Wer hats erfunden? – Fritz Lang

Heute jährt sich zum 90.sten Mal die Erfindung des „Countdowns“ – anders als der Begriff für den es nicht mal eine deutsche allgemein genutzt Übersetzung gibt (man könnte ihn mit „Herunterzählen“ übersetzen, aber anders als andere häufige englische Begriffe wie Computer – Rechner oder Booten – starten, ist die deutsche Übersetzung nur bei Sprachpuristen gängig).
1929 dreht Fritz Lang den Stummfilm „Frau im Mond„. Er hat eine Mondmission mit einer Rakete als Plot. Für den Film gewann er denn damals schon bekannten Theoretiker Herman Oberth als technischen Berater und das hat sich gelohnt – für die damalige Zeit die ja nicht so viel Wert auf Realität als vielmehr Effekte und Lacher legte – ist der Film relativ gut an der Wirklichkeit orientiert. So liegen die Raumfahrer angeschnallt auf Liegen – der Vorläufer der späteren Konzernsitze. Es war auch geplant zur Premiere des Films am 15.10.1929 im Berliner Ufa Palast Raketen zu starten, doch an der Umsetzung scheiterte Oberth.

Nun war die „Frau im Mond“ einer der letzten deutschen Stummfilme (1927 erschien der erste kommerziell erfolgreiche Tonfilm „The Jazz Singer“ und sehr bald löste der Tonfilm den Stummfilm ab). Da sind die Darstellungsmöglichkeiten beschränkt. Gut Gefühle gehen durch Mimik, doch Probleme gibt es mit der Unterhaltung. Oberth erklärte Lang, das man nicht einfach zu einer beliebigen Zeit zum Mond starten konnte sondern es eine optimale Startzeit gab. Damit gab es auch eine Vorbereitungsphase die auf diesen Zeitpunkt mündete mit immer größerer Spannung bis zum Startzeitpunkt. Doch wie das Visualisieren. Klar im Tonfilm konnte man das leicht durch Dialoge machen aber in einem Stummfilm wo jede Tafel den Zuschauer aus der Handlung herausreist und die Textmenge relativ beschrankt ist? Lang kam auf die Idee am Schluss herunter zu zuzählen und bei „Jetzt“ hob die Rakete ab.

Der Film blieb im Gedächtnis. Viele die später an der A-4 arbeiteten hatten den Film gesehen. Wernher von Braun war damals sogar als Student ein Mitarbeiter von Oberth. So schmückten nicht nur die ersten Testexemplare der A-4 Grafiken aus dem Film, sondern man übernahm auch das Konzept des Countdowns, auch wenn die Waffen in dem Sinne weder beim Test noch beim Einsatz ein „Startfenster“ hatten, aber auch sie hatten eine Vorbereitungsphase mit vorgegebenen, aufeinander folgenden Abläufen, wie Aufrichten, betanken, Elektronik vorbereiten, Inertialplattformem freigeben, Vorzündung, Hauptzündung..

Die Amis haben das dann bei ihren A-4 Starts übernommen, die wurden ja auch von Peenemündern mit betreut und dann eben später für die Raumfahrtstarts. 40 Jahre nach dem Film landete dann tatsächlich Apollo 11 auf dem Mond, gestartet mit einer Rakete die von Wernher von Braun entworfen wurde und der war ja schon damals dabei. Weitere 50 Jahre später haben die USA das nicht wiederholt – diesmal müssen sie es ja auch alleine durchführen.

Video des Films, leider mit spanischen Unteriteln

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