Das Sojus Raumschiff (Teil 3)

Sojus TMA-M

Ursprünglich sollte die Sojus durch ein neues, wiederverwendbares Raumfahrzeug ersetzt werden. Russland untersuchte verschiedene Konzepte. Am intensivsten wurde das Konzept des Raumgleiters Kliper untersucht. Russland hoffte, das Projekt zusammen mit der ESA durchführen zu können. Doch es gab Differenzen bei der Aufgabenverteilung. Nach russischen Vorstellungen sollte die ESA sich zwar finanziell stark engagieren, alle technologisch interessanten Entwicklungen sollten aber von Russland durchgeführt werden. Dies führte dazu, dass die ESA aus dem Projekt ausstieg. Alleine war Kliper aber für Russland nicht finanzierbar. So beschloss Russland das Sojus-Raumschiff zu modernisieren, um vor allem dessen Herstellungskosten zu verringern.

Ab 2010 soll daher der neue Typ Sojus TMA-M (???????? [???????????], russisch für digitale Modifikation) eingesetzt werden. Er soll weitere analoge Systeme durch digitale ersetzen (wie bei den Progress M+M) und ein geringeres Leergewicht und geringere Herstellungskosten aufweisen. Im einzelnen sind folgende Änderungen vorgesehen:

  • neuer Bordcomputer ZVM-101 (derselbe wie bei der Progress M+M),

  • neues russisches Dockingsystem Kurs-N,

  • neues, zentrales Funksystem (dasselbe wie bei der Progress M+M) und

  • neues Treibstoffkühlsystem.

Verbesserungen bei der Kühlung der Treibstoffe und neue Elektronikkomponenten sollen nun eine Aufenthaltsdauer bis zu einem Jahr im Orbit ermöglichen. Neben der Kostenreduktion (es ist ab September 2010 nicht mehr möglich, das ukrainische Kurs-System zur Erde zurückzubringen und erneut zu verwenden, was die Haupttriebfeder für die Entwicklung von Kurs-N war) hat die Sojus TMA-M einen weiteren Vorteil: Es reicht nun ein Besatzungsmitglied für die Steuerung des Raumschiffs aus. Das erlaubt es Russland zwei der drei Sitze zu verkaufen, anstatt bisher nur einem. Russland besteht darauf, die Besatzung, welche die Sojus steuert, vollständig zu stellen, auch wenn der Rest der Besatzung nicht aus Weltraumtouristen, sondern europäischen oder amerikanischen Astronauten mit mehreren absolvierten Shuttle-Flügen und umfangreicher Weltraumerfahrung besteht.

Der Erstflug der Sojus TMA-M ist derzeit für den 29.9.2010 vorgesehen. Bis zum Ende von 2011 sollen Sojus TMA und TMA-M abwechselnd eingesetzt werden. Danach wird die Sojus TMA-M das vorherige Modell ablösen.

Der zukünftige Einsatz

Seit 1999 befördern die Sojus die Stammbesatzungen der ISS. Diese Aufgabe sollte im Endausbau das Space Shuttle übernehmen. Die Sojus sollte nur als Rettungsschiff dienen. Nachdem dessen Ausmusterung jedoch beschlossene Sache ist, wird die ISS soweit erweitert, dass neben einem Progress-Transporter zwei Sojus-Raumschiffe andocken können. Dadurch ist eine Stammbesatzung von sechs Personen möglich. Nun müssen trotz einer Verlängerung der Aufenthaltsdauer von drei auf bis zu sechs Monate mehr Raumschiffe produziert werden. Daher musste Russland den recht lukrativen Weltraumtourismus einstellen, da nun alle Sitze durch die ISS-Stammbesatzung belegt sind. Für Europa und Japan ist es daher auch schwerer, einen Astronauten an Bord der ISS zu haben, als es mit der Kombination Space Shuttle und Sojus möglich gewesen wäre.

Weltraumtouristen zahlten in den vergangenen Jahren immer mehr für einen Flug mit der Sojus. Die ersten Flüge erfolgten noch für einen Preis von 10 Millionen Dollar. Der letzte Gast musste schon 30 Millionen Dollar bezahlen. Bis 2011 hat die NASA einen Vertrag mit der russischen Weltraumagentur Roskosmos, in welchem sie zwölf Sitze für Astronauten kauft. Pro Sitz bezahlt die NASA 51,8 Millionen Dollar. Zusammen mit weiteren Leistungen hat der Vertrag einen Umfang von 700 Millionen Dollar. Die Sojus TMA-M erlaubt es Russland nun zwei der Sitze zu verkaufen, die Einnahmen verdoppeln sich so und mit einer Stammbesatzung von sechs Personen vervierfachen sie sich sogar. Aufgrund dessen dürfte die Sojus sicherlich solange im Einsatz bleiben, wie die ISS im Orbit ist, auch weil Russland derzeit nicht die Mittel hat, Kliper oder einen anderen Ersatz zu finanzieren. Das Budget von Roskosmos von 2006-2015 liegt bei 9 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren sind jährlich vier Starts von Sojus TMA-M mit je zwei Kunden geplant. Die dadurch erzielten Einnahmen machen schon 37 % des Roskosmos Budgets aus.

Einsatz von Einsatz bei Startgewicht Flüge
Sojus 23.4.1967-
14.5.1981
Erdorbit-Missionen, Saljut 1,3-6 6.800 kg 40 bemannt,16 unbemannt
Sojus T 16.12.1979-13.3.1986 Saljut 6+7 6.850 kg 16 bemannt,2 unbemannt
Sojus TM 21.5.1986-
25.4.2002
Mir, ISS 7.250 kg 34 bemannt
Sojus TMA 30.10.2002-2011 ISS 7.220 kg 12 bemannt
Sojus TMA-M 29.9.2010 (geplant) ISS

2 thoughts on “Das Sojus Raumschiff (Teil 3)

  1. Hmm, es gibt für mich im allgemeinen zwei Gründe, kein Kommentar zu schreiben. Der eine ist, dass mich der Artikel nicht interessiert. Der andere, dass es dem schlicht nichts hinzuzufügen gibt. Das hier ist einer der letzteren.

  2. Klipper war kein Projekt der Regierung, sondern eine Privatshow von Energia. Das offizielle Program heisst ppts und das bekommt auch schon offiziell geld…klar werden die das nicht in den von ihnen gewünschten zeiträumen hinbringen, aber diese program gibts.

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