Der Brief der Woche an Elon Musk

Lieber Elon, ich schreibe Dir einen Brief, damit Du dich freust. Ich muss gestehen, ich habe lange ein Problem mit Dir gehabt. So ziemlich alles was Du gemacht hast ergab für mich keinen Sinn. Das fing an mit den dauernden Ankündigungen. Meist verbunden mit völlig irrealen, kurzfristigen Zeitplänen oder wenn Summen genant wurden, dann waren sie enorm niedrig. Marspläne einer Firma mit nicht mal Tausend Mitarbeiter, wenn die NASA mit Milliardenbudget es nicht hinbekommt. Vor allem: eine Firma soll doch Gewinn machen, nicht Projekte umsetzen, die nur Geld kosten. Das erschien mir irgendwie paradox. Und in der Tat kann man mehr Projekte von Dir aufzählen, die nie umgesetzt wurden, als welche die dies wurden.

Das betrifft ja nicht nur SpaceX. Auch sonst bist Du untriebig. Hyperloop, die Boring Company seien genannt, von den „richtigen“ großen Firmen wie SpaceX, Tesla und Solar World gar nicht erst zu reden. Andere CEO haben kaum genügend Zeit eine Firma zu managen. Du machst das parallel bei mehreren und hast nebenher noch Zeit ein Mini-Uboot für Rettungsaktionen zu konstruieren.

Vor allem verwundert, dass Du so viel öffentlich machst. Bei anderen Firmen gibt es knappe Presseerklärungen, meist erst wenn etwas fast schon fertig ist. Bei SpaceX Tweets vom CEO lange bevor man angefangen hat an etwas zu arbeiten. Woanders kennt man meist auch nicht den CEO, oder wer kennt den Chef von Boeing oder Lookheed Martin? Ich habe lange Zeit gedacht, Du bist mediengeil und möchtest dauernd in den Medien vertreten sein. Denn wie heißt es auch: Lieber eine schlechte Schlagzeile, als gar keine Schlagzeile. Wenns keine mehr gibt, dann muss man eben beim Interview einen Joint rauchen und einen Whiskey kippen.

Doch seit deinem Tweet, Tesla zu privatisieren hat es bei mir „Bing“ gemacht. Denn wirtschaftlich macht es keinen Sinn: Tesla hat noch nie Gewinn gemacht, im Gegenteil die Verluste steigen immer weiter an. Es gibt Berichte über Produktionsschwierigkeiten und der Börsenkurs ist in einem Jahr von 322 Euro auf ein Tief von minimal 208 Euro gesunken. Warum sollten Anleger ein Paper, das sie frei an der Börse handeln können, eintauschen gegen eine Beteiligung an einer Gesellschaft, bei der diese den Gegenwert festlegt?

Aber dein Tweet hat den Kurs kurzzeitig um 10 Prozent ansteigen lassen und deswegen ermittelt inzwischen auch die Börsenaufsicht. Wie bei vorherigen Ankündigungen verlief das Ganze danach im Sande. Doch darum ging es nicht. Es ging nie darum, die Firma von der Börse zu nehmen. Es ging darum den Kurs zu steigern, denn dann ist dein Anteil mehr wert. Dann kann man wieder einen Teil verkaufen und macht Millionengewinne im zweistelligen Bereich. Bei Tesla hat es sich gelohnt. Die Firma startete mit einem Kurs von 14,2 Euro ist selbst nach den Verlusten in den letzten Monaten noch 17-mal mehr wert. Du dürftest einen großen Anteil der Firma gehalten haben und hast Dich sicher vom Rest den Du noch hast bei dem hohen Kurs etwas verkauft.

Seit Trump aber von „Alternativen Fakten“ spricht, sehe ich klarer. Trump ist 2017 drauf gekommen, Du hast das schon 2005 getan. Es sollte nicht alternative Fakten, sondern „Elon-Wahrheiten“ heißen. Oder im Deutschen: Aussagen mit Verfallsdatum. Heute lieferst Du wieder eine Steilvorlage. Vor zwei Jahren kündest Du eine Mondumrundung mit der Dragon und Falcon Heavy zum Ende dieses Jahres an. Der Zeitpunkt ist gekommen, die Falcon Heavy inzwischen auch geflogen. Also es kann losgehen. Nun wird revidiert und nun gibt es die Mondumrundung mit der BFR, die natürlich erst entwickelt werden muss. Das erinnert mich an einen Spruch, der im Büro unseres gemeinsamen Vorbildes Dagobert Duck hängt: „Geld verleihe ich heute nicht, aber morgen“.

