Der Plagiator

Eigentlich hatte ich vor heute eine Buchkritik zu veröffentlichen. Doch schon beim Schreiben wurde mit klar, dass ich das nicht konnte. Ich habe bald beim Durchlesen festgestellt, dass sich das Buch viel von meiner Website bedient hat, vor allem was den Erklärungstext angeht. Teilweise wurden Sätze übernommen, teilweise in etwas anderen Worten das dort gelesene nacherzählt. Die Daten in den Tabellen stammen offensichtlich mehr von Astronautix.com, leicht erkennbar, dass bei Treibstoffen oft „fest“ steht, anstatt die genaue Mischung.

Nun ist der Autor nicht der erste der abgekupfert hat. Das wissen wir spätestens seit Gutenberg. Er ist auch nicht der erste der mit der Aufgabe überfordert ist und beim selbst verfassten Text jede Menge Fehler einbaut, indem er erfundene Dinge erzählt oder neue Namen erfindet. Aber gegen den Strich gingen mir zwei Dinge. Das eine war die Selbstbezeichnung als „ausgewiesener Fachmann“ auf dem Buchumschlag oder bei einem neueren Buch will er auch Profis noch was beibringen. Das ist ein starkes Stück, wenn man nur zusammenschreibt was andere aufwendig recherchiert haben. Und das zweite ist, dass man dies nicht mal würdigt, sondern die Liste der Links aus denen die Angaben geklaut sind, noch kommentiert in der Art „Recht bekannte Quelle. Sehr detailliert und unterhaltsam. Enthält Zusatzinformation die man sonst nicht bekommt, zitiert allerdings in manchen Fällen die Fehler der Urquellen mit“. (So der Text zu meiner Seite) und vorher schreibt als Einleitung zu den Links „Für die Erstellung des Buches wurden neben Anfragen bei Herstellern und Recherche in Fachpublikationen auch über 250 Internetadressen zu Rate gezogen. Nur wenige brachten einen Mehrwert oder Informationen die in das Buch einflossen“.

Das hat mich dann ziemlich verärgert. Material ungefragt klauen und dann so tun, als wüsste man es noch besser und hätte fast nichts verwendet und sich selbst als Experte aufspielen. Das ganze ist ja kein Einzelfall, ein zweites jüngeres Werk von ihm ist noch schlimmer, mit noch mehr Fehlern und wenn ich den Kommentaren bei Amazon bei anderen Büchern gehe, scheint das auch bei anderen Werken so zu sein. Als Opfer eines Plagiators sollte man keine Kritik verfassen. Vor allem nicht wenn man über den Autor verärgert ist.

Nun erfindet sicher nicht jeder das Rad neu. Auch das, was man bei mir findet, ist ja nicht vom Himmel gefallen. Die Fakten habe ich aus Büchern oder dem Internet. Ich würde meine Tätigkeit aber als Recherche bezeichnen. Für einen Artikel ziehe ich aus vielen Quellen Material zusammen, manchmal nur technische Daten, manchmal Beschreibungen. Sehr oft besteht die Arbeit darin Widersprüche aufzuklären. Inzwischen stammt im Bereich Raumfahrt sehr viel vom NASA Technical Reports Server. Die Arbeit liegt darin erst mal alles durchzulesen. Festzustellen, ob es brauchbar ist und wenn ja was. Wenn sich dagegen jemand diese schon zusammengestellten Informationen nimmt, einige Sätze leicht umformuliert und andere nicht, dann würde ich dies als Plagiat bezeichnen.

Man darf raten wer der Plagiator ist, ich werds aber nicht kommentieren.

11 thoughts on “Der Plagiator

  1. Leider halte ich von Anwälten nicht mehr als von dem Beruf des Plagiators. In Douglas Adams „Das Restaurant am Ende des Universums“ stand mal
    „Die Anwälte waren die ersten die man bei der galaktischen revolution an die Wand stellte und erschoss“ ….

    Warum wohl?

  2. Nachdem ich die Anhalter-Bücher gerade wieder lese, möchte ich hier eine kleine Korrektur anbringen:
    Es ist die Marketing-Abteilung der Sirus-Kybernetik-Corporation, die als „ein Rudel hirnloser Irrer, die als erstes an die Wand gestellt werden, wenn die Revolution kommt“ bzw in der Enzyklpädie aus der Zukunft als „ein Rudel hirnloser Irrer, die als erstes an die Wand gestellt wurden, als die Revolution kam“, beschrieben wird, nicht die Anwälte.

    (Und es war im Anhalter selbst, nicht im Restaurant)

  3. Häufiger ist aber, daß sich das Marketing in die Produktentwicklung einmischt, und das Produkt völlig verpfuscht. Eine Reihe von Computerspiel-Herstellern sind dadurch den Bach runtergegangen.

  4. Windows sollte mal „Presentation Manager“ heißen, was die Funktion von Windows 1.0 recht exakt beschreibt. Dann kam das Marketing und weil die entwickler nur von Fenstern sprachen wurde das der Produktname.

    Viel schlimmer war aber dass man das Programm ankündigte und es erst 20 Monate spätr fertig wurde….

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