Der Brief der Woche an SWR1

Liebe Leute vom SWR1,

Ich schreibe euch einen Brief, damit ihr euch freut. Es ist der dritte Brief der Woche und da 3 meine Lieblingszahl ist widme ich ihn natürlich euch. Langjährige Hörer werden auch wissen, das SWR1 aus SDR3 hervorging als SWF und SDR fusionierten. So passt doch alles zusammen. Vor allem aber weil ich von euch die Idee von dem Brief der Woche übernommen habe – zugegeben in den ersten Wochen gibt es noch einen Nachholbedarf, da werden es einige mehr sein.

Doch warum schreibe ich euch einen Brief? Weil ihr der verlässlichste Sender seid, den es gibt. Ich höre nur SWR1, einen anderen Sender stelle ich nicht mal ein. Euer Motto ist „Die größten Hits aller Zeiten“. Die scheint es vor allem in den Achtzigern gegeben zu haben. Ich denke ein Großteil des Publikums ist auch in dieser Zeit groß geworden, zumindest wenn ich nach dem Alter oder anderen Angaben gehe, die man erfährt, wenn Hörer mal bei euch anrufen.

Verlässlich heißt: Wenn ihr sagt „Die größten Hits aller Zeiten“, dann auch nur wirklich die größten, nicht die zweitgrößten. Ich höre nicht so viel Radio, im Schnitt 1- 2 Stunden pro Tag, aber schon immer fiel mir auf das ich bestimmte Lieder immer wieder bei euch höre – na klar, die größten Hits aller Zeiten. Wenn es kein so gängiger Titel ist, fällt es einem auf, wenn man ihn nach einigen Tagen erneut hört. Subjektiv habe ich das Gefühl, dass wenn mein MP3-Spieler sich einen aus den rund 700 Titeln aus dem Speicher per Zufall holt, die Chance kleiner ist, einen Titel doppelt zu hören als bei SWR1.

Seit letzter Woche weiß ich es aber genau. Da war am 24. August der „Be an Angel“ day und ihr habt Hörerwünsche mit Titeln, in denen Engel vorkamen, gespielt. Natürlich auch „Angel eys“ von Wet Wet Wet. Am nächsten Tag kam der Titel erneut. Da man in 24 Stunden maximal 250 Titel spielen kann, wenn man noch Nachrichten, Redaktionelle Berichte, Moderationen und Werbung abzieht, ist das Motto schon richtig. Das sind wirklich die größten Hits aller Zeiten. Wenn ich mir diese selbst zusammenstellen wollte käme ich sicher auf über 1000.

Nur von wem sind sie die größten Hits aller Zeiten? Also vieles sind Titel die ich eher selten höre, die ich aber bei euch regelmäßig höre wie „Your so vain“ oder „Graceland“. Ich vermute sie sind die größten Hits dessen, der die Listen zusammenstellt, Jogi Rathfelder. Denn zumindest, was die Hörer als die größten Hits aller Zeiten ansehen, ermittelt ihr jedes Jahr in der Hitparade, die es seit der legendären Top 1000 XL 1989 regelmäßig gibt. Seit man die Daten übers Web erfassen kann und nicht Postkarten eintippen muss, sogar jährlich. Das Ranking der Gruppen ist relativ konstant: Beatles, Rolling Stones, Abba und Queen. Die ersten beiden sind bei den „Größen Hits aller Zeiten“ nicht so arg vertreten, liegt wohl daran, dass sie ihre Hits nicht in den Achtzigern hatten. Die relativ konstanten Top 20 hört man bei euch dagegen fast gar nicht. Weder die Dauer-Nummer 1 „Stairway to Heaven“ noch andere wie Music, oder die Dauer-Nummer 3: Child in Time. Daher denke ich es sind die größten Hits eines Mannes. Denn ich beobachte auch, das bestimmte Gruppen, die nicht so viele Hits hatten, stark vertreten sind wie die Corrs oder Roxette.

Es kann natürlich auch an eurer IT-Infrastruktur liegen. In einem Seminar von Microsoft zum Thema .NET brachte der Dozent euch als abschreckendes Beispiel, den Sender der alle Arbeitsabläufe mit Excel-Sheets organisiert. Das würde einiges erklären. Warum sich Hits nach 250 Titel wiederholen – ein Excel Sheeet hat nun mal maximal 256 Zeilen. Das das Webformular für die Hitparade so wenige Titel kennt. Jedes mal muss ich einige von Hand eintippen. Bei einer Datenbank würde das nicht vorkommen. Und das eure Musikrecherche so quälend langsam ist. Vor allem aber keine Möglichkeit bietet festzustellen wann ein Titel zum letzten Mal lief.

Ich würde euch ja gerne eine Lösung bieten die feststellt wann ein Titel zum letzten Mal lief oder noch besser das bei Liedern die nicht aktuell sind für einige Tage sperrt, als Programmierer ist das wenn man eine Datenbank hat kein großes Problem, aber Excel-Programmierung? Nein Danke!