Ein Blick in deine Biografie zeigt, wie Du Geschäfte machst. Du gründest Firmen und verkaufst sie mit Gewinn weiter. S geht nicht darum mit der Firma Gewinn zu machen, sondern ihren Marktwert zu maximieren Das ging mit den ersten beiden die im Computerbusiness angesiedelt waren schnell, das Geschäft ist da kurzlebiger. Bei Tesla und SpaceX musstest Du mehr Standvermögen zeigen, doch es lohnt sich. In den Bereichen kann man mehr verdienen als im Softwarebereich – zumindest solange man nicht genial ist, und so was wie Whatsapp erfindet. Tesla hat nun einen Börsenwert von 50 Milliarden, dein Anteil hat einen Wert von 13 Milliarden. Vor einigen Wochen waren es noch 4 Milliarden mehr. Früher hast Du deine Firmen verkauft, heute verkaufst Du deine Anteile an der Börse. Gewinn machst Du immer, weil Du es beherrschst, den Firmenwert / Aktienkurs zu manipulieren. Denn nur dazu dienen die vielen Ankündigungen.

Tesla soll in 10 Jahren 1 Billion Dollar wert sein – mehr als 2017 die gesamte Automobilindustrie wert ist. Wenn SpaceX es sich leisten, kann nach deinen Angaben 5 Milliarden in die Entwicklung der BFR zu buttern, dann muss die Firma enorm viel Geld übrig haben. Entsprechend wird der Firmenwert von SpaceX auf 21 bis 25 Milliarden Dollar geschätzt – mit Wirtschaft hat das nichts zu tun, denn addiert man sowohl die schon erhaltenen Aufträge wie auch die angekündigten Starts, so kommt man auf jeweils etwa 7-8 Milliarden Dollar. Wie kann eine Firma das Vielfache ihres Gesamtumsatzes seit Firmengründung wert sein, zumal dem ja auch Ausgaben entgegenstehen. Du hast die Gesetze der Wirtschaft verinnerlicht. Der Firmenwert ist nicht der Wert, den eine Firma in Form von Anlagen und Maschinen hat, oder der zu erwartende Gewinn in den nächsten Jahren. Der Firmenwert ist, der den die Leute bereit sind zu zahlen. Entweder Investoren oder eben Aktionäre. Wenns mal nicht klappt wie bei Solar World, dann kauft eine deiner Firmen eben die andere auf. Bei SpaceX gibt es ja dann noch die Regierung, die einspringt, wenn deine Firma eine wichtige Bedeutung für das DoD hat. Nicht umsonst tust Du alles, um Aufträge des Militärs zu bekommen.

Ich hoffe Dein Konzept geht weiter auf. Nach über zehn Jahren glauben die Leute ja immer noch an deine Ankündigungen. Da sind keine Probleme zu erwarten, wenn Du es nicht übertreibst. Ich befürchte nur, wenn Trump so weitermacht könnten die Leute drauf kommen auch die Aussagen anderer zu überprüfen und das wäre nicht so gut.

In jedem falle hast Du schon Milliarden mit Tesla verdient, indem Du Anteile verkauft hast. Ich denke bei SpaceX wirst Du auch Anteile zu einem guten Preis verkauft haben. Selbst wenn nun beide Unternehmen den Bach heruntergehen, es hat sich für dich gelohnt.

23 thoughts on “Der Brief der Woche an Elon Musk

  1. Auch wenn dieser bei Beitrag bei Münchhausen gelistet, ist das, was du hier gelistet hast, mehr und mehr ein allgemeines Problem von Silicon Valley.

    Das sagt auch Jim Chanos, welcher ja seit mehreren Jahren Musk und Tesla scharf kritisiert hat.

    Vor einiger Zeit wurde übrigens via Twitter ein etwas seltsamer Vergleich gemacht…….

    https://www.newstatesman.com/politics/media/2018/07/silicon-valley-like-soviet-union-twitter-thread-viral

    ……welcher bei genauer Überlegung nicht mehr so abwegig ist, wie man glaubt.

    Stichwort: Theranos

  2. Der Beitrag ist unter „Münchhausens Kolumne“ gelistet weil er schlicht Humbug ist.

    Es gibt keine Quellen die belegen das Musk jemals seine Tesla-Anteile verkauft hat.
    Im Gegenteil, er hat seine Anteile in den vergangen Jahren sogar geringfügig erhöht.

