Die 2020 SpaceX-Rückschau und die Wette für 2020

Wie jeden Monat eine Rückschau auf die SpaceX-Aktivitäten – oder wie es in diesem Jahr meist der Fall war – die Inaktivitäten der Firma. Wie fast immer habe ich meine Wette gegen SpaceX gewonnen. Nun wurde bei meinem letzten Blog angemerkt, das wäre nun ja bei „SpaceX-Speech“ kein Wunder. Okay, das SpaceX Dinge einhält die versprochen werden, und das selbst, wenn es um die kurzfristige Zeitplanung geht, wo man ja eigentlich wissen müsse, was in den nächsten Monaten geplant ist, ist so wahrscheinlich als, wie das Trump einen Tag lang nicht lügt. Ich habe auch gefragt, was ihr für Vorschläge für die neue Wette habt. Ich habe mich davon inspirieren lassen und überlegte eine Zeit lang, ob ich nicht wetten sollte, das der Flughafen BER vor dem orbitalen Erstflug des Starships eröffnet. Aber angesichts dessen, das dessen Eröffnung nun schon vor 7 Jahren stattfinden sollte und der Betreiber Journalisten eingeladen hat zur Besichtigung, sich also recht sicher ist, dass der nächste Termin nun hält, fand ich das dann doch unfair. Ich schwankte dann noch, ob ich wetten sollte ob das Starship jemals fliegt oder die Firma vorher in Konkurs geht. Ich habe mich dazu entschlossen, wieder eine Startwette zu machen. Doch dazu weiter unten mehr.

Ich fange mal zuerst mit der Dezembernachlese. Anstatt im November angekündigter vier Starts waren es nur zwei (siehe meine Bemerkung über die Unsicherheit selbst kurzfristiger Planung). Koenigsmann gab ja die Maximalnutzlast einer Falcon 9 für einen normalen GTO (27 x 200 x 35.887 km) mit 5,5 t an. Die Angaben auf der Homepage geben wohl dagegen eher das Wunschdenken des Managements an. Nun startete eine Falcon 9 den JCSAT-18/Kacific-1, dessen Startmasse zwischen 6.800 und 6.956 kg angegeben wird. Das liegt deutlich darüber. Erreicht wurde auch nur ein 272 x 20319 x 26,9 Grad Orbit. Das ist insofern interessant, weil dies deutlich mehr als 5,5 t in den echten GTO entspricht. Nach meinen Berechnungen sollte die Falcon 9, wenn sie 9,95 t in diesen Orbit transportieren kann, etwa 6 t in einen GTO bei gleicher Bergungsmethode. Ich vermute bei SpaceX hat man mit mehr Erfahrung vor allem sukzessive die Restmenge an Treibstoff für die Landung reduziert. Bei diesem Start hatte die erste Stufe nach 152 s Brennschluss, die Web Angabe beträgt 162 s. 10 s sind immerhin ein Sechzehntel des Treibstoffs, den man so nicht nutzen kann.

Interessanter war der Start der Frachtdragon. Nicht wegen der Primärnutzlast, sondern weil die Oberstufe einen weiteren Test durchführte, nachdem die Dragon abgetrennt wurde. Nach mehreren Stunden absolvierte die Stufe eine weitere Zündung über 20,1 s die auch die Inklination änderte. Warum das? Nun offensichtlich war die STP-2 Mission der Falcon Heavy, in der diese Stufe verschiedene Manöver demonstrieren sollte, die die Rakete braucht, um für militärische Missionen qualifiziert zu sein, nicht ganz erfolgreich, obwohl das SpaceX ja reklamierte. Das Manöver sollte die dritte Zündung einer Oberstufe simulieren, die in der Höhe des GTO erfolgt, um diesen zu zirkularisieren. Dass man dafür eigens Prallbleche installiert hat, was offensichtlich vorher nicht der Fall war, zeigt auch das es wohl vorher nicht klappte. Die Episode zeigt zumindest eines: man kann SpaceX nicht glauben. Dort heißt es immer 100 % Mission Success. Denn das es Probleme bei der STP-2 Mission gab, war ja neu und die USAF sagt, weil es eine militärische Mission ist, natürlich auch nichts. Das kennt man ja schon von der Zuma Mission, wo die Falcon 9 den Satelliten wieder versenkte. So ist bis heute offen wer dran schuld ist SpaceX, oder Grumman die den Adapter bauten oder beide, vielleicht weil irgendwo etwas in der Kommunikation und dadurch Installation schieflief.

Nun zum Jahresrückblick. Wie von mir gewettet, hat SpaceX nicht so viele Starts geschafft wie 2018, und zwar nicht ein bisschen weniger, sondern deutlich weniger. 13 anstatt 21. Ich meinte aber das SpaceX durchaus eine reelle Chance hatte, bei Jahresanfang die Starts von 2018 zu erreichen – zu Jahresanfang waren noch zwei weitere Missionen der Crewed Dragon geplant, zusätzlich sieben Starlink Starts. Wären diese erfolgt, so wären es 20 Starts gewesen. Und gerade bei Starlink tickt die Uhr (siehe unten) und daher sollte man annehmen, dass die Firma da dahinter ist. Bei den kommerziellen Starts gibt es keine großen Überraschungen. SpaceX generiert ja keine neue Nachfrage, die hohe Startrate in den letzten Jahren kam vor allem durch den Stau zustande, weil die Firma bisher immer ihrem Zeitplan hinterherhinkte. Zudem wurden Startaufträge angekündigt und können so verfolgt werden.

Stattdessen glänzte SpaceX durch drei Explosionen – neuer Rekord, bisher war es maximal eine pro Jahr. Man hat eine Crew Dragon mit dem System in die Luft gejagt, das sie eigentlich bei einer Havarie retten sollte – eine Blamage, wenn das Sicherheitssystem unsicherer als die Rakete selbst ist. Dann explodierte noch ein Raptor bei einem Versuch und zuletzt ein Prototyp der Starship/Super Heavy bei einer Probebetankung. Das ist schon außergewöhnlich. In der Häufung. Es gab zwar auch beim Test der Triebwerke für die Falcon 9 mindestens eine Explosion, aber eben nur eine.

Auch manche Aussagen zeigen, dass man bei SpaceX immer noch weiter von einer „richtigen“ Firma entfernt ist. So die folgende Aussage: “We definitely learned a lot,” Shotwell said Friday. “NASA warned us (that) crew is going to be 10 times harder (than cargo). And I think we were like, 10 times harder? What does that mean? What does that look like? How does that feel? You just don’t know until you start into the program.”

