Die Deseo Werbung für Frauen mit „sexueller Unlust“

Also schlechte Werbung gibt es ja zuhauf. Aber was mir besonders übel auffiel war die Werbung von Deseo, einem freiverkäuflichen Präparat. Originalzitat aus der Werbung „Für Männer mit Potenzstörungen und Frauen mit sexueller Unlust“. Was mir aufstieß war die „sexuelle Unlust“, doch dazu noch mehr. Also besuchte ich mal die Website wo viel drum herum geredet wird. Um was es sich handelt wird aus dem Beipackzettel deutlich. Es ist ein Extrakt aus der Pflanze Damiana, (Turnera diffusa nach systematischer Nomenklatur). Schon in der Wikipedia wird zwar von Heilwirkung gesprochen, aber die vom Hersteller reklamierte Wirkung als Aphrodisiaka bezweifelt, es soll aber eine pharmakologische Wirkung und ein Missbrauch als Rauschmittel gegeben sein.

Nun die Gefahr liegt hier nicht vor, denn das Mittel ist homöopathisch, mit der Potenzierung D4. Es wurde also um 104 verdünnt, die Ziffer nach D entspricht der Zehnerpotenz mit der verdünnt wurde, das ist der Faktor 10.000. In den 50 ml sind also maximal 5 Milligramm Wirkstoff, was eine direkte pharmakologische Wirkung ausschließt, doch Homöopathie und vor allem Potenzmittel wirken ja vor allem durch den Placebo-Effekt. Nur würde ich dann dafür keine 50 Euro für 50 ml Alkohol/Wassermischung ausgeben. Dann ist es wenn man von dem Konzept der Homöopathie überzeugt ist, billiger sich eine Pflanze auf dem Balkon anzubauen und die Blätter direkt zu verarbeiten. 1 g Extrakt, das ist wohl eher wenig würden bei der Potenzierung für 10 l ausreichen. Eine kleine Recherche ergab, dass in einem Shop 100 g Kraut 3,70 Euro kosten. Der Wirkstoffgehalt liegt bei 0,2 bis 0,9%, das bedeutet in den 100 g sind dann 0,2 bis 0,9 g Wirkstoff enthalten oder so viel wie in 40 bis 160 Fläschchen Deseo. Bei der Ersparnis von 99,8% (2000 bzw. 8000 gegenüber 3,70 Euro für das Kraut Euro sind auch noch fünf Flaschen Rum drin, in die man nach mexikanischem Rezept die 100 g Kraut löst.

Was mich aber vor allem an der Werbung stört (jeder kann sein Geld mit unwirksamen oder überteuerten Präparaten verdienen, siehe die letzte Kritik in dieser Weise zu Zentrum) ist die Formulierung „und bei Frauen bei sexuelle Unlust“. Das klingt wie ein Rückfall ins 19.te Jahrhundert. Ja „Mann“ will immer, kann aber nicht immer. Und bei Frauen ist es dann sie sexuelle Unlust, die man durch ein Präparat das im „Unterleib“ die Durchblutung fördert, begegnen kann. Ja wo leben wir den? Lust auf Sex fängt primär im Gehirn an, hat was mit Stimmung, Stress und vielleicht auch mit dem Partner zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand gerne Sex haben möchte, alles sonst passt, ein schöner Abend mit einem romantischen Diner, man ist in der Stimmung und dann hat die Frau „sexuelle Unlust“, weil die Durchblutung im Unterleib nicht stimmt. Das hört sich für mich wie ein Rückschritt in das Viktorianische Zeitalter an „Mach die Augen zu und denk an England….“. Selbst wenn es ein Symptom der mangelnden Durchblutung des Unterleibs gäbe (noch nie was davon gehört), dann fielen mit einige Sexualpraktiken ein, mit denen man die Durchblutung anregen könnte ohne Mittelchen einzunehmen. Es fehlt nur noch, dass der Hersteller auch noch ein Mittelchen gegen die Frigidität erfindet…

Diese Werbung ist dermaßen Frauenfeindlich, dass man richtig froh sein muss das Gamma-Hydroxi-Buttersäure heute wegen des Mißbrauchs als Droge eingestuft wird. Auch diese wirkt in kleinen Mengen als Aphrodisiaka, hat in größeren Mengen aber die Wirkung einer „Knock-Out“ Mittels, das bedeutet die Person wird weitgehend willenlos und so hat GDB eine traurige Bekanntschaft als Vergewaltigungsdroge erlangt. Dieser Hersteller würde sicher auch GDB gegen sexuelle Unlust empfehlen, nur mit höherer Dosierung bei Frauen, die geben ja dann ihre Unlust auf….

