Die SpaceX-Märznachlese

Ja heute ist der 1. April, aber ich schicke euch nicht in den April. Das ist ein ganz regulärer Blog. Der Grund ist ganz einfach, mir fiel einfach nichts ein, was als wirklich guter Aprilscherz angesehen werden könnte und der müsste sich ja von den normalen Scherzblogs in Münchhausens Kolumne ja abheben.

Heute also wie jeden Monat eine kurze SpaceX-Nachlese. Durch die Corona-Pandemie ist er wirklich kurz, denn viel Neues gibt es nicht, nur einen weiteren Starlinkstart. Immerhin hat die Firma so einen gute Begründung, wenn sie am Jahresende wieder nicht ihre 24 Starlinkstarts vorweisen kann, die sie letztes Jahr angekündigt hat. Sieht auch so ganz gut aus für meine Wette vom Januar.

Das außergewöhnliche an dem Start war nur, das ein Triebwerk der Falcon 9 ausfiel. Mehr gibt es von SpaceX aus nicht an Details. Auch nicht wann das war. Klar ist, dass ein Triebwerk ausfallen kann. Dafür wurde zum einen die Rakete ausgelegt, zum anderen werden die Triebwerke zu Brennschluss heruntergefahren auf 40 % Schub (früher wurden zwei Triebwerke vorzeitig abgeschaltet), sodass die Rakete, wenn ein Triebwerk nicht zu früh ausfällt, dessen Schubverlust „ausgleichen“ kann, wenn dieses Herunterfahren später stattfindet oder ausbleibt. Wenn der Ausfall erst stattfindet, wenn die Triebwerke sowieso gedrosselt werden, etwa 20 s vor Brennschluss dann ist er wahrscheinlich ohne irgendeine Auswirkungen.

Zwei weitere Ereignisse, die mit dieser „Anomaly“ in Beziehung stehen können, aber nicht müssen ist, dass der Start schon beim ersten Versuch abgebrochen wurde, wegen der Abweichung eines Triebwerks von den Sollparametern und die Stufe ihr Landungsschiff verpasst hat – das Letzte halte ich für eine mögliche Folge, da, wenn die Stufe mehr Treibstoff verbraucht hat, um den Ausfall zu kompensieren, er natürlich in der Landephase fehlt. In dem Sinne wäre die Bergung eine Sicherungsmaßnahme gegen Triebwerksausfälle.

Inzwischen sind NASA und DoD in die Untersuchung des Vorfalls einbezogen. Schöner wäre eine geborgene Stufe gewesen, da hätte man sicher mehr herausfinden können.

Spekuliert wird nun ob der Ausfall mit der Wiederverwendung zu tun hat – es war der fünfte Einsatz dieser stufe, ebenfalls ein Rekord. Klar ist, dass ein Triebwerk verschleißt. Aber selbst wenn SpaceX die Stufen in Zukunft nur noch viermal einsetzt, dürften sie so ¾ der Herstellungskosten wieder hereingeholt haben. Da die Bergung und Inspektion auch Geld kosten denke ich wird man nicht viel mehr sparen, wenn man die Stufe fünfmal oder zehnmal wiederverwenden kann. Dafür spricht auch die Preispolitik, nach der ein Start mit Wiederverwendung der Stufe 50 Millionen Dollar kostet, ohne 62, also nur ein Fünftel billiger, obwohl nach Musks Angaben drei Viertel der Herstellungskosten auf die erste Stufe entfallen.

Eine kleine Meldung, die fast unterging, war, das SpaceX auch zwei experimentelle abgedunkelte Starlink-Satelliten „Darksats“ gestartet hat. Sie sind um 55 % dunkler als die bisherigen Starlink Satelliten, was vielen Astronomen nicht genügt. Astronomen finden, das ist zu wenig.

