Die Startpreise

Letzte Woche machte ein ULA-Angestellter bei einem Vortrag einige Anmerkungen über ULA und die Situation in den USA, einen Tag später wurde er gefeuert. Aber die Ausführungen sind interessant. Es gibt in dem Artikel einiges, was man ohne selbst involviert zu sein schwer beurteilen kann, so ob das BE-4 oder AR-1 die bessere Wahl ist. Nach den Zahlen ist es das BE-4 das weiter in der Entwicklung ist und billiger wird. Aber es gibt einiges das auch ich zu kommentieren habe.

Das erste ist die Bemerkung das Senator McCain offensichtlich nicht rational handelt. Man kann das aus verschiedenen Gesichtspunkten sehen, so als „attack dog“ von SpaceX. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, denn was er tut schadet nur dem eigenen Land, nützt aber niemanden außer SpaceX. SpaceX hat inzwischen auch seine Aussagen für Lobbyismus enorm erhöht und gibt dafür mehr als ULA aus – vor einigen Jahren war es noch umgekehrt. Da wird sicher viel bei McCain hängen bleiben. Die Tatsachen sind: Als man die RD-180 bestellte war die Abhängigkeit von einer russischen Firma schon ein wichtiger Punkt. Der Ursprungsvertrag war daher so ausgelegt, dass die Stückzahl hoch war und die Lieferfristen so, dass man immer genügend Triebwerke hatte, um nicht nur das aktuelle Jahr abzudecken sondern im Notfall eine eigene Produktion aufbauen zu können. Die Rechte für die Produktion bekam man ebenso wie die Unterlagen über den Aufbau und Tests. Es war der USAF aber bisher immer zu teuer, die Produktion aufzubauen, zumal die in den USA gebauten Triebwerke auch nicht billiger werden. Wenn man nun plötzlich entdeckt das man russische Triebwerke einsetzt um dann einen Bann auszusprechen, ohne irgendetwas zu tun um Ersatz zu schaffen, dann ist das nur dämlich. Russland schadet der Verkauf einiger Triebwerke gar nicht, aber die eignen Nutzlasten des Militärs sind betroffen, ja genau des Militärs, das doch sonst über allem steht und nie Haushaltskürzungen hinnehmen muss, auch wenn sonst jeder zurückstehen muss. Besonders pikant ist das Orbital während der Ukrainekrise ja einen neuen Vertrag über die Lieferung der RD-181 abgeschlossen hat. Wenn die politische Richtung wirklich ernst gemeint ist dann hätte man sicher Orbital davor gewarnt, vor allem aber schon 2014 eine Alternative gesucht. Das macht man nun, nach zwei Jahren. Das zeigt das es eigentlich nicht um die RD-180 geht oder nationale Unabhängigkeit. Würde man nur unabhängig sein wollen, so wäre es die einfachste Möglichkeit das RD-180 in den USA zu bauen, die Rechte hat man und ULA selbst sagte ja dass beide Nachfolger dem RD-180 unterlegen sind. Daher bekommt die Vulkan auch leistungsfähigere Booster um dies auszugleichen.

Das zweite ist ULA selbst: Tobey machte ja auch den Vorschlag wie bei USA  (Space Shuttle Management) ULA aufzulösen, wenn die Aufträge abgearbeitet sind. Es gab ja auch das Angebot von Aerojet die Firma für 2 Milliarden Dollar zu kaufen. Man hat das abgelehnt, weil man den Wert des Geschäfts mit 4 Milliarden Dollar höher ansetzte als das Angebot von Aerojet. Nun ja ich sehe das anders. Die 2 Milliarden von Aerojet sind ja Reingewinn, während die 4 Milliarden sicherlich die ausstehenden Starts repräsentieren, doch die sind nicht 100% Reingewinn. Die meisten Firmen hierzulande haben typisch 10% ihres Umsatzes als Reingewinn. Vor allem aber bestehen ULA aus Lockheed-Martin und Boeing. ULA ist nur der Vermarkter. Aerojet hat keine eigenen Raketen sondern nur Triebwerke und Feststoffbooster, die muss auch Aerojet von den Firmen kaufen, sodass dort immer noch Geld nach dem verkauf reinkommt. Für Lockheed Martin würde der Wechsel des Auftraggebers von ULA zu Aerojet kaum was ändern, denn Booster und Triebwerke produziert man schon nicht selbst. Nur Aerojet hätte einen nutzen: es könnte nun das eigene AR-1 in der Vulkan einsetzen und der Wechsel von Aerojet zu Thiokol bei den Boostern kann man so auch rückgängig machen. Vor allem aber wird es in Zukunft kriseln. Denn mit dem Einstellen der Delta 4 produziert ja nur noch einer der beiden Partner einen Träger.

