SLS: für die einen billig, für die anderen teuer.

Vor einigen Tag hat nun die NASA endgültig die SLS beschlossen, nachdem sie schon im Juli hochdotierte Verträge mit ATK und Boeing abgeschlossen hat. 7021 Millionen Dollar soll das vom Februar 2014 bis zum Jungfernflug 2018 kosten. Nach der Computeranalyse gibt es eine 70% Wahrscheinlichkeit das man das Datum halten kann. Man will das verbessern indem man Probleme rechtzeitig angeht:

„If we don’t do anything, we basically have a 70 percent chance of getting to that date,“ said Bill Gerstenmaier, NASA’s associate administrator for space operations. „Our intent is to go look at those (expected) problems and see what we can do to mitigate (them).“

Ich nehme an die NASA wird das feiern als einen sehr preiswerten Träger. Vergleiche sind schwer, die Saturn V stammt aus einer anderen Zeit und das Space Shuttle ist nicht nur eine Trägerrakete. Andere Träger sind viel kleiner. Aber es ist z.B. billiger als die Ariane 5 Entwicklung (inflationskorrigiert), die neue Ariane 6 soll auch 4 Milliarden Euro kosten, was auch über 5 Milliarden Dollar sind – bei einer dreimal kleineren Nutzlast. So gesehen kann man sagen das es eine preiswerte Entwicklung ist.

Man kann natürlich auch den gegenteiligen Standpunkt vertreten. Denn was ist ist an der Rakete neu? Die Booster sind 5-Segmentbooster. Die Shuttle SRB sind 4-Segmentbooster. Eine Erweiterung um 1 Segment wurde schon erwogen um die Nutzlast für die ISS zu erhöhen. Durch den Ausmusterungsbeschluss kam es aber nicht mehr zur Umsetzung. Doch für die Ares I wurden 5-Segment SRB entwickelt und es gab schon zwei Testzündungen. In jedem Falle ist es nur ein verbesserter Shuttle-SRB.

Auch die Triebwerke sind RS-25 vom Space Shuttle. 16 Stück hat noch die NASA, das reicht für die ersten vier Flüge. Neu konstruieren muss man eigentlich nur die Stufe in die die Triebwerke eingebaut werden.

Die erste Stufe beinhaltet noch keine Oberstufe, man wird wenn es zum Mond geht dann eine modifizierte Delta IV Zweitstufe einsetzen. Modifizieren wird man sie müssen, weil die Nutzlast wesentlich schwerer sein kann und auch der Durchmesser nicht zur Erststufe passt. Aber das ist auch keine große Sache. Die 7 Milliarden sind nur für die erste Version, die 70 bis 77 t in den Orbit bringt. Neue Booster über die noch keine Entscheidung gefallen ist sollen sie auf 105 t steigern, eine Oberstufe mit dem J-2X Triebwerk auf 130 t. Das sind dann noch weitere Kosten die jetzt noch nicht enthalten sind.

Man kann das ganze auch anders aufzäumen: Das Space Shuttle wog wenn es einen Orbit erreichte noch rund 110 bis 115 t. Davon würden, wenn man kein Shuttle transportiert, sondern nur die Nutzlast in einer Hülle dann noch die Triebwerke mit Triebwerksrahmen abgehen. Die OMS könnte man weglassen, dafür müsste man die Nutzlast leicht absenken. Was bleibt sind die Triebwerke, der Schubrahmen, Hydrauliken und Gase/Antriebsflüssigkeiten. Ein als Ares V Alternative entwickeltes „Shuttle-Derivated Heavy Launch Vehicle“ sollte 90 t in einen Orbit bringen – mit viel weniger Änderungen als die SLS am Shuttlekonzept. Es wäre auch wahrscheinlich billiger.

Vor allem wundert mich die Wahl der Triebwerke. Die RS-25 waren mal für die Ares V vorgesehen, die NASA schwenkte dann auf das RS-68 um. Das ist billiger in der Produktion und schubstärker, wenn auch nicht so effizient. Es ist aber nicht man-rated. das sollte eine neue Version RS-68B leisten. Nun wieder das RS-25. Ich denke dabei ist weniger der Punkt das es man rated ist, sondern es verfügbar sind – 16 Triebwerke reichen für 4 Starts, die bei der derzeitigen Planung mindestens bis 2026. So spart man nun erst mal Kosten. Die entstehen erst, wenn man neue Triebwerke braucht.

Das Hauptproblem ist aber das es eigentlich nichts gibt wofür man die SLS einsetzen kann. Einen Mondumflug oder eine Mondumlaufbahn soll es geben, eventuell einen Asteroidenbesuch den man vorher unbemannt in Erdnähe bugsiert hat. Aber die Nutzlast reicht nicht für mehr und selbst wenn dann gibt es kein bemanntes Programm, das Langzeitaufenthalte vorsieht und auch keine unbemannten Programme. Das eine schließt das andere aus – sicher wäre so eine Rakete nützlich für allerlei unbemannte Programme: Marsbodenprobengewinnung, große Orbiter/Lander ins äußere Sonnensystem ohne dass man nukleare Energieversorgung für Ionentriebwerke braucht. Aber solche Projekte kosten auch einige Milliarden und die hat man nicht wenn man bemannte Projekte jenseits der Erdbahn angeht. Seit Apollo gibt es das eherne Gesetz, das die NASA ihr Budget für unbemannte Raumfahrt kürzt, wenn die bemannte Raumfahrt mehr Mittel erfordert und ich rechne damit auch in Zukunft.

Für die einen ist die SLS billig, für die anderen teuer, für mich ist sie einfach nur überflüssig.

4 thoughts on “SLS: für die einen billig, für die anderen teuer.

  1. Es ist schon grotesk, eine Rakete zu entwickeln, die man nicht braucht.
    Zum Thema 5segmentige Feststoffbooster: Was ist eigentlich aus Liberty geworden?

  2. Das Grundproblem bei SLS: Projekte die so eine große Trägerrakete brauchen, sind teuer. Alles dafür nötige Geld wird aber für die SLS-Entwicklung verbraten. Und wenn man diese Entwicklung einstellt, hat man zwar das Geld für die Projekte, aber nichts um sie auch zu starten.

    Eine Verwendungsmöglichkeit für SLS wäre ein aufblasbares rotierendes Rad als Modul für eine Raumstation. Die Sundancer-Module von Bigelow bringen es auf etwa 1 Tonne pro Meter. Mit 15m Durchmesser und drei Speichen wären das knapp 70 Tonnen, also gerade die richtige Größe für SLS. Damit hätte man auch ein Problem bei künftigen bemannten Marsflügen gelöst.
    Nur ohne Geld zum Mars wollen geht eben nicht. Vielleicht sollte die NASA mal mit dem Handtuch wedeln…

  3. Es wundert schon, dass die Unterstufe beim SLS über 80 t wiegen soll, wenn der Space-Shuttle-Tank (der ja auch den Schub der Feststoffraketen aufnehmen musste!) zuletzt unter 30 t wog, und vier SSMEs auch „nur“ 13 t schwer sind. So ergibt sich für das SLS ein Voll- zu Leermasse-Verhältnis von gerade mal 11,5. Die (allerdings untermotorisierte) Ariane 5 bringt es auf 13,1, die Zweitstufe der Saturn 5 auf 13,3.

    Aber vielleicht wird das SLS ja insgeheim von Astrium entwickelt. Die kriegen es bei der ESC-B-Oberstufe ja auch nicht hin *g*

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