Muss alles so teuer sein?

So, nach einigen bloglosen Tagen heute ein neuer Blog. mit viel einfach nichts wichtiges ein oder erwähnenswertes. Ich war nicht untätig und habe in dder reihe über das Innenleben der 80×86 Reihe die beiden nächsten Prozessoren 80286 und 80386 fertiggestellt.

Irgendwie habe ich den subjektiven Eindruck, dass in letzter Zeit Raumfahrtprojekte unverschämt teuer werden. Da hätten wir Exomars. Mal geplant als ein Rover in der Art der beiden MER (die damals rund 800 Millionen Dollar zusammen kosteten) Exomars war mal mit 600 Millionen Euro geplant, das für nur einen Rover, also schon signifikant teurer als die beiden MER. Okay, etwas „Lehrgeld“ für die Entwicklung eines Landesystems muss man dazurechnen, doch in der Größe ist Exomars genauso ein Erstling für die ESA wie es die MER für die NASA war (Pathfinder als schuhkartongroßer Vorläufer kann man nicht mit den MER vergleichen). Inzwischen ist Exomars zu einem Zwei-Starts Projekt mit einem Atmosphärenorbiter und einem zweiten Lander mutiert und wird mindestens 1,2 Milliarden Euro kosten, dazu kommen noch Beiträge Russlands (Landesystem, zwei Proton Trägerraketen) und der USA (Experimente). Den Nutzen siehe ich nicht. Es gibt schon genug Raumsonden auf und um den Mars. Der Planet ist besser erforscht als alles andere. Ich würde mir für das Geld lieber eine Mission zum Saturn wünschen oder ein paar kleinere zur Venus. Eine Landesonde die Bilder macht oder ein noch höher auflösender Radarorbiter wären z.B. Missionen die ich für sinnvoller halte. Da Exomars aber seit er existiert Finanzierungsprobleme hat und auch laufend in die Zukunft verschoben wird (er sollte mal 2011/2103 starten…) würde ich das Projekt einstellen. Zumal derzeit es wieder eine Finanzierungslücke gibt.

Dann haben wir in Europa noch Ariane 6 und die ESC-B Oberstufe. Bei beiden verstehe ich nicht warum man so viel Geld braucht. Die ESC-B erfordert mindestens weitere 1200 Millionen Euro, dabei hat man für das Vinci schon mindestens 400 Millionen Euro ausgegeben. Zusammen also 1.600 Millionen Euro für eine Oberstufe, die gerade mal die Nutzlast um 1.500 kg steigert. Für die Ariane 6 sollen dann weitere 4 Milliarden fällig werden. Da sehe ich noch weniger den Finanzierungsbedarf. Die Ariane 6 besteht aus zwei Stufen: einem Feststoffbooster mit 125 t Treibstoff und einer Oberstufe mit dem Vinci Triebwerk. Da man eine neue Oberstufe ja mit der ESC-B entwickelt, warum dann noch mal eine? Vor allem, wenn ich für mein neuestes Buch mal die veröffentlichten Unterlagen der ESA durchlese, warum gelingt es bei der Ariane 6 Oberstufe einen Tank zu konstruieren der 32-36 t Treibstoff aufnimmt und weniger als 2.000 kg wiegt und bei der ESC-A sind es bei 14,9 t Treibstoff schon 2.200 kg? Das geht weiter, so komme ich in der summe auf eine Trockenmasse dieser Stufe bei 32-36 t Treibstoff von 4 t, bei der ESC-A sind es bei 28 t Treibstoff dagegen 6 t. Warum man nicht eine Stufe für beide Träger macht und sie bei der Ariane 5 eben entweder von der Nutzlastverkleidung mit umhüllt oder einen Übergang verwendet (ist ja auch bei der Ariane 6 vorgesehen verstehe ich nicht. Vor allem aber kostet es extra.(Meine Vermutung: mit deiser Oberstufe wäre Ariane 5 dann bei 14+ t GTO Nutzlast – so viel wie zwei Ariane 6 und dann wäre auch der Kostenvorteil nicht mehr in dem Maße gegeben)

Bleibt noch ein P135 Booster übrig. Das ist im Prinzip eine vergrößerte Variante der Vega Erststufe (88 zu 125 t Treibstoff) dafür soll man dann sechsmal mehr ausgeben als wie für die ganze Vega Entwicklung?

