Die Bangles

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Wer heute einen Blog über Raumfahrt oder Computer erwartet, kann gleich die Seite verlassen, heute geht es um was ganz anderes nämlich die Mädchengruppe „The Bangles“. Die Bangles hatten ihre größten Hits zwischen 1986 und 1989 und hätte man mich damals gefragt, (im Alter von 21 bis 24) wer wohl die schärfste Frau auf der Welt ist, ich hätte Susanna Hoffs gesagt. Susanna Hoffs ist die Leadsängerin der Bangles. Sie sieht übrigens auch heute, mit 67 noch gut aus.

Ich kam darauf, weil ich beim Zusammenstellen von Videoclips aus den Achtziger Jahren über ein Konzert der Bangles von 2001 gestolpert bin. Das hat mich so fasziniert, dass ich nach weiteren Konzerten gesucht habe und schließlich mir die „offizielle Autobiografie“ der Bangles gekauft habe. Ich gehe zuerst mal auf das Buch ein und dann gebe ich noch meinen Senf zur Gruppe. Damit wir alle auf dem gleichen Stand sind, eine kurze Geschichte der Band:

Die Geschwister Vicki und Debbie Peterson spielten seit Ende der Siebziger in verschiedenen Bands. 1980 kam Susanna Hoffs, dazu als sie eine Anzeige schaltete und nach Gleichgesinnten suchte, 1981/82 war dann Annette Zilinkas kurzzeitig Bandmitglied, bevor sie ihr eigenes Ding durchziehen wollte. Sie wurde durch Michael Steele (Geburtsname Susan Thomas) ersetzt. Nach zwei Singles und einer EP bei einem kleinen Label kam 1984 das erste Album bei Columbia heraus „All over Place“ war ein Achtungserfolg, aber kein Millionenseller. 1986 folgte der Durchbruch mit dem Album„In a different light“, von dem vier Singles ausgekoppelt wurden, alle Hits. 1988 folgte das nächste Album „Everything“ mit zwei Singles, darunter dem wohl bekanntesten Song der Band, „Eternal Flame“. So heißt den auch die Autobiografie. Danach trennte sich die Band. Susanna Hoffs versuchte eine eigene Karriere, konnte mit zwei Alben aber nicht an den Erfolg anknüpfen. Die Band nahm 1999 wieder gemeinsam einen Song für die James Bond Parodie „Austin Powers – Spion in geheimer Missionarsstellung“ auf, traten danach wieder gemeinsam auf und veröffentlichten 2003 das Album „Doll Revolution“. Das verkaufte sich dank eines Auftritts in Wetten dass…? In Deutschland sehr gut, ansonsten aber schlecht. Nach einer Tournee verließ Steele 2004 die Band. Die brachte nun zu dritt das Album „Sweetheart of the Sun“ 2011 heraus. 2014 erschien dann noch eine LP mit frühen Liedern der Bangles (damals noch „the bangs“) die vor dem ersten Album aufgenommen wurden. Seit 2014 ist auch Annette Zilinkas wieder dabei. Das letzte Konzert gab es 2019, Susanna Hoffs tritt aber noch mit den Bangles Liedern auf.

Das wäre eigentlich genug Material für ein Buch. Aber die Autorin hat es vermasselt. Aus mehreren Gründen. Da ist erst mal wie das Buch zustande kam. Es nennt sich „The Authorized Biography of The Bangles“. Da ist üblich, dass der Ghostwriter viele Stunden die Protagonisten erzählen lässt, nachfragt und daraus das Buch macht. Das war hier nicht der Fall. Das Buch hat alleine eine 50-seitige „Refernce list“. Es gab Interviews, aber sie machen nur wenig am Text des Buches aus. Vielmehr hat die Autorin jedes Fitzelchen, das sie im Internet über die Bangles gefunden hat verarbeitet. Vieles sind Zitate von Personen mit denen die Bangles irgendwann mal zusammengearbeitet haben oder zu tun hatten. Dass diese Personen auch irgendwie vorgestellt werden müssen, ist das Buch mehr ein Buch über die Musikindustrie in den Achtzigern als über die Bangles. Besonders genervt haben mich die dauernden vergleiche mit den Go-Gos und den Ressentiments im Musikbusiness gegen eine rein weibliche Band. Kann man mal erwähnen, aber das taucht dauernd auf wie ein roter Faden zieht es sich durch das Buch.