Ansonsten ist das Geschäftsmodell toll, mit nichts kann man so viel Geld verdienen wie mit Aphrodisiaka. Wenn man dann auch nicht mehr die Mittel pur verabreicht, sondern nur in homöopathischer Dosierung, dann verkauft man eine 52% Industriealkohol-Wassermischung für 50 Euro pro 50 ml, also den Liter für 1000 Euro. Das ist bei Kosten für den Alkohol von etwa 1-2 Euro pro Liter und dann noch etwas für Fläschen und Verpackung und die Handelsmarge immer noch ein Gewinn von über 1000%. Das ist fast so einträglich wie Wasser aus Stadtwerken als „Bon Aqua“ zu verkaufen….

12 thoughts on “Die Deseo Werbung für Frauen mit „sexueller Unlust“

  1. Wer ein gesundheitliches Problem hat sollte zum Arzt gehen, so einfach ist das. Ich bin den Medikamenten gegenüber, die frei beworben werden sehr kritisch.
    Wenn ich irgendwelche Symptome an mir feststelle, frag ich mich doch erst mal, ob ich in meinem Lebenswandel etwas falsch mache. Dann ist sicher auch die Frage, ob das was ich da als Krankheit empfinde vielleicht ein ganz natürlicher, altersgemäßer Vorgang ist.
    Als Kind haben meine Eltern mich auch homöopathisch behandeln lassen. Heute besuche ich auch nur noch einen schulmedizinischen Hausarzt.
    Die Wirkung der homöopathischen Medizin sehe ich in 3 Bereichen:
    1) nicht alle verschriebenen Medikamente sind wirkstofffrei

  2. weiter: habe den Kommentar zu früh abgeschickt:

    1) nicht alle verschriebenen Medikamente sind wirkstofffrei

    2) Die oft intensivere Zuwendung durch den Arzt (Verständnis, Zuhören usw.)

    3) Krankheitsbewußtsein des Patienten nach dem Arztgespräch, Vermeidung von schädlichen Handlungen und Lebensweisen.

  3. Nun ja ich habe nichts gegen Homöopathie gesagt. Das hat wie Du auch andeutest auch sehr viel mit dem Umfeld zu tun weniger mit dem Wirkstoff. Es geht wie ich glaube deutlich gemacht habe vor allem um die Art der Werbung und auch die völlig überteuerten Produkte. Nichts spricht dagegen, wenn es wirklich wirkt, sich ja selbst ein homopatisches Getränk herzustellen, einfach die Rum/Kraut Mischung weiter verdünnen und man hat es.

  4. Moin Frank,

    4: Ein Placebo das Euro50 kostet wirkt besser als eines das Euro1 kostet. Noch besser ist natürlich ein Placebo, das Euro0 aber dafür einen hohen persönlichen Aufwand kostet.

    5: Placebos werden mit der Zeit besser! Viele klassische Medikamente, selbst Aspirin, würden heute den Doppelblindtest gegen Placebos in bestimmten Anwendungsfällen nicht mehr gewinnen, weil die Menschen allgemein pillengläubiger geworden sind.

    Ein hoch potenziertes homöopathisches Mittel ist daher häufig das beste Medikament, weil es als erfolgreiches Placebo wirkt und frei von Nebenwirkungen ist.

    Zudem gibt es keine Hauptwirkung/Nebenwirkung. Verkaufen wir doch mal ein Medikament.

    Wirkung: Kopfschmerzen, Depressionen, Zwischenblutungen, Ausfluss, Pilzbefall, Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen, Übelkeit, Spannung in den Brüsten, und Verminderung bis Verschwinden der Libido.

    Nebenwirkung: Kann eine Schwangerschaft verhindern.

    Womit ich das Thema von Bernd an einer völlig anderen Stelle aufgreife. Die Pille und der Minirock wurden als die sexuelle Befreiung der Frau zu der Zeit meiner/unserer Geburt gepriesen. Beide haben jedoch das Gegenteil bewirkt, die Ausbeutung der Frau. Die permanente Bombardierung mit Sexualreizen in Werbung und Medien lässt mich Verstehen warum die Mädchen in meiner Nachbarschaft Kopftuch tragen. Und der nicht repräsentative Vergleichstest mit über einem Dutzend Frauen in 30 Jahren ohne Doppelblind ergab das Frauen die die Pille nehmen nicht so (schnell/einfach) feucht werden.

    Also mein *Satire* Tip an Frauen mit sexueller Unlust: Kopftuch auf, und Pille absetzten. Das erste signalisiert uns Männern, dass derzeit sexuelle Unlust besteht, und das zweite sorgt dafür das die Hormone wieder so funktionieren, wie sie sollen.

    Natürlich Sex fängt bei uns Menschen im Kopf an. Es kann also sein, dass der zusätzliche Aufwand einer klassischen Empfängnisverhütung ohne Pille, d.h. Tage zählen, und je nach Tag mal mit Gummi, oder ohne, oder französisch, stimulierender auf die Libido wirkt, als das einfache täglich eine Pille schlucken, und 0815 vögeln.

    ciao,Michael

  5. Moin Bernd,

    über Placebos-Nocebos und die Notwendigkeit des Doppelblind A/B Testings wird auch in den Hackers News recht ausgiebig diskutiert.