In den USA läuft es nicht besser.  Boeing hat einen Auftrag für zwei Zentralstufen der SLS über 2,8 Milliarden Dollar bekommen. Das wären also 1,4 Milliarden pro Stufe. Nun ich nehme an, das schließt Entwicklungsarbeiten mit ein, denn die wären sonst mit 1,66 Milliarden (nach diesem Bericht) vergleichsweise preiswert verglichen mit den Produktionskosten. Trotzdem, billig ist das nicht. Das sind auch nicht die SRB, die nach dem Bericht 1,19 Milliarden für zwei Sets, also vier Booster kosten. Wohlgemerkt: die 5,5 Segment Booster sind nichts anderes als Shuttle SRB die verlängert wurden und die auch schon ihre Erprobungstests hinter sich haben. Da fast 300 Millionen für einen Booster zu verlangen ist ganz schön happig.

Zuletzt ist dann da noch das JWST. Mit 5 Milliarden Dollar schon bei Entwicklungsbeginn nicht ganz billig, ist es inzwischen bei 8,7 Milliarden angekommen. Da verwundert mich die Preissteigerung eigentlich nicht. Das HST war schon in vielen Dingen enorm weiter entwickelt als alle vorherigen Weltraumteleskope, aber es war noch eine herkömmliche Konstruktion – mit starrem Tubus, leichtem, aber einteiligem und selbst stabilisiertem Hauptspiegel. Das JWST muss dagegen im Weltraum erst mal ihren Spiegel aus zig Einzelspiegeln zusammensetzen. Dazu wird es erst im Weltraum entfaltet. Ein Schutzschild, so groß wie ein Tennisplatz ebenso. Dabei muss es extrem leicht sein, trotz mehr als doppelt so großem Hauptspiegel darf es z.b. nur die Hälfte des HST wiegen. Die Frage ist ob man es auch braucht oder ob einem die Wissenschaft so viel wert ist.

Aber irgendwie haben die Raumfahrtbehörden trotz stagnierender Budgets offenbar genügend Geld – zumindest für die genannten Prestigeprojekte.

3 thoughts on “Muss alles so teuer sein?

  1. Moin,

    die meisten Raumfahrtfirmen sind auch Rüstungsfirmen. Subventionen in die Raumfahrt, sind damit immer Quersubventionen (Arbeitsbeschaffungsmassnamen nennt John Walker, der Author von AutoCad das) in den militärisch industriellen Komplex.

    Raketen sind also immernoch Dual Use!

    ciao,Michael

  2. Nicht nur Raketen und Missionen werden teurer, auch Weltmeisterschaften, Flugplätze, und der ein oder andere sonstige Prestigebau…
    Die Beträge sind hoch, aber wenn man Bedenkt was schon nur die Fussball-WM kostet…

    Exo-Mars lässt sich auch nur bedingt mit den MER vergleichen, die Mission kann schliesslich einiges mehr experimentell auch ein paar Dinge die bisher noch nie gemacht wurden.
    Aber so hatt wohl jeder seine Ansichten und ich für meinen Teil seh das Geld lieber in der Raumfahrt als auf nem Spielplatz…

  3. Erst war Exomars eine Technologiemission mit den Anforderungen: Eintauchen, Landen, Fahren und ein Bild machen. Mit der Zeit hat sich die Mission verselbständigt und ist jetzt eine Mission mit einem Orbiter und einem Lander die nach Methan und Spuren von vergangenem oder aktuellem Leben suchen sollen. Wenn wie geplant nur eine Rakete benötigt worden wäre und nur ein kurzlebiger Rover wie Pathfinder in XXL entwickelt worden wäre hätte es ja gerreicht. Aber die Verträge schließen den Finanzierungsramen mit ein und drum darf an dem nicht gerüttelt werden sonst müßen alle Verträge neu ausgehandelt werden und das würde niemals wieder zusammen kommen. Aber die Umplanung auf Orbiter und Rover und die folgende Umplanung auf einen ExoMars Rover und einen Rover der NASA auf einem Landegestell und dann die Umplanung auf einen kombinierten Rover ESA/NASA und dann die Umplanung auf einen Rover auf einem Roskosmos Landegestell waren nicht gerade förderlich die Kosten bei TAS-I klein zu halten. Die Verlängerung von 2005 Start auf 2018 Start läst die Personalkosten halt auch irgendwie steigen.
    Wenn der 2016 Tracegasorbiter gestartet ist kommt es nochmal zu einer Nachverhandlung ums Geld.

    Die wissenschaftlichen Geräte zählen ja nicht mit zum ESA Budget also ist der Rover deutlich teurer als ein MER.

    Aber Galileo ist wohl noch ein größeres Grab für Geld der DLR.

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