Die Sache mit den Haltbarkeitsdaten

Wer einmal auf Verpackungen geschaut hat, wird feststellen, dass sich dort zumeist ein Haltbarkeitsdatum befindet. Meistens ist es das Mindesthaltbarkeitsdatum, manchmal auch ein Verbrauchsdatum. Rund um diese gibt es einige Missverständnisse. Zeit, diesen Mal nachzugehen.

Die gesetzliche Grundlage für beide Angaben ist die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, kurz LMKV. Sie gilt für alle verpackten Lebensmittel und sie regelt, wie diese gekennzeichnet werden müssen, also was auf die Packung drauf kommt. Der LMKV verdanken wir auch die Zutatenliste oder die Verkehrsbezeichnung, also eine Umschreibung des Lebensmittels, wenn dieses einen Fantasienamen hat.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss auf die meisten Lebensmittelverpackungen drauf. Ausnahmen sind:

  • Lebensmittel, für die ein Verbrauchsdatum vorgeschrieben ist (dazu noch später mehr)
  • Bestimmte Lebensmittel, die sehr lange haltbar sind wie Kaugummis, Zucker und Zuckerwaren
  • Lebensmittel, die frisch oder bald verzehrt werden wie Obst und Gemüse, Brötchen
  • Zahlreiche alkoholische Lebensmittel

Alle anderen Lebensmittel müssen mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gekennzeichnet werden, also nicht nur Lebensmittel, die nicht sehr lange haltbar sind, sondern auch Lebensmittel die Monate oder Jahre haltbar sind, wie Konservendosen, Kekse oder Reis. Je länger es haltbar ist, desto weniger Angaben sind nötig. Wenn ein Lebensmittel über drei Monate haltbar ist, kann der Tag weggelassen werden und bei über 18 Monate auch der Monat. Von dieser Möglichkeit machen die Unternehmen jedoch wenig Gebrauch: Im Gegenteil: Sie drucken meist eine kombinierte Loskennzeichnung mit Datum drauf, damit die Lebensmittel verfolgbar sind. Da steht dann schon mal auf einer im Dezember 2011 gekauften Konservendose „mindestens haltbar bis zum 21.7.2014 um 12:39“. Folgen wir dann daraus, dass sie am 21.7.2014 um 12:40 verdorben ist?

Klarer wird was das MHD ist, wenn man zu dem zweiten Datum übergeht, dem Verbrauchsdatum. Auch dieses ist in der LMKV geregelt. Dort steht recht deutlich, worum es sich handelt: „Bei in mikrobiologischer Hinsicht sehr leicht verderblichen Lebensmitteln, die nach kurzer Zeit eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen könnten, ist anstelle des Mindesthaltbarkeitsdatums das Verbrauchsdatum anzugeben.“. Das ist eigentlich dass, was die meisten Verbraucher auch mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum verbunden: bis zu dieser Zeit kann ich das Lebensmittel genießen, darüber hinaus sollte ich die Finger davon lassen. Verbrauchsdaten sind daher selten länger als einige Tage, denn die Lebensmittel die damit gekennzeichnet werden, sind leicht verderblich, das ist z.B. Hackfleisch, Hühnerfleisch, roher oder geräucherter Fisch, Vorzugsmilch (unbehandelte Milch) etc. Es handelt sich auch um Lebensmittel, bei denen sich leicht eine Flora ansiedelt die gefährlich ist, auch wenn das Lebensmittel sich geschmacklich nicht verändert, oder die diese schon Anfang an enthält. Die Bakterien vermehren sich auch bei Kühlung und nach einigen Tagen sind so viele vorhanden, dass der Genuß nicht mehr ratsam ist. Also das Verbrauchsdatum (zu erkennen an dem Text „zu verbrauchen bis“) ist eine harte Grenze. Danach macht man keine Experimente und schmeißt das ganze weg, auch wenn das Essen noch gut erscheint. Salmonellen z.B. produzieren keine geruchsbildenden Stoffe, können aber im harmlosesten Fall heftigen Durchfall verursachen und bei einem pathogenen Stamm kann das die Gesundheit ernsthaft gefährdet sein.