Oh welche Überraschung! Das bemannte Raumfahrtprogramm war schon immer um ein vielfaches teurer als das unbemannte. Für die Entwicklung der Dragon für Frachttransporte bekam SpaceX 396 Millionen Dollar, im Rahmen des CCDev Programmes 3145 Millionen Dollar, also die achtfache Summe. Da diese wohl auch mit Aufwendungen, vor allem Arbeitszeit verknüpft ist, würde ich auch annehmen, dass es achtmal mehr Arbeit gibt und entsprechend schwerer es ist eine bemannte Version zu entwickeln. Das liegt doch nahe bei den 10-Mal die Shotwell zitiert. Warum also die Überraschung dort? Hat man angenommen man, bekäme Milliarden von der NASA, ohne etwas dafür zu tun?

Die 2020 er Wette

Ich komme zur Wette für dieses Jahr. Ich habe mir die Zahl der Starlink Starts als Wette vorgenommen. Offiziell werden es 24 Starts sein, die ersten beiden noch im Januar, sodass wenn SpaceX diese Kadenz halten kann, es nicht unmöglich ist. Doch was wette ich dagegen? Eine Möglichkeit wäre es wie vorgeschlagen einen festen Faktor zu nehmen – 2/3 also 16 wurde vorgeschlagen. Aber ich will eine fundierte Schätzung machen und mich dem Thema unterschiedlich nähern. Eine Sache ist, wie viele Starts die Firma pro Jahr abwickeln kann. Das sind mindestens 21. Bei Wiederverwendung der ersten Stufe muss nur die zweite Stufe neu gefertigt werden das lässt eigentlich viele Starts zu. Daneben gibt es zwei Startrampen für unbemannte Starts in Vandenberg und dem Cape. Dazu noch LC39A nur für bemannte Starts, Vor allem die Starlink Satelliten können beide Rampen nutzen. Niedrige Inklinationen wie die ersten beiden Starts (bis etwa 56 Grad) das CCAF, ansonsten Vandenberg. Bisher gab es maximal 12 Starts pro Jahr von einer Rampe aus. Damit müsste es für Starlink und kommerzielle Starts mindestens 24 Startmöglichkeiten geben. Bei minimal 11 Tagen zwischen zwei Starts von einer Rampe die schon demonstriert wurden wären es sogar 66 Starts, wobei die Zahl natürlich ohne Urlaub und Feiertage ist und Verzögerungen und Unterbrechungen durch kommerzielle Starts nicht mit einschließt. Bei von mir geschätzten drei Wochen zwischen zwei Starts von einer Rampe aus, wären 34 Starts pro Jahr möglich. Das wären die 24 Starts für Starlink, 10 kommerzielle Starts (genauso viele wie dieses Jahr) und dann noch die bemannten Starts die vom Kennedy Space Center aus erfolgen. Kurz: die 24 Starts wären technisch möglich.

Eine andere Sache ist das mit den Terminen, und da gibt es irritierende Äußerungen. Am 29.3.2018, also gerade mal eineinhalb Jahre her, waren 4.425 Satelliten geplant und die FCC genehmigte diesen Plan mit der Auflage, das die Hälfte davon, also 2.212 Satelliten innerhalb von sechs Jahren, also bis zum 29.3.2024 starten sollte. SpaceX saget damals: diese Frist wäre „impractical“ und man in sechs Jahren 1.600 Satelliten starten könnte. Also Stand März 2018: SpaceX kann pro Jahr im Mittel 267 Satelliten starten. Selbst wenn man die beiden Jahre 2018/19 dazunimmt, in denen nur 120 Satelliten gestartet wurden. wären es für die nächsten vier Jahre 370 Satelliten pro Jahr oder etwa sieben Starts mit je 60 Satelliten wie bisher.

Inzwischen hat SpaceX die Zahl zuerst auf 12.000 und inzwischen auf 42.000 Satelliten erhöht – nur mal als Vergleich, seit dem Sputnik 1 wurden insgesamt nur 11.947 Nutzlasten gestartet – und nun planen sie alleine für nächstes Jahr 24 Starts mit 1.440 Satelliten also so viel, wie sie vor eineinhalb Jahren in sechs Jahren starten wollten. Also in eineinhalb Jahren von „unpraktikabel“ zu „nicht mal die Hälfte dessen, was wir planen“. So geht das bei SpaceX.

Ein offenes Buch ist, wie viele Starts die Firma finanzieren kann. Oneweb hat dieses Jahr weitere 1,25 Milliarden Dollar aufgebracht. Selbst wenn Gelder diese für die zweite Stufe des Ausbaus sind, auch hier sind weitere Starts geplant, sind es immer noch 2,1 Mrd. Dollar für die erste Stufe. Ein Satellit bei Oneweb soll in Serienfertigung 1 Million Dollar kosten, das sind 720 Millionen Dollar. Mindestens 22 Starts der Sojus, jeder sicher 50+ Millionen Dollar teuer, kommen dazu. Dazu noch die Fabrikanlage und nicht zu vergessen: Kunden gewinnen kostet auch Geld. Viasat gibt pro Kunde rund 700 Dollar aus für die Hardware, Marketing etc.

SpaceX mag die Herstellung billiger machen, doch nimmt man die Preise der Trägerraketen oder die Entwicklungskosten bei COTS und CCDev als Ausgang, so sicher nicht unter 2/3 der Kosten für Oneweb. Jeder Satellit wird dann netto (mit allen Nebenkosten) rund 2 Millionen Dollar kosten, gegenüber 3 Millionen bei Oneweb). Bisher haben sie rund 2 Milliarden Dollar für ihre beiden Projekte Starship und eben Starlink eingetrieben, wobei ich annehme, dass das Starship das teurere davon ist. Nehme ich eine Verteilung 50 zu 50 an, dann bleibt 1 Milliarde für die Konstellation übrig. Damit können sie 500 Satelliten finanzieren, die sie in rund 9 Starts in den Orbit befördern können.

Das wäre die Untergrenze für eine Schätzung.

Also würde ich bei Berücksichtigung der obigen Fakten eine Startzahl zwischen 9 und 24 Starts für 2020 für möglich halten. Ich habe mich für das Mittel entscheiden, das wären 16,5 Starts pro Jahr, ich runde mal auf 17 auf. Meine Wette für 2020 ist also:

Ich wette, dass SpaceX bis zum 31.12.2020 nicht mehr als 17 Starlink Starts durchführt

So siehts aus – jetzt kommst Du!