Die zentrale Diskussion ist der Preis. Meiner Ansicht nach haben sich mit SpaceX NASA, DoD, NRO ein Argument aufdrücken lassen, das vorher nicht diese Rolle spielte. Natürlich ist der Preis nicht egal. Aber es gibt einen gewichtigen Unterschied zwischen kommerziellen Nutzern und Regierungsnutzern. Erstere starten mehrere identische Satelliten, manche mehrere pro Jahr. Die Starts sind versichert und bei einem Fehlstart ist das ein Versicherungsfall. Vor allem aber ist ein Satellit typisch 2-3 mal teurer als der Träger. So machen die Starkosten ein Viertel bis ein Drittel der Hardware aus und mit anderen Kosten dann ein Fünftel bis ein Viertel der Projektkosten. Demgegenüber sind die Starts für die Regierung unversicherte Einzelexemplare die meistens viel teurer als kommerzielle Exemplare sind. Bei DOD und NRO gibt es keine genauen Zahlen, doch man muss nur den Etat  durch die erfolgten Starts pro Jahr teilen und man kommt darauf das jeder Satellit mehr als eine Milliarde Dollar im Durchschnitt kostet. Bei der NASA ist es ähnlich. Schauen wir auf den aktuellen Start von Exomars. Das Projekt hat bisher nur für die ESA 1.3 Milliarden Euro gekostet, mehr wird noch fällig, weil der 2018-er Orbiter noch gebaut wird. Demgegenüber kosten zwei Proton Starts rund 200 Millionen Euro, also weniger als ein Sechstel des ESA und einen noch kleineren Teil des Gesamtetats.

NASA und DOD müssen wegen ihrer Verpflichtung nur US-Träger zu buchen auch für kleine Nutzlasten teure Starts buchen, denn zwischen Pegasus und Atlas 401 klafft eine Riesenlücke im US-Arsenal. Wenn man sparen will, dann wohl eher hier.

Scheitert ein Start dann ist der Verlust natürlich auch entsprechend größer. Entsprechend zahlen beide Behörden mehr für zuverlässige Raketen. Sie drücken den Betreibern durch die Kontrolle und Vorschriften auch weitere Kosten auf. Aussagen von SpaceX gehen dahin, dass im Prinzip dann NASA.-Mitarbeiter dauernd in der Firma sitzen und alles überprüfen, überall Fragen stellen und (nach Musks Ansicht) die anderen von der Arbeit abhalten. Es ist eine Philosophie, die man in Frage stellen kann, doch muss dann auch die Philosophie geändert werden. Die heutige ist ja nicht immer da gewesen. NASA und DoD haben lange Zeit mehr als einen Satelliten gestartet. Es wurden entweder kleine Flotten gestartet (bei der NASA z.B. Ranger 1-9, Lunar Orbiter 1-5 und Surveyor 1-7, beim Dod Dutzende Satelliten des Corona, Gambit Programms) oder zumindest zwei Exemplare einer wichtigen Nutzlast. Die NASA stellte das 1977 mit Voyager 1+2 ein. Seitdem hat man sich darauf verlassen, das die Starts fast immer klappen und es auch kaum noch Hardwareausfälle im Betrieb gibt. Zumindest beim Militär mit meist mehreren Satelliten eines Typs stellt sich die Frage ob man ein Exemplar mehr baut und für den Fehlstart reserviert, wenn man entsprechend niedrige Startpreise (dieselben wie bei kommerziellen Kunden) bekommt. Bei der NASA mit Einzelnutzlasten wird aber selbst der Nachbau der typisch 30-40% des ersten Exemplars kostet wahrscheinlich zu teuer sein. Das Problem sind aber nicht nur die Kosten eines Starts. Das Dod zahlt 880 Millionen Dollar pro Jahr dafür dass sie so viele Satelliten starten können wie sie wollen. Auch dazu gibt es eine Sicht von ULA. Aus Ansicht einer US-firma mit „Hire und Fire“ Politik ist das logisch. Da es nur wenige kommerzielle Starts gibt würden beide Firmen in einem Jahr mit wenigen Starts Mitarbeiter abbauen. Aus Sicht der Regierung die auch einen gleichbleibenden fachlichen Standard (sprich: erfahrene Mitarbeiter anstatt kurzzeitig eingestellter Arbeiter) haben will kam man auf diese Lösung. Das Problem scheint heute aber nicht mehr gegeben und eines aus der Vergangenheit zu sein, als es starke Verzögerungen bei vielen Projekten gab.

