35 Jahre IBM PC

Es ist noch nicht heute soweit, aber am 12. August feiert der IBM PC seinen 36-sten Geburtstag. Ich will schon heute mal an ihn erinnern

Fangen wir mal mit der technischen Beurteilung des IBM-PC im Vergleich zu anderen Rechnern dieser Zeit. Der IBM PC (korrekte Bezeichnung: IBM Personal Computer Modell 5150) verwandte einen 8088 Prozessor, der mit 4,77 MHz getaktet war. Die Wahl dieses Prozessors zementierte die heutige Marktbedeutung von Intel. Er war schon damals nicht die erste Wahl. 1978 erschien der 8086. Als 1980 die Entwicklung begann war er schon zwei Jahre alt. Das wäre heute unvorstellbar. Es gab Diskussionen um die Wahl, IBM fragte unter anderem auch Microsoft. Offiziell fiel die Wahl auf den Prozessor, weil er am ausgereiftesten war, Der Motorola 68000 als direkter Konkurrent hatte bei Entwicklungsbeginn noch zahlreiche Kinderkrankheiten. Ein Grund dürfte auch sein, das Intel das Registermodell des 8080 übernommen hatte und durch den segmentierten Arbeitsspeicher war sogar eine automatische Übersetzung von 8080 Software möglich so konnte man schnell Software für den neuen Prozessor entwickeln. es gab sogar einige 1:1 Adaptionen in den ersten Jahren wie Wordstar 3.31 die einfach nur crosscompiliert wurden.

Der 8086 war nicht nur dem 68000 technisch unterlegen, (er war langsamer und der Speicher war segmentiert, der 68000 hatte auch 32 Bit Operationen) doch IBM entschloss sich sogar einen noch weniger leistungsfähigen Prozessor zu verwenden, den 8088. Der 1979 vorgestellte Chip war ein 8088 mit einem von 16 auf 8 Bit verkleinertem Adressbus. Alle Datentransfers sowohl von Code wie auch Arbeitsdaten dauerten so doppelt so lange, was die Geschwindigkeit um 40% absenkte. Obwohl der 8088 mit 8 MHz verfügbar war, nahm man bei IBM nur die 5 MHz Variante. Die wurde sogar mit nur 4,77 MHz getaktet. Das erlaubte es einen zweiten Oszillator einzusparen und aus einem Taktgeber sowohl den Takt für den NTSC-Taktgeber wie auch den Prozessor abzuleiten. Über die Wahl wurde lange Zeit spekuliert. Die offensichtlichste Erklärung war, dass IBM nicht sich selbst Konkurrenz machen wollte. Ich zweifele aber ein bisschen an der Deutung. Zum einen trennte den IBM PC von anderen „Entry Systems“ die IBM damals im Angebot hatte doch einiges. So gab es bei diesen serienmäßig Diskettenlaufwerke mit 2,4 MByte Größe – zehnmal mehr als beim IBM PC. Zum anderen setzte IBM bisher nur Intel Prozessoren in ihren erschwinglichen Geräten ein. Man blieb eben einfach beim bewährten Lieferanten. Der niedrige Takt und die Wahl des 8088 reduzierten vor allem die Kosten für das Mainboard. Man konnte so die Bausteine die für Intels 8-Bit Linie verfügbar waren einsetzen und die kamen auch mit dem niedrigen Takt zurecht. Die neuen 16 Bit Bausteine waren deutlich teurer. Trotzdem war der Rechner gegenüber den damals eingeführten 8-Bit Rechnern schneller und er konnte auch ausgebaut werden. Die 8-Bit Rechner konnten nur maximal 64 KByte Speicher adressieren, der IBM PC 544 KByte.

Der Arbeitsspeicher betrug 64 KByte, ursprünglich waren es sogar nur 16 KByte, doch damit wäre der Computer schon bei Markteinführung hinter anderen verfügbaren Rechnern, selbst den 8-Bit Rechnern unterlegen gewesen. So wurden nur wenige mit 16 KByte verkauft. Wenn man die Speicherchips der Hauptplatine austauschte stieg der Speicher auf 64 KByte. Da man so den Speicher zweimal zahlte wurden die meisten mit 64 KByte verkauft. Mittels einer Zusatzplatine konnte der Speicher auf 256 KByte erweitert werden.