  3. Brilliante und eben nüchterne Analyse eines Bernd Leitenbergers zum Thema. Gut das ein Bernd Leitenberger Produzenten heisser Luft mit Fakten gegenübertritt. Bisher hat am Ende ein Bernd Leitenberger immer Recht behalten…

  4. Unterstellen von Straftaten – ganz ohne Beleg.

    Und dann noch die chuzpe haben, dem ANDEREN einen alternative Fakten vorzuwerfen.

    Chapeau! Mister Leitenberger..

      1. Yep, soviel zum Thema „Shortburn of the Century“.

        Ganz im Gegenteil, die Lehrverkäufer sehen sich nun erst recht bestätigt. (Für die Musk Jünger sind sie natürlich die Bösen.)

        Falls es aber zum einem Schuldspruch kommt, wirds es eng für ihn. Er darf dann womöglich für einen gewissen Zeitraum kein großes Unternehmen mehr leiten bzw. muß im schlimmsten Fall sogar in Gefängnis.

        Die Mars Pläne sind sowieso inzwischen mehr als wackelig. Aus Starlink wird möglicherweise nichts mehr und Shotwell meint inzwischen, dass sie mittels BFR und „Weltraumtourismus“ ihr Geld machen werden. Und einen Börsengang können sie wahrscheinlich vergessen.

          1. Aber „nur“ vom Vorsitz des Verwaltungsrats, er bleibt aber der Vorstandsscheffe. Wobei ich mich schon wundere, dass die selbe Person sowohl CEO, als auch der Vorstand des Verwaltungsrats sein darf.
            Man hat aber wohl auch seinen Twitter-Account an die kurze Leine gelegt – er darf jetzt wohl nicht mehr wild drauf los twittern, was ihn so gerade tolles einfällt, ohne ein solides „Du Du Du“ zu kassieren 😮
            Btw. Verbrecher ist er deswegen auch noch nicht, denn er wurde ja nun nicht in einem Strafprozess verurteilt – gefühlt mag das anders sein, aber da hätte ich noch eine Liste, mit der ich, würde ich die Namen darauf in einer 12-Punkt-Schrift ausdrucken, meine Wohnung tapezieren könnte 😉

          2. Die Musk Jünger sehen ja die Meldung lustigerweise als „Sieg Musks“ und dass die SEC vor ihm „eingeknickt“ sei.

            Tja, alternative Fakten.

            Aber aus dem Schneider ist er laut diesem Bericht tatsächlich noch nicht.

            https://www.cnbc.com/2018/09/28/sec-fraud-charges-arent-the-only-legal-woes-tesla-ceo-elon-musk-faces.html

            Und ein anderer Bericht von CNBC zieht einen Vergleich zu Elizabeth Holmes, der Chefin von Theranos.

            Diese hatte ebenfalls einen Deal mit der SEC. Doch es erfolgte eine Anklage durch das Justizministerium, inzwischen ist ihre Firma futsch und ihr selber droht eine lebenslängliche Haftstrafe.

    1. Ich fahre selbst seit nunmehr 21 Jahren Leicht-Elektrofahrzeuge und habe schon immer darauf hingewiesen das es keinen Sinn macht, große Fahrzeuge einfach auf Elektrobetrieb umzubauen. Das verlagert nur die Ressourcenvergeudung in andere Bereiche. Nur ein Beispiel:

      Lithium-Akkus sollen etwa 1500 Volladezyklen halten. Prahlt der Hersteller mit 500km Reichweite so macht das 750.000km Akkulebensdauer (fast zum Mond und zurück). Das entspricht der durchschnittlichen Mobilität eines Bundesbürgers in 60-75 Jahren oder fünf Fahrzeugleben. Man müsste sich etwa viermal ein neues Auto um den alten Akku herum bauen lassen.

      Was da als umweltfreundlich subventioniert auf den Straßen unterwegs ist (besonders die Produkte von Mr. Musk) ist größter Murks während gleichzeitig andere alternative Antriebskonzepte kaputtreguliert werden. Mit Pflanzenöl fährt schon seit Jahren keiner mehr nachdem die Bundesregierung die genial dämliche Idee einer Energiesteuer umgesetzt hat, Ethanol (E85) gibt’s auch nirgends mehr und mit Biogas mag auch keiner mehr fahren nachdem mit dilletantisch umgemurksten Fahrzeugen bereits mehrere Tankstellen in die Luft gesprengt wurden.

      Das Problem ist das die Industriebosse meinen mit wirklich ressourcenschonenden Mobilitätskonzepten nicht mehr genug Geld verdienen zu können (wieviel auch immer das heißen mag).

