Mein Milchmischgetränk – wenn andere den Hauptteil bezahlen, ist’s auch Wurst

So fangen wir mal an mit einer weiteren Folge der schlechtesten Songs aller Zeiten. Es geht um eine Skandalgruppe: Milli Vanilli. Skandalös war zumindest in den USA, das sie nicht selbst gesungen haben. Dabei wusste man bei Frank Farian doch, dass es mehr auf die Optik ankommt. Von Boney M. konnte nur eine der Damen singen und den männlichen Part übernahm er selbst.

Als dann bei Milli Vanilli mal das Playback bei einem Konzert hängen blieb, war der Skandal groß, dabei hatte Frank Farian sie doch gewarnt, Konzerte zu geben… Wie kann man nur so blöd sein. Niemand kann genauso so wie bei der Schallplattenaufnahme singen, das merkt doch jeder, das es gleich klingt. Vor allem was machen die Leute bei Zugaben und wie streut man Aktion (Zwischenrufe ans Publikum) ein? Wenn sie dann wenigstens so schlau gewesen wären, dass die echten Milli Vanillis hinter der Bühne singen, aber ein Bandgerät ….

Gut getan hat es den beiden Musikern nicht. Einer geriet in den Drogensumpf und ist inzwischen gestorben, der zweite machte beim Dschungelkamp mit. Doch warum ich Milli Vanille nicht mag ist der stereotype Pop-Sound ohne große künstlerische Akzente und vor allem, der nervige Tanzstil mit den weitausholenden Bewegungen und das sie völlig abhoben. Einer der beiden verglich sich ja auch mit Paul McCartney und anderen Pop-Größen, und das obwohl er keinen einzigen Ton selbst gesungen hat…

Okay, nächstes Mal geht es um was schwedisches mit eintönigem Rhythmus. Ratet mal wen ich meine….

Dann gab es mal wieder was neues von meiner Lieblingsfirma. Während alle warten, dass nun doch der erste CRS Flug kommt, der sollte ja nach ihren Ankündigungen schon im August startbereit sein, gibt’s davon nichts neues, aber sie haben ihren ersten NASA Auftrag erhalten. Siehe hier. Also erst mal fällt auf, das SpaceX 82 Millionen bekommt, obwohl derzeit ja ein Start nur 54 Millionen kostet. Noch seltsamer: Der Auftrag ist SpaceX keine Erwähnung wert, weder bei den Nachrichten noch bei dem Launch Manifest.

Aber auch die Umstände sind seltsam. Die NASA hat zeitgleich drei alte Delta II von ULA geordert. Die Delta II Produktion wurde 2009 eingestellt. Die Restexemplare sind Delta II Heavy, was auch den Auftrag so teuer (412 Millionen) macht: Die Heavy kann nicht von Vandenberg aus starten. Also kommen Zusatzkosten für Castor IV Booster oder den Umbau der Startrampe dazu. Nach einem älteren NASA Audit, das ich mal fand als ich nach SpaceX Material suchte, kostet alleine das 100 Millionen Dollar, weshalb auch dieses Audit von dieser Option abriet. Immerhin: Die NASA zahlt lieber 137 Millionen pro Delta Start anstatt 82 Millionen an SpaceX. Sonst hätte sie ja auch vier Falcon 9 bestellen können. Nur ein Satellit startet mit einer Falcon 9. Die Frage ist warum? Es ist ja nicht der letzte Start (gibt mehr Zeit Kinderkrankheiten zu beseitigen) sondern einer dazwischen.