Es ist dadurch schwer zu lesen und ehrlich gesagt bei einem Buch über die Bangles würde ich gerne die Geschichte von den Mitgliedern persönlich hören und nicht von dem Kneipenbesitzer bei dem sie mal spielten. Da kommt die nächste Einschränkung. Interviewt wurden nur die beiden Peterson Geschwister und Susanna Hoffs und von den wörtlichen Aussagen würde ich sagen, entfallen 50 % auf Vicki Peterson, die wohl hinter dem Buch steht. Das erkennt man auch auf der Aufteilung. Es gibt 26 Kapitel. Die ersten 6 behandeln zum größten Teil die beiden Petersons und ihre frühen Bands wie die „The Fans“. Die nächsten 6 die frühen Jahre der Bangs (nachdem es eine Band „the bangs“ schon gab mussten sie sich umbenennen) Erst im letzten Kapitel kommt Michael Steele dazu. Steele hat an dem Buch gar nicht mitgewirkt, genauso wenig wie Zilinkas. Über ihre Biografien vor den Bangles gibt vielleicht jeweils zusammen eine halbe Seite und das einzige Foto das Steele alleine zeigt, ist ein Screenshot aus einem Video. Kapitel 13-16 behandeln die Zeit des ersten Albums. !7 – 23 die Zeit des zweiten Albums und die letzten drei Kapitel dann das Album Everything.

Ihr fragt euch: Wie geht es weiter? Gar nicht. Das Buch endet mit der Auflösung 1989, die folgenden 30 Jahre werden in einer Seite als Epilog zusammengefasst. Das ist bestenfalls unvollständig. Klar sieht man die Intension, man lässt das Buch auf dem Höhepunkt des Erfolgs enden und lässt dann alles Folgende weg, wo die Platten sich nicht mehr so gut verkaufen. Aber eine Biografie ist das dann nicht mehr. Für mich der ich noch in vor-Internet Zeiten Englisch lernte ist das Buch auch schwer zu lesen, weil viel Umgangssprache drin ist.

Warum sich damals die Bangles trennten hat meiner Ansicht nach mehrere Gründe. Was alle vier vereinte war die Liebe zu Rock im Stile der Aechziger. Hört man sich das erste und letzte Album an, so ist das auch zu spüren. Bei „Different light“ hatten sie zu wenige eigene Songs für eine neue Platte, also wurden Songschreiber von der Plattenfirma angeheuert, was ihnen gar nicht gefiel. Die Songschreiber schrieben Popsongs. Von den vier ausgekoppelten Singles – Manic Monday, Walk like an egyptian, If she knews what she wants und Walking down the street ist nur beim letzten Susanna Hoffs Coautor-in und es ist der einzige Rocksong der vier und auch der Song mit der schlechtesten Chartplatzierung der vier Singles. Dazu kam, dass der Produzent David Kahne nicht nur eine Rockgruppe aus Bass-, Rhythmus-, Leadgitarre und Schlagzeug haben wollte, sondern ein Keyboard einführte (Manic Monday) und eine Drummmaschine (Walk like an egyptian). Schon da gab es Widerstände, vor allem von Vicki Peterson, die eben reinen Rock machen wollte.

Beim nächsten Album konnte die Plattenfirma nicht den Druck ausüben, denn Different Light war ein Millionenseller, das beste verkaufte Album der Band. Nun schrieben sie alle Lieder selbst, aber mit Hilfe von Songschreibern. Während sich Susanna Hoffs weitestgehend auf neue Impulse einließ, und das Star-Duo Tom Kelly und Billy Steinberg verpflichtete die schon vorher mehrere Nummer 1 Hits wie „Like a virgin“ und „True Colors“ schrieben, blieben die anderen Bandmitglieder wieder beim Rockstil während Susanna Hoffs offen für Pop war – nach der Trennung veröffentlichte sie ja auch Soloplatten die Popsongs enthalten und weniger Rocklieder. Ausgekoppelt wurden wieder zwei Lieder mit Coautorin Susanna Hoffs : in your room und Eternal flame. Vicki Peterson war wohl zumindest nicht begeistert über den Richtungswechsel. Eternal Flame bezeichnete sie als einen Hoffs Song aber keinen Banglessong.

Der zweite Grund ist unvermeidlich, es ist die Fokussierung der Öffentlichkeit. Susanna Hoffs war die Leadsängerin. Instinktiv nimmt man an, dass sie der Bandleader ist. In Interviews verneinten die Bangles das immer, alle vier wären gleichbereichtigt, und auf dem Album Everything findet man auch Lieder jedes Bandmitglieds. Aber von den acht Singles, die aus drei Alben ausgekoppelt wurden, ist Susanna Hoffs bei sechs die Leadsängerin. Wenn ein Bandmitglied mehr Aufmerksamkeit erhält, als die anderen so stiftet das immer Unfrieden. Bei den Videos zu „Different light“ konnte Vicki Peterson noch durchsetzen das alle Bandmitglieder zu sehen sind und nicht nur Susanna Hoffs, aber im Eternal Flame Video tauchen die anderen drei nur noch als Schatten auf.

