Nicht bemannte, nicht unbemannte Raumfahrt, sondern die Raumfahrt der Vernunft

In den letzten beiden Tagen kamen zwei bemerkenswerte Dokumentationen zum Thema bemannte Raumfahrt: „Wissen aktuell: Mission Weltraum“ auf 3sat und „Kein Mensch mehr im All“. Die erste drehte sich um die Zukunft der bemannten Raumfahrt nach dem Ausmustern des Shuttles und die zweite um den Sinn der bemannten Raumfahrt selbst. Die letztere ist recht gut gemacht und es kommen Astronauten wie Kritiker zu Wort. Dabei gefielt mir als bestes, wie ein Astronaut stolz erzählte, er habe bei einem Proteinzüchtungsexperiment 99,8% Reinheit erreicht, als ihn ein Wissenschaftler daraufhin wies „Auf der Erde erreichen wir derzeit 99,99% Reinheit“….

Zeit also das Thema doch mal wieder aufzugreifen. Bei den Befürwortern der Bemannten Raumfahrt werde ich ja gerne als „Gegner der bemannten Raumfahrt“ bezeichnet. wer den Blog aufmerksam liest, dem dürfte klar sein, dass es mir nicht um bemannte oder unbemannte Raumfahrt geht, sondern darum wenn Raumfahrt schon teuer ist, die Mittel sinnvoll einzusetzen. So habe ich schon etliche Vorschläge für Alternativen zu Ariane 6 / Sojus STK oder für die Kostenbegrenzung bei Satelliten / Raumsonden (Stichpunkt: Serienbauweise, anstatt jedes Gefährt neu zu entwickeln) machte und ich bin auch gegen manches unbemannte Projekt wie das JWST oder die ESC-B – zumindest bei dem Preisschild das da draufklebt. Schlussendlich gibt es ja nur einen Topf für die Forschung und wenn ich an die Universitäten denke und mit welchen Budgets dort geforscht wird, dann ist schon unbemannte Raumfahrt um ein vielfaches teurer als was wir pro Forscher so auf der Erde ausgeben. (mehr …)

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Der Organskandal und der Mangel an Organen

Derzeit geht ja wieder ein Thema um, nämlich dieser Arzt, der seine Patienten auf der Wartliste nach oben gepusht hat. Ob das strafrechtlich strafbar ist, wird ja noch geprüft. Es ist moralisch verwerflich, aber auch verständlich, schließlich steht einem der eigene Patient näher als irgend jemand anders auf einer liste, aber ich denke auch da ist Geld geflossen.

Was nun befürchtet wird ist, dass es einen Mangel an Spendern gibt. Es gibt ja jetzt schon die Initiative dass jeder Organspender sein sollte, und wer es nicht ist, der sollte dies explizit sagen. Ich habe seit zwanzig Jahren einen Organspenderausweis (bzw. den Dritten, den er ist in meiner Geldbörse, damit er falls ein Unfall kommt auch gleich auffällt und da hebt Papier nicht ewig) und finde diese Regelung gut. Sie gibt mir solange ich noch lebe ein gutes Gefühl noch eventuell etwas für andere zu tun und wenn ich tot bin muss es mich eh nicht mehr kümmern. Ich glaube auch das nicht das Problem die Organspender sondern die Angehörigen sind, die diese Entscheidung praktisch direkt nach dem Tod treffen müssen und dann ist das zum einen zu viel und bei vielen schwingt dann auch noch mit wie dann wohl der Leichnam aussieht wenn er aufgeschnitten wurde. Da wäre ein Ausweis sicher die bessere Lösung, weil er die Angehörigen von dieser Entscheidung befreit. Nur ob dann ein Zwangsausweis die Lösung ist denke ich nicht, weil dann sofort der Gedanke kommt „Darüber hat sich mein Vater/Mutter … zu Lebzeiten ja keine Gedanken gemacht und ich denke er/sie war dagegen“. (mehr …)

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Was wird aus Russlands Raumfahrt?

Vor drei Tagen ging wieder ein Proton Start schief. Es ist der 39.ste Fehlstart bei insgesamt 379 Starts also eine Gesamtzuverlässigkeit von 89,7%. Das ist heute ein recht schlechter Wert. Noch schlimmer: Bei vielen „alten“ Trägern war die Zuverlässigkeit anfangs schlecht und stieg an. Als Beispiel habe ich mal ein Diagramm von Proton und Delta angefügt. Auch das neueste Modell, die Proton M macht keine Ausnahme, von 59 Starts schlugen 5 fehl, das sind 91,5% und damit liegt sie nicht besser als der 45 Jahre Durchschnitt über alle Proton Starts.