Ich sehe einen Hoffnungsschimmer, dass wir auch in Zukunft noch einen Himmel haben werden, in dem die meisten Lichtpunkte Sterne und nicht Starlinksatelliten sind, und das ist die Corona Krise. Oneweb konnte im März noch die zweite Ladung an Satelliten starten, hat nun 68 im Orbit (deutlich weniger als SpaceX, aber ihr Netzwerk kommt ja auch in der ersten Phase schon mit einem Achtel der Satelliten aus, sodass der Anteil am fertigen Netz höher ist). Da gab es aber schon Gerüchte über eine Krise und nun hat sich Oneweb unter „Chapter 11“ geflüchtet. Das ist eine Regelung im US-Gesetz die es bankrotten Firmen erlaubt, in geschützter Umgebung sich konsolidieren und eventuell neu zu beginnen. So was machte auch Sealaunch vor einigen Jahren. Die Firma kam wieder dann aber ohne US-Beteiligung. SpaceX hat keine Finanzierungsprobleme, es gab im März eine neue Finanzierungsrunde, in der sie weitere 500 Millionen Dollar Kapital akquirierten. Aber ein Internet aus dem All zähle ich mal als Luxusprodukt – es mag zwar schneller als das bisherige Netz in bestimmten schlecht erschlossenen Regionen sein, aber wenn wie man das erwarten kann, viele Firmen durch die Coronakrise in Schieflage geraten oder gar pleitegehen, Leute entlassen werden oder nur Kurzarbeitergeld bekommen, dann wird man zuerst mal daran sparen zumal man ja auch ein eigenes Terminal kaufen muss. OneWebs Terminals, die einfacher aufgebaut sein sollen als die von SpaceX, weil die Abdeckung der Satelliten eine andere ist, sollen 1.000 bis 1.500 Dollar kosten, da werden SpaceX Terminals sicher nicht billiger sein. Dazu kommen die monatlichen Kosten von 80 Dollar die Shotwell als Vorgabe nannte – das sind Summen die, wenn man wenig Geld hat, durchaus relevant sind und SpaceX konzentriert sich ja auf den US-Markt und dort gibt es nicht so was wie eine Arbeitslosenversicherung.

Immerhin, es gab zwei neue Aufträge für SpaceX: zum einen seit Längerem wieder einen kommerziellen Start, zum Zweiten einen Auftrag, der von vorneherein fest stand: Einen Versorgungsauftrag für das „Lunar Gateway“, eine Miniraumstation in einer Mondumlaufbahn. Fest stand der schon vorneherein wegen der Anforderungen: „Companies had to propose spacecraft capable of carrying at least 3,400 kilograms of pressurized cargo and 1,000 kilograms of unpressurized cargo to the Gateway, and be able to dispose of at least as much cargo from the Gateway“. (Quelle Spacenews)

Also rund 4.400 kg zum Gateway, das in einer Mondumlaufbahn ist. Um in die zu kommen muss man zuerst Fluchtgeschwindigkeit erreichen, dann in eine Mondumlaufbahn einschwenken, was die Masse um etwa ein Drittel reduziert. Bisherige Transporter zur ISS, egal von welcher Nation hatten maximal ein Drittel der Startmasse als Nettonutzlast. Das bedeutet, das man rund 13 t in einen Mondorbit befördern muss. Dazu dürften nur die SLS und die Falcon Heavy fähig sein und da es eine Ausschreibung an Firmen ist, fällt die SLS weg und was bleibt dann übrig? Lohnen tut es sich, denn Planungen sehen 7 Milliarden über 15 Jahre vor, also fast so viel wie SpaceX bisher erhalten hat (Bridistine rechnete im letzten September vor, das dies bisher schon 7,8 Milliarden Dollar waren).

Dafür kann man noch ein bisschen länger auf die Crewed Dragon warten – wie bekannt wurde, gab es erneut Probleme mit dem Fallschirm, aber wir wissen ja, die nächste Generation die „Zehnmal stärker“ ist als die bisherige wird’s richten. Diesmal wurde der Fallschirm gar nicht erst geprüft, der Hubschrauber hatte beim Aufstieg Probleme und klingt so Testmodell (nicht spezifiziert) mit Fallschirm aus, jedoch unter der geplanten Höhe, sodass die Fallschirme gar nicht erst auslösten und das „Testmodell“ (früher oft ein Dragon Mockup) zerstört wurde. Das gefährdet nach NASA angaben den Zeitplan aber nicht. Der dürfte jetzt auch wohl eher von Codi-19 bestimmt sein. Dafür werden nun vier Astronauten beim ersten bemannten Flug an Bord sein – folgerichtig, denn durch die Verzögerungen werden nun auch die zusätzlich gebuchten Sojussitze zuerst direkt von Roskosmos, dann von Boeing die diese wiederum von Roskosmos bekommen hatte (Kompensation für Kosten von Sealaunch, deswegen prozessieren die beiden ja schon) knapp. Und wenn etwas passiert dann dürften, die Konsequenzen dieselben sein egal ob zwei oder vier Astronauten betroffen sind.

