Boom!

Am 30.1.2006 explodierte ein Zenit Trägerakete beim Start auf ihrer Plattform, einer umgebauten ehemaligen Ölförderungsplattform. Der kommerzielle Anbieter Sea Launch reagierte wie man dies eigentlich nur noch von den Chinesen kannte – unmittelbar nach der Explosion wurde die Videoübertragung unterbrochen und es war nur noch das Firmenlogo zu sehen. Zwei Tage später gab es eine kurze Pressenotiz, wonach die Plattform keine größeren Schäden erlitten hätte und niemand zu schaden kommt (der Start wird von einem Schiff aus gesteuert, das 4 km von der Startplattform entfernt ist).

Damit hat Sea Launch einen weiteren Rückschlag erlitten. Sea Launch, 1995 gegründet absolvierte 1999 den ersten kommerziellen Start. In den letzten Jahren hat sich die Firm zur Nummer 2 auf dem kommerziellen Markt für Geostationäre Nutzlasten nach Arianespace entwickelt. Die Zenit Trägerakete mit der Oberstufe Block-DM (übernommen von der Proton) wird von einer mobilen Plattform aus gestartet. Vom Äquator aus kann die Zenit so bis 6000 kg in den GTO Orbit befördern – mehr als die Proton M mit 5520 kg, obgleich die Nutzlast für niedrige Orbits kleiner ist. Aber die Rakete startet eben von einem geographisch günstigen Ort aus und nicht wie die Proton von Baikonur mit minimalen Bahnneigungen von 51.7 Grad, die von der Oberstufe dann kompensiert werden müssen.

Es war der 24 Flug einer Zenit und sollte der Auftakt für ein Jahr mit 6 Flügen werden – mehr als jemals zuvor. Vor allem aber ist es der dritte Vorfall mit dieser Trägerakete bei Sealaunch. Zwei Fehlstarts gab es und einmal wurde ein zu niedriger Orbit erreicht. Das ist bei 24 Starts keine gute Bilanz, zumal die Zenit nicht ein neuer Träger wie die Ariane 5 oder Delta 4 ist, sondern ihren Erstflug 1985 hatte. Sollte es zu längeren Verzögerungen kommen, so könnten Kunden zu Arianespace oder zur H-2A wechseln. Diese drei Firmen haben eine Allianz geschlossen bei der Kunden bei Nichtverfügbarkeit wechseln können. Das war bislang einmal der Fall, als nach dem Fehlstart der Ariane 5 ECA Arianespace erst einmal neue Ariane 5 mit der alten Erststufe bauen lies und es nicht genügend Träger für alle Kunden gab.

Nachdem eine Proton M im letzten Jahr ebenso einen Satelliten in einer unbrauchbaren Bahn absetzte sieht es nicht schlecht um Arianes Marktposition aus. Erstaunlicherweise konnte die H-2A keine kommerziellen Kunden gewinnen. Anders als die H-2 startet diese neue Version häufiger und ist zuverlässiger. Aber die H-2 ist deutlich teurer, wie auch die Atlas und Delta. Offensichtlich spielt dies für kommerzielle Kunden eine größere Rolle als die Kosten bei dem Verlust eines Satelliten. Deis dürfte sich erst ändern wenn die Versicherungsprämien für die Proton und Zenit steigen. Das ist nach den beiden Fehlstarts zu erwarten. Ariane 5 kann dagegen seit dem Fehlstart der EC-A vor 4 Jahren eine makellose Bilanz vorlegen und damit sinken auch die Prämien. Es sieht gut aus für unsere „dicke“ Ariane 5.

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