39 thoughts on “Die 2020 SpaceX-Rückschau und die Wette für 2020

  1. Space-X wettet mit der Ankündigung von 35 bis 38 Starts dagegen 🙂

    Ich weiß auf wen ich mein Geld bei dieser Wette setzen würde.

    Ein gutes Neues an Alle, auf dass es wieder roaring twenties werden, im positiven Sinne!

  2. Leider keine Originalquelle, sondern Fanseite, aber die korrekte Wiedergabe halte ich für wahr, https://www.teslarati.com/spacex-starlink-satellite-launch-second-announcement/ :
    „CEO Elon Musk and COO Gwynne Shotwell have strongly implied that the per-satellite cost is already well below $500,000, meaning that the absolute worst-case internal cost of a Falcon 9 launch is less than $30M.“
    „CEO Elon Musk und COO Gwynne Shotwell haben versichert dass die Kosten pro Satellit bereits deutlich unterhalb [450,000€] sind…“
    In gleichem Artikel steht allerdings auch dass die Investorbank Morgan Stanley 1M$ pro Satellit und nochmal 50M pro Start schätzt, mit den sonstigen Startkosten ca. 60Mrd für 30k Satelliten.

    Wie real diese Aussagen sind ist natürlich offen und sicher ein Streitthema. Aber SpaceX hat gezeigt dass sie mit unüblichen Methoden rücksichtslos die Kosten drücken – die Möglichkeit hat OneWeb als klassischerer Anbieter weniger.
    Und im Gegensatz zum BFR ist Starlink ein Thema Shotwells, die deutlich präzisere Aussagen bislang machte. Ich wette daher dagegen, ich sage es werden mehr als 17 Starlink Starts gemacht.

    1. „rücksichtlos die Kosten drücken“

      Ich orientiere mich an offiziellen Angaben Dritter zu Startkosten und anderen Ausgaben. Du must dann nur die Ausgaben für COTS bei SpaceX und Orbital oder CCdeV bei SpaceX und Boeing vergleichen oder die publizierten Startkosten für gebuchte Nutzlasten und dann kommst Du auf die 2/3 Angabe.

      Die Morgan Stanley Schätzung deckt sich dann übrigens mit meiner (110 zu 120 Millionen / Start).

      Zu Shotwell: weniger übertreibend als Musk, lag bisher aber auch immer daneben. Die Angabe von 7 Starlink Starts für 2018 und 24 für 2020 stammt in beiden Fällen von ihr.

    1. Der Blog ist wirklich interessant, habe mir da auch ein paar Artikel durchgelesen, als er vor ein paar Wochen mal auf SpaceXFactCheck verlinkt war.

      1. Aktuell ebenfalls interessant.

        https://www.spektrum.de/news/freisetzung-der-starlink-satelliten-war-womoeglich-rechtswidrig/1699698

        Astronomen sind ja diese neuen Satellitenkonstellationen generell ein Graus. Ob sich das Problem wirklich durch spezielle Beschichtungen lösen lässt ist auch abzuwarten.

        Und zusätzlich stellt sich die Frage die Hohe Anzahl an neuen Objekten im Orbit nicht wirklich kurz oder lang ein Szenario auslösen könnte, wie es hier „kurzgesagt“ darstellt.

        https://www.youtube.com/watch?v=SfbFbIL1oAA

  3. Hallo Bernd,
    ich bin sehr erfreut. Du meinst also es ist durchaus möglich, dass SpaceX 15, 16 oder sogar 17 Starlink Starts 2020 durchführt? Was für eine Wandlung! Das klingt schon fast wie eine Aussage eines SpaceX-Fans. Zumindest wenn jemand diese Aussage im Jahr, sagen wir, 2018 gemacht hätte, würde er von vielen als SpaceX-Fun-Boy bezeichnet. Ich persönlich sehe mich als SpaceX-Fan und ich werde mich freuen, falls 2020 mehr als 12 erfolgreiche Starlink-Starts stattfindet werden. Falls mehr als 17 Starts stattfinden sollten, wäre es natürlich noch besser.
    Etwas wird hier ziemlich klar: eine so große Anzahl der Starts, inklusive der Finanzierung, ist nur möglich, weil die erste Stufe der Falcon 9 Rakete wiederverwendet wird. Es gab immer wieder Stimmen, dass die Wiederverwendung sich nicht rechnen kann, jetzt wird es allmählich offensichtlich, dass sich die Kritiker diesbezüglich geirrt haben. Hast Du Bernd Deine damalige Fehleinschätzung bzgl. Wiederverwendung bereits zugegeben? Oder beschränkst Du dich stattdessen darauf, irgendwelche Wetten auszudenken, bei denen Du SpaceX nicht mit dem Wettbewerb, sondern mit den Ankündigungen vergleichst? Eigentlich ist Deine Strategie nachvollziehbar, im Vergleich mit dem Wettbewerb sieht SpaceX so gut aus, dass hier eine Wette gegen SpaceX idiotisch wäre. Eine Wette wie „bis Ende 2020 fliegen mehr funktionierende StarLink-Sateliten als OneWeb-Sateliten“ wäre ja sinnlos, dagegen würde niemand mit gesundem Verstand wetten. Das zeigt, welch wunderbare Entwicklung SpaceX in den letzten Jahren erfahren hat. Es gibt zwar Bloger, die dies erst allmählich zur Kenntnis nehmen, aber anscheinend selbst Du Bernd hast den ersten Schritt in die richtige Richtung getan.
    Viele Grüße
    Simon VR

    1. An meiner Einschätzung muss ich nichts korrigieren. Das „Rechnen“ muss man differenziert betrachten: Derzeit reduziert die Wiederverwendung den Preis von 62 auf 50 Millionen Dollar, also 1/5. Gleichzeitig und auch dafür gibt es Beweise, senkt sie die Nutzlast um ein Drittel. Wenn diese Nebenbedingung nicht wichtig ist lohnt sie sich, ansonsten eben nicht. Für einen LSP wie Arianespce die ihre Nutzlast mit Doppelstarts möglichts zu 90+ Ausnutzen wollen lohnt sie sich nicht und für ILS die sowieso den geografischen Nachteil des nördlichen Startplates haben lohnt sie sich auch nicht. Selbst SpaceX hätte ja auch alternativ eine um ein Drittel kleinere Rakete bauen können. Die wäre immer billiger, nicht nur bei Wiederverwendung. Diese allgemeine Sichtweise habe ich vertreten und sie ist noch immer gültig.

