Eine Chance für die private bemannte Raumfahrt

Die NASA hat einen Request veröffentlicht, in dem Interessenten sich für die Nutzung eines Ports bei der ISS bewerben können. An diesem hängt derzeit BEAM, ein Mini-Aufblasbares Modul. Es wird nach zwei Jahren 2018 abgekoppelt und um die Benutzung des Ports geht es dann. Bigelow will bis 2020 zwei größere BA-330 im Orbit haben und eines soll an der ISS sein – an eben diesem Port. So war der Firmensprecher auch etwas verwirrt da das NASA-Dokument ja dann überflüssig wäre. Und es scheint zumindest ein weiteres Unternehmen zu geben das sich für den Port interessiert und zwar mit einem normalen Modul. Es soll möglichst groß sein. Das könnte mit einer Ariane 5 gestartet 10 m lang sein, wenn man nur den zylindrischen Teil nimmt, wenn in ein paar Jahren eine neue Verkleidung zur Verfügung steht sogar 13 m und damit deutlich länger als die heutigen Module.

Die Firme kenne ich nicht, ich glaube auch nicht an einen Erfolg, aber etwas Konkurrenz wäre nicht schlecht. Es gäbe dann zwei Anbieter von „privaten“ Weltraumstationen. Damit der Wettbewerb gerecht beliebt sollte das Modul wie BEAM nur zwei Jahre an der ISS bleiben nicht wie die Firma will bis zum Ende der Lebensdauer der ISS. Während dieser Zeit kann die Firma Astronauten mit den ISS-Astronauten befördern (die Taxis haben je sieben Sitzplätze, die NASA will aber nur vier pro Flug nutzen) und die Firma für Versorgungsgüter die NASA bezahlen. Sollte es einen Markt geben so muss sie nach spätestens 2 Jahren das Modul wieder abkoppeln. Dann müsste sie es um mindestens ein, wahrscheinlich zwei weitere Module erweitern die Strom, Lagerräume, Lebenserhaltungs- und Lageregelungssyteme und Wohnraum bereitstellen, denn wahrscheinlich wird die Firma dann die Taxis voll belegen, auch um die Kosten pro Person klein halten. An Bord der ISS reicht dagegen ein einfaches Wohnmodul. Alles was man an Technik und Versorgung braucht stellt die ISS. So halten sich die Anfangsinvestitionen in Grenzen. Es gibt ja zwei US-Systeme die als Taxi entwickelt werden, der Dream Chaser war ursprünglich auch mal bemannt vorgesehen und könnte umgebaut Werden. Er könnte auch mit Ariane 5 gestartet werden, entsprechende Kooperationen wurden schon von ESA und Sierra Nevada unterzeichnet. Die neue Konkurrenz könnte auch dazu führen dass die Preise von Russland wieder sinken. Wobei damit die Sojus und Progress wieder attraktiv werden die Kosten schon deutlich geringer sein müssen, denn sei erfordern einen anderen Docking-Adapter.

Die kommerziellen Stationen hätten einen weiteren Vorteil: Sie könnten sich mehr nach dem Zeitplan der Kunden richten. Das sind bei immer noch zweistelligen Millionenbeträgen pro Trip Milliardäre. Und die richten sich sicher nicht nach dem Zeitplan der NASA. Zudem können sie auch nur mit den NASA-Astronauten zurückkehren und die wechselt nur alle 90 Tage aus. Kürzere Trips gehen also nicht. Ich sehe in reichen Einzelpersonen die wichtigste Klientel. Forschung an Bord der ISS ist ja heute schon möglich. Obwohl seit Jahren fertiggestellt wird laufend neues Equipment mit Transportern hochgebracht. Voll belegt sind alle Racks und Außenstationen immer noch nicht. Die Anlagen stammen allerdings fast ausschließlich von anderen öffentlichen Einrichtungen. Und das obwohl alle Weltraumagenturen schon lange vor Fertigstellung die Pläne aufgaben für die Nutzung der ISS Geld zu verlangen. Trotz Beförderung zum Selbstkostenpreis ist das Interesse gering. Ein kommerzieller Unternehmer wird mehr verlangen müssen um Gewinn zu machen und wenn ein Astronaut zur Bedienung noch gestartet werden muss wird es wirklich teurer.

Trotzdem sehe ich keinen besseren Zeitpunkt als genau jetzt mit privaten Raumstationen zu beginnen, wenn sie sich den lohnen sollen, denn später wird es teurer. Warum?

  • Die NASA hat die Entwicklung der unbemannten Transporter durch COTS gefördert und betreibet selbst drei Systeme die jedes ab 2018 mindestens zwei Flüge pro Jahr absolvieren müssen. Damit gibt es eine Grunddeckung der Produktionskosten und kommerzielle Anbieter profitieren von Kostensenkungen durch erhöhte Stückzahlen. Darüber hinaus gäbe es ja noch HTV und Progress.
  • Ebenso gibt es jetzt zwei US-Systeme die Astronauten befördern können, ich denke auch das man den Dream Chaser umrüsten kann das er dies kann. Alle drei benutzen nur einen Adapter, denselben wie die US-Versorger und das HTV. Auch hier spart ein kommerzieller Anbieter die Entwicklungskosten und profitiert von steigenden Stückzahlen.
  • Wenn die ISS mal ausgemustert wird, sind die Systeme zwar noch da, aber die Versorgung der ISS fällt weg. Die Kosten müssten dann ansteigen. Das heißt, wenn man damit Gewinne machen kann dann jetzt.

Auf der anderen Weise kann ein privater Anbieter seine Kosten optimieren. Er muss ja nicht die Bündelung der NASA übernehmen. Ariane 5 ist preiswerter als die Atlas oder H2B. Die Falcon 9 für LEO-Missionen noch preiswerter. SpaceX kann zumindest bei Cargomissionen im Preis geschlagen werden, weil hier die Kapsel und ihr Volumen die Grenze setzen und nicht der günstige Preis. Die Cygnus auf der Atlas hat nach Untersuchungen der GAO Orbital einen Gewinn im Bereich von 60 Millionen Dollar eingebracht weil sie viel voller beladen werden konnte. Kostenoptimierte Transporter auf den großen Trägerraketen könnten licht die Transportkosten für die NASA deutlich unterbieten.

Ob das Geschäft sich wirklich lohnt, ist eine andere Frage. Ich muss sagen ich bin außerstande sie zu beantworten. Das liegt daran dass es keine Einsicht in den Markt gibt. Bis jetzt waren die Touristenplätze limitiert. Russland konnte beim Aufbau der ISS mit einer Stammbesetzung von 2 Personen jeweils einen Passagier mitnehmen der nach einer Woche mit der alten Besatzung zurückkehrte. Das geht nun bei 6 Personen (2 x 3) nicht mehr. Vorher war also das Angebot begrenzt. Auf der anderen Seite sind selbst die billigsten vorstellbaren Tripkosten immer noch in einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Ich weiß nicht wie abschreckend das für die potentiellen Superreichen ist. Wenn ich lese, das viele von denen eigene Flugzeuge haben die genauso viel kosten oder Yachten die sogar noch teurer sind und die einige Male im Jahr benutzt werden, dann denke ich spielen die Kosten für einen Trip ins Weltall keine Rolle mehr. Im Endeffekt bekommt man wenn man die verbrachte Zeit als Gegenwert berechnet das gleiche als wenn man 10 Jahre lang 1-2 Wochen pro Jahr auf der Jacht ist. Aber nicht jeder superreiche hat eine Jacht und nicht jeder will auch ins All. Man wird sehen wenn Flüge stattfinden wie ausgebucht das Ganze ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .