50 Jahre Sgt. Pepper (Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band)

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Etwas, spät, das Album Sgt. Pepper erschien in England schon am 26.5 und in Deutschland am 30.5 aber immerhin noch rechtzeitig zum Verkaufsstart in den USA (1.6) heute meine Würdigung der wohl bekanntesten Beatlesplatte.

Was kann man über Sgt. Pepper, Kurzform von Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band sagen? Es wurde schon so viel geschrieben und jeder Song einzeln analysiert. Es ist wohl das bekannteste Beatles Album und gilt auch als das Beste. Als vor vielen Jahren mal ein Musikmagazin durch Leserumfrage die beliebtesten Langspielplatten aller Zeiten bestimmte, landete das Album auf Platz 1. Ich persönlich halte das weiße Album von den Beatles für noch etwas besser. Die Lieder sind dort noch breiter gefächert sowohl in Tempo und Stimmung wie auch musikalischer Gestaltung, aber der Vergleich hinkt: Das weiße Album ist eine Doppel-LP.

Sgt. Pepper entstand, als die Beatles nach einer Tourneetour beschlossen, nicht mehr life aufzutreten. Das war zum einen sehr anstrengend, vor allem aber gab es eine solche Beatlemannia das die Stadien (Konzerthallen waren längst zu klein) voller kreischender (weiblicher) Teenager waren und die Fab Four stelleweise selbst nicht mehr ihr eigenes Wort vor lauter Gekreische verstanden. Wenn ich den Anspruch habe meine Musik in einem Konzert den Zuhörern/Zuschauern nahebringen will und das ist dann nicht möglich bzw. es geht gar nicht mehr um die Musik, sondern nur das Begaffen, dann würde ich auch kein Life-Konzert mehr machen.

Das ebnete den Weg zu mehr musikalischen Möglichkeiten. Schon vorher hatten die Beatles im Revolver Instrumente eingesetzt, die nicht typisch für Rockmusik waren. Vor allem indische Instrumente wie die Sitar in „Tomorrow never knows“ und „love you too“ aber auch Streicher wie in „Eleanor Rigby“. Sgt. Pepper sollte ein Konzeptalbum werden, bei dem alle Lieder sich um ein Thema drehen und teilweise auch ineinander übergehen. Das Thema war der Jahrmarkt und tatsächlich erinnern einige Lieder atmosphärisch daran. Wie „Beeing for the benefit of Mr. Kite“ oder „When im sixty-four“. Das ist recht gut gelungen. Ich denke, warum das Album auch heute noch hörenswwert ist, ist die musikalische Vielfalt von traurigen Balladen „Shes leaving Home“ bis zu reinem Rock „Sgt. Peppers (Reprise)“. Vom Stimmungslied „Good Morning“ bis zu psychedelischen Texten „Lucy in the Sky with Diamands“. Vor allem wirkt es nicht alt. Viele alte Beatles platten haben den Musikstil der frühen 60 er. Kann man hören, wirkt aber schnell langweilig und altbacken und etwas unfiform. Sgt Pepper wirkt heute noch frisch, modern. Das unterscheidet sie von den meisten anderen Produktionen. Auch von dem Album Pet Sounds, das nach Paul McCartnes Aussage die musikalische Inspiration für das Album war. Kleines Detail am Rande: „Good Morning“ habe ich zuerst in der Kellogswerbung gehört. Ich dachte zuerst „Oh haben die Beatles auch einen Werbesong für Kellogs geschrieben?“ In der Tat passt das Leid 100% zu der Stimmung die der Spot hatte (Frühstück im Sommer im Freien, einfach ein schöner, warmer Morgen in heller Sonne, ohne das es heiß ist).

Es war unmöglich die Lieder life zu spielen. Dazu wurde zu viel verwendet. In Zeiten mit 8-Spur-Tonbändern wurde auch die Studiotechnik bis zum Letzten ausgereizt. Es mussten etliche Geräusche eingefügt werden so Tiere bei „Good Morning“ dazu kamen ungewöhnliche Instrumente wie die Orgel bei Being for the Benefit of Mr. Kite“. Nicht zu vergessen das ganze Orchester bei „A day in the life“. Doch selbst mit 40 Musikern bekam man den Sound nicht hin, weshalb man das Band auf drei weitere Spuren kopierte und so ein Orchester mit 160 Instrumenten simulierte. Das trägt auch zur Vielfalt bei. Die Beatles haben erfolgreich demonstriert, dass man klassische Instrumente mit Rock verheiraten kann. Das wurde später zum Erfolgsrezept von Elo und heute läuft es umgekehrt: klassische Orchester interpretieren Rock. Das klappt gut, wenn es Lieder sind, die auch orchestrale Elemente haben. Reine Rockmusik aus Gitarren und Schlagzeug geht aber schlecht. Als ich mal eine Version von „We will Rock you“ vom Royal Symphony Orchestra hörte, habe ich die kaum wiedererkannt. Bis heute gefallen mir Lieder mit orchestralen Elementen. Auf Sgt Pepper vor allem „A day in the life“, wo ein Orchester zweimal richtig ausflippt, eigentlich nur getoppt von „Music“ von John Miles. ELO machte solche Musik aber auch wenn man sich viele Disco-Titel anhört, z.B. von KC & the Sunshine Band, Kool and the Gang oder Earth Wind and fire oder die Videos ansieht dann merkt man, wie viele Instrumente da drin sind und sie zusammen prägen den Sound. Was die Beatles wohl gemacht hätten, wenn sie Bläser gehabt hätten, die da spielen? Deren Spielweise weicht doch sehr von einem klassischen Posaunenchor ab.

