Cannabis

Irgendwie ist diese Woche Cannabiswoche. Zuerst gibt es auf RTL das Jensen-Experiment (der gleichnamige Mann macht eine Woche lang was ungesundes wie exzessiv essen, Alkohol trinken oder in diesem Fall Hanfblüten rauchen) und dann einen Tag später auf 3Sat bei Nano ein Spezial über Cannabis.

Beide kamen zum selben Schluss: Cannabis ist als Droge nicht so gefährlich wie Alkohol und Rauchen, also Drogen die legal sind. Anders als bei diesen gibt es sogar eine medizinische Indikation für den Konsum, von Cannaboiden, mehr dem Cannabidiol (CBD) als THC. Es hilft definitiv bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie Touret-Syndrom oder Multipler Sklerose. Darüber hinaus ist in anderen Ländern Cannabis im Einsatz bei AIDS und Krebspatienten (wirkt gegen die Übelkeit und appetitanregend). Zahlreiche andere Wirkungen sind nicht gesichert, aber schon die Forschung gestaltet sich wegen der Einstufung als Drogen schwierig.

Unser Gesetz sieht es anders. Nachdem ist der Besitz von mehr als 7 g reinem THC strafbar. Die Höchststrafe beträgt 5 Jahre, das ist das gleiche Strafmaß wie bei Körperverletzung mit Todesfolge. immerhin Steuergesetze sind noch strenger, aber bei diesem Strafmaß wird Hoeneß sicher froh sein, dass man ihn nicht mit 10 g THC erwischt hat, sondern er nur 28,5 Millionen Euro hinterzogen hat.

Natürlich gibt es auch Befürworter Cannabis nicht zu legalisieren. Es wäre schlussendlich immer noch eine Droge mit einem geringen, aber gegebenen Abhängigkeitspotenzial. Die Argumentation geht dann so: wir wollen keine Drogen haben und führen ja gerade einen Kampf gegen Tabak und haben auch immer strengere Gesetze gegen Alkohol. Nur sind das eben traditionelle Drogen und Cannabis ist das nicht.

Schaut man sich dagegen das Fernsehen an, so sieht man das Gegenteil. Ich denke ich habe iml letzten Jahr sicher einige Male in Krimis Szenen gesehen wo die Polizisten über selbst angebauten Hanf stolperten bzw. das kam irgendwo in der Handlung vor. In keinem der Fälle wurden die Leute dann verhaftet. Es gab 2012 in Deutschland 135.000 Fälle von Verurteilungen wegen Cannabis. Das ist dann nicht mehr eine kleine Zahl, das ist schon eher ein Volksphänomen, zumal man davon ausgehen kann, dass man die meisten nicht erwischt. Nach Umfragen hat jeder vierte erwachsene schon mal Cannabis genommen, bei der Gruppe der 18-24 Jährigen sind es 42,7%, auch das spricht nicht gerade für eine Randgesellschaft. Ich will an der Stelle gar nicht mal eine Diskussion anfangen ob man Cannabis legalisieren sollte, das halte ich angesichts der Beweise für überfällig, sondern wie dies geschehen könnte und hier mal mein Vorschlag dafür.

Vorbild ist das Alkoholmodell. Im Prinzip kann man Alkohol kaufen, aber er wird nicht an Jugendliche abgegeben und der Staat verdient eine ganze Menge daran. Das teuerste an hochprozentigen Alkoholika ist die Branntweinsteuer. In Colorado wo man Hanf legalisiert hat, ist es so, das „Züchter“ dort eine Genehmigung brauchen, jede Pflanze registriert wird und sie nur bestimmte Anzahl anbauen dürfen und der Stoff wird dann besteuert und in Apotheken oder ähnlichem verkauft. Während man bei uns mit 7 g reinem THC ein Straftäter ist darf man dort bis zu 28 g Marihuana pro Tag kaufen. Das ist wenn man die Wirkstoffmenge umrechnet vielleicht in zwei Tagen dann die Menge für die man in Deutschland in den Bau wandern kann.