      1. Gratuliere Bernd, offenbar ist es Dir gelungen Deine Einschätzung teilweise zu korrigieren, auch wenn Du im ersten Satz das Gegenteil behauptest. Bisher warst Du der Meinung, dass die Wiederverwendung grundsätzlich ein Holzweg ist und sich nicht rechnen kann, jetzt hast Du einen Schritt in die richtige Richtung gemacht und schreibst: „Wenn diese Nebenbedingung nicht wichtig ist lohnt sie (die Wiederverwendung) sich, ansonsten eben nicht.“ (Den Text in Klammern habe ich wegen Verständlichkeit hinzugefügt, anders als im Original.)

        Das Schöne an der Wiederverwendung ist übrigens, dass man auch darauf verzichten kann, wenn die volle Kapazität gebraucht wird. Dadurch kann SpaceX bei besonders schweren Satelliten oder anspruchsvollen Zielen auf Wiederverwendung verzichten. Wenn die Falcon 9 kleiner gebaut wäre, müsste man die größten Satelliten oder die anspruchsvollsten Ziele der Konkurrenz überlassen, das wäre vermutlich im Sinne von Arianespace oder ULA, aber nicht gut für SpaceX.

        Die Tatsache, dass derzeit der Preis für Starts mit wiederverwendbaren Raketen niedriger ist als bei neuen spielt bei Starlink keine Rolle, den Satelliten ist es egal ob der Orbit mit nagelneuen oder gebrauchten Raketen erreicht wurde. Wenn jemand meint neu ist sicherer, na ja, bei SpaceX nicht unbedingt, bei anderen Firmen hat man derzeit ohnehin keine Alternative. Eine nagelneue Falcon 9-Erststufe ist schon mal explodiert, die Nutzlast wurde dabei zerstört. Die gebrauchten Falcon 9 Erststufen haben bisher eine makellose Statistik: 100% Erfolg. Mich wundert es nicht das SpaceX bei eigenen Starts auf gebrauchte Erststufen setzt, die wissen es halt besser.

        Was die Nutzlast betrifft, es kann besser sein auf ein Drittel der Kapazität zu verzichten, und dafür die Erststufe vier Mal (vielleicht sogar öfters…) zu verwenden. Vor allem dann, wenn die Zweitstufe ohnehin nicht in der Lage ist die theoretische maximale Nutzlast zu tragen, in diesem Fall ist die Behauptung von dem Verlust des Drittel der Kapazität eine Halbwahrheit.

        Das sich Wiederverwendung für Firmen mit einem sehr starren Geschäftsmodell wie derzeit Arianespace nicht lohnt, kann ich mir sehr gut vorstellen, diese Firma macht fast nur GEO mit Doppelstarts, da fehlt aktuell die Flexibilität für andere Vorgehensweisen. Mit der Ariane 6 wird die Firma dann flexibler, langfristig plant auch Airbus Group die Wiederverwendung (Ariane 7), selbst diese Firma ist also lernfähig, obwohl dies lange dauert.
        Hier habe ich eine Idee für eine interessante, allerdings leider sehr langfristige Wette: Was kommt zuerst, Start einer wiederverwendbaren Ariane 7 Rakete (könnte auch Ariane NEXT heißen oder anders) oder Bernd gibt zu, dass Wiederverwendung sich tatsächlich lohnt?

        1. „Eine nagelneue Falcon 9-Erststufe ist schon mal explodiert, die Nutzlast wurde dabei zerstört. Die gebrauchten Falcon 9 Erststufen haben bisher eine makellose Statistik: 100% Erfolg. Mich wundert es nicht das SpaceX bei eigenen Starts auf gebrauchte Erststufen setzt, die wissen es halt besser.“

          1: Falsch, es ist eine Oberstufe explodiert.
          2: Du scheinst eine sehr verquerte Logik zu haben. Zum einen sind etliche Erststufen bei der Bergung verloren gegangen und zum zweiten würde man der Logik folgen, das eine einmal nutzabre Falcon 9 explodieren kann, aber eine mehrmals eingesetzt nicht, dann könnte SpaceX doch einfach jede Erststufe mit etwas Ballast einsetzen und bergen, kostet deiner Argumentation nach nichts.

          1. 1. Stimmt, mein Fehler, es war eine Oberstufe die explodiert ist. Allerdings war es eine nagelneue Oberstufe, wie alle Oberstufen heutzutage. Leider stehen bei den Oberstufen keine „flight proven“ zur Verfügung. Bei Falcon 9 gab es insgesamt 2 Totalverluste, in beiden Fällen hat eine nagelneue Oberstufe versagt… Es gab allerdings auch einen Teilverlust bei der Nutzlast, hier war eine nicht „flight proven“ Erststufe schuld… Damals hatte allerdings SpaceX noch keine „flight proven“-Erstufen zur Verfügung.

            2. Es ist schon lustig, dass Du meine Logik als „sehr verquert“ bezeichnet, gleichzeitig ist Deine Logik schwer nachvollziehbar bzw. schlich falsch. Bei SpaceX gab es Nutzlastverluste durch sogenannte „Anomalien“ der nagelneuen Oberstufe, das ist doch ein Fakt. Die Verwendung von gebrauchten Erststufen hat bis jetzt zu keinen Verlusten bei der Nutzlast geführt, das ist auch ein Fakt. Das ist auf jeden Fall ein Indiz, dass die Wiederverwendung (wenn sie gut gemacht ist) kein zusätzliches Risiko mit sich bringt, vielleicht sogar sind „flight proven“-Erststufen sogar sicherer. Bei den Raketenstarts gibt es niemals eine 100% Erfolgsgarantie, es geht immer um eine Risikoeinschätzung bzw. Risikominimierung, das ist Dir doch bekannt, oder?
            Jetzt bringst Du aber in Spiel, das bei der Bergung etliche Erststufen verloren gegangen sind. Das ist die Stelle wo Deine Logik wirklich versagt. Was hat die Bergung der Erststufen mit der Zuverlässigkeit einer Rakete zu tun? Für die Kunden ist das Wichtige, dass die Nutzlast die vereinbarte Position erreicht, dafür wird bezahlt. Ob die Bergung gelingt oder nicht, ist dem Kunden ziemlich egal und hat absolut nichts mit der Zuverlässigkeit der Rakete zu tun. Sonst müsste man jeden der 250 Starts von Ariane als Fehlschlag bezeichnen, was selbstverständlich äußerst dumm wäre. Kannst Du dieser Argumentation folgen?

