiele, die mir aus dem Bereich Computer spontan eingefallen sind. Woanders kenne ich mich nicht so aus. Doch praktisch nirgendwo sind Zubehörteile herstellerübergreifend kompatibel. Das geht bei Staubsaugerbeuteln los, über Tintenpatronen bis zu Autozubehör. Selbst im Kleinen muss dauernd was geändert worden. Vor einem Monat brach mein Fahrradsattel während des Fahrens. Ich wollte ihn durch einen Alten vom letzten Fahrrad ersetzen, doch der passt nicht auf die neue Stütze. Eine Neue hätte gleich 28 Euro gekostet (für ein simples Stahlrohr). Der Fahrradhändler hatte noch ein Reststück, aber gefertigt wird es im Durchmesser 27,25 mm nicht mehr. Natürlich hat das neue Fahrrad auch Schrauben auf Basis des Inbussystems. Früher waren es normale sechskantige Muttern. Einen nutzen sehe ich nicht, nur braucht man neues Werkzeug. Alleine das Thema Schrauben und Muttern ist so ein Beispiel: es gibt zig verschiedene Größen und Längen und die in unterschiedlichen Systemen (Normal, Kreuzschlitz, Inbus etc….). Wenn man mal einen Ersatz braucht, steht man dann oft im Regen. Meine Ansicht: Weniger Vielfalt ist besser.

6 thoughts on “Keine große Sache, aber ärgerlich

  1. Ich verstehe Dein SD-Problem nicht. SD und MicroSD sind gängige etablierte Standards, die haben doch mit dem Sony-Firlefanz und anderem Nepp überhaupt nichts zu tun?
    Wie dann jetzt noch ein Mini(!)computer ins Spiel kommt – ähem, das macht mich ganz konfus. Da fummelst Du im Normalfall _einmal_ eine MicroSD rein und fertig.
    Dass da Platz _wäre_ ist doch nicht nur völlig unerheblich sondern konzeptionell völliger Quatsch? Du kannst da auch gerne ’ne 2,5″-SSD anschliessen, Platz ist ja genug …

  2. Ja, die Sache mit den Standarts….

    Ich hätte jedenfalls für die Elektro-Autos eine Lösung für die großen Probleme der
    Fahrzeuge:

    1. Reichweiten-Problem (über 160 km sind kaum drin, und die nur unter optimalen Bedingungen)
    2. Lade-Problem, das Laden dauert viel zu lange, Schnell-Laden kürzt die Lebensdauer
    3. Laternenparker ohne Steckdose

    Und das beste, deutsche Ingenieure haben das Problem bereits in den Siebizigern
    noch mit den alten Bleibatterien gelöst.

    Und zwar: Eine Standardbatterie, die auf leichte Art und Weise vom Fahrzeug abgekoppelt wird, in der „Tankstelle“ geladen, geprüft und repariert wird, und an ein anderes Fahrzeug weitergegeben werden kann.

    Man müßte nur das Netz der Tankstellen dafür herrichten. Der Strom kommt aus der Steckd… äh vom Solarkraftwerk oder vom Windkraftwerk oder Wasserkraftwerk.

    Man hat das damals sogar mal im Fernsehen gebracht, mit E-VW Bulli, den Batterien
    auf einer Palette im Laderaum und einem Gabelstapler.

    Und danach nie wieder was davon gehört….

    Und es gibt noch soviele Nicht-Standards….

    Und die Welt dreht sich trotzdem!

  3. Also ich habe bis dieses Frühjahr keine micro-Sd gehabt. Für den Raspi 2 musste ich mir eigens welche kaufen, obwohl ich genügend SD-Karten in der richtigen Größe habe – kein Problem? Ich betreibe auf dem Raspi zwei Betriebssysteme einmal openelec als Medienplayer und einmal die normale Distribution, so kann ich ihn mit in den Urlaub nehmen, so z.b. in den letzten 10 Tagen. Da muss ich immer wieder wechseln und hier sind normale SD dauerhafter. Die Karte hält auch nicht ewig im slot. Meine Wettterstation (http://www.bernd-leitenberger.de/wetterstation/today.shtml) wird nun von dem Raspi 1 betrieben, weil die Micro-Sd beim Raspi 2 immer wieder sich löste.