Lebensmittel, die über das Verbrauchsdatum sind, dürfen auch nicht mehr verkauft werden. Üblicherweise sind diese Lebensmittel auch nur in der Kühltheke zu finden. Wären sie gefroren, oder ohne Kühlung haltbar, so hätten sie ein MHD.

Anders sieht es bei dem MHD aus. Es heißt eben, dass bis dahin das Lebensmittel mindestens haltbar ist. Aber es kann natürlich durchaus länger haltbar sein und zwar um so länger je höher das MHD ist. Es ist natürlich für den Verbraucher wichtig, vor allem bei Lebensmittel mit einem kurzen MHD, wie pasteurisierte Milch. Wichtiger ist es für den Handel, da dieser die Lebensmittel aussortiert, wenn das MHD erreicht wird. Manche machen dies recht rigoros und sondern alles aus, andere senken den Preis. Das ist deswegen so, weil viele Verbraucher Waren nicht mehr kaufen, wenn das MHD erreicht oder überschritten ist und vermuten, der Handel würde seinen Sorgfaltspflichten nicht nachkommen, weil er sie noch immer verkauft. Um eines klarzustellen: Lebensmittel, bei denen das MHD überschritten sind, dürfen weiterhin verkauft werden. Der Handel tut es trotzdem in der Regel nicht, weil sich nun die Beweislast umkehrt. Anders ausgedrückt: Das MHD ist vom Hersteller eine Art Garantie, dass bei ordnungsgemäßer Lagerung und Einhaltung der Kühlkette das Lebensmittel bis dahin haltbar ist, mikrobiologisch einwandfrei und es keine Veränderung durch chemische oder physikalische Prozesse gibt, die ja auch zum Verderb führen können. Danach ist es wie bei der Garantie, wenn sie ein technisches Gerät kaufen: Sie müssen nun beweisen, dass das Lebensmittel noch in Ordnung ist, bzw. in diesem Falle der Handel.

Das MHD ist in der Regel so gestaltet, dass es einen größeren Sicherheitsspielraum als das Verbrauchsdatum beinhaltet. So steht ein MHD z.B. auf pasteurisierter Milch, bei der alle pathogenen Keime abgetötet wurden (aber die recht harmlosen Milchsäurebakterien können die Pasteurisierung überleben), während ein Verbrauchsdatum auf Vorzugsmilch steht, die eben die ganze Bakterienflora beinhaltet. So kann bei Überschreiten des MHD die Milch sauer werden, aber die Gefahr, dass sich Keime ausbreiten, die Gifte bilden ist sehr gering.

Das bedeutet, dass man Lebensmittel, die vom Handel wegen überschreiten des MHD heruntergesetzt wurden, durchaus kaufen kann. Auch muss man Lebensmittel, bei denen das MHD überschritten ist, nicht wegwerfen. Es ist eigentlich ganz einfach: probieren und sehen, ob es geschmacklich verändert ist, ungewöhnlich riecht, verfärbt ist oder die Konsistenz verändert. Ist dies nicht der Fall, so kann man es natürlich noch essen.

Was beide Daten aber nicht sind, ist eine Garantie nach dem Motto Verstand „abschalten“. Sie gelten unter anderem nur für den Fall, das Kühlketten eingehaltet werden und Behältnisse nicht beschädigt. Wenn die Ware aus irgendeinem Grund beim Handel z.B. längere Zeit nicht gekühlt wurde, dann verdirbt das Lebensmittel schneller. Wenn also etwas auffällig ist, obwohl MHD oder Verbrauchsdatum noch nicht erreicht wurden, dann sollte man es wegwerfen.