Die Frage die sich die entsprechenden Stellen stellen müssen ist wie viel ihnen Sicherheit wert ist. Ohne Einblick in die Unterlagen ist das für Außenstehende nicht möglich. Man weiß einfach nicht wie viel Sicherheitsgewinn welche Kosten aufwirft. Derzeit erkenne ich keine Änderung der Einstellung. Man muss nur die Aufträge sehen die SpaceX bisher seitens der Regierung bekommen hat:

CRS: Viele Flüge, aber mit niedrigwertiger Hardware. Es fliegt Nahrung, Wasser, Kleidung und einige Experimente nach oben. Noch dazu ist der Frachttransport gut abgesichert, wie auch der Ausfall dreier Frachter n einem Jahr zeigt der nicht den Betrieb einschränkte.

DISCOVR: Die Raumsonde wurde von der NASA bezahlt und schon 2003 fertiggestellt. Der Betrieb von der NOAA. Die USAF zahlte nur den Start für eine Raumsonde die sie selbst nicht nutzt, aber abwickelt, da die NOAA nicht selbst  startet  – kein Risiko für einen teuren eigenen Satelliten.

Jason-3: Der Satellit wurde von CNES/NOAA bezahlt, von der NASA stammt nur ein Experiment des JPL. Auch hier führt die NASA nur im Auftrag den Start durch. Kein Risiko für eigene Nutzlasten.

STP-2: Eine bezahlte Demomission der USAF, kein teurer Satellit sondern eine Erprobung der Falcon heavy verschiedene Bahnen zu erreichen die der USAF wichtig sind.

TESS: Eine Niedrigbudgetmission (Small Explorer) der NASA für die (wie bei Jason 3, DSCOVR) die Rakete eigentlich viel zu groß ist. Es gibt aber keine preiswertere kleinere Alternative im US-Arsenal. Bei einem Fehlstart hält sich der Verlust in Grenzen.

Kurzum: die große Begeisterung für SpaceX sehe ich nicht. Lediglich CRS Flüge die das geringste finanzielle Risiko darstellen werden in größerer Zahl gebucht. Die Frage ist ob dies so bleibt, denn klar ist natürlich, dass gerade durch SpaceX der politische Druck wächst. Dann werden sicher beide Organisatoren ihre Entscheidungen verteidigen müssen. Einfach wird es nicht, denn Fehlstarts treten eben nicht so häufig auf. Erst wenn es genügend Flüge gibt kann man eine Zuverlässigkeitsstatistik aufstellen. Nur die nimmt aber die Öffentlichkeit wahr. Natürlich gibt es interne Untersuchungen und einige Anbieter veröffentlichen auch die (theoretische) Gesamtzuverlässigkeit eines Trägers. Leider gibt es diese nicht von den US-Anbietern. Für kommerzielle Starts ist das weitestgehend egal: die Proton M hatte bisher bei 94 Starts 10 Fehlstarts, vor allem weist sie nicht die typische Erfahrungskurve aus, d.h. nach Einführung werden die Fehlstarts immer weniger. So was finden wir z.B. bei Ariane 5 – Fehlstarts bei den beiden Jungfernflügen, zwei partielle Fehlstarts bei Flug 2 und 10, aber seit 70 Flügen seit 2002 ohne Fehlstart. Trotzdem wird die Proton M weiter gebucht, erst vor wenigen Monaten konnte ILS einen neuen Auftrag akquirieren.

Ich denke man kann beides kombinieren. Die Ariane 5 ist nach einigen Problemen bei der Einführung erfolgreich. Die Atlas V und Delta 4 sind mit zwei partiellen Fehlstarts noch erfolgreicher, aber haben auch einen geringeren technologischen Sprung, vergleicht man die Erfahrung der europäischen Raumfahrt Industrie mit der der USA vor der Einführung der Modelle. Trotzdem ist sie signifikant billiger als Atlas oder gar Delta.