    Deinen zweiten Einwand kann ich nicht verstehen. Wenn ich den Platz habe für eine SD-Karte, die handlicher und robuster ist, warum soll ich extra was kleines einbauen? Vor allem hatte auch der Raspi 1 bis dieses Jahr einen SD-slot, d.h. jemand der zwei der Kleinrechner hat muss nun mit zwei Kartenformaten hantieren. Einen Nutzen kann ich jedenfalls nicht erkennen.

  4. Der Siegeszug der Micro-SD begann mit den Smartphones.
    Und da genau wegen dem Platzproblem.

    Mittlerweise wird Micro-SD in Milliardenauflage hergestellt, alle anderen Systeme ’nur noch‘ in Millionenauflagen.
    Im Umkehrschluss ist dann bei den Hardwareherstellern die platzmäßig die Wahl hätten der einbau eines Micro-SD Slots samt Karte eine paar Cent billiger als eine normal-SD. Aber multipliziert mit millionen Geräten ist das trotzdem wieder eine Stange Geld….

    So entstehen dann Standards

    Das Problem hat mir mein Bruder in zusammenhang mit PROM-Bausteinen bei den ersten Digital-Autoradios schon in den 80ern erklärt. Da waren dann im Endeffekt viele viele Mann-Tage der (Assembler-) Programmierer im 1000,- Mark-Bereich lohnenswert, auch wenn der größere 8 KByte-Industrie-Speicherbaustein selbst auch nur unter einer Mark kostete.

    Bernd

  5. Fahrradsättel werden mittlerweile auch ohne den Sattelkloben, der den Sattel am Sattelrohr hält verkauft. Wenn möglich den alten Sattelkloben weiter verwenden. (Habe ich das erste Mal auch nicht geblickt.)
    Ein großer Nachteil ist, daß das Einstellen des Rades auf einen wesentlich größeren Fahren deutlich teurer wird.

    Mir sind die Imbusschrauben mittlerweile lieber als die Sechskantmuttern, da wird das Werkzeug auf einer Tour leichter. (Auf Tagestouren habe ich aber Gabelschlüssel und Schraubendreher dabei, man weiß nie was die Mitfahrer für Räder haben.)

    Die verschiedenen Schrauben waren bzw. sind im RZ bei den M6 Schrauben sehr lästig.
    bis ca. 2000 wurden Schlitzschrauben geliefert.
    dann Kreuzschlitz PH
    dann PZ
    dann Innensechskant (Imbus)
    dann Torx.
    Zur Verwendung mit dem Elektroschrauber sind Torxschrauben am besten geeignet; Schlitzschrauben gar nicht. Mein Vater erzählte sie hätten spätestens kurz dem zweiten Weltkrieg im Handwerk schon Elektroschrauber ausprobiert, sind aber für Schlitzschrauben zurück zur Bohrwinde gegangen, da man mit dem Elektroschrauber zu oft abgerutscht ist, und die Schlitze alle in Flucht sein sollten.

  6. SD und MicroSD sind ja zum glück elektrisch kompatibel. Sinnvoll wäre es nur MicroSD-Karten zu Prodzieren und diesen Adapter bei zu legen. Alle Geräte die groß genug sind mit dieser Karte im Adapter zu betreiben, zusätlich aber die Option für kleine Geräte zu haben.
    Das mit den Display Anschlüssen ist jetzt so eine eigene Sache. DVI kann kein Ton. SCART ist alt, empfindlich und analog. Logisch HDMI zu etablieren, erfreulicherweise mit passiven Adaptern abwärtskompatibel (zumindestens das digitale Bild). Displayport kann höhere Auflösungen, dafür ohne Ton konstruiert. Der kleine Stecker ist auch ganz nett, aber in meinen Augen alles eine teure Nische die nicht wirklich gebraucht wurde.
    Bleiben der alte Standard und eine Weiterentwicklung mit praktischem Nutzen.
    Zu „Weniger Vielfalt ist besser.“ elektrisch muss es vorallem kompatibel sein, die Mechanik bekommt man schon irgendwie notfalls hin und wenn es geht am besten Fortschritt wie beim USB-Standard. Der Stecker Typ-A ist immer schön kompatibel geblieben.

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