Die Grafik stammt von Launchlog, meinem Programm das ich dazu benutze, da habe ich mich nun aufgerafft, nachdem ich es wieder etwas erweitert habe es nun endlich mal zu dokumentieren – es wird aber noch ein bisschen Dauern bis das abgeschlossen ist.

Was mir bei Russlands Raumfahrt auffällt, ist seit etwa 20 Jahren das laufend neue Programme angekündigt werden die dann aber doch eingestellt werden. Russland hat anders als Europa oder die USA ihre Trägerraketen weitgehend unverändert produziert. Wenn die Nutzlasten zu klein wurden vielen Typen weg. Ein System das funktioniert. Seit 20 Jähen gibt es nun unzählige Pläne die alten Typen zu ersetzen: Rus, verschiedene neue Sojus Versionen, Baikal und Angara. An letzterer wird seit Jahren angekündigt. Erster Start: 1994 noch für 2005/6 angekündigt. 2009 als mein Raketenlexikon erschien und ich damals recherchierte, wurde 2011 angegeben und nun redet man von Mitte 2013. Die Rus-M wurde auch eingestellt.

Als ich für Phobos Grunt recherchierte stieß ich über eine beeindruckende Roadmap mit unbemannten Missionen zum Merkur bis Jupiter, Landungen Bodenprobenrückführungen. Etwa 20 Raumsonden in 10 Jahren. Keine einzige wird gebaut und Phobos Grunt zeigt ja, wie der derzeitige Stand in Russland ist. (mehr …)

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Das beste Persil aller Zeiten

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass derzeit auf ZDF Info die Serie „Reiseführer durch die Galaxie“ läuft, die unsere Planeten vorstellt – mit einem etwas humoristischen Ansatz: Was wären die Sehenswürdigkeiten, auf was müsste man achten. Nebenbei bekommt man doch einiges an Wissen vermittelt und es ist sehr unterhaltsam. Es erinnert mich dann schon etwas an die BBC Dokumentation „Die Planeten“, die es so vor 20 Jahren mal gab. Nur eben aktueller und mehr US-zentriert.

Was da immer im Vorspann kommt ist ein Spruch: „Nie war die Zeit günstiger so weit zu reisen wie niemand zuvor um in die Fußstapfen unserer Roboter zu treten und die Planeten unseres Sonnensystems zu erkunden“. Das kling völlig übertrieben, wenn man bedenkt, dass einem die Forscher Wanderungen auf der Venus oder Ballonfahrten auf dem Titan näher bringen, aber es ist wahr. Da sich Technologie weiter entwickelt wird es immer leichter. 1928 flog Lindbergh erstmals über den Atlantik, 20 Jahre später konnte das jeder der es bezahlen konnte und heute ist es preiswert und dauer nicht mehrere Tage sondern nur noch einige Stunden.

Auch bei der Raumfahrt gibt es technische Fortschritte, wenn auch nicht ganz so tolle wie in der Luftfahrt. Immerhin: Eine Atlas konnte mal 1500 kg Nutzlast in den Orbit befördern und heute sind es 20 t. Die kosten pro Kilogramm sind auch gesunken, wenn auch nicht so extrem wie in der Luftfahrt. So gesehen hat der Spruch recht, was allerdings offen ist: in der Zukunft könnte es aus demselben Grund noch viel billiger werden. (mehr …)

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Wie schwierig ist eine Landung auf dem Mars oder anderen Himmelskörpern mit Atmosphäre?

Ich greife mal die Frage im letzten Blog auf. Ist es so schwer auf Himmelskörpern zu landen über die man nicht viel weiß? Nun wenn man in die Geschichte blickt, dann landeten Viking 1+2 und Huygens als man noch kaum etwas über die Atmosphären der Himmelskörper wusste. Beide Sonden waren erfolgreich. Doch man kann auch die Veneras als Gegenbeispiel anführen. Zeit dem also auf den Grund zu gehen.

Fangen wir mit dem ersten an: Dem Atmosphäreneintritt. Die erste Phase unterscheidet sich bei allen Planeten kaum: Die Hochatmosphäre ist extrem dünn, bremst aber einen aerodynamischen Körper auf mehrfache Schallgeschwindigkeit ab, lange bevor er in den dichten Teil vorstößt. Mars, Erde und Venus unterscheiden sich nur in der Höhe in der dies erfolgt. Hat man also einen Hitzeschutzschild für die Landung auf der Erde entwickelt, kann man ihn auf dem Mars einsetzen und einen für die Rückkehr vom Mond taugt für die Venus. In beiden Fällen sind die Geschwindigkeiten vergleichbar. Im Zweifelsfall dimensioniert man das Ablativ abgetragene Material einfach großzügiger. Mit einem soclehn Schild konnte man schon den Eintritt der Galileo Sonde in die Jupiteratmosphäre meistern und die traf mit 48 km/s auf die Atmosphäre! (mehr …)

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