10 thoughts on “Die SpaceX-Märznachlese

  1. noch eine Neuigkeit fur das 1. April – SpaceX hat ein „User Guide“ fur das 2 bis 10 Mld. Starship publiziert>https://www.spacex.com/sites/spacex/files/starship_users_guide_v1.pdf
    (da muss man sich fragen wie die Dinosaurier im NASA auf eine Summe von 7 Mld. fur die Besorgung des Mondorbits gekommen sind)
    Es hat 5 ganze Seiten! und 6 mal enthalt es ein link fur die Sales Abteilung – die Finanzen mussen schlimm in der Firma sein, von den 500 Mil. habe sie auch nur weniger als die Halfte eingebracht(https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1181412/000118141220000001/xslFormDX01/primary_doc.xml)

    1. Nun ja es handelt sich um „unbestimmte Zahlen“. Andere firmen könnten auch noch was von den 7 Mrd abbekommen, was ich aber angesichts der verfügbaren Träger für illusorisch halte. Zitat aus dem Artikel:
      The contract is an indefinite delivery, indefinite quantity award, with a total cost value over the entire 15-year program, which could later include other companies, of $7 billion.

    2. Ui, 100 Leute in einen Zylinder von 8m Durchmesser und 17m Höhe (wobei der Durchmesser ab 8m Höhe stetig kleiner wird) unterbringen zu wollen finde ich schon, naja, sardinenmäßig. Dicht an dicht gelegt, wenn sich keiner bewegt, mag das gehen, dagegen sind aber die Rotels von früher (kennt die noch jemand) richtige Luxussuiten.

    1. Das erstaunliche an dieser Firma ist ja dass dort Dinge passieren die es woanders seit Jahrzehnten nicht mehr gab wie Explosionen von Raketen vor dem Start oder schrumpfende Hüllen (beides zuletzt bei Atlas in den Fünfzigern vorgekommen). Stahl als Werkstoff scheint eben doch nicht besser als CFK zu sein …

      1. Ich bin ja eigentlich nicht sooo SpaceX-kritisch und erkenne schon an, dass sie mit den Falcon’s einiges auf die Beine gestellt haben. Aber dieses Starship-Geraffel… Erinnert mich irgendwie an die Kulissen von Raumpatrouille Orion… 😉

  2. Soweit ich weiß, dient Starlink zwar auch dazu, schlecht erschlossene Regionen mit Breitband-Internet zu versorgen, aber primär, um Kommunikation mit ultraniedriger Verzögerung für den Aktienhandel zu erschaffen, und das das „wahre“ Geld bringen soll.

    1. Für Aktienhandel dürfte Satellit zu langsam sein. Siehe der Erdkrümmung angepasstes Seekabel zur Verbindung der Börsen London, Paris. Starlink an sich bietet schon genug Potential und das US-Militär ist am Aufbau/Finanzierung/Nutzung beteiligt, damit soll z.B. Unabhängigkeit von dem virtuellen Flugzeugträger USS Ramstein in Süddeutschland bei der Abwicklung von Drohnenmorden erreicht werden….

    2. Es ist nur blöd, wenn man in schlecht erschlossenen Regionen erstmal entsprechende Bodenstationen installieren muß, weil die Satelliten untereinander nicht kommunizieren können.

  3. E. Musk mal wieder. Die Starlinksatelliten sollen ja zukünftig per Laser miteinander kommunizieren bzw. Daten transferieren können. Ab Ende 2020, oder wann auch immer die Technik dazu entwickelt und in die neuen Satelliten integriert wird. Wahrscheinlich enthalten diese Satelliten bislang gar keine Technik, sind also nur leere Boxen xD

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