Vor dem 12-ten Testflug des Starships

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Während ich für den Artikel recherchiere, gibt es noch keinen Starttermin für das erste Starship V3, der Start wurde mehrfach von März bis Mai verschoben. SpaceX kündet immer kurzfristig an, sodass sich das mit dem Schreiben des Blogs überlappen kann.

Es ist klar, das mit V3 vieles besser werden muss. Schauen wir mal auf die bisherigen 11 Starts des Starships von 2023 bis 2026, also in drei Jahren:

  • Das Starship durchlief zwei Versionen wobei beim Übergang von V1 zu 02 es wieder zu den spektakulären Fehlstarts kam
  • Im Testprogramm gibt es keine Fortschritte – nach wie vor wird nur eine suborbitale Bahn durchflogen, keine echte Nutzlast mitgeführt oder das Starship selbst geborgen.
  • Die Nutzlast ist weit unter den früher publizierten Zahlen, die schon für die erste Version 100 t Nutzlast versprachen – erreicht wurden 15 t bei V1 und 35 t bei V2.
  • Nach wie vor fallen bei der SuperHeavy immer noch Triebwerke aus, was selbst, wenn man die große Zahl an Triebwerken berücksichtigt, sehr außergewöhnlich ist und bei einem Vehikel das ja mal praktisch ohne Überprüfung nach kurzer Zeit wieder starten soll, doch nicht vorkommen sollte.

Dazu kommen Vorfälle, die jetzt gar nichts mit den Starts zu tun haben wie im letzten Jahr zwei Bodenexplosionen bei einem Starship und dem Booster für den 12-ten Testflug. Die kann man sicher nicht auf das so beschworene „iterative Testen“ schieben.

Aber das V3 soll ja alles besser machen. Es wird:

  • 100 t Nutzlast haben
  • Raptor 3 Triebwerke haben. Diese Wunder der Technik sind leichter als Raptor 2, trotzdem schubstärker und zuverlässiger. (nach SpaceX)
  • 400 t mehr Treibstoff im Booster und 100 t im Schiff mitführen.
  • Verlängert wird es nur um 1,3 m.

Man hat schon beim Übergang von V1 zu V2 die Tanks etwas verlängert. Das wird nun fortgesetzt. Warum man allerdings dann das V3 als Zwischenschritt einschiebt, durch den höheren Schub (9240 t beim Booster anstatt 7130 t und 1600 t anstatt 1200 t beim Schiff) hätte man durchaus mehr tun können und sich so auch mehr V4 nähern können. Diese zögerliche Vorgehensweise steht im Gegensatz zu den ambitionierten Plänen, mich würde nicht wundern wenn man nochmals eine Zwischenversion einschiebt – 2024 war das V3 ja die letzte, endgültige Version, dies ist nun V4.

Eine Analyse

Beim Übergang von V1 zu V2 wo ja schon an Gewicht eingespart wurde, war es plötzlich so, dass nichts mehr funktionierte. Vorher brauchten die Raptoren des Starship keinen Mantel, der der die Nachbartriebwerke vor Explosionen schützte, nach dem 7. und 8. Testflug erhielten diese den Schutz. Dabei waren da die Änderungen viel geringer. Vor allem wurden noch die gleichen Triebwerke wie beim V1 eingesetzt. Von denen sind jetzt bei 11 Starts 396 geflogen. Das sollte doch reichen alle Fehler zu finden, so viele Flugeinsätze erreichen viele Raketen mit nur einem oder zwei Triebwerken nicht mal im Laufe ihrer ganzen Einsatzgeschichte. Meiner Erfahrung nach dürfte sich das wiederholen, was wir beim ersten Testflug sahen. Denn auch die Raptor 2 funktionierten ja gut bei den Bodentests. Da sahen die Raptor 3 bisher nicht gut aus. Viele Tests wurden vorzeitig abgebrochen, was bei einem Flug einen Triebwerksausfall bedeutet und im April 2026 wurde eines zerstört und das, obwohl das Triebwerk schon letztes Jahr als einsatzbereit erklärt wurde. (Warum testet man ein schon einsatzbereites Triebwerk weiter?).

