Vitamin C

Machen wir mal weiter in meiner kleinen Rubrik „Alle meine Vitamin“. Nach Vitamin B6 und H geht es nun an das C. Anders als die meisten Vitamine ist C kein Coenzym oder ein spezifischer Faktor bei bestimmten Stoffwechselreaktionen wie es bei anderen Vitaminen ist. Vitamin C, chemisch L-Ascorbinsäure ist für die meisten Organismen sogar überhaupt kein Vitamin, sondern ein Stoffwechselprodukt. Es kann aus Glucoronsäure gebildet werden, die wiederum aus Glucose gebildet werden kann. Lediglich Primaten (Menschenaffen) und Meerschweinchen können es nicht selbst bilden.

Die primäre Funktion von Vitamin C im Körper ist die Funktion als Redoxsystem: Es kann Wasserstoff abgeben und zusammen mit Sauerstoff führt es somit eine Hyroxylierung durch, d.h. die Bildung einer Hydroxylgruppe an einem Kohlenstoffatom. Dadurch werden die Aminosäuren Lysin und Prolin gebildet, Steroidhormone gebildet, Adrenalin und Noradrenalin gebildet, es ist am Tyrosinabbau, der Eisenspeicherung, der Bildung von Glutadion und zahlreicher Enzyme beteiligt. Insgesamt 300 Reaktionen und Prozesse sind von dem Vorhandensein von Ascorbinsäure abhängig.

Die typische Vitamin C Mangelkrankheit Skorbut wird verursacht, dass Aminosäuren nicht mehr gebildet werden, insbesonders im Bindegewebe findet man viel Lysin und Prolin und dieses wird sowohl bei der Wundheilung gebildet wie auch der Hauterneuerung. Daher kommt es zu Blutungen und verzögerter Wundheilung. Längerer Mangel führt auch zu Wachstumsstörungen weil eine Reihe von Wachstumshormonen nicht gebildet werden können. Diese Hormone sind auch wichtig bei Stresssituationen. Daher gibt es ja auch die Empfehlung vor Erkältzungen Vitamin C zu nehmen. Es ist zumindest bekannt, dass der Bedarf bei Infektionen erhöht ist.

Skorbut hat nicht umsonst den Ruf einer Krankheit die auf langen Seereisen auftritt. Das trügerische an ihr ist, dass Kollagen, der Bestandteil des Bindegewebes recht lange lebt (30 Tage im Muskel, 200 Tage in der Haut, doch dann kann es nicht mehr neu gebildet werden und der Mangel wird offensichtlich. würde ein Mangel sofort auftreten – niemand hätte die Seereisen früherer Jahrhunderte überlebt.

Ein Vitamin C Mangel drückt sich somit in Defekten in der Neubildung von Gewebe, Hormonen und einer Anfälligkeit gegenüber Infektionen und Verwundungen aus. Später fallen den Betroffenen die Zähne aus, weil das Bindegewebe des Zahnfleisches zurückgeht und sie haben Blutungen die nicht mehr heilen. Die Symptome sind sehr charakteristisch und offensichtlich.

Genauso selten ist die Krankheit aber bei Landbewohnern, denn Vitamin C wird von allen Pflanzen gebildet es findet sich in Blättern, Früchten und Wurzelen. Auch Fleisch enthält Vitamin C, aber nur geringe Mengen, doch selbst der 10 % Anteil von Pflanzen in der Nahrung eines Neandertalers reichte aus um diesen mit Vitamin C zu versorgen. Nur wenn man fast nur tierische, lang erhitzte oder konservierte Nahrung zu sich nimmt kann man einen Mangel an Vitamin C verursachen.

Soweit so gut. doch nun kommt der Teil der eben nicht bewiesen ist. Man hat recht bald erkannt, dass Vitamin C ein sehr starkes Reduktionsmittel ist. Sauerstoff reagiert zuerst mit diesem und dann mit anderen Nahrungsbestandteilen. Das können sie selbst testen. Nehmen sie einen der Vitamin losen perfekten Äpfel aus dem Supermarkt, schneiden sie ihn entzwei und lassen sie die eine Schnittfläche wie sie ist. Auf die andere träufeln sie etwas frischen Zitronensaft. Diese hälfte wird weniger schnell braun. Die braune Farbe kommt von Oxidationsprodukten von Pflanzenphenolen durch Sauerstoff. Das Vitamin C reagiert zuerst mit diesem und verzögert die Oxidation. Man setzte es daher seit langem als Antioxidationsmittel an und man findet oft den chemischen Namen „L-Ascorbinsäure“ oder den Code E300 Lebensmittel hinzu um ungewünschte Oxidationen zu verhindern – Ein idealer Stoff, denn es ist als Vitamin ja ein körpereigener Stoff. Da der Zusatz erfolgt um Luftsauerstoff abzufangen und sich das Vitamin dadurch verbraucht und es ein technischer Stoff ist darf natürlich dann nicht mit Vitamin C geworben werden.

Nun gibt es Leute die sagen, das über die Funktion in den Stoffwechselkreisläufen Vitamin C als Radikalfänger in den Zellen dient und dadurch Krebs verhindern kann. Diese von Linus Pauling 1967 propagierte Meinung die einher ging mit der Aufnahme von großen Mengen an Vitamin C (10000 mg anstatt der empfohlenen 75 mg) ist bis heute umstritten. für die Behauptung gibt es keine sicheren Beweise. Sicher fangen Ascorbinsäuremoleküle Radikale in Zellen ab, wenn sie mit ihnen schneller reagieren können als das Gewebe. Nur ist die Frage ob das aufgenommene Vitamin C sich dann auch in diese größeren Menge in den Zellen findet.

Und dieser Teil ist inzwischen gut untersucht. Eine Aufnahme von 45-50 mg pro Tag führt dazu, dass der Gehalt an Vitamin C in den Speichergeweben konstant bleibt, das ist also der Bedarf über die Dauer bei dem es keinen Mangel gibt. (Mit einem Sicherheitszuschlag von 30 % für die Verluste bei der Nahrungszubereitung resultiert daraus die DGE Empfehlung von 75 mg). Bis zu einer Menge von 120-150 mg/Tag steigt noch die Konzentration in den Gewebe, darüber hinaus aufgenommen es Vitamin C wird sehr bald wieder über den Urin ausgeschieden und ab 400 mg/d sinkt auch die Resorption aus dem Darm, es verbleibt im Darm wird von Bakterien vergärt und kann so zu Durchfällen führen. Als weiterer Nebeneffekt wird es in den Nieren bei hohen Mengen zusammen mit Oxalsäure als Calcium-Oxalat-Ascorbat abgeschieden und führt so zur Nierensteinbildung.

Es bringt also nichts sehr viel Vitamin C zu sich zu nehmen. Reiche Quellen sind zahlreiche Früchte wie Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Johannisbeeren, aber auch Gemüse wie Paprika, Kohlarten und Kartoffeln. In tierischen Lebensmitteln findet man wenig, außer in Leber und Nieren. Der Bedarf ist normalerweise gedeckt, so haben Kartoffeln zwar nicht übermäßig viel Vitamin C, aber man isst sie regelmäßig. wer dann noch etwas Obst ist der kommt spielend auf seinen Tagesbedarf – und nicht zuletzt wird es ja zahlreichen Nahrungsmitteln zugesetzt.

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