13 thoughts on “Die Startpreise

  1. für ULA – Selber Schuld !

    in 1990er entstand das Projekt EELV um die USAF und NASA billiger Raketen zu geben
    die idee die Hersteller bauen Raketen und Starten sie in Konkurrenz zu einander was die Kosten drucken sollte auf 25%
    wie gesagt sollte…

    Lockheed Martin ging deal mit Russen ein und baute die Atlas 5
    Boeing ging mit wegwerft SSME R-56 und Baute die Delta 4

    doch schon am Anfang ging vieles schief
    die raketen waren weitaus teuer als geplant, der Mark für Satelliten start kollabiert Anfang der 2000er
    und Boeing bekam Einsicht Lockheed Martin Atlas 5 program
    Dank Abwerbung eines Atlas 5 manager der gleich Unmengen an Akten mitnahm.
    und Hochrangiger USAF Managerin die nach Ihren austritt eine hohen Posten bei Lockheed Martin fand.

    in 2006 schloss sich Boeing und Lockheed Martin und Formaten ULA und zogen NASA und USAF über den Tisch.
    somit Quasi Monopol in Raketen start in USA
    in der zwischen zeit kam einen Kleine Firma namens SpaceX bot billige Raketen start an.
    NASA nutze sie for kostengünstiger Fluge zu ISS und der Alptraum für ULA begann

    Warum ist ULA teuer als SpaceX oder Russen oder Arianespace ?
    die Management Strukturen,
    firmen wie Boeing oder Lockheed Martin sehen solche auftrage als Geld rein raffen Aktion,
    Sie stellen die Rechnung, die Regierung Zahlt, dass lief das im Kalten Krieg gut.
    und bei Projekt EELV, die USAF und NASA brauchten Neue Raketen dringend und die Projekt kosten stiegen.

    die Technologie
    Bei Projekt EELV wurden neue Technologien eingeführt
    die RS-56 und Tanks der Delta IV und neue Centaur Versionen trieben die Kosten hoch.
    natürlich SpaceX entwickelte ihre Triebwerke selber aber in vernünftigen rahmen
    Nicht in Kalten Krieg modus wie bei Boeing oder Lockheed Martin.
    Somit sind Delta IV und Atlas V teuer in der Herstellung und start kosten als die Falcon 9.
    und als die Falcon 9 erste erfolgreiche Landung war ein Fanal für ULA

    die politische
    um die situation schlimmer zumachen began USA und Russland sich zu streiten
    und es droht die Sanktion zur Lieferung von Raketen Triebwerke für Atlas V
    jetzt muss ersatz her Blue Organ BE-4 wahren USAF die AR-1 in Entwicklung gibt
    in der selbe zeit hat SpaceX seine Rechte eingeklagt und USAF hat billig Anbieter von dem nicht wissen was er bringt…
    so kam DISCOVR mission zustande USAF bezahlte SpaceX den start, NASA/NOAA den Satelliten.

    Die Zukunft
    es sieht duster aus, ULA kann jederzeit ihre Russische Lieferanten verlieren durch Dummheit in Capitol Hill
    BE-4 und AR-1 sind noch Jahre entfernt vom Test und gebrauch
    in der Zwischen zeit entwickelt sich SpaceX zu eine Ernsthaften Konkurrenten
    November wird sich zeigen was die Falcon heavy leisten kann und ob die USAF eine alternative zur Delta IV hat.
    wenn ja ist das ende von ULA…

  2. RD-180 selbst nachbauen wurde als Option recht schnell wieder verworfen. Zum einen geht die Lizenz zum Nachbauen nur bis 2022, es wäre also viel Geld für eine kurzfristige Lösung. Wenn man unabhängig von den Russen sein will, will man auch nicht von einer Lizenzverlängerung abhängig sein. Zum anderen gibts zwei Meinungen ob man, trotz der bereits unternommenen Anstrengungen, überhaupt die metallurgischen Fähigkeiten hat um die RD-180 nachzubauen.

    Aktuell regt sich McCain über das Kommentar von Tobey auf, bei dem angedeutet wurde das die USAF die GPS-3 Ausschreibung in Richtung ULA getrimmt hat, ULA aber trotzdem nicht mitbieten wollte. Obwohl die extra RD-180 für solche Launches bewilligt bekommen hatten, verwendet ULA diese nun für kommerzielle Launches.
    http://spacenews.com/mccain-calls-for-investigation-of-fired-ula-execs-controversial-comments/Bei der SpaceX Liste

    Bei der SpaceX Liste fehlt Jason-3. Der Umstand dass SpaceX erst vor relativ kurzer die Lizensierung für USAF/NRO/DoD Launches erhalten hat, und dass jetzt auch schon Verträge gewonnen werden, passt nicht so ganz in die Argumentation. Bemannte(!) Flüge, geplant ab 2017 (d.h. bei SpX wahrscheinlich mitte 2018). GPS-3 wird auch an SpaceX gehen. Schön langsam scheint Vertrauen aufzukommen.