Mehr Nutzlast erhält man vor allem durch mehr Treibstoff. Nach den physikalischen Grundlagen nimmt die Gesamtmasse in den Orbit durch mehr Treibstoff linear zu, also bei 10,5 % mehr Treibstoff ist es erstaunlich, dass die Nutzlast um fast 300 % steigen soll. Gut, verlängere ich die Tanks so wird man immer überproportional mehr Nutzlast erreichen, die ja nur ein Teil der Gesamtmasse im Orbit ist. Die Raptor 3 sollen ja leichter sein, das spart etwas aber nicht viel ein, die Tankdome bleiben gleich lang, ebenso die Nutzlastverkleidung die ziemlich massiv ist. Ebenso wird auch der Hitzeschutzschild nur um 1,3 m länger werden. All das erhöht die Gesamtmasse des Starships nur wenig, während die Summe der Masse eben um rund 11 % ansteigt. Aber das wird nicht 65 t mehr Nutzlast bringen. Ich schätze das V4 auf deutlich mehr Nutzlast als V2 aber deutlich unter 100 t ein. Schon V2 sollte ja die 100 t erreichen aber die eingesparten Massen führten dann eben zu den Fehlstarts, sodass man wieder zurückrudern musste. Auch SpaceX dürfte keine freute an einem Starship haben das keine Nutzlast aussetzen kann und seit Jahren nur suborbitale Tests durchführt. Damit verdient man kein Geld.

Ich bin wirklich gespannt wie das weitergeht. Meine grundlegende Kritik bleibt: Es ist im Prinzip die gleiche Problematik wie beim Space Shuttle, ja das Starship ist sogar in einer schlechteren Ausgangssituation: Man spart bei einem wiederverwendbaren Raumfahrzeug kosten, aber es ist um ein Vielfaches größer und schwerer als eine unbemannte Rakete mit derselben Nutzlast ist also auch teurer in der Herstellung. Nur wenn man die operativen Kosten stark senken kann geht die Rechnung auf und beim Starship ist der firmeninterne Vergleich ja die Falcon 9 von der nur noch die Oberstufe mit einem von 10 Triebwerken verloren geht.

Derweil absolviert der erste Mondlander von Blue Origin, der noch unbemannt starten soll die Tests in NASAs Vakuumkammer, obwohl die Firma erst zwei Jahre nach SpaceX den Auftrag bekommen hat, einen zweiten Mondlander zu entwickeln. Ich schätze – weil es bei beiden Firmen ja erst Nachrichten gibt, wenn etwas unmittelbar bevorsteht, ist die Beurteilung schwierig – Blue Origin derzeit weiter vorne ein. Sie haben eine einsatzfähige New Glenn. Klar es gab Probleme beim letzten Start. Die Wiederzündung der Oberstufe scheiterte, aber dafür wurde die Erststufe beim zweiten Versuch gelandet. SpaceX brauchte für diese Leistung bei der Falcon 9 viel länger und viel mehr Versuche, was schon damals die Grenzen des SpaceX-Konzepts zeigte. Das Oberstufenproblem kann profane Ursachen haben und schnell gelöst sein. Erinnern wir uns beim Ariane 6 Erststart scheiterte auch die Wiederzündung der Oberstufe, mittlerweile befördert sie in immer schnellerer Reihenfolge Satelliten, der nächste wird schon der erste Start der Version mit größeren Boostern und nochmals höherer Nutzlast sein.

Klar, beide Firmen brauchen Tankflüge um den Mond zu Erreichen, aber es ist ein Unterschied ob dies 1-2 oder 10-20 Starts sind und der Blue Moon Lander ist ein für die Landung auf dem Mond ausgelegtes Gefährt, während das Starship nur modifiziert dafür ist. Was für Auswirkungen schon kleine Veränderungen beim Starship haben wissen wir ja. Dabei ist es ja noch nicht mal auf der Erde gelandet. Bei den Flügen in 10 km Höhe scheiterte die Landung oft, da brachen Beine weg oder es kippte um.

Meiner Ansicht nach wird Blue Origin das Rennen machen. Jaredmann sagte ja das wenn nur ein Mondlander einsatzbereit ist dieser sowohl für die Tests im Erdorbit (Artemis III), wie auch für die Mondlandung (Artemis IV) genutzt wird. Wenn es zwei sind, wird einer für die Landung und der andere für Erdorbittests (meiner Ansicht nach sinnfrei, denn der zweite Lander ist dann ja wieder nicht durch eine Besatzung getestet) genutzt. SpaceX muss es nicht jucken, im Gegenteil: sie haben ja schon zwei Drittel des Gesamtbudgets (2,65 Mrd. Dollar) erhalten ohne je ein Lunar Starship gebaut zu haben oder einen Tankflug durchgeführt zu haben. Für die restlichen 1,35 Mrd. Dollar müssten sie einen unbemannten Mondflug und zwei bemannte durchführen und dies bei nach NASA-Schätzung 10-20 Tankflügen pro Flug. Also 2,65 Mrd. Dollar für nichts und 1,35 weitere für 30-60 Flüge und Entwicklungskosten für ein Lunar Starship, ich würde mich mit den 2,65 Mrd. begnügen die ich schon für wenig Aufwand bekommen habe.