            Ich habe nirgendwo behauptet, dass eine mehrmals benutzte Erststufe niemals versagen kann. Jede Rakete kann versagen. Selbst bei einer Autofahrt oder einem Flug gibt es keine 100% Garantie, das die Passagiere lebend am Ziel ankommen, das wird einfach verdrängt. Die Wahrscheinlichkeit, dass kein Unfall mit Todesfolgen passieren wird ist sehr, sehr nahe bei 100%, exakt 100 % sind es aber nicht, wie Tausende Tote bei PKW-Unfällen jedes Jahr zeigen. Dass Raketenflüge unsicherer sind als z.B. Transkontinentalfüge mit einem Verkehrsflugzeug dürfte eigentlich jedem intuitiv klar sein…

            Die eigentliche Frage ist, wie Wahrscheinlich ein Ausfall ist. Dies kann man langfristig beantworten über die Anzahl der missglückten Raketenstarts. Hier glänzen die gebrauchten Erststufen bisher durch 100% Zuverlässigkeit. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass beim Erststart einer Erststufe ein unverantwortliches Risiko besteht. Nur in diesem Fall könnte es u.U. sinnvoll sein, den Erstarrt mit Ballast durchzuführen. In der Praxis würde man es nicht tun, stattdessen würde man an der Zuverlässigkeit bei der Erstverwendung arbeiten, die Starts sind heutzutage einfach viel zu teuer um einen Teststart durchzuführen.

            Du schreibst auch „kostet deiner Argumentation nach nichts.“ An welcher Stelle behaupte ich, dass ein Erstarrt nichts kostet? So was habe ich niemals geschrieben. Hier wird überdeutlich, dass wenn Du Bernd keine guten Argumente hast, erfindest einfach Aussagen, um angebliche Fehelr in der Logik zu zeigen. Das ist wirklich eine „sehr verquerte“ Logik…

    2. „Eine Wette wie „bis Ende 2020 fliegen mehr funktionierende StarLink-Sateliten als OneWeb-Sateliten“ wäre ja sinnlos“

      Es geht ja nicht um die Anzahl von Satelliten, sondern um die Dienstleistung die dadurch angeboten wird. Viel interessanter finde ich den Vergleich bzw. die Erwartung, welcher der diversen Anbieter Ende 2020 ein global umspannendes Servicenetz aufgebaut haben wird (meine Vermutung: kaum jemand) und welche Leistung zu welchen Nutzerkosten im Angebot enthalten sein wird. Die Anzahl (zahlender) Kunden wird wohl kaum jemand ausserhalb der Investorenkreise offen auf den Tisch legen.

      1. Ich habe das Problem soweit es geht ja mal durchleuchtet:
        https://www.bernd-leitenberger.de/blog/2019/01/15/die-crux-mit-den-konstellationen/
        Mit der Wirtschaftlichkeit wissen die Firmen das wohl selbst nicht. Anders kann man die Umplanung von SpaceX in niedrigere Orbits um schneller ein erstes System zu haben nicht deuten, denn einher ging das man noch mehr Satelliten starten will. Derzeit ist glaube ich 42.000 die Zahl der Satelliten, das kann sich aber bei SpaceX schnell ändern.
        Das man nicht so recht weiß wie die Services aussehen sagt Shotwell so:
        „When you get service, it’s going to be great. But it’ll be bumpy for a while.”“
        Der Kunde als Versuchskaninchen. Ich denke es wird ausgehen wie bei Iridium: auch dort wurden Nachfrage und wie viel Kunden der Service wert ist deutlich überschätzt und die Firma ging nur deswegen nicht in den Konkurs, weil das US-Militär das System auch nutzte und am Leben hielt.

        1. Natürlich wissen die Firmen nicht wie die Wirtschaftlichkeit genau aussehen wird. Bei der Entwicklung eines neuen Geschäftsfeldes oder einem Versuch eine neue Technologie einzuführen geht jeder Unternehmer ein Risiko ein, deswegen sind diese Leute meiner Meinung nach so bewundernswert: sie machen es trotzdem. Musk setzt Ziele und Termine, dann wird versucht die zu erreichen, was oft genug nicht gelingt. In diesem Fall hast Du Bernd Deinen Spaß und kannst Du auf Deinem Blog behaupten, dass SpaceX erfolglos ist, weil so viele Vorhaben gescheitert sind. Was tatsächlich zählt ist allerdings die Frage, ob es genug Erfolge gibt, um trotz der Misserfolge finanziell zu überleben und dabei neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Dabei ist Elon bisher offensichtlich sehr erfolgreich.
          Elon Musk hat halt keine Kristallkugel die ihm die Zukunft zeigt. Er muss also ein Risiko angehen, versuchen so gut es geht in Richtung seiner Ziele zu gehen, am Ende hat er bzw. seine Firma hoffentlich ein Produkt das besser als die Produkte bzw. Dienstleistungen der Konkurrenz ist.
          Was Iridium betrifft, diese Firma ging in den Konkurs, und zwar am 23. August 2000, knapp zwei Jahre nach dem Betriebsstart. Die ursprünglichen Kapitalgeber haben dabei ihr Kapital weitgehend verloren. Den Betrieb konnte man allerdings retten, obwohl es zwischenzeitlich Pläne gab die Satelliten aufzugehen. Größter Einzelkunde ist heute mit rund 10 % Teilnehmeranteil das Militär. SpaceX versucht natürlich auch das Militär als Kunden zu gewinnen.

