Doch aus den Joints, da wurden Trips

Ich habe in meinem Bücherschrank auch ein Buch über Murphys Gesetze. Klar, die Kurzform „Was immer schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“ kennt jeder, aber es gibt in dessen Umfeld gibt es noch eine Reihe anderer wahrer empirisch erwiesener „Gesetze“ oder Regeln. Manche sind auch nur skurril, wenn auch war. So lautet eine der Regeln:

Wenn Du ein Glas Wein in ein Fass Jauche gießt erhältst Du ein Fass Jauche. Wenn Du ein Glas Jauche in ein Fass Wein gießt erhältst Du ebenfalls ein Fass Jauche.

Will meinen: Der Kontakt mit bestimmten Dingen verdirbt andere Sachen. Ich kam da drauf als ich auf WDR eine dieser Chartshows „Ab in die Siebziger“ sah. Ihr kennt das: Ein Lied wird präsentiert und einige mehr oder weniger Prominente geben ihren Senf dazu. Diesmal war es ganz okay, weil sie die Lieder weitestgehend ausgespielt haben und nicht nur kurz angespielt. Es gab so auch genügend Material von den Songs anstatt nur von den Promis.

Dabei waren auch einige deutsche Leider und ein Cover von Cindy und Bert erinnerte mich an etwas was mir schon auffiel als ich die Wiederholungen von Disco im Fernsehen sah: Meine Erinnerung an die Siebziger und Schlager ist eigentlich positiv. Doch was ich hatte, war eine selektive Wahrnehmung. Die guten Schlager waren die Spitze des Eisbergs. Der große Rest waren vor allem Coverversionen und für die gilt das was die obige Regel besagt: Das Übernehmen von Musik von anderen Stilen kann die Musik verbessern, ja ganz neue Musikstile hervorbringen. So war der erste Disco Titel „Rock me Baby“ als R&B gedacht und brachte mit dem neuen Rhythmus die Disco Welle ins Rollen. Der bekannteste Rapper-Titel „Rappers Delight“ verwendet die Musik von „Good Times“ von Chic. Doch wenn Schlager etwas übernimmt, dann wird es zu Schlager. Man spült Melodien weich oder platziert einen so belanglosen Text darüber dass man sich wundert das überhaupt jemand die Platte kauft. Das bildete aber den Großteil dessen was die Schlagersänger produzierten, wohl mangels eigener Kreativvtät, oder einfach weil man meinte man könnte den internationalen Erfolg wiederholen könnte. Das gelang auch manchmal, wenn man die Musik übernahm und einen guten Text darüberlegte, doch meistens spülte man die Musik solange weich bis sie nach Schlager klang. Bino hat „Mama Leone“ auf italienisch und deutsch veröffentlicht und die deutsche Version ist die hierzulande weitaus bekanntere – auch vielleicht weil es der Originalsänger ist.

Hier einige abschreckende Beispiele:

Was passiert wenn Cindy und Bert, die Perfekte Schwiegertochter mit dem Anhang der eigentlich nie singt, „Paranoid“ von Black Sabbath covern? Ja man glaubt es kaum. Die Interpreten von braven Lieder wie „Immer wieder Sonntags“ wagen sich an Heavy Metal. Heraus kommt der „Hund von Baskerville„. Immerhin, die Hammond Orgel hat was.

Noch extremer dürften die musikalischen Unterschiede zwischen den Rolling Stones und Karl Gott sein. So erkennt man „Paint in Black“ auch kaum noch wieder, wenn daraus „Rot und Schwarz“ wird. Es klingt nun eher wie ungarische Streichermusik, so in dem Stil der Streicher die als Stehgeiger die Touristen nerven.

Selbst Rapp ist nicht vor Covern geschützt aus „Funky Cold Medina “ wird „Funky Cold Medina„, nicht mal ganz so schlecht und aus „Pump up the Jam“ wird „Pump auf das Bier„. angepasst an die Zielgruppe mit über 1 Promille. Immerhin: Rapp ist schon so künstlerisch weit unten angesiedelt dass man nicht mehr viel kaputtmachen kann. (Hip Hop, das ist ja inzwischen vom Bundesverfassungsgericht abgesegnet ist eine Musikrichtung die vom Klauen von Riffs lebt. Also Copy & Paste ist ein neuer Stil. Passt gut zu diesem Jahrtausend …. So gesehen produziert Eugen Reichl Hip-Hop Bücher….

Wenn man schon Heavy Metall und Rock weichspülen kann, dann sind Musikrichtungen die schlagernah sind relativ schutzlos. Das bekannteste Cover ist das des Country Titels: „Let your love flow “ von den Bellamy Brothers performt – na von wem wohl? Jürgen Drews „Ein Bett im Kornfeld„. Sein größter Hit ein Cover, ich wäre deprimiert wenn ich in 40 Jahren nicht mit eigenen Texten Erfolg haben kann….