Noch was ist verlässlich bei euch: Die Moderatoren. Sie haben feste Zeiten und es gibt Moderatoren der ersten und zweiten Klasse. Die der ersten Klasse sind die, die tagsüber ran dürfen wie Thomas Schmidt, Jenny Pollock, Stefanie Anhalt. Die anderen müssen die ungeliebten Frühmorgens und Nachtstunden moderieren. Und sie dürfen auch nie bei der Hitparade oder Events moderieren. Gibt es eigentlich eine Möglichkeit vom Zweit- zum Erstmoderator aufzusteigen? Viele eurer Moderatoren kenne ich seit Jahrzehnten und sie gehen nach und nach in Rente. Stefan Siller ist es schon, Günter Schneidewind folgte dieses Jahr, der nächste dürfte mein Lieblingsmoderator Thomas Schmidt sein. Was für Moderatoren offenbar enorm wichtig ist, ist das sie keinen Dialekt sprechen. Von den Tagesmoderatoren kommt nur Jochen Stöckle aus Baden-Württemberg. Der Rest vor allem aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Und auch Stöckle hat keinen Akzent. Anders als in Bayern. Wenn ich dort mal Urlaub mache, bemerke ich das sofort. Dort scheint man etwas stolzer auf den Dialekt zu sein als wie beim SWR. Kein Wunder das die Hörer dann die wenigen schwäbischen Rock- und Popsongs in die höheren Plätze der Hitparade wählen, wenn sie schon mal gespielt werden. Bei der letzten Hörer-Hitparade schafften es mit „Mir im Süden“ (Platz 13) und „der Hafer und Bananenblues“ (Platz 5) sogar zwei in die Top 20.

Vielleicht mal eine kleine Anregung an die norddeutschen Musikmacher die Musikmentalität der Eingeborenen etwas mehr zu berücksichtigen, auch wenn ihr die Lieder nicht versteht (das tut man ja auch nicht bei jedem fremdsprachigen Lied, weshalb ihr ja die Kategorie „Pop und Poesie“ habt in denen ihr regelmäßig Lieder eindeutscht und inzwischen sogar als Konzert vortragt.

Was habe ich noch vergessen? Ach ja zurück zum Thema Verlässlichkeit. Verlässlichkeit bedeutet Wiederholung und Redundanz. Verlässlich ist, das wenn ihr ein Konzert sponsert es schon Monate vorher angekündigt wird und dann rein zufällig natürlich vermehrt Titel des Künstlers/Gruppe gespielt werden. Redundant heißt, das man Informationen mehrmals bekommt. Ihr habt pro Woche ein „Meilensteinalbum“ von dem ihr jeden Tag einen Titel spielt und sonntags nochmals das ganze Album. Da der Abspielpunkt des Titels in den letzten Monaten immer auf den Zeitpunkt fiel, als ich vom Freibad heim radelte, bekam ich den immer mit und auch die immer gleiche Anmoderation. Nehmen wir das Erstlingsalbum von America. Ich weiß dank mehrmaliger Wiederholung immer noch das es zwischen Weihnachten und Neujahr erschien, sich schwer verkaufte und der bekannteste Titel „A horse with no name“ erst nachträglich auf die zweite Pressung kam. Das Album der letzten Woche war das erste der Gypsi Kings. Von denen weiß ich dank Redundanz das sie Franzosen sind. Damit ist ihr Titel „Volare“ (eigentlich heißt das Lied ja „Nel blu dipinto di blu“, aber bekannter ist der Refrain Volare) bisher Nummer 1 bei den kuriosen Liedern: Eine französische Gruppe, singt im spanischen Stil (mit Kastagnetten und den komischen Tönen als würde man schreien nachdem man sich mit dem Hammer auf den Daumen gehauen hat) einen italienischen Titel und hat damit in Deutschland einen Hit.

Verlässlich sind bei euch auch die Wettervorhersagen. Während andere Radios das Web bemühen habt ihr noch einen Meteorologen. Einen? Nein mindestens drei zähle ich. Verlässlich auch das ihr nicht zu den Petzen gehört die in den Verkehrsnachrichten vor Blitzern warnen. Verlässlich auch das die Nachrichten zu jeder vollen oder halben Stunde kommen und nicht wie bei der Konkurrenz 5 Minuten vor der Stunde, nur um erster zu sein. Verlässlich ist auch, das ihr es nicht nötig habt andauernd Jingles zu spielen damit jeder weiß was er hört, wie andere Sender (die offenbar nur Radios kennen die dauernd den Sender verstellen und diesen nicht anzeigen können).

Was ihr noch verbessern könnt, ist zusammen mit andern Sendern die Frequenzen bei DAB. Ich habe ein mobiles UKW/DAB Radio. Hier zuhause kann ich nur UKW benutzen, zu stark sinkt der Empfang bei DAB+ ab wenn ich die tägliche Route ins Neckartal nehme und Häuser scheinen auch sehr schlecht für den DAB Empfang zu sein. Bei meinem letzten Aufenthalt im Allgäu war das anders. Die erste Überraschung. Nachdem nach Illertissen der Empfang erst weg war bekam ich bei DAB SWR1 auf einer anderen Frequenz. Und im Allgäu trotz Bergen und hügeliger Gegend war das DAB-Empfang immer gut, selbst im Zug (und das sogar in Tunneln). Am Empfang könnt ihr nichts machen, der geografisch bedingt, aber bei einem neuen System sollte man es doch hinbekommen das ein Sender immer die gleiche Frequenz hat und man nicht alle 100 km den Sender neu suchen muss oder?

In dem Sinne, macht weiter so.

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