      2. Eine Gratulation auch an Dich Anja, Du hast verstanden wie man eine Wette formuliert um sicher zu gewinnen! Deine Vermutung „kaum jemand“ hat beinahe 100% Wahrscheinlichkeit, falls man „global“ als „die ganze Erde“ versteht. Die Starlinksatelliten werden (soweit ich weiß) nur bis zum 53 Grad im Norden fliegen, damit werden z.B. Großteil von Skandinavien, Schottland oder auch Alaska nicht abgedeckt, zumindest nicht bis Ende 2020. Ich vermute bei OneWeb ist es ähnlich.
        Darüber hinaus ist Deine Formulierung „kaum jemand“ etwas unpräzise, man könnte behaupten nur einer ist noch bei „kaum jemand“ drin, sonst würdest Du die eindeutige Formulierung „gar keiner“ verwenden. Mit anderen Worten könnte für jemanden „SpaceX und sonst niemand“ mit „kaum jemand“ im Einklang stehen.
        Mit dem Rest Deines Textes bin ich absolut einverstanden, das Wichtigste ist was die Kunden am Ende davon haben (welche Leistung zu welchen Nutzerkosten). Meine „Wette“ sollte exemplarisch zeigen, dass manche Wetten bei genauer Betrachtung sinnlos sind. Allerdings halte ich die Wahrscheinlichkeit, dass bei objektiven Kriterien Ende 2020 StarLink besser dastehen wird als OneWeb, für sehr hoch (mehr als 80%). Als Beispiel für „objektive Kriterien“ könne z.B. „welche Leistung zu welchen Nutzerkosten angeboten wird“ dienen. Für Ende 2022 schätze ich diese Wahrscheinlichkeit auf über 90 %. Leider habe ich keine Idee wie man es eindeutig überprüfen kann, welcher der Dienste besser ist… Es sei denn einer der Dienste ist pleite…

        1. Simon, ich kann Dir leider nicht gratulieren, denn Du hast meinen Kommentar als Wette verstanden, was er definitiv nicht ist. Mein Kommentar sagt zum Thema Wette nur, dass eine solche über die Anzahl gestarteter Satelliten am Thema vorbei geht.

    3. Wie kommst du darauf das eine erhöhte Startzahl mit einer angeblichen wirtschaftlichen Tragfähigkeit in Zusammenhang steht? Bitte mit Fakten und Rechenweg, wie ein Bernd Leitenberger es immer macht.

      1. Dass ein Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Tragfähigkeit und erhöhter Startzahl bestehen kann, wird auch Dir Jochen klar, wenn Du ein Extrembeispiel betrachtest: Wenn SpaceX ohne Rücksicht auf Verluste sich vorgenommen hätte 1000 Starts im Jahr 2020 durchzuführen, dann würde die Firma dies nicht überleben. Damit ist wohl der Zusammenhang zwischen einer erhöhten Startzahl und einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit auch für Dich ersichtlich?

        Tatsächlich meinte ich allerdings etwas anderes: durch Wiederverwendung kann SpaceX viel besser auf Schwankungen in Nachfrage reagieren: die Erststufen werden für die wichtigsten Kunden kontinuierlich produziert, oder für Kunden die auf eine Neuerststufe bestehen und dafür mehr zahlen. Diese Erststufen werden also bezahlt, und nach der Landung gelagert. Dadurch wird hier nicht so viel Geld gebunden wie in dem Fall, wenn man eine neue Erststufe für den zukünftigen Bedarf lagern müsste.

        Wenn jetzt im Jahr 2020 die Startnachfrage durch Starlink sehr stark steigen wird, muss man die Produktion der Erststufen nicht extrem stark hochfahren, sondern es werden Erststufen verwendet die bereits geflogen sind. Tatsächlich wurde die jeweilige Erststufe bei den beiden letzten Starlinkstarts bereits zum vierten Mal verwendet. Das meinte ich genau bei dem Satz „eine so große Anzahl der Starts, inklusive der Finanzierung, ist nur möglich, weil die erste Stufe der Falcon 9 Rakete wiederverwendet wird.“

        Ich hoffe damit ist es auch für Dich Jochen klar, was ich tatsächlich ausdrücken wollte.

        1. Der Aufwand für Bergung, Ausarbeitung und Lagerung von gebrauchten Raketenstufen ist laut deiner Aussage wirtschaftlich tragfähig. Bitte belege diese Aussage mit Fakten, Quellen und wie du auf die Zahlen kommst.

          Ich kenne keinen Beweis das Wiederverwendung von Raketenstufen sich wirtschaftlichen lohnt.

          1. Die Angaben über die Kosten für Bergung, Ausarbeitung und Lagerung bei SpaceX werden wir höchstwahrscheinlich nie bzw. viel später erfahren, warum sollte SpaceX diese Infos veröffentlichen? Die Konkurrenz hat zwar lange geschlafen, jetzt aber arbeitet selbst Airbus Group an der Wiederverwendung, bei Interesse kannst Du nach den Stichworten Ariane 7, Ariane NEXT, Adeline (Rakete) oder Prometheus im Netz suchen, um einen Überblick zu haben.
            Deshalb wird SpaceX keine Angaben veröffentlichen, die der Konkurrenz helfen könnten den Erfolg der Wiederverwendung zu kopieren. Dass Wiederverwendung ein Erfolg ist kann man nur indirekt sehen, z.B. daran, dass die Firma 2018 Gewinne machte, obwohl die Preise meist niedriger als bei der Konkurrenz waren, was besonders gut beim Verglich mit ULA sichtbar ist.
            Die Konkurrenz hat offenbar erkannt, dass Wiederverwendung ein Erfolg ist, das ist relevant. Wenn Du Jochen noch nicht im Stande bist dies ebenfalls zu erkennen ist es nicht schlimm, die Erkenntnis wird schon kommen, spätestens wenn die meisten großen Raketen wiederverwendbar sind. Das wird noch dauern, aber wenn alles nach Plan läuft wird z.B. Arianespace in 10 bis 15 Jahren auch Teil-wiederverwendbare Raketen starten und landen.

          2. Nun, Kosten kann man auch anders sparen: z.B. durch die Produktion zumindest von Kleinserien. So würde SpaceX, wenn sie nicht wiederverwenden würden, derzeit irgendetwas um die 200 Merlin-Triebwerke brauchen, bei den Vulcain-Triebwerken wären das so 5 bis 6 pro Jahr. Das macht schon was aus.
            Zudem kann man gut bei Löhnen oder der Qualitätssicherung sparen 😮

          3. SimonVR: es geht nicht darum ob ich was erkenne oder nicht. Ich lasse mich gerne mit Fakten überzeugen. Es gibt offensichtlich keine Fakten das Wiederwerwendung wirtschaftlich sinnvoll ist. Aussagen von Dritten reichen nicht um ein Thema überprüfen zu können.