  3. Interssant Lockheed-Martin hat einen Vertrag für Versorgung Fluge zur ISS versaut, weil sich NASA weigerte !
    Lockheed Vorschlag war nicht nur teuer als SpaceX, sie wollten ein zusätzliche Auftrag von NASA
    zu Entwicklung und bau eines Space Tug der die Kapsel aus park orbit zur ISS schleppt
    NASA weigert Milliarden für das bereitzustellen und beendet die Verhandlungen.
    warum auch ? SpaceX macht schon Versorgungsfluge ohne Space Tug…

    in zwischen zeit will Intelsat den Space Tug um ihre alte GEO Satelliten dort in Position zu halten.
    hier geht Lockheed-Martin wieder Leer aus, Intelsat will billiger Orbital ATK

    http://www.fool.com/investing/general/2016/03/19/can-orbital-atk-turn-old-satellites-into-new-money.aspx

  4. Noch ein Wort zu RD-180 und Kosten.

    Bei der Entwicklung kammen über 30 russische Patente zum Einsatz, davon haben 20 auch amerikanische Patente und 13 vom europäischen Patentamt erhalten. So hat zB. der Gasgenerator (russisches Patent RU 2159351), Erfinder sind:

    Alexei Pogosovich Adzhian, Vladimir Jurievich Bogushev, Valentina Dmitrievna Kolesnikova, Alexandr Mikhailovich Samsonov, Jury Anatolievich Tjurin, Boris Ivanovich Katorgin,

    auch die amerikanische Anmeldenummer US 09/391,856 (US Patent 6244040).

    Das Triebwerk als auch der Nachfolger mit Weltrekord Isp sind exzellente Entwicklungen. Doch zum welchen Preis ? Bei genauer Analyse und heutigen technischen Möglichkeiten, wobei Kosten und Zuverlässigkeit an erster Stelle stehen, haben solche Triebwerke keine Zukunft mehr. Für den gleichen Isp und Schub erreichen wir mit Methantriebwerken eine radikale Reduzierung des Brenkammerdrucks und noch mehr in den anderen Systemen, dadurch deutliche Steigerung der Zuverlässigkeit und Vereinfachung der Konstruktion mit erheblicher Kostensenkung.

    Der Methan RD-0164 mit 160 Bar ist mit Schub fast gleich mit RD-180, ist aber schwächer mit Isp. Seine Konstruktion ist aber um 50% leichter, wie schon früher geschrieben, Methantriebwerke sind immer leichter als Kerosintriebwerke, das ist technisch durch die Eigenschaften des Methan bedingt. Damit ist der RD-0164 um etwa 45-60% billiger als der RD-180.

    Ein Brennkammerdruck von 260 Bar hat aber noch keine signifikante Aussage, sonder die Belastungen der anderer Systeme sind für die Zuverlässigkeit und Kosten ausschlaggebend. So beträgt der max. Druck (GG) im Angara Triebwerk mehr als 800 Bar. Das ist schon gewaltig, es kann auch immer gut ausgehen. Nur, einen Isp und Schub von RD-191 können wir heute mit deutlich kleinen Aufwand und Kosten erreichen.

    Ein BE-4 mit etwa 130 Bar ist somit gesehen die bessere Alternative zu RD-180 und zwar in jeder Hinsicht.

  5. Zitat: „Der Exo-Mars Orbiter hatte ja auch ordentlich Glück…“.

    Unsinn, der Start einer Trägerrakete hat absolut nichts mit Glück zu tun, sondern mit exakten Einhaltung sämtlicher technologische Prozesse und Standards nach GOST oder AS/EN 9100. Werden hier Fehler gemacht, mitunter durch schlecht bezahlte Mitarbeiter oder zu viel Wodka am Abends getrunken, so erreichen die Träger schneller die Erde als den Weltraum. Das gilt auch für noch kommunistische Betriebe, hier Chrunischew das aber auf dem Weg zum Börsengang ist.