      1. Uhmm, dir ist aber schon klar das niemand die Lithum-Ionen Akkus von Autos wegwirft, oder? Die Akkus werden aufgearbeitet und finden Verwendung als stationäre Energiespeicher.

        1. Was Du da beschreibst ist ein theoretischer Idealfall. Die Akkus altern auch kalendarisch, also quasi vom bloßen Rumstehen. Die Teile im Tesla erstmal mit unter 100 Ladezyklen im Jahr weitgehend ungenutzt Jahrelang rumgammeln zu lassen ist die ineffizienteste Nutzung die ich mir vorstellen kann. Wieviel Prozent vom Neupreis der Akkus bekomme ich denn am Ende der mobilen Nutzung noch und wie wirkt sich das auf die Kosten pro gefahrenem km aus? Ich habe das alles schon zigfach durchgerechnet und komme mit den Angaben der Akkuhersteller auf etwa die doppelten Kosten pro km bei dreifacher Reichweite. Dabei ist das „Reichweitenproblem“ reine Augenwischerei:

          Angenommen die EU würde beschließen das Verbrennerfahrzeuge aus Brandschutzgründen nur noch mit der Kraftstoffmenge fahren dürften die sie laut Herstellerangaben auf 50km benötigen. Dann würden trotzdem die Leute nicht massenhaft auf Elektrofahrzeuge umsteigen nur weil sie dann eine größere Reichweite hätten, ganz einfach weil man alle paar km eine Tankstelle findet, das Volltanken nur wenige Minuten in Anspruch nimmt und man notfalls mit dem Reservekanister in der Hand auch zur nächsten Tankstelle laufen kann. Und nicht exakt da hin sondern grob in die Richtung muss auch die Elektromobilität:

          Wir brauchen ein flächendeckendes Ladestationsnetz und müssen uns auf Schnellladung und die Möglichkeit, entladene Akkus gegen vollgeladene zu tauschen konzentrieren. Bei den beiden letztgenannten Faktoren kommt einem die geringe Fahrzeuggröße entgegen.

          Beispiel Twike: Angenommen mit dem kleinsten Akku hätte ich 60km Reichweite bei 60km/h und müsste anschließend eine Stunde lang mit 3,6kW (einfacher Stromanschluss) laden um weitere 60km fahren zu können. So schaffe ich in drei Stunden 120km und in 15 Stunden (angenommenes Tagesmaximum) 480km. Baue ich in das gleiche Fahrzeug einen dreimal so großen Akku ein klingt das erstmal ganz gut (180km, also dreifache Reichweite). Aber was bringt mir das wirklich? In einer Stunde komme ich damit die gleichen 60km weit wie mit dem kleinen Akku und das deckt erfahrungsgemäß 70-80% aller Fahrstrecken ab. In drei Stunden schaffe ich auch nur 180km (50% mehr) und ist der Akku erstmal leer kann ich auch nicht schneller laden als mit dem kleinen, komme also auf 540km in 15 Stunden. Erhöhe ich die Ladeleistung auf 11kW (dreiphasiger Anschluß mit 16A) sind es auch nur 720km (bleibt bei 50% mehr) und grundsätzlich spricht nichts dagegen auch den kleinen Akku schneller zu laden. 11kW macht so 690km, bei 7kW wären es 620km beim kleinen und 660km beim großen Akku.

          Schnellladung bringt also weitaus mehr als große Akkus und ohne flächendeckendes Ladestationsnetz kommt die Elektromobilität nicht in die Gänge. Ausserdem hat ein großer Akku auch drei gravierende Nachteile:

          Erstmal ist er schwerer (allein beim zweisitzigen Twike mit 450kg bewege ich mich im Rahmen von 0,5-1 Sitzplatz), dann kostet er mehr pro km wegen der kalendarischen Alterung (Korrosion, Selbstentladung, technischer Fortschritt) und den entscheidenden Vorteil von Lithium-Akkus kann man nicht nutzen:

          Bei Lithium-Akkus kann man ohne Probleme alte und neue Akkusätze parallel schalten. Bei allen anderen Akkutechniken würden die alten Akkus ständig die neuen auf ihr Niveau runterziehen. Mit Lithium kann ich mit einem kleinen Akku anfangen (beim Twike beispielsweise 8 Zellen parallel) und sobald mir die Reichweite nicht mehr genügt kaufe ich mir jeweils einen neuen Zellensatz hinzu. Am Ende fliegen die alten Zellen mit fast 0% Restkapazität raus und die verbleibenden Zellensätze sind Kapazitätsmäßig wie Orgelpfeifen organisiert. So schwankt die Reichweite nur noch in einem geringen Bereich, statt alle x Jahre Unsummen in einen komplett neuen Akkusatz investieren zu müssen ist nur etwa einmal im Jahr ein kostengünstiger Zellensatz notwendig und man kann die Zellen alltagstauglich fast zu 100% ihrer Kapazität nutzen. Nur die Profite der Akkuhersteller schrumpfen und genau das ist das Problem.