Vor nichts macht der Schlager halt. Progressive Musik von Emerson Lake & Palmer? Kein Problem auch das bekommen sie klein „Kein Wort zuviel“ wird aus „Don’t Answer me“

Manchmal möchte man aber auch die deutsche Übersetzung eines englischen Textes nicht wissen. Einer der ersten Titel der Scorpions war „Fuchs geh voran“ – okay fasst 1:1 von „Fox on the run“ übersetzt. Die Musik ist auch die gleiche, doch Sweet singen um Klassen besser.

Schlagermusiker bringen es fertig selbst Lieder, bei denen man nun wirklich nicht viel Text hat, und den man wirklich gut 1:1 übersetzen könnt,e zu ruinieren. So die Coverversion von „Whot“ von Willem „Wat?

Klappen tut das eigentlich nur wenn das Original schon so was wie Schlager ist so. der Cover von „The Boxer“ von Simon & Garfunkel von Hoffmann & Hoffman „Der Boxer“ oder Juliane Werdings Cover von „The Night They Drove Old Dixie Down“.  Es ist anders andere Schlager auch rhythmischer und vom Text für die damalige Zeit enorm progressiv. Ihr kennt den Song alle: „Am Tag als Conny Kramer starb„.

Ganz beliebt ist Abba bei den Covern. Selbst wie Werbung macht aus „Move on“ einen Werbesong für Gard „Schönes Haar ist die gegeben„. Aus „SOS“ wird „Bring me Edelweis„. „Waterloo“ wird über Gloria von Laure Brennegan zu „Erna kommt“ bei der man dann schon genau auf den Rhythmus hören muss um zu erkennen das man nur den Refrain von Waterloo die ganze Zeit hört. Das Lied hat übrigens zwei Väter, Hugo Egon Balder der inzwischen als Moderator arbeitet und Wolfgang Lippert, der die erste Coverversion machte und sich auch für einen Moderator hält. Gute Schlagersänger waren sie beiden nicht.

Die ungekrönten Cover-Verwerter sind aber die Les Humphrey Singers wobei Les Humphrey es gelang immer nur einzelne Takte zu entnehmen und so zu kombinieren das was neues herauskam (auf den Alben finden sich aber dennoch viele 1:1 Covern neben den „eigenen“ Hits“. Mama Loo beginnt z.B. wie B Babara Ann von den Beach Boys. Hier hat Jürgen Drews auch gelernt zu covern, er war ja lange Jahre in der Band.

So nun zum interaktiven Teil des Blogs: Was sind heute Vorschläge von guten deutschen Covern und schlechten? Hier mein Tipp:

Gut: Am Tag als Conny Kramer starb

Schlecht: „Rot und Schwarz“

3 thoughts on “Doch aus den Joints, da wurden Trips

  1. Mir fällt grad kein deutsches Cover ein, aber was derzeit rauf- und runtergespielt wird ist das unsägliche Cover von „sound of silence“. wurgs.
    Zum Gluck spinnt mein Radio in der Werkstatt grade, da bleibt mir das erspart 🙂

    Achso, und zum Punkt „ich wäre deprimiert wenn ich in 40 Jahren nicht mit eigenen Texten Erfolg haben kann….“
    Sehr viele „Stars“ lassen ja schreiben. Selbst Elton John….

  2. Na ja das ist ja eine ganz andere Dimension. Tina Turner singt auch nur und ist keine Komponistin oder Songschreiberin. Aber wenn man sich auf den erfolgreichen Titel eines anderen draufhängt ist das für mich eine andere Sache, zumal bei populärer Musik ja der Text nicht der Melodie folgt. Kirchenlieder oder allgemeines Gesangsgut sind da viel schwieriger zu singen. Man merkt das recht deutlich wenn man nur die Gesangsaufnahme ohne Melodie hört. Wenn man den Text nicht kennt muss man oft raten was für ein Lied das sein könnte. Um so erstaunlicher das bei diesen „Ich such den nächsten Superstar“ Shows die Kandidaten meist versuchen das Original in der gleichen Betonung nachzusingen.

  3. Bino hat „Mama Leone“ auf italienisch und deutsch veröffentlicht und die deutsche Version ist die hierzulande weitaus bekanntere – auch vielleicht weil es der Originalsänger ist.

    Dazu auch noch mein Senf:

    Was passiert, wenn man in Wein zu erst Jauche kippt und danach noch die nötigen Promille hineinschüttet (Oder Ohropax in diesem Fall)?

    Genau: „Seit ich hier wohne..“ von Mike Krüger
    Entweder man nimmt es mit Humor, oder man greift sich eine Axt
    und…. ende Radio (Cassettenplayer etch..)

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