Zeit für ein letztes Selfie

Vor einigen Wochen lief eine Dokumentation über Voyager auf Arte. Meiner Ansicht nach hat man dort zu viel Wert auf die Goldene Schallplatte gelegt, aber sei es drum. Die Sendung hat mich aber inspiriert. Denn erwähnt wurde, dass Voyager 1, als die Mission schon vorbei war, am 14.2.1990 ein letztes Foto Mosaik aufnahm. Voyager 1 Kameras waren schon seit 1981 nicht mehr aktiv gewesen, nun waren auch die letzten Daten von Voyager 2 übertragen und die beiden Sonden begannen ihre Heliosphärenmission. Das bedeutete, das man alle Instrumente endgültig abschalten würde, die nicht für diese Mission gebraucht wurden und, da nun nur noch Teilchen und Felder gemessen würden, waren dies auch die Kameras an beiden Raumsonden. Das diente zum einen zum Einsparen von Strom – selbst wenn die Instrumente nicht aktiv waren so waren aber Heizelemente aktiv und zum Zweiten wurden die wissenschaftlichen Teams der Instrumente aufgelöst, um Kosten zu sparen. Continue reading „Zeit für ein letztes Selfie“

Jupiter als Sprungbrett im Sonnensystem

Ich habe das heutige Thema sicher schon mal im Blog erwähnt, aber ich will es heute mal konkreter machen.

Im Prinzip funktioniert das Swing-By an Jupiter wie bei anderen Planeten. Der Planet zieht eine Raumsonde an, sie passiert ihn an einem nächsten Punkt und verlässt seine Einflusssphäre wieder. Der wesentliche Unterschied ist Jupiters Masse. Er ist 318-mal massereicher als die Erde und die Möglichkeiten, die er bietet, sind daher viel größer als bei einem Vorbeiflug an Venus oder Mars. Eine Raumsonde hat im Prinzip drei Möglichkeiten, von denen zwei auch kombiniert werden können. Continue reading „Jupiter als Sprungbrett im Sonnensystem“

Ein Lobesartikel

Ingolf meinte ich sollte mal einen Artikel ohne Gehässigkeit schreiben. Zugegeben: ich schreibe über das was mich bewegt und das ist meistens der Fall, wenn es nicht so läuft wie es sollte. Das ist ja auch bei anderen Dingen der Fall. Über eine gelungene Premiere kann man weniger schreiben als über eine missglückte. Positive Bewertungen bei Amazon sind meist deutlich kürzer als negative. Ich merke das auch wenn ich mal selbst einen Testartikel schreibe. Aber bitte, heute mal einen nur positiven Blog um gerade diesen Fakt zu verdeutlichen. Ich habe mir überlegt, welche Mission mir wirklich gut gefallen hat. Mir sind einige eingefallen. Einige wie Voyager habe ich hier schon erwähnt. Ich schwankte am Schluss zwischen Mars Express, SOHO und New Horizons. Weil New Horizons die aktuellste ist habe ich mich für sie entschieden. Continue reading „Ein Lobesartikel“

Tune me up – eine bessere Kommunikation im Kuipergürtel

Ein Grund warum man nach dem Vorbeiflug von New Horizons so wenige Bilder von Pluto sieht, auch in den tagen vorher ist das Kommunikationssystem der Sonde. New Horizons hat eine Hauptantenne von 2,1 m Durchmesser und einen Sender von 12 Watt Leistung. Ihre Datenrate ist daher kleiner als die der Voyagers (3,66 m durchmessende Antenne, 23 Watt Sender). Je nach Quelle hat sie bei Pluto eine Datenrate von 1-2 KBit pro Sekunde. Komprimiert man nicht, so braucht ein LORRI Bild mit 8,368 MBit so über zwei Stunden zur Übertragung, Das Datensystem wurde auf eine Datenrate von 600 Bit in 36 AE Entfernung ausgelegt. Verbesserungen im Bodennetzwerk seit der Entwicklung vor 12 Jahren Start lassen eine etwas höhere Datenrate zu.

Die Sonde hat nur wenig Zeit die Objekte zu untersuchen. Pluto füllt das Kamerafeld der Telekamera LORRI erst 469.000 km vor der Begegnung, das sind 9 1/4 Stunden vor dem Vorbeiflug und bei der Farbkamera Ralph ist es sogar erst in 23.217 km Entfernung, das ist 13 Minuten vor dem Vorbeiflug der Fäll. So arbeitet die Sonde seit dem 13.Juli ein Jahre vorher festgelegtes Messprogramm ab, das nach den Plänen die veröffentlicht wurden, 107,8 GBit Messdaten erzeugt. Continue reading „Tune me up – eine bessere Kommunikation im Kuipergürtel“

Könnte New Horizons nur die Erste sein?

Es dauerte lange bis man eine Pluto Mission auf den Weg brachte. New Horizons ist der dritte Anlauf der nicht nur ein Papierprojekt ist sondern in die Planung ging. Die beiden vorherigen Pluto Fast Flyby und Pluto Kuiper Express wurden dann aber gekippt. Aus der Asche von PKE wurde dann New Horizons, weil das Parlament den Beschluss der Bush Administration kippte.

Ich senke man kann jetzt schon sagen, das die investierten Millionen sich gelohnt haben. Pluto und Charon sind anders als die meisten Körper im äußeren Sonnensystem. Bis 1979 waren die Monde der Planeten in den Fernrohren nichts als Lichtpunkte, bei den Planeten sah es jenseits von Saturn auch nicht besser aus. Wer ein Astronomiebuch aus dieser Zeit aufschlägt entdeckt mit etwas Phantasie zwei Bänder bei Uranus und Neptun. Dass hat sich geändert vor allem durch die Voyager Sonden. Galileo und Cassini setzten ihre Arbeit fort. Wir haben heute eine grob oder fein aufgelöste Karte von allen Monden mit mehr als 300 km Durchmesser. Aber: die meisten entpuppten sich als kraterbedeckte Eiswüsten. Sicherlich der eine oder andere mit interessanten geologischen Features wie langen Gräben, einem Riesenkrater wie Mimas. Aber wenn es nicht eine Aufheizung durch Gezeitenkräfte gab (Io, Europa, Ganymed oder Enceladus) oder der Körper eine Atmosphäre hatte (Titan), dann waren die Monde kraterbedeckt, langweilig, austauschbar. Im Prinzip sieht so das ganze Sonnensystem aus – auch Merkur, Erdmond und die bisher besuchten Asteroiden sind weitgehend kraterbedeckt. Continue reading „Könnte New Horizons nur die Erste sein?“