Die Angara, GSLV Mark III und das ISEE-3 Reboot Projekt

So, nach kleinerer Pause (mir ist einfach nichts erwähnenswertes eingefallen, worüber ich scheiben könnte) heute ein gemischter Blog. Gestern hatte die Angara ihren Jungfernflug. Er soll erfolgreich gewesen sein. Doch viele Details gibt es nicht. Lediglich die geplanten Brennzeiten von URM und Block I. Für mich besonders ist, dass er suborbital verlief. Das verwundert doch etwas. Natürlich ist ein Jungfernflug riskanter und da startet man in vielen Fällen nur eine preiswerte Demonutzlast oder einfach nur Masse, an die letzte Stufe festgeschraubt. Aber das der erste Start einer Trägerrakete suborbital ist, das gab es lange nicht mehr. Wenn ich zurückdenke dann fallen mir die Saturn I Testflüge und die frühen Europa Tests ein, doch in beiden Fällen deswegen, weil keine Oberstufe mitgeführt wurde. Mit zwei Stufen hätte die Angara aber einen Orbit erreichen können, sogar mit 3,8 t Maximalnutzlast. Also warum führt man nicht etwas Ballast mit oder einige Cubesats. Die würden sich sicher über einen kostenlosen Start freuen, auch wenn er riskanter als sonst ist.

Immerhin: ich glaube den offiziellen Angaben, das der Start erfolgreich war, man kann das ja an der Telemetrie und Bahnvermessung auch so festmachen ob die Antriebe den Vorgaben genügen. Russland hat ja auch in der Vergangenheit Fehlstarts immer sofort eingeräumt und nicht wie ein Newcomer Orbits mit massiven Abweichungen vom Soll als „100% Mission Success“ verkauft. Leider hat der Jungfernflug nichts an der sehr verbesserungsfähigen Informationslage über die Angara geändert. Das trifft auch auf die Sojus 1 (oder 2-1v) zu. Offenbar gibt es erst Angaben wenn man sie im Westen für bares Geld anbietet. Was auffällt ist das die Entwicklung teuer war. Spacenews spricht von 2,9 Milliarden Dollar. Das ist wenn man die bekannten Kosten russischer Träger und Missionen mit denen westlicher Gegenstücke vergleicht für Russland gleichbedeutend wie im Westen eine Ausgabe zwischen 7,5 und 10 Milliarden Dollar. Dabei ist neu nur die erste Stufe, die noch dazu querfinanziert von Südkorea war (nur das Triebwerk scheint eine Abwandlung des RD-191 zu sein mit etwas kleinerem Schub).

Ein zweiter suborbitaler Tests eines neuen Trägers steht auch noch an, das scheint jetzt also Mode zu werden (Tipp an SpaceX: einfach bei der Falcon Heavy nicht vorher sagen dass die Rakete einen Orbit erreicht soll, fällt sie ins Meer, dann war es eben ein suborbitaler Test…). Die GSLV Mark III hinkt wie die Angara ihrem Zeitplan hinterher und soll diesen Sommer auch suborbital getestet werden. die GSLV Mark II hatte aber bei den Testflügen einige Probleme, bis der letzte endlich ein voller Erfolg war. Da es immer ganz gut ist, erst mal die bestehenden Probleme zu lösen, bevor man was komplett neues entwickelt (und die GSLV Mark III wird mit ihren drei neuen Stufen ist was komplett neues) ist das ein guter Schachzug. Wenn er klappt ist mit der GSLV ein weiterer Akteur bei den GTO Transporten vorhanden. Sie hat eine etwas größere Nutzlast als eine Falcon 9. Bisher konnte Indien mit der PSLV einige Startaufträge ergattern, erst vor wenigen Tagen startete eine PSLV den französischen SPOT 7 Satelliten.

Was scheiterte, war der Versuch die Raumsonde ICE, ehemals der Satellit ISEE-3 wieder in einen Erdorbit umzulenken. Eine Projekt hatte über Crowdfunding 160.000 Dollar erhalten, die man brauchte um erst mal Sender und Empfänger für die Telemetrie anzuschaffen, denn das von ISEE-3 benutzte Frequenzband nutzt die NASA seit langem nicht mehr. Das Projekt hoffte, die Sonde unter Kontrolle zu bringen und sie dann vor dem Erdvorbeiflug mit den eigenen Triebwerken nahe am Mond vorbei zu lenken. Er hätte die Sonde abgebremst und sie wäre wieder ein Erdsatellit geworden. In ähnlicher Weise hat man sie schon auf eine Sonnenumlaufbahn befördert. Das Verändern der Spinrate und eine erste (von sechs Korrekturen) gelang auch, aber die am 8.7. geplanten weiteren Zündungen klappten nicht, damit dürfte das Projekt wohl gescheitert sein. Ich fand die Idee sowieso nicht besonders toll. ISEE wurde Ende der siebziger Jahre gestartet, schon damals nicht mit den allerneuesten Instrumenten und ihre Datenübertragungsrate ist beschränkt, selbst im Erdorbit sind es nicht mehr als einige Kilobit/s. Der Nutzen ist heute sehr überschaubar, und es gibt ja einige leistungsfähigere Satelliten für diesen Zweck im Erdorbit wie z.B. die vier Cluster Satelliten.

2 thoughts on “Die Angara, GSLV Mark III und das ISEE-3 Reboot Projekt

  1. Der „Test“ Flug der Angara ist wirklich seltsam.
    Da grund Model URM-1 schon in Sud Korea als KSLV-I in 2009/10 getestet.
    Jetzt ein vollständiger Test der Rakete wurde sinn machen.

    Die start versuche wurde in eine „Chaotisch“ TV Live Übertragung gezeigt,
    vor Start, wurde eine 40 Sekunden Unterbrechung durch geführt zur Überprüfung, anscheinen wegen Hydraulik.
    bei T-60 Sekunden brach der Autopilot der Ankara das ganze ab, druck Verlust in URM-1 LOX tank
    das Entlüftung Ventil bleib offen und leerte langsam den LOX tank.

    in der zwischen zeit erklärte der TV Sprecher einen Erfolgreichen Start…
    GKNPTs Khrunichev gab kurze Erklärungen das nächste Start ist für 1/2 Juli
    NPO Energomash gab 3 Juli in kurzen Erklärung über das kaputte Entlüftung Ventil.
    Wie so gibt der Treibwerk Hersteller diese Erklärung und nicht der Raketen Hersteller ?!
    jedenfalls Kamm der Start erst am 9 Juli, keine TV Live Schaltung.
    Quelle: russianspaceweb

    Ein Grund warum GKNPTs Khrunichev ein suborbital Testprogramm macht.
    konnte in ihre Vergangenheit liegen
    Die began als OKB-23 unter Myasishchev und entwickelte Jet-Bomber in 1950er
    in 1960er baute sie ICBM mit lagerfähige Treibstoffe für Chelomey OKB-52.
    von 70er~80er baute sie Almaz, Salut, Mir Raumstationen Module und Proton Raketen.
    nach 1991 wurden sie GKNPTs Khrunichev und begann ihr Angara Programm.

    nun für eine russische Firma die zuletzt mit Kerosin in 1950er arbeite,
    und Erfahrung in UDMH /NTO Rakete hat, muss nun eine LOX/Kerosin Rakete entwickeln…

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