Gedanken zu zwei Fernsehserien

Ich weiß, einige besuchen den Blog nur wegen der Raumfahrt, doch ich kann schlecht jeden Tag einen neuen Blog über Raumfahrt liefern. Schon alleine weil es zu wenig neues gibt. Heute daher wieder einen seichten Blog über zwei Fernsehformate. Das eine ist GNTM – Gemanys Next Top Modell. Dieses je nach Einstellung als Trash, Reality oder Docutainment bezeichnete Format geht nun ja in das zehnte Jahr. Es dürfte sich herumgesprochen haben dass selbst die Siegerinnen nicht Topmodells werden. Um so mehr erstaunt wie ernst die meisten Teilnehmerinnen das ganze nehmen. Es ist wahrscheinlich völlig egal ob sie als zehnte oder zweite ausscheiden – danach ist eh Schluss. GBNTM lebt von den Konflikten zwischen den Teilnehmerinnen. Die entstehen zwangsläufig, weil ja in jeder Woche eine oder mehrere „Models“ rausfliegen und alle zusammen in einer „Model-Villa“ leben. Sperrt man mehr als drei Frauen in ein Haus so ist Zickenterror vorprogrammiert.

Die Produktionsleitung hat zumindest teilweise auf die Kritik in den vergangenen Staffeln reagiert. Dort wurde Heidi Klum zu recht als „Modell-Domina“ bezeichnet. Forderungen wie das 16-jährige „sexy“ ausschauen sollen, „Challenges“ oder Fotos-Shoots mit Tiereingeweiden auf dem Kopf kommen nun nicht mehr vor. Daneben kam Heidi Klum sehr unsympathisch rüber, fokussiert meistens auf die Minute Wartezeit bei der Entscheidung ob jemand Weiterkommt oder nicht. Die Knebelverträge ihres Vaters scheinen abgemildert worden zu sein. Ich glaube nicht das Klum eine nette Person ist, das zeigen Äußerungen ehemalige Jurymitglieder über das Format und die Hintergründe.

Aber eines fällt auf: die Jury hält sich diese Staffel extrem mit Kritik zurück und verteilt überall lob auch bei der Arbeit „Das hast Du toll gemacht“, „Super“, „Mega Performance“. Okay das ist fürs Fernsehen, doch es ist ein Punkt, den man auch im Alltagsleben findet: wer wird schon für seine Arbeit gelobt. Okay, bei den meisten ist die Arbeitsleistung schwer bewertbar. Wer am Fließband etwas montiert der wird wohl kaum ein Lob ernten. Aber selbst da wo es eine bewertbare Einzelleistung gibt, gibt es selten Lob. Das stelle ich sowohl fest wenn ich für Kunden etwas programmiere wie bei meinen Büchern. Beim ersteren sieht man es am ehesten an Anschlussaufträgen, bei meinem öffentlichen Werken gibt es selten Lob, meistens eher Kritik und bei einigen Kritiken frage ich mich, was den der Käufer den erwartet hat. Wie immer gibt es eher Kritiken, als Lob. Das geht auch mir so. Wenn ich was kaufe und es entspricht meinen Vorstellungen, dann schreibe ich selten eine Rezension. Aber man sollte es tun. Zum einen um einen realistischen Eindruck zu bekommen und zum anderen um Rückmeldung zu geben.

Die zweite Sendung ist ebenfalls eine Serie „Um Himmels Willen“. Obwohl das seit über einem Jahrzehnt läuft, bin ich erst vor zwei Jahren drauf gestoßen, vielleicht weil es Dienstags Abends läuft wenn mein fester Schwimmtermin ist. Mich wundert das die katholische Kirche nicht gegen die Sendung protestiert. das wird klar wenn man den allgemeinen Handlungsstrang sieht:

Neben verschiedenen humanitären Problemen die in jeder Sendung gelöst werden gibt es einige Stränge die sich durch alle Staffeln ziehen: Oberbürgermeister Wöller versucht seit Jahren das Kloster der Nonnen zu kaufen um es oder das Gelände zu nutzen – Freizeitzentrum, Kongresszentrum, Müllverbrennungsanlage, Brauerei usw. gab es schon. Wenn der Kauf klappt, platzen meist die Projekte und man muss es unter Verlust wieder an die Kirche zurückgeben. Deren Oberin lebt in einer 25-Millionen Immobilie in München, hat ein Büro von der Größe eines Einfamilienhauses mit teurer Ausstattung und Kunst an den Wänden. Die Gewinne des Verkaufs werden je nach Leiterin an der Börse verspekuliert oder in Kunstfälschungen investiert. Die Schulden werden dann durch „wundersame Fügungen“ von den Nonnen beglichen. Sie finden eine Gutenbergbibel oder erben Bilder eines unbekannten Künstlers die nach dem Tod wertvoll werden. Die Nonnen selbst leben in Armut, fahren einen alten 500-er Daimler und haben ein Telefon aus den Fünfzigern. Wir haben also eigentlich eine ziemliche Kritik an der Vermögensstruktur der katholischen Kirche in Deutschland die reich ist. Der Reichtum nützt vor allem denen an der Spitze.

Ansonsten haben die Nonnen nicht so viel mit den Lehren der katholischen Kirche am Hut. Sie trauen Schwule in ihrer Kirche, betreiben ein Bordell nachdem sie es geerbt haben, wenn auch unter einer Scheinfirma.

Aber vielleicht regt das heute keinen mehr auf. Als die erste dieser Serien rund um die Kirche „Mein Gott Herr Pfarrer“ in den Achtzigern erschien regte man sich noch auf weil in einer Szene der Pfarrer aus dem Ehebett geholt wurde wo er bei seiner Frau lag – in der evangelischen Kirche ja erlaubt. Heute würde das wohl niemanden mehr vom Stuhl reißen.

2 thoughts on “Gedanken zu zwei Fernsehserien

  1. Wenn man bedenkt, dass Frau Klum in den späten 90ern in den Medien sich noch als „süß“ präsentierte. (Chaos City und die Katjes Werbung)

    Lange her und der Ruf ist auch lange dahin.

    Was „Reality“ betrifft:

    Schauen die Leute eh nur noch aus Schadenfreude und wegen dem Fremdschämfaktor. Dass das ganze nicht gescriptet ist, glaubt doch inzwischen kein Mensch mehr. (Dazu bedurfte es auch keines Newtopia Vorfalls..)

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