Warum. Nun die Nutzlast ist Jsaon-3. Das ist ein Gemeinschaftsprojekt von Eumetsat, NOAA und CNES. 100 Millionen kommen vom NOAA, 63,6 Millionen von Eumetsat. Der Satellitenbus von der CNES. Die NASA ist nur mit Instrumenten vom JPL beteiligt. Nach diesem Dokument agiert NASA auch nur als „Agent“ für die NOAA. Das kann zwei Folgen haben. Das eine ist die, dass nun nicht die Kriterien greifen, wonach eine neue Rakete genügend Flüge haben muss, bevor man ihr eine NASA Nutzlast anvertraut (CRS-Flüge haben andere Konditionen). Es ist ja eine NOAA Nutzlast. Das zweite könnte sein, dass es der NASA Wurst ist, schließlich zahlen ja andere das meiste an dem Projekt das auf 252 Millionen Euro beziffert ist. Allerdings wäre dann bei einem internationalen Projekt auch ein Start auf der Vega denkbar, das wäre bei dem kleinen Satelliten sogar billiger. Als drittes kann es auch eine Sekundärnutzlast sein – Jason 1+2 wogen nur etwa 500 kg, das ist recht wenig für die Falcon 9, selbst für die !V1.0″ die in obigem Dokument extra erwähnt wird.

SpaceX unternimmt nun die ersten Versuche mit „Grasshopper“, das ist ein Gefährt um die weiche Landung der Falcon 9 Stufe zu untersuchen. Da wird es gespannt sein mehr zu hören,. denn für mich ist da vieles offen. Außer einem Video gibt es nichts. Und das lässt viele Fragen offen – landet die Rakete am Startort (braucht viel Treibstoff um die Bahnkurve umzudrehen) oder woanders (Problem: verschiedene Inklinationen und wie soll das bei den heutigen Startorten gehen – da ist kein Land im Flugpfad). Vor allem aber die Landung selbst.

Die Problematik für Nichteingeweihte: Die Landung soll mit den Haupttriebwerken erfolgen. Grashopper setzt ein Merlin 1C mit 122 klbf ein, das nicht regulierbar ist. Später soll es ein Merlin 1D sein mit 147 klbf, aber auf 70% reduzierbar. Das entspricht 54,3 und 45,7 t Schub. Das ist aber garantiert mehr als das Leergewicht der Stufe, das man auf 17,67 t (Falcon 9 v 1.0 bekannter Wert ansetzen kann. Der Schub ist also dreimal höher als benötigt. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass man das Triebwerk pulsweise betreibt (es wird auch hypergol gezündet, da scheidet das fast aus) muss die Landestrategie die sein, dass die Rakete ungebremst fällt und erst kurz vor dem Aufsetzen das Triebwerk zündet, dass dann die Restgeschwindigkeit auf einen kleinen Wert reduziert. Das muss sehr genau getimt sein. Zu früh und die Rakete hebt wieder ab. Zu spät und bei dieser hoher Beschleunigung hat sie noch eine hohe Restgeschwindigkeit und schlägt hart auf oder kippt um. Da ein flüssig betriebenes Raketentriebwerk einige Zeit braucht um vollen Schub zu erreichen ist diese Aufgabe nicht trivial, denn die Beschleunigung liegt ja bei 2,5 bis 3 g. Schon 0,2 s Abweichung entsprechen dann 5 m/s (oder 18 km/h) mehr oder weniger.

Das ist vergleichbar der Landung einer Sojus, da zündet auch noch ein Raketentriebwerk. Nur mit einem kleinen Unterschied. Abgrämst durch Fallschirme ist nur eine geringe Geschwindigkeit abzubremsen und Feststofftriebwerke erreichen rasch ihren Maximalschub. Bei dem flüssig antreibenden Merlin  dürfte es länger dauern. Mal sehen wie gut das beim Grashopper funktioniert. Es gab ja schon mal so was: die DC-X die so was auch erfolgreich demonstriert hat. Zu einem Einsatz kam es nie.

9 thoughts on “Mein Milchmischgetränk – wenn andere den Hauptteil bezahlen, ist’s auch Wurst

  1. Was mich bei dieser Sache ausgesprchen wundert ist, dass die Falcon V1.0 eingesetzt werden soll. Ich dachte Merlin 1C wird gar nicht mehr hergestellt. Zudem ist die 1.1 doch eigentlich bis 2014 im Prinzip genauso oft geflogen wie die 1.0 (5 mal sollten es schon sein). Ich denke die 1.0 ist ein Fehler im Artikel. Das würde auch die höheren Kosten erklären, denn die 1.1 ist größer, wohl teurer aber da sie mehr Nutzlast transportieren kann würde es beim ca gleichen Preis/kg bleiben.