  4. Hier wurde ja von SimonVR und Bernd zur Wiederverwendung diskutiert. Nach meinem Verständnis unterliegt Sinn und Unsinn von Wiederverwendung einem „Kommt darauf an“.
    So wie SpaceX Widerverwendung gerade einsetzt, erlaubt es ihnen, die F9 an verschiedene Nutzlastgrößen anzupassen, so wie es andere Anbieter über modulare Raketenkonfigurationen erreichen. Wenn die volle Nutzlast ausgenutzt wird, dann dann wirft man die Erststufe weg. Wenn die volle Nutzlast nicht benötigt wird, kann man Startkosten durch Widerverwendung der Erstsufe sparen und ist damit gegenüber von der Startmasse her kleineren Raketen konkurrenzfähig. Ob dabei der Preis pro Kilogramm sinkt oder steigt, ist nebensächlich. Es kommt nur darauf an, dass die Mission des Kunden günstiger als mit einer Konkurrenzrakete erfüllt wird.
    Nach meinem Verständnis senkt Wiederverwendung bei SpaceX die Kosten für einen F9 start, wenngleich die Kosten pro Kilogramm Nutzlast eventuell ansteigen. Einverstanden @Bernd?

    Ob sich Wiederverwendung allgemein lohnt, hängt von den Startzahlen und den Zielorbits ab. Generell gilt: Hohe Startzahlen und und Missionen in niedrigenergetische Orbits erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich Wiederverwendung lohnt. Denn es lassen sich die Entwicklungkosten und extra Infrastruktur auf mehr Starts umlegen, der Effekt der Stückzahlreduktion ist nicht so groß und die Nutzlast für niedrigenergetische Orbits leidet nicht so sehr unter den Performanceeinbußen.
    Niedrige Startzahlen und Missionen in hochenergetische Orbits machen es dagegen unwahrscheinlicher. Die Entwicklungskosten können nicht so gut amortisiert werden, die Wiederverwendung reduziert die Raketenstückzahl, sodass die Stückkosten massiv ansteigen, und die Nutzlasteinbuße durch Wiederverwendung ist für hochenergetische Orbtis hoch (siehe z.B. Bernds Rechnungen zur F9-Nutzlast).

    Eine weiterführende Frage (und ich glaube da liegt der Streitpunkt zwischen Simon VR und Bernd) ist, ob Wiederverwendung auch den pro-Kilogramm-Preis senkt. Das halte ich im Falle der F9 für noch nicht bewiesen. Ich glaube aber, dass Wiederverwendung aufholen und für die meisten Missionen irgendwann pro Kilogramm günstiger sein wird. Das schließe ich aus der Überlegung, dass technische Verbesserungen der näher am technischen Limit operierenden Wiederverwendung stärker zugutekommen werden als dem Wegwerfkonzept, d.h. wiederverwendbare Raketen werden relativ konkurrenzfähiger werden.

    1. Ein Bernd Leitenberger liefert immer Fakten, seine Aussagen sind immer für Andere nachvollziehbar. Die Fakten sprechen dafür das Wiederverwendung von Raketen wirtschaftlich nicht tragbar ist. Es gibt, trotz mehrfacher Nachfrage, keine Fakten die dafür sprechen.
      Ausserdem ist man in der Vergangenheit bereits krachend mit Wiederverwendung gescheitert. Damals wurde auch Revolution versprochen, nüchtern betrachtet war es eine wirtschaftliche Katastrophe.

      1. „Ausserdem ist man in der Vergangenheit bereits krachend mit Wiederverwendung gescheitert.“
        Es gab bislang genau ein teilweise wiederverwendbares Trägersystem, das Space Shuttle. Entwickelt in den siebziger Jahren und nicht (anders als die F9) vor allem auf den Transport von Satelliten spezialisiert. Das einzige, was uns das lehrt, ist dass Wiederverwendung bei Satellitenträgerraketen nicht automatisch günstiger ist. Ob sie es sein kann, ist eine andere Frage.
        Davon abgesehen, gibt es eine ganze Anzahl von Wiederverwendungsszenarien, „Die Wiederverwendung“ gibt es nicht. Es ist gut möglich, dass sich Wiederverwendung beim aktuellen technischen Stand für häufige LEO-Missionen lohnt, während sie für GTO-Missionen oder Fluchtbahnen unattraktiv ist. Genauso kann es sein, dass teilweise Wiederverwendung (Triebwerke, Erststufe) funktioniert, während komplette Wiederverwendung vielleicht ein Verlustgeschäft ist.

        „Die Fakten sprechen dafür das Wiederverwendung von Raketen wirtschaftlich nicht tragbar ist.“
        Eineindeutige Fakten glänzen vor allem durch Abwesenheit. Die einzige Firma mit Wiederverwendung im praktischen Einsatz ist momentan SpaceX. Laut ihrer Aussage lohnt sich Wiederverwendung unter bestimmten Szenarien, es kursierten ja auch schon Zahlen dazu durch den Raum. Nun teile ich die Skepsis gegenüber SpaceX-Mitteilungen, aber ein Beweis für die getenteilige Aussage (Wiederverwendung lohnt sich unter dem SpaceX-Szenario nicht) ist das auch nicht. Insofern ist die Frage im Moment einfach offen. Antworten kommen, wenn SpaceX oder Konkurrenten irgendwann mal detailliertere und korrekte Zahlen veröffentlichen, oder sich Wiederverwendung bei den am Markt erfolgreichen Teilnehmern durchsetzt/nicht durchsetzt.

          1. Anders als SpaceShuttle und F9 haben sie es aber in wiederverwendbarer Form nie in den Einsatz geschafft.
            Wenn man Versuchsträger und Planspiele mitzählt, könnte man auch noch die Energija nennen.
            Wie waren die A1-Wiederverwendungspläne/Versuche? Ich kenne bislang nur die Gedankenspiele bei der A4.

    2. Würde es sich lohnen, man müsste das in den Bilanzen feststellen. Das ist aber (siehe verlinkte Zahlen) nicht der Fall, SpaceX nimmt vor Steuern und Abschreibung weniger als LM ein. (Prozentual von den Einnahmen) bei einer Rekordzahl von Starts 2018 sollte man was anderes erwarten.

      1. „Würde es sich lohnen, man müsste das in den Bilanzen feststellen. Das ist aber (siehe verlinkte Zahlen) nicht der Fall, SpaceX nimmt vor Steuern und Abschreibung weniger als LM ein. (Prozentual von den Einnahmen) bei einer Rekordzahl von Starts 2018 sollte man was anderes erwarten.“
        Die Argumentation baut auf einem vollkommen sinnlosen Vergleich auf. SpaceX und Lockheed Martin sind Firmen vollkommen unterschiedlicher Größe, die nur in wenigen Bereichen mit Produkten auf demselben Markt aktiv sind oder sogar direkt gegeneinander konkurrieren. 2018 bestanden die Dienstleistungen von SpaceX Satellitenstarts und der ISS-Versorgung mit der Dragon. Lockheed Martin hat mit der ISS-Versorgung nichts zu tun und ist nur über seine Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen mit Boeing (ULA) mit Satellitenstarts verbunden, was aber nur einen kleinen Anteil an dem Gesamtumsatz und Gesamtgewinn von LM ausmacht. Du vergleichst hier also eher die Margen bei Kampfflugzeugen mit denen von Trägerraketen.