Ein weiterer Grund und wohl der entscheidende war die Musikindustrie. Sie sahen Potenzial in Susanna Hoffs. Sie hat auch eine einzigartige Stimme, die man sofort erkennt. Daneben war sie offen für neue Strömungen anstatt an dem 60-er Jahre Rock mit Gitarren und Schlagzeug festzuhalten. Sie versprachen ihr und Steele eine Karriere, ließen Steele aber nach einer Demoaufnahme fallen. Das führte schließlich zur Bandauflösung. Tourstress tat sein Übriges. Unter ihm litt besonders Steele, die Flugangst hat. Bei einer England-Tournee die 6 Wochen Pause hatte flog sie nicht zurück sondern blieb lieber 6 Wochen im Hotel bis die Tournee weiter ging,

Die Band fand ja dann wieder zusammen. Doll Revolution finde ich ist ein gutes Album, wobei es nicht das Rock-Album ist, dass man erwartet, wenn die Gruppe nun es unter eigenem Label herausbringt und sich nicht mehr den Zwängen von Columbia Records unterordnen muss. Das war ja für drei der Bandmitglieder das Problem: sie wollten Rock im Stile der Sechziger machen. Es ist eigentlich ein Album so wie die letzten beiden mit einer Mischung aus Rock- und Popsongs. Am deutlichsten wird das bei den ausgekoppelten Singles. „Something That You Said“ und „I Will Take Care of You“ sind Balladen wie Eternal Flame. Klar jeder weiß: mit Balladen macht man den meisten Umsatz. Nur „Tear Off Your Own Head (It’s a Doll Revolution)“ ist ein Rocksong und alle drei Lieder singt Susanna Hoffs. Man hat sich wohl in der Gruppe damit abgefunden, dass Sie am meisten Erfolg verspricht. Ansonsten singt jeweils das Gruppenmitglied das den Song komponiert hat. Das Album konnte trotzdem nicht an die alten Erfolge anknüpfen. Meine persönliche Meinung ist, dass dies einfach an der Zeit liegt. Der Stil der Bangles hat sich nicht verändert, aber der Musikgeschmack hat sich in den 15 Jahren zwischen Everything und Doll Revolution verändert. Das gilt auch für das letzte Album mit neuen Songs, Sweetheart of the Sun“. Es ist nun noch rockiger, aber es ist wieder ein Album, in dem die meisten Songs eine Gruppenarbeit sind und es ist das Album, in dem die beiden Petersons bei den meisten Songs Leadsinger sind.

Der letzte Auftritt aller Bangles war beim KAABOO Del Mar 2019. Susanna Hoffs hat seitdem einige Platten herausgebracht, in denen sie Songs covert und ist auch immer wieder auf Konzerten mit Liedern der Bangles zu sehen, so beim BeachLife Festival, Redondo Beach am 3. Mai 2025. Vicki Peterson hat mit ihrem Ehemann zwei Songs letztes Jahr als Videos herausgebracht. Vicki und Debbie Peterson sind letztes Jahr mit einem alten Bang Song aufgetreten. Debbie Peterson hatte es schwer. Nach dem Buch war sie immer unsicher und sie war die jüngste. Als sie Musik machen wollte, verpflanzte sie ihre Schwester ans Schlagzeug, obwohl sie eigentlich Gitarre spielen wollte, aber die Gruppe brauchte einen Drummer. Soweit ich sehen konnte. hat sie außerhalb der Bangles nichts veröffentlicht. Ganz aus der Öffentlichkeit abgetreten ist seit 2004 Michael Steele. Selbst eine Bildersuche nach aktuellen Fotos bringt keine Resultate.

Ich empfehle euch mal zwei Konzerte anzuhören oder anzusehen: das obige bei Kaboo und Return zu bangleonia von 2001. Vor allem wegen der Video- und Soundqualität. Andere Konzertmitschnitte bei Youtube sind relativ schlecht. Was mir gefällt ist vor allem die Musik. Die Mädchen rocken richtig ab. In beiden Konzerten wicht der Gesang aber doch stark von dem ab, was man von den Platten kennt.

Was ihnen niemand nehmen kann, ist ihr Erfolg in den Achtzigern. Während ich den Blog schreibe liefen zwei Bangles songs im Radio. Auch etwas was das Buch versäumt hat, ist das die Bandmitglieder über ihre Texte und was dahinter steht, befragt wurden. Bei mir haben „in your room“ und „Going down to liverpool“ inzwischen „Manic Monday“ und „If she knews what she wants“ als Lieblingslieder der Gruppe abgelöst, so im Alter mag ich offensichtlich mehr Rock als Pop. „In your room“ kann man nun nicht gerade als feministischen Text bezeichnen und Going Down to Liverpool ist ein Cover von Katharina and the Waves. Im Video in dem die Mutter von Hoffs (Filmproduzentin) Leonhard Nimoy verpflichten konnte, musste der Producer sie daran erinnern ernst zu gucken, weil der Song über Arbeitslosigkeit ist. (UB40 das im Song vorkommt ist nicht der Name der Band, sondern ein Formular in dem in England Sozialhilfe beantragt wird)

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