Was den IBM PC von allen heutigen PCs unterscheidet, ist das der nackte Computer praktisch keine Anschlüsse hatte. Er hatte nur einen Anschluss für die Tastatur und einen Kassettenrecorder. Das letzte zeigte das IBM eigentlich nicht so richtig wusste was sie mit dem Rechner machen sollten. Viele Personalcomputer der frühen Generation und auch später Heimcomputer hatten einen Anschluss für den Kassettenrecorder. Darauf wurden Daten und Programme gespeichert. Doch für einen geschäftlichen Einsatz und dafür war der IBM PC vom Preis ausgelegt waren Diskettenlaufwerke der Standard. 1978 wurden sie nach und nach in den Rechnern eingeführt und inzwischen erschienen neue Rechner nur mit Diskettenlaufwerken. Für Diskettenlaufwerke brauchte man einen Diskettenkontroller den man in einen der 5 Steckplätze steckte. Zwei Laufwerke konnte man ins Gehäuse einbauen jedes mit 160 KByte Kapazität.

Wo man die Kompetenz von IBM erkannte waren Bildschirm und Tastatur. Die Tastatur hatte einen festen Anschlag mit akustischer Rückkopplung, verglichen mit heutigen Tastaturen war der Anschlag hart und laut. Doch damals störte das niemand. Computer waren selten und das Geräusch galt als Beweis dass man fleißig arbeitete und der Anschlag wurde als überlegen gegenüber anderen Rechnern eingestuft. IBM hatte auch von Anfang an internationale Belegungen im Angebot. Andere Rechner hatten eine QWERTY-Tastatur selbst wenn die Rechner in Deutschland verkauft wurden.

Der Bildschirm von 11,5 Zoll Größe stellte in nachleuchtendem Grün 80 Zeichen mit 25 Zeilen dar. Die Matrix betrug 14 x 9 Punkte – auch das war damals überlegen, die anderen damals verfügbaren 8-Brit Rechner hatten nur eine 8×8 oder manche Rechner sogar nur 5x 7 Matrix. Doch um ihn anzuschließen, brauchte man einen Monochromgrafikadapter, der auch den Druckeranschluss beinhaltete. Er stellte die Buchstaben dar und hatte auch den Bildschirmspeicher. Alternativ gab es einen Farbgrafikadapter der Grafik mit bis zu 320 x 200 Punkten in 4 Farben darstellen konnte. Das war nicht besser als die Grafik eines Heimcomputers kostete jedoch extra. Für Nicht-US Käufer kam dann noch der RGB Monitor hinzu, US-Besitzer konnten einen Fernseher anschließen, da es neben dem RGB einen NTSC-Anschluss gab, den sogar auf der Hauptplatine.

Das 40 KByte große ROM beinhaltete das BIOS und ein „Kasettenbasic“, einen Basic Interpreter wie er bei vielen Rechnern dieser Zeit eingebaut wurde. Dieses BASIC konnte aber nur auf Kassette speichern. Für einen geschäftlichen Betrieb brauchte man noch ein Diskettenbetriebssystem. PC-DOS bzw. MS-DOS war in der ersten Version nur eine Kopie des 8-Bit CP/Ms inklusive der Einschränkungen wie Programmgrößen von 64 KByte oder nur 64 Dateien pro Diskette. Es gab für das Speichern auf Diskette dann noch weitere BASIC-Versionen.

Die Basisversion die man an den Fernseher anschloss, mit Tastatur, 16 KByte Speicher kostete 1565 Dollar. Damit konnte man aber nicht arbeiten. Die kleinste Konfiguration die eine Arbeit ermöglichte, hatte 64 KByte Speicher einen Diskettenkontroller, ein Diskettenlaufwerk und einen Monochrombildschirm und einem Nadeldrucker und kostete 3004 Dollar. Mit einem zweiten Diskettenlaufwerk und einem Farbmonitor war man bei 4500 Dollar. In Deutschland kostete die kleinste Version, die erst einen Jahr nach der US-Version erschien 8500 DM. Inflationsbereinigt müsste man die Preise sogar mit 1,3 multiplizieren um auf den heutigen Preis in Euro zu kommen, das wären also 11.000 Euro für die Basisversion.