9 thoughts on “Die Sache mit den Haltbarkeitsdaten

  1. Danke! Der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum war mir bisher nicht genau bekannt. Trotzdem suche ich im Supermarkt immer nach den Artikeln mit der längsten Haltbarkeit (stehen meist hinten im Regal), da ich dann die Möglichkeit habe sie noch eine etwas längere Zeit im Kühlschrank zu lagern. Wobei ich mich oft ärgere, zu viel einzukaufen. Die Sachen landen dann hinten im Kühlschrank und werden vergessen.
    Oft verhalte ich mich bei der Bevorratung auch ziemlich irrational…In 10 Minuten Fußweg Entfernung habe ich einen Discounter und einen Supermarkt, mit dem PKW kann ich in der selben Zeit sicher 10 weitere Läden erreichen. Einige haben sogar bis 22h geöffnet Und der Supermarkt im Hauptbahnhof hat sogar sonntags geöffnet. Großtankstellen gibts auch noch. Eigentlich könnte ich jederzeit „just in time“ einkaufen.

  2. In Deutschland wird den Leuten das Denken ja generell gerne abgenommen 🙂

    Ich war mal in einem suedamerikanischen Land und da entledigt man sich dieser Sorge gleich vollstaendig: Auf den Lebensmitteln steht ausschliesslich das Produktionsdatum 🙂

  3. Ein interessanter Beitrag. Vor allem war mir dieser Unterschied zwischen MHD und Verbrauchsdatum bisher nicht bewusst. Zwar ist mir ein Verbrauchsdatum auch schon mal aufgefallen, aber ich hab den Unterschied nicht so genau zur Kenntnis genommen, weil es mir bei dem Lebensmittel logisch erschien, wo es drauf stand. Ich glaube es ging dabei um Frischfleisch, wenn es nicht eingefroren wird.

    Jetzt noch kurz zu was völlig Anderem: Irgendwie vermisse ich hier noch einen Kommentar zu Stratolaunch, obwohl das Konzept ziemlich interessant aussieht. Näheres hier, und der Beitrag ist auch schon ein paar Tage alt.

  4. Selber einen Blog schreiben.
    Ich habe meinen Falcon V Artikel aktulisiert, weil die Rakete doch gerade dazu passen würde, aber ich muss doch nicht jede Kooperation von SpaceX kommentieren… Die sollen vielleicht erst mal starten. Es gibt außerdem zu wenige Daten um das Konzept kritisch zu beleuchten.

  5. Es ging mir auch weniger um SpaceX als vielmehr um Scaled Composites. Und schliesslich hat Michael Kahn in den Kosmologs heute einen Beitrag dazu geschrieben. Als ich den durchgelesen hatte, dachte ich mir, den hätte Bernd vermutlich so ähnlich geschrieben, und wäre zu dem selben Schluss gekommen. Wollte das auch erst schon als Kommentar darunter setzen, hab es mir dann aber verkniffen. Interessant ist da aber auch, was Eugen Reichel dazu meint, der hat den Beitrag nämlich auch schon kommentiert. Also könnte man die Diskussion auch dahin verschieben…

  6. Ja dann musst du in dessen Blog das ganze durchkommentieren. Was über den Start von einem Flugzeug aus generell zu sagen gibt habe ich schon im Blog getan und über dieses Unternehmen gibt es praktisch keine Angaben, eben nur die Absichtserklärung, aber nichts von Entwicklungskosten oder späteren Startpreisen. Ich rufe ja immer auf wenn die Kommentare zu lang und off-topic werden dass die Leute das mal genauer schreiben und einen Gastartikel draus machen, aber mehr als Aufrufen kann ich auch nicht.

  7. Was mich mal interessieren würde ist, warum mit Zucker konservierte Lebensmittel (z. B. Marmelade) mehrere Jahre lang haltbar sind? Welche chemischen Reaktionen finden hier statt bzw. sind relevant?

  8. Mikroorganismen brauchen wie wir Wasser zum Leben. Dieser ist bei viel Zucker aber an diesen physikalisch gebunden und steht nicht den Mikroorganismen zur Verfügung, Der Effekt ist der gleiche wie bei stark gesalzenen Lebensmitteln. Die Konservierung ist die gleiche Methode wie beim Trocknen, nur ist das Wasser eben nicht weg, sondern gebunden.

    Am besten kommen mit den Bedingungen Pilze zurecht die sich dann auch bei nicht ausreichend hohen Zuckerkonzentrationen an der Oberfläche ansiedeln können.

    Wenn Du es genauer wissen willst schaue mal nach AW-Wert des Wassers

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