Schon das Cover von Sgt. Pepper war toll, die Beatles in Fantasieuniformen (Vorläufer dessen, was in den Siebzigern jede Band hatte) mitten unter einer Collage von Promis und ihren Wachsfiguren aus Madame Tusseaud. Auf der Rückseite gab es die ganzen Texte zu lesen, was damals auch außergewöhnlich war und es dem FBI leichter machte die Lieder auf verborgene Botschaften zu durchleuchten (das FBI hat das tatsächlich bei einigen Liedern gemacht so z.B. bei Louie Louie von den Kingsman). Die „Holes in Baclburn, Lancasheire“ habe ich übrigens jahrelang falsch verstanden. Als jemand in Sichtweite der schwäbischen Alb dachte ich, sind „Holes“ Höhlen, die sind auch makroskopisch so groß, das man mit einigen die Royal Albert Hall füllen könnte. Aber es sind Schlaglöcher, also echte Holes. Als ich mir überlegte, wie ich diesen Blog schreibe, kam mir eine Idee – so was könnte man ernsthaft aufziehen. Eine Webseite die Löcher zählt. Eine Eingabemaske für Ort, Straße und Hausnummer und geschätzte Größe. Die Daten in eine SQL-Datenbank gespeichert und bald kann man bei genügend Beteilligung ausrechnen, wie viele Schlaglöcher man braucht, um den Reichstag zu füllen, bzw. ermitteln, wo der Straßenzustand am schlechtesten ist. Wenn ich nicht sowieso genügend zu tun hätte (einen Programmierauftrag erledigen, mehrere Bücher fertigschreiben, Website und ein paar eigene Programmierauftritte habe ich auch noch), ich würde es glatt machen, denn mich als Fahrradfahrer ärgern Schlaglöcher besonders. Anders als bei Autos gibt es die reale Gefahr eines Platten und zumindest dreckig wird man, wenn es geregnet hat.

Zwei meiner Lieblingslieder der Beatles sind auf dem Album. Das eine ist „With a little help form my friends“. Es hat einen tröstenden Text und ist leicht mitzusingen. Wer mal bei Karaoke mitmachen muss, der ist gut beraten Beatles-Lieder zu nehmen, die für Ringo komponiert wurden. Er hat wie er selbst sagt eine begrenzten Stimmumfang und das wurde berücksichtigt. Also eher so was wie „With a little Help form my friends“ oder „Yellow Submarine“ singen. Gerade deswegen wurde das Lied auch zum ersten Erfolg für viele nicht so begnadete Sänger, der bekannteste ist wohl Joe Cocker. Das John und Paul auch Lieder für den Schlagzeuger komponierten, auf jedem Album mindestens eins finde ich auch außergewöhnlich. Sonst gibt es in eienr Gruppe meist nur einen Leadsänger.

Das zweite ist „A day in the life“, gerade wegen der orchestralen Elemente, dem Bruch in der Mitte (die mittlere Strophe stammt aus einer Komposition von Paul die nie zu einem ganzen Lied wurde), dem „Aaaaah -aaah“ das im Kopfhörer einmal um den ganzen Kopf herum geht und natürlich dem Ausflippen inklusive ausklingen des Piano. Man kann das Ende übrigens gut als Kopfhörertest nutzen: Erst als ich mir mal einen teureren Leichtkopfhöhrer leistete, konnte ich den 16 kHz Ton ganz am Schluss, der angeblich Hunde aufwecken soll, auch wirklich hören.

Für heutige Verhältnisse waren die Beatles enorm produktiv: Das war ihr zehntes Album in 6 Jahren. Heute kommen bei vielen Gruppen nur alle paar Jahre neue Alben heraus. Michael Jackson war Weltmeister im Ausnutzen – er hat von seinen Alben fast jedes Lied im Dreimonatsabstand als Single ausgekoppelt. Auch das gab es bei den Beatles noch nicht.

Zum Schluss wieder ein Musiktipp, diesmal aber nicht von den Beatles, sondern ein frühes Disco-Stück: Shame Shame Shame von Shirley Goodman. Ich schaue selten Musikvideos, aber als ich das zu diesem Lied gehörende sah, war ich doch erstaunt. Im Lied geht es um eine Frau, die gerne tanzt und es gibt die Zeile „If you really think you’re fast Try to catch me if you can“. Dazu eine wirklich rhythmische Disco Musik. Die Stimme ist relativ hell. Okay, woran denke ich dann? An eine Gruppe, die viel tanzt mit einer schlanken jungen Sängerin. Schaut man sich das Video an, so ist Shirley schon etwas älter und ziemlich gut im Futter und bewegt sich kaum. Dei erwischt selbst meine Oma noch. Der Mann darf sich wohl nicht bewegen und passt noch weniger zum Playback.

Es gibt noch eine zweite Version, diesmal life, komischerweise mit einem anderen Mann, der aber sich mehr Bewegungen traut, aber auch nicht richtig tanzen darf, sonst würde Shirleys „Stil“ wohl auffallen. Kurzum: Text und Interpret, das ist ein Gegensatz, der größer nicht sein könnte.

Morgen widme ich mich wieder einem physikalischen Problem, diesmal in welcher Höhe man Sonnensegel entfalten kann.

Erste Version:

https://www.youtube.com/watch?v=VEJnK8nvlk4

Zweite Version (life)

https://www.youtube.com/watch?v=g8DrfjqiYrY

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