Heute bekommt man für 300 Euro einen einfachen PC, der anders als der IBM-PC auch alle Anschlüsse hat und nur in Rechenleistung einem teureren unterlegen ist. Legt man das doppelte hin so bekommt man einen guten PC, mit doppelt so viel Speicher und mehrfacher Geschwindigkeit. Ein Monitor addiert 120 Euro, ein Drucker 100 Euro. Die Abstände im Preis sind also gleich geblieben, wenn er auch absolut gesehen viel billiger ist.

Allgemein ist heute der Aufpreis für schnellere Geräte geringer geworden. Damals kostete ein schnellerer Rechner deutlich mehr. Das ist insofern verwunderlich, weil sich die Preise sehr unterschiedlich entwickelt haben. Im Allgemeinen sind die Preise stark gesunken, aber doch sehr unterschiedlich. Festplattenlaufwerke gab es schon damals, doch sie waren so teuer das ein Laufwerk mehr kostete als der IBM-PC. Um sie anzuschließen musste man eine Erweiterungseinheit kaufen. Sie sind am stärksten im Preis gefallen. Die speicherpreise sind relativ moderat gefallen. Den stärksten Preisverfall gab es bei den Schaltkreisen für Anschlüsse. Sie machten den IBM PC erst so teuer. Heute sind alle Schnittstellen OnBoard, doch beim IBM PC musste man für jede Anschlussmöglichkeit eine eigene Adapterkarte kaufen. Addiert man deren Preise so war das Mainboard das teuerste am Rechner. Relativ moderat waren die Preise für Drucker, Bildschirm und Diskettenlaufwerke, alle in der Region um 1000 DM, also einem Achtel des Preises der Basiskonfiguration. Gemessen daran ist der heutige Anteil höher am Systempreis.

Zwei Dinge sind sogar absolut teurer geworden: Die Software. MS-DOS kostete 75 Dollar, heute kostet Windows 10 neu 279 Euro als Professional Edition. Das gleiche gilt für den Prozessor, der damals etwa 100 Dollar kostete. Die billigsten Prozessoren kosten heute 40 Euro von Intel, man kann aber auch 200 bis 300 Euro für einen ausgeben. So hat sich die Gewinnmarge verschoben: den meisten Profit machen heute Microsoft und Intel, nicht wie früher der Hersteller des PC.

Der IBM PC wurde zum Erfolg, er zeigte relativ deutlich welchen Einfluss eine etablierte Marke hat. Der IBM-PC machte auch Computer salonfähig, davon profitieren auch andere Hersteller wie Apple. Für viele Käufer war ein IBM PC einfach zu teuer. Sie wichen auf andere Rechner aus. Den stärksten Gegenwind hatten Firmen die auch 8086-Rechner herstellten, denn diese lagen in der Preisregion wie der IBM PC. Auch wenn viele viel besser ausgestattet waren, wie mit einem echten 8086-Prozessor, mehr Speicher, hochauflösender Grafik oder mehr Platz auf den Diskettenlaufwerken – sie waren eben nicht von IBM und im Zweifel kaufte man von IBM, auch weil die Anschaffer nichts von Technik verstanden. Sie verschwanden innerhalb von 1-2 Jahren vom Markt. Der Effekt ist heute vielleicht noch ansatzweise mit dem Renommee von Apple vergleichbar. Auch hier legen Leute viel Geld für ein Applegerät auf den Tisch selbst wenn es technisch gleich gute billigere Alternativen gibt und bei der Vorstellung eines neuen iPhone gibt es Schlangen vor den Läden.

4 thoughts on “35 Jahre IBM PC

  1. Die Marke IBM war eigentlich nur in der Geschäftswelt dominant. Viele Betriebe hatten ja IBM Grosscomputer. Als dann PCs angeschafft wurden, wurde nicht lange gefunkelt, und man hat IBM gekauft, weil man es immer so gemacht hatte. Dass IBM die besten PCs baute war in gewissen Köpfe noch lange drin.
    Als ich mir 1996 einen PC kaufen wollte, riet mir meine Tante, die Informatik studiert hatte und zu hause Zug mehrere IBM PC hatte, ich solle mir doch einen IBM PC kaufen, die wären zu 100% kompatibel. Das habe ich schliesslich doch nicht gemacht. Und ein paar Jahre später war es glaub auch vorbei, das IBM PCs baute.