So ähnlich läuft es auch beim Alkohol. Wer brennt, und sei es nur eigenes Obst, muss Steuer zahlen oder einen Teil des Destillats abgeben. Das wird schon bei der Destille erhoben. Umgehen kann man das nur durch Schwarzbrennen, was aber bei uns kein Problem ist, so hoch sind die Gewinne bei Alkohol dann doch nicht. Moderate Steuern, sagen wie mal maximal 50% des Verkaufspreises würden das auch bei Cannabis unterdrücken, bei dem die Situation noch etwas anders ist, denn man benötigt keine Destille, sondern kann die Blüte direkt verkaufen. Wer illegal größere Mengen anpflanzt, fällt aber auf wenn er es im Freien tut, und wenn er es indoor macht, dann dürften die Energiekosten den Gewinn durch die nicht abgegebene Steuer weitgehend wieder zunichte machen. In Colorado sind es 25% Steuer, aber dort geht auch nur Indoor Anbau, wegen dem Klima. Die Preise sind übrigens stabil geblieben. Eine Unze (28,35 g) kosten als „Medikament“ auf Rezept 200 Dollar, und im freien Verkauf 400 Dollar – man bekommt dort Marihuana auf Rezept wenn man Schmerzen vorweisen kann (wer hat die nicht) und davon machen bei dem Preisunterschied viele Gebrauch. Allerdings ist das der Stand nach der Freigabe im Januar, die Nachfrage soll jetzt noch viel größer als das Angebot sein, langfristig wird man mit sinkenden Preisen rechnen müssen. Das gilt noch mehr für Deutschland wo es in warmen Gegenden möglich ist Hanf auf dem Acker zu pflanzen (man wird die Samen vorher chemisch behandeln müssen, damit sie nur weibliche Pflanzen hervorbringen). Eine große Pflanze liefert rund 50 g Marihuana, bei dem das Entfernen der Blätter auch der kleinen aus den Blüten heute von Hand das teuerste ist, aber verglichen mit dem heutigen Preis ist es nicht nachvollziehbar warum Marihuana so teuer ist. Würde man Haschisch großtechnisch gewinnen, also nur das Harz so könnte man sicher dies automatisieren, weil man dann die Blüten erst mit unpolaren Lösungsmitteln auslaugen kann und nicht vorher alle Blätter entfernen muss. Es gibt ja schon Hanfanbau, nur eben von THC-freiem Nutzhanf für die Ölgewinnung oder zur Fasergewinnung. Letzteren müsste man räumlich trennen, um Windbestäubung vorzubeugen. Ein Nebeneffekt eines richtigen Anbaus mit Gewinnung von Haschisch (der öllöslichen Fraktion) wäre auch das denen besser geholfen wäre, die Cannabis als Medikament brauchen, denn das Haschisch kann man viel leichter in einzelne Substanzen trennen. Derzeit werden Medikamente wegen des BMSG nur aus THC-armen Nutzhanf gewonnen, was sich sehr aufwendig gestaltet.

Sinnvoll wäre auch eine Regelung für den Eigenanbau für den Eigenbedarf. Das man Cannabis aber überall so bekommt dafür bin ich nicht, die Regelung wie in den Niederlanden oder Colorado wo es eigene Shops gibt halte ich für einen guten Kompromiss, dann kann man auch eine Alterskontrolle und Mengenkontrolle durchführen. Zudem heißt Freigabe nicht an jeden und nicht in jeder Menge. Jugendliche sollten wegen der Gefahr der Hirnschädigung die in dem Alter gegeben ist kein Cannabis erhalten und die Menge sollte auch begrenzt werden, wobei ich die Menge von 28 g in Colorado ziemlich hoch finde. Ich weiß nicht was ein Joint wiegt, aber Zigaretten sind leicht und wie viele raucht man davon pro Tag? 5 g Marihuana werfe ich mal als Tagesdosis in die Diskussion.

Interessant war in nano die geschichtliche Entwicklung des Verbots. Das kam durch jemanden in den USA der nach der Prohibition sich ein neues Ziel suchte und auf Hanf kam, und damit durchkam, vor allem weil der von Mexikanern und Schwarzen im Süden angebaut wurde. Später bekam er einen Posten in der UN und so hat die UN das durchgedrückt. Dabei zeigt die Prohibition doch gerade, dass Verbote genau das Gegenteil bewirken. Niemals wieder wurde so viel in den USA getrunken wie in der Zeit der Prohibition. Gerade weil es verboten ist lockt es doch viele an. Auch bei Hanf ist dem so: bis 1950 hatten nur 2% der US-Bevölkerung Erfahrung mit Marihuana.  Zudem bewirkt das Gänze eine enorme Effizienzsteigerung im Anbau. Als es in den USA verboten wurde und man man den Anbau nur noch versteckt oder „indoor“ machen konnte, wurden die Sorten immer THC reicher. Laut „Rauschdrogen“, betrug der THC Gehalt in den sechziger Jahren 1%, in den Siebzigern stieg er auf 3,5%, 8,5% Anfang der Achtziger und 17-22% Anfang der Neunziger, heute sind es 28% und mehr bei den Spitzensorten (Quelle: Thomas Gschwinde: Rauschdrogen, sechste Auflage) (so langsam verstehe ich auch warum die Joints von Woodstock so groß sind – bei den Wirkstoffgehalten). Damit wird dann ja jedes Verbot konterkariert, wenn man in einem kleinen Zimmer dann genauso viel THC gewinnt wie sonst mit den früheren Sorten in einem großen Grundstück.

2 thoughts on “Cannabis

  1. 5 g Marihuana werfe ich mal als Tagesdosis in die Diskussion

    Meinst Du damit die Verbrauchs- oder (einzuschränkende) Verkaufsdosis?
    Zur Verbrauchsdosis: Einen gewohnheitsmässig täglichen Kiffer setzt Du mit 5g komplett ausser Gefecht, der macht den Rest der Woche definitiv Pause 😉 Aber auch wirklich starke Kiffer machen am Tag meiner Einschätzung nach keine 2 Gramm weg.

    Zur (einzuschränkenden) Verkaufsdosis möchte ich einwerfen, dass es aus suchttechnischen Gründen wenig Unterschied macht, ob ich jeden Tag 2, 5 oder 28 Gramm Dope kaufen kann, oder ob ich einmal im Monat mir meine Monatsration hole.

  2. Also zumindest in Colorado wird davon gesprochen dass man täglich maximal 28 g kaufen darf. Für alles andere müsste man wohl Buch führen, wobei das natürlich auch offen lässt ob man kontrolliert ob der an dem tag noch woanders einkaufen war. Bei den Preisen lohnt sich aber ein Weiterverkauf nicht, höchstens an Jugendliche die legal nicht an Marihuana kommen.

    Eventuell ist es auch sinnvoller die Menge pro Shop zu begrenzen, in holländischen Coffe Shops sind das nach dem bericht 500 g pro Tag.

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