    Wirklich extrem betreibt das z.b. http://www.booking.com/ bei dem zufällig ein Bruchteil eines Promille die neueste Software testet, dabei geht es weniger darum ob diese crashed, sondern ob mehr Besucher tatsächlich kaufen. Von ca 3 Tests pro Tag kommt einer pro Woche in die Produktion.

    Auch auf (Bank)Webseiten gibt es Placebos. z.b. bei Wells Fargo: https://wellsoffice.wellsfargo.com/ceoportal/signon/loader.jsp

    Ohne den Nocebo dass die Seite damit langsamer wird, würden sie nicht wirken. Die bittere Pille wirkt meist besser.

    ciao,Michael

  6. Medikamente sollten prinzipiell vom Arzt verordnet werden, nicht von der Werbung. Das wird in diesem Land aber wohl kaum durchzusetzen sein. Schließlich lebt dieses System von Mogelpackungen, von Medikamenten bis zu Wahlkampfparolen…

  7. Also ich meine nicht dass jedes Medikament vom Arzt verschrieben werden muss. Wenn ich nur weil ich Kopfschmerzen habe zum Arzt gehen soll um mir eine Packung ASS verschrieben zu lassen oder zum Arzt laufen soll, weil ich für einen verletzten Finger eine Jodsalbe brauche, dann sind bis ich dran komme die Symptome meist schon weg und das Krankensystem wird noch viel viel teurer.

    Man kann aber draus ableiten, dass wenn ein Medikament für eine echte behandlungsbedürftige Krankheit und nicht nur die Zipperlein und Alltagsprobleme wie eben Kopfschmerzen nicht verschreibungspflichtig ist es auch meist nicht im schulmedizinischen Sinn hilft.

  8. Zu Aphrodisiaka:
    Wenn Frauen „sexuelle Unlust“ behandeln lassen wollten, dann sollten wir sie das tun lassen. Wahrscheinlich erhöht eine entsprechende Anzeige zwar bei der Mehrzahl der Leserinnen noch die „sexuelle Unlust“, aber das ist jetzt eher ein Argument dafür, Werbung für Meidkamente auf Fachmedien zu beschränken, als dafür, Indikationen in der Diskussion zu unterbinden.

    Dass das konkrete Medikament ein nutzloses Placebo ist, ist auch klar. Hier ist halt das Problem, dass viele Leute mit rein psychischen Problemen beim Arzt aufschlagen, sich aber 100% sicher sind, dass es eine körperliche Ursache gibt. Wenn der Arzt die dann zum „Seelenklempner“ weiterschickt, erreicht er nichts, außer Ärger. Wenn er ein „sanftes, homöopathisches Mittel“ verschreibt, wirkt das Wnder.

    Zu Schmerzmitteln:
    Das Zeug hat eine recht geringe therapeutische Breite, gerade Paracetamol. Zu wenig wirkt nicht und bei doppelter Menge beginnt dann schon der Bereich der Vergiftungserscheinungen, die dem Ziel, Schmerzen zu reduzieren, zuwider läuft, so dass die Leute nochmal nachwerfen, und dann wird es bereits kritisch. Paracetamol ist da noch gefährlicher als ASS.

    Ob jetzt Aufklärungskurse in der Apotheke (so eine Art: „Medikamentenführerschein“, ohne darf man kein ASS oder Paracetamol kaufen) was bringen würden, ist fraglich.Leute, denen es gerade nicht gut geht, würden das Wissen wahrscheinlich nutzen, um Selbstmordversuche zu „optimieren“ (wobei es wirklich schönere Wege gibt, als mit einer Paracetamol-induzierten Lebervergiftung aus dem Leben zu scheiden).

    Was etwas bringt, sind kleinere Packungen:
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/paracetamol-kleine-packungen-von-schmerzmittel-retten-leben-a-881999.html
    Und, wenn so eine Packung binnen zwei oder drei Tagen alle ist, sollte man tatsächlich zum Arzt gehen statt in der Apotheke einfach nachzukaufen.

    Kai

  9. Lustig ist ja, dass sich so viele Männer zu diesem Thema äussern, und nur eine Frau.
    Aber- wenn ihr Viagra nehmen dürft, warum soll uns Frauen ein Lustmacher verwehrt sein??
    Ich habe die Flaute in unserem Ehebett erfolgreich mit lissilust bekämpft, und würde es jederzeit wieder tun. was ihr könnt, können wir schon lange, ein Hoch auf die Emanzipation!!
    Und wegen jedem Wehwechen zum Arzt ist Blödsinn, das würde ja viel zu viel Zeit kosten!

  10. Es spellen schon immer unterschiedliche Sachen zusammen.Ich finde wichtig das dass man als Frau selbst entscheiden sollte was man für die Lust tut.Es gibt ja einiges was man machen kann.Ich habe mich aus Interesse auch mal hier umgesehen.
    https://www.viagrafuerfrauen.com/
    Warum sollte es das für Frauen nicht auch geben.

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