    Auch in Russland erhalten immer mehr Unternehmen westliche Standards. Zuletzt das russische Unternehmen ONPP Technologija in Obinsk, führend bei der Entwicklung von Verbundwerkstoffen und Nutzlastverkleidung, hat erfolgreich einen weltweit anerkannten Standard in der Luft- und Raumfahrtindustrie die AS/EN 9100 (bezieht sich auf Qualitätsmanagement für Entwicklung,Produktion und Wartung) eingeführt.

    Der Standard wurde vom Europäischen Verband für die Luft- und Raumfahrtindustrie eingeführt und bietet mit dem AS/EN 9100ff höchste Qualitätsstandards, wird von Airbus, Boeing, GEAE und Rolls-Royce unterstützt. Unternehmen mit den Standards sind in der OASIS-Datenbank der Bureau Veritas Certification gelistet. Diese Listung gilt heute zunehmend als Voraussetzung damit sie als Lieferanten zugelassen werden.

    Bei ExoMars Start gab es keine technische Probleme, die Bris-M Stufe hat sehr exakt gearbeitet, somit auf zusätliche Bahnkorrektur wurde verzichtet. Nach der Trennung und der notwendigen dynamischen Operation bestand absolut keine Gefahr durch die zusätzliche Objekte für die Sonde. Dafür hat sich die ESA für die Anfangs falsche Informationen entschuldigt. Rogozin hat für den Start nur Fünf plus und keine Sechs gegeben.

  6. Eine kleine Bösartigkeit an Jewgeni-7:

    Bei Piloten heißt es: Ich habe den Planeten gerammt, wenn die Landung etwas heftig war.
    Bei der Raumfahrt war ein Planet plötzlich im Weg….

    Oder wie es in 1,2,3 (Film) so schön hieß:

    Russische Raketen sssst zur Venus, amerikanische Raketen pft, pft Miami-Beach.
    (Zitat zukünftiger Raketenspezialist Otto Ludwig Pifl)

    Russischer Handelsvertreter:
    Ah, Amerikaner haben Knopf zum Sprengen der Rakete, Russen haben zwei Knöpfe.

    Warum zwei? (Otto Pifl)

    Antwort: Ein Knopf zum Sprengen der Rakete, den zweiten zum Sprengen Raketenspezialist.

    Was sind Sie für ein Handelsvertreter? (Otto Pifl)

    Antwort: Ein ehemaliger, ich bin Kapitalist geworden…

    Nix für Ungut
    Ralf mit Z

  7. Aha, auch ein profunder Kenner der Klassiker!
    Solche Sprüche werden noch gut sein, wenn wir längst auf MZ4 von den Frogs überfallen werden.

    Ich seh grad Latigo…

  8. Ja, Auch ein Sherrfi braucht mal Hilfe ist auch genial!

    Bei 40 Wagen Westwärts find ich die Szene zum brüllen, wenn die Indianer beim Sandsturm veruschen, den Zeitpunkt „2 Handbreit die Sonne über dem Horizont“ zu finden,
    und dann genau zum falschen Zeitpunkt in die Kavallerie, den Schnapstransport und in den Zug von Denver reingeraten.

    Aber mir gefällt auch: Die tollkühen Männer in Ihren fliegenden Kisten, Unternehmen Petticoat, Manche mögens heiß! usw., usw.

    Bei den Ernsteren sind meine Favoriten Odyssee 2001, Der Untertan, der Bockerer (1-4) und die Geschichtsdoksu von Bernd Fischerauer und ähnliche Filme aus allen Zeiten.

    Aber wir sind ja jetzt völlig off topic!
    Blog-Master bitte eingreifen ;-)))))

    Deshalb mal was Themenbezogenes:

    In einem uralten Nachschlagewerk (Schlag Nach! von 1939) wurden die Entfernungen zwischen Erde und Mond, bzw. Sonne mit den Fahrzeiten eines Zuges mit 100 km/h beschrieben.

    Mal mit völlig durchgeknallter Fantasie gedacht!

    Bei dem Film „Auch die kleinen wollen mal nach oben“ hat ein Wissenschaftler mit einem Antrieb, der die Rakete in einer Zeit von ca. 30 Tage (nach meiner Erinnerung) zum Mond bringt, den Flug gemacht. Bei einem Gewicht von angenommen demselben wie bei Command-Module Service Module von Apollo, wie hoch wäre der spezifische Impuls?
    (Laut Wissenschaftler im Film derselbe, aber man will ja gemütlich hinkommen…)

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