  2. Hallo Herr Leitenberger,

    danke für den interessanten Blog-Artikel, doch Ihr Statement hinsichtlich Apple möchte ich nicht kommentarlos stehen lassen. Ich selbst sowie meine Frau sind überzeugte Apple-Nutzer, allerdings halten wir uns den Grundsatz-/ und Glaubensdiskussionen fern.

    Eines vorneweg, ich bin von Anfang an ein Befürworter UNIX-basierter Systeme. Sicher hat Windows hier in den letzten Jahren aufgeholt, doch halte ich UNIX basierte Systeme nach wie vor für die technisch besseren Betriebssysteme. Apple hat mich letztendlich mit seinem Betriebssystem OS X, der Hardwareaussattung, der exzellenten Verarbeitung und Design überzeugt. Soft- und Hardware sind aufeinander abgestimmt. OS X beinhaltet im Gegensatz zu Windows von Haus aus ein umfangreiches und sinnvolles Softwareangebot. Betriebssystem-Upgrades sind kostenlos. Spielt man sein TimeMachine-Backup auf einen neuen Mac zurück, kann man sofort weiterarbeiten – alle Daten, Programme und Einstellungen sind wieder vorhanden – ohne Neuinstallation. Erwähnenswert ist auch das Kühlsystem, dessen Abwärme über die Aluminiumgehäuse abgeführt wird und einen flüsterleisen Betrieb ermöglicht. Die Displays sind von ausgezeichneter Qualität und kommen nicht umsonst im Profi-Segment zum Einsatz. Nur um mal ein paar Dinge zu benennen.

    Wer sich mal ein wenig mit den technischen Details z.B. mit dem aktuellen iMac beschäftigt, wird relativ schnell feststellen: Man bekommt auch etwas für sein Geld. Sicherlich lassen sich all diese Dinge auch mit einem herkömmlichen PC realisieren. Doch wer sich einen konventionellen PC in ähnlicher Hardwareaustattung mit einem vergleichbaren 5k-Display zusammenstellt, kommt incl. Software schnell in ähnliche Preissegmente – und hat dafür wieder eine lärmende Windows-Kiste neben seinem Schreibtisch stehen.

    Letztendlich ist alles eine Frage der eigenen Bedürfnisse. Apple bietet im Gesamtpaket in meinen Augen ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis mit einem sehr guten Kundendienst. Doch dies muß jeder für sich entscheiden. Wer das oben genannte nicht benötigt, wird auch mit preisgünstigeren Systemen zufrieden sein. Solange Apple seinen Qualitätsansprüchen treu bleibt, werden wir dessen Produkte auch weiterhin kaufen.

  3. Wer sagt denn, daß jeder Rechner der nicht von Apple ist, unbedingt mit Windows laufen muß? Linux läßt sich auf jedem PC installieren, auch nachträglich oder als Zweitsystem. Und daß nur Apple leise Rechner bauen kann ist garantiert ein Märchen. Ein fertig gekaufter Rechner ist immer nach den Vorstellungen des Händlers zusammengestellt, nicht nach den Bedürfnissen des Anwenders. Ganz egal von welchem Hersteller. Wer einen für seine Zwecke maßgeschneiderten Rechner ohne unnötigen Schnickschnack haben will, baut ihn selbst.

  4. Hallo Herr Braier,

    Beim Absatz über Apple habe ich mich eigentlich auf die mobilen Geräte wie iPad oder iPhone bezogen, auch weil damit und nicht mehr mit PCs der Umsatz gemacht wird. Die weltweiten Umsätze der PC-Branche sind seit Jahren rückläufig und die Verdienstspannen viel kleiner als bei Mobilgeräten.

    Apple ist ein komplett anderes Thema. Es ist eigentlich ein Apple-Universum in dem man als Anwender vom Herstelle geführt oder je nach eigenem Blickwinkel gezwungen wird. Nur auf den PC bezogen: man kann einen PC so zusammenstellen dass er deutlich teurer als ein Apple wird, man kann dieselbe Leistung aber auch zu einem deutlich geringeren Preis bekommen. Und lärmen muss er auch nicht. Mein Rechner ist unhörbar, ich habe im Bios einfach den Silent Mode eingestellt. Mit den Skylake Prozessoren gibt es inzwischen auch Systeme mit leistungstarken Prozessoren die ohne Lüfter auskommen.

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