        Im Moment verwendet SpaceX die Erststufen wieder, wenn die volle Nutzlast nicht ausgenutzt werden kann. Sie hätten auch die Möglichkeit eine neue zu produzieren, aber tun es nicht. Da finde ich die Annahme naheliegend, dass sich die Wiederverwendung unter diesen Umständen lohnt.

        1. Wenn wiederverwendung klappt sollte das da nach offiziellen Angaben die Erststufe ja 80 % des Trägerpreises ausmacht, enorme Gewinne bescheren und nicht nur 10 % des Umsatzes, sondern dann doch wohl 70 oder 80 %. Alleine die 21 geborgenen Erststufen würden bei 62 Millionen pro Start (50 bei Wiederverwendung) einen Kostenfaktor von 1050 Millionen Dollar ausmachen von denen man nur 252 Millionen an die Kunden weitergab. Der Rest (800 Millionen) taucht aber nicht in der Bilanz auf. Warum wohl?

          1. Das Wiederverwendungsszenario geht etwa so:
            Gehen wir von Startkosten (inklusive Produktionskosten, Startvorbereitung, Treibstoff etc.) für eine neue F9 von 60 Millionen USD aus. Wenn die Produktion der Erststufe 80% ausmacht (klingt etwas viel), sind das 52 Millionen.
            Wegwerfszenario: Für jeden Start Erststufenproduktion 52 Millionen, jeder Start braucht eine neue Erststufe
            Wiederverwendungsszenario: Erststufenproduktion 52 Millionen/Anzahl Wiederverwendungen + Kosten für Bergung/Reparatur. Sind wir pessimistisch und gehen von vierfacher Wiederverwendung aus, dann ist man bei 13 Millionen für die Produktion der Stufe. Nehmen wir einfach mal 25 Millionen für Bergung/Reparatur an. Gesamtkosten für Erststufe pro Start von 38 Millionen, oder Einsparungen pro Start von 14 Millionen, oder knapp unter 25% der Startkosten einer neuen F9 von 60 Millionen. [1]

            Das ist dem Kunden alles egal, ihn interessiert nur die Startdienstleistung.
            Will der Kunde einen 6,5t Satelliten in den GTO starten, bietet SpaceX einen Start mit Erststufenverlust an. Nun machen sie ab 60 Millionen Startpreis Gewinn.
            Will der Kunde aber einen 5,5t Satelliten in den GTO starten, bietet SpaceX einen Start mit Erstufenwiederverwendung an. Nun machen sie ab 46 Millionen Startpreis Gewinn.

            Das ist der Mechanismus, nach dem sich Wiederverwendung für SpaceX in bestimmten Situationen lohnen kann, und in Anbetracht des Verhaltens von SpaceX (Wiederverwendung wird durchgeführt, wenn die Nutzlast nicht zu schwer sit), halte ich es für wahrscheinlich.

            Zu deiner Rechnung:
            „Wenn wiederverwendung klappt sollte das da nach offiziellen Angaben die Erststufe ja 80 % des Trägerpreises ausmacht, enorme Gewinne bescheren und nicht nur 10 % des Umsatzes, sondern dann doch wohl 70 oder 80 %.“
            Damit Wiederverwendung sich lohnt, muss die Einsparung ja nicht gleich so massiv sein. Schon wenn es pro Start 5-15 Millionen sind, wie in meinem Beispiel, dann hat man einen schönen Effekt. Auch behauptet kaum jemand, dass die Einsparungen im Moment so massiv wären.

            Wie gesagt, ich halte die Einsparung durch Wiederverwendung in dem von mir angegebenen (oder ähnlichen) Szenarien nicht für bewiesen (dazu bräuchte man deutlich genauere Angaben), aber für wahrscheinlich.

          2. Zu Niels unterem Kommentar (ab einer bestimmten Tiefe gibt es keinen Antwort-Button mehr).
            Ich gehe D’accord das wenn man die Nutzlast nie ausnutzt es sich lohnt, nur deine Berechnung ist unsinnig. Ein Kunde der eine Falcon 9 mit neuer Erststufe kauft zahlt 62 Millionen egal ob die geborgen wird oder nicht. Ein Kunde der eine gebrauchte kauft zahlt 50 Millionen. Du musste also keine Herstellungskosten auf mehrfache Wiederverwendung umlegen weil die komplette Stufe beim zweiten Start schon bezahlt ist.

  5. Push.
    https://www.geekwire.com/2020/spacex-ceo-elon-musk-touts-starlink-satellites-robotic-fighter-jets-air-warfare-symposium/

    So viel zum großen zivilen Super-Internet. Eine militärische Nutzung stand ja schon länger im Gespräch, aber nun wurde Musk konkreter. Es geht zusammengefasst darum, Starlink zur Steuerung militärischer Drohnen zu sehen, welche er als Zukunft des Krieges sieht. (Natürlich hat er mit Absicht den F-35 Joint Strike Fighter als Vergleich nehmen müssen ,wei ldieses Projekt ziemlich aus den Fugen gerraten ist.)

    Ergo läuft es (wieder mal) drauf aus, SpaceX mit Regierungsgeldern gesund zu stossen. Aber Musks Fans rechtfertigen ja inzwischen alles für seine „Mars Träume“. (Bei dem Vorschlag die „Space Force“ in eine „Sternenflottenakademie“ umzuwandeln bekamen die Geeks sicher einen Riesenständer.)

    Oh, und falls hier ein Fanboy mit „Aber er hat die Shorts fertiggemacht“ kommt:

    1) Die halten trotzdem an ihrer Meinung fest und halten den Teslahöhenflug von zuletzt für eine Spukationsblase.
    2) Der Teslakurs ist während der letzten Tage um ca. ein Drittel eingebrochen. (Gut, die Börse reagierte allgemein wegen Corona nervös, aber tEsla gehörte zu den größten Kursverlierern der letzten Woche.)

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