SpaceX hat auch angekündigt, dass nun die Zahl der Falcon 9 Starts sinkt. Gwen Shotwell meint dieses Jahr sind es noch 140 bis 145. Ich überlegte kurz, ob dies ein Indiz ist, dass das Starship endlich mal mit operationellen Flügen beginnt. Angekündigt sind ja keine. Aber nein die Antwort ist profaner. SpaceX darf nach den FCC Genehmigungen 7.500 Generation II Starlink Satelliten, insgesamt eine Konstellation von 15.000 Satelliten aufbauen (es sind nur 3.000 Satelliten mehr als vorher genehmigt, weil ein Teil der neuen Satelliten die alte Generation 1 ersetzt). Derzeit sind nach McDowell 11.955 Satelliten gestartet, 10.374 im Orbit und 8.634 operativ (andere verändern den Orbit oder werden deorbitiert). Sie erreichen also bald die 12.000 Satelliten Ausbaugrenze und ab da müssen sie vornehmlich alte Satelliten ersetzen, die in der Anfangszeit gestartet wurden und damals eben nicht 100-mal pro Jahr sprich sie brauchen weniger Starts. Gut für Starlink, schlecht für das Starship. Denn außer den Mondmissionen waren die internen Starlink Starts die wichtigsten Nutzlasten. Ich habe noch mal für den Artikel nachgesehen – es bleibt bei zwei gebuchten Starts externer Kunden, es sind in den letzten Jahren nicht mehr geworden, das „Dear Moon“ Projekt wurde sogar wegen der Verzögerungen aufgegeben. Demgegenüber starten im selben Zeitraum neu eingeführte Raketen wie New Glenn, Ariane 6 oder Vulcan immer häufiger und sind längst im kommerziellen Einsatz. Arianespace peilt 7 Starts der Ariane 6 dieses Jahr an und ist für Jahre ausgebucht. War das nicht die Rakete die nach „Expertenansicht“ schon überholt sei, bevor sie zum ersten Mal flog?.

Starlink soll ja ausgegliedert werden und an die Börse gehen. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: wie die sinkenden Startzahlen andeuten, erreicht man nun den Endausbau. Das bedeutet man muss weniger investieren hat aber stabile Einnahmen. Das ergibt den maximalen Gewinn, in einigen Jahren wird man dann die vielen Satelliten ersetzen müssen die in den letzten Jahren so häufig gestartet wurden und die Investitionen werden wieder ansteigen. Im Web kursieren ja enorme Vorstellungen über den Börsenwert. Der Börsengang soll 75 Mrd. Dollar in SpaceX Kasse spülen. Da von einem „Wert“ von SpaceX von 1,25 bis 1,45 Billionen Dollar (in etwa so viel wie alle Dax-Konzerne zusammen) gesprochen wird und Starlink die Haupteinnahmequelle ist, dürfte nur ein kleiner Teil der Anteile verkauft werden. Wie bei Tesla, Musks anderem Unternehmen hat die Marktkapitalisierung nichts mehr mit ökonomischen Zahlen zu tun. Also wie viel Umsatz und Gewinn die Firma erwirtschaftet oder wie viel Dividende sie ausschüttet. Teslas Kurs ist stabil obwohl Umsatz und Gewinn seit Trumps Amtsantritt eingebrochen sind und sich auch nicht erholen. Dafür gibt es seitens Musk bei jeder Vorstellung von mauen Quartalszahlen neue verrückte Ideen wie KI-Rechenzentren im Orbit. Ist natürlich reiner Zufall…

Zurück zum starship. Ich würde dieses Jahr mal endlich sehen das ein Starship einen Orbit erreicht und ihm bleibt. Es mal Nutzlasten transportiert, wir mal realistsiche Angaben über die Nutzlast bekommen (also spacex-realistsiche, das heißt nur 25-33 % höher als real) und es auch mal wieder landet und wiederverwendet wird. Erst dann wir sich zeigen ob es das hält was Musk uns seit Jahrzehnten verspricht. An Tankflüge glaube ich dagegen nicht. Wozu in etwas investieren was man für die geplanten Starts nicht braucht außer eben für die Mondmission für die man schon das meiste Geld bekommen hat).

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