  2. Nun ja bei SpaceX ist alles sehr diffus. Die NASA orientiert sich nicht nach dem was bis 2014 geflogen ist, sondern jetzt. Vor mehr als einem Jahr hieß es sie produzieren acht Triebwerke pro Monat. Da das Merlin 1D jetzt noch in den Tests ist würde ich schon drauf tippen, dass da noch einige Merlin 1C dabei sind. Eventuell halten sie auch die v1.0 für die NASa in Reserve.

    Der angegebene Preis bezieht sich nach der SpaceX Website auf die v1.1, das sieht man an der Nutzlast. Es ist also nicht so, dass die v1.0 54-59 und die v 1.1 82 Millionen kostet. Schließlich sind alle Starts die noch erfolgen sollen ja mit der v1.1.

    Gut möglich auch dass sie einen fliessenden Übergang machen.

  3. Vermutlich hat ULA noch ein paar olle Deltas rumliegen, die noch schnell teuer an den Mann gebracht werden mussten. Und irgendwelche „Freunde“ haben das arrangiert.
    Den Größten Vorteil von Space X sehe ich darin, dass die eventuell mal wieder die Europäer auf Vordermann bringen können. Nachdem sich Das Ariane-Konsortium ja auf seinen Lorbeeren ausruht (mangels Konkurrenz) und sich drüber streiten, wo nun am besten das Geld verbrannt wird, ist mal wieder ein Tritt in den Hintern nötig. Denn DASS die Europäer was reissen können, zeigen sowohl Airbus als auch Ariane.

    Thema schlechtester Song: Ich finde, dass das Gesamtmachwerk eines gewissen Küblböck hier nicht fehlen darf, insbesondere wenn man noch das deshalb entstandene Filmähnliche Etwas bedenkt.

    Mike

  4. @mike Das mit der europäischen Raumfahrt läuft doch schon ganz gut….für die Ariane 6 Planung hat man ja immerhin diesen albernen Mittelrückfluss verworfen…ist schon mal ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung. MT Aerospace ist ja bei den Finalisten dabei. Obwohl ich eigentlich kein großer Fan der Ariane 6 bin weil ich der Meinung bin, dass man ruhig bis zur nächten oder übernächsten Ministerkonferenz warten könnte um zu schauen wie Skylon sich so entwickelt, finde ich ihr ursprünglichs Konzept doch eigentlich ziemlich vernünftig.
    Link:
    http://forum.nasaspaceflight.com/index.php?topic=27452

    Ob MT überhaupt eine Chance zur Realisierung hätte ohne die Angst vor SpaceX(begründet oder unbegründet ist in dem Fall irrelevant)wage ich zu bezweifeln.

  5. Die NASA kann doch nicht bei der ESA/Arianespace die Flüge buchen. Also müssen sie ihre eigenen teuren Firmen fragen. Und nachdem einer der größten ESA-NASA-Kooperationen mit einem ESA-Träger gestartet werden soll, nämlich das JWST, ist bei der nächsten Kooperation jetzt wieder ein von der NASA bestimmter Träger dran, auch, wenn es unnötig teuer wird.

    Ja, Politik ist leider so.

  6. Wie ich schon geschrieben habe, ist JASON-3 aber nun kein NASA Projekt, sondern das Geld kommt von NOAA und Eumetsat und bei einem der Vorgänger (TOPEX-Poseidon) ging ja auch der Start auf einer Ariane 4. Mir wäre es lieber, wenn man viel mehr zusammenarbeiten würde, bei Trägern bei Experimenten, bei Missionen, aber wie Du selbst schon sagst, jeder will immer alles selbst machen und in der Summe wirds nur teurer.

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