          1. Du wirfst ganz viel durcheinander und dies ist auch kein Forum wo ich voll umfänglich mit Zitierungen antworten könnte.

            Die kalendarische Lebensdauer ist bei Li-Ionen Akkus zu vernachlässigen, vor allem wenn man ein paar Dinge beachtet, wie z.B. nicht ständig mit 100% Ladestatus stehen lassen. Selbstentladung hat mit der Lebenszeit nichts zu tun und technischer Fortschritt ist für diese Betrachtung auch nebensächlich (wenn, dann hilft das, weil ein Ersatzakku vmtl. günstiger wird).
            Selbst wenn so ein Akku dann „ausgefahren“ ist, die Anforderungen an einen stationären Energiespeicher sind so gering, dass Altakkus das Jahrzehnte leisten können.

            Gleichzeitig redest du von Schnellladen, immer und überall. Das ist Unsinn, denn nichts ist schlechter für deine geheiligte Akkulebensdauer als schnellladen. Wenn du schnellladen willst ohne die Akkus zu belasten hilft es möglichst große Akku-Packs zu haben um die Last zu verteilen.
            Deine Vorstellung kleine Akkus die ständig schnellgeladen werden sind aus technischer Sicht das ziemlich kurzlebigste was man sich da ausdenken kann.

            Beim „Reichweitenproblem“ finde ich deine Vorstellung auch reichlich seltsam. In deinem hypothetischen Szenario (50km Reichweite für Verbrenner) wäre das für mich z.B. absolut absurd einen Verbrenner zu haben. Ich pendle jeden Tag 35km (eine Richtung), da müsste ich entweder jeden Tag tanken oder eben per E-Auto nie tanken, weil ich jeden Morgen mit vollem Akku (oder 80% um den Akku zu schonen) losfahre.
            Nun soll man nicht immer von sich auf andere schließen, aber ich denke doch das die tägliche Pendelstrecke doch üblichste Szenario für die meisten Autos in DE ist. Ich amüsiere mich jedenfalls immer über die Leute die unbedingt ein Auto brauchen das 700km mit einem Tank schafft. Ich persönliche brauche eine hoche Reichweite nur weil ich eben nicht ständig zur Tanke will. E-Autos machen das weitgehend überflüssig. Ich kann mich beim besten Willen auch nicht daran erinnern wann ich das letzte mal superspontan (also weniger als 1 Tag Vorlauf) mehr als 500km gefahren bin.

            Aus meiner Sicht muss die Elektromobilitiät ultimativ eines schaffen. Ein Auto mit ca. 800km Reichweite. Damit könnte man die meisten Fahrziele innerhalb eines Tages erreichen ohne zu tanken. Wer aus irgendeinem Grund mal weiter fahren muss, der macht sowieso einen längere Pause (jeder der behauptet er kann länger fahren handelt einfach nur verantwortungslos) und hat auch genug Zeit sich zu überlegen wo er laden kann. Für mich persönlich wäre das Overkill, für mich reichen Fahrzeuge mit 300 – 400km, damit könnte ich mein aktuelles Auto (Reichweite 700km) ersetzen ohne das ich mich beschränken müsste, ich Gegenteil ich würde nicht mehr an irgendwelche Tankstellen fahren müssen.

          2. Ich werfe nichts durcheinander, ich schlußfolgere nur aus meinen eigenen 21 Jahren Erfahrung mit der Elektromobilität. Die kalendarische Alterung beispielsweise ist alles andere als vernachlässigbar. Bereits bei den NiCad-Zellen vom Twike gab es den Blackmann-Effekt der die chemische Selbstentladung schon vor Erreichen der prognostizierten Lebensdauer in unpraktikable Höhen trieb.

            Ich rede auch nicht vom Schnellladen “immer und überall” sondern nur in den 20% der Fälle in denen die Ladezeit eine Rolle spielt. Die daraus resultierende stärkere Akkubelastung wiegt eben weniger schwer als das eingeredete “Reichweitenproblem” plump mit Riesenakkus totzuprügeln und so die kalendarische Alterung zum überwiegenden Abnutzungseffekt zu machen.

            Du findest meine Vorstellung seltsam, amüsierst dich über die paar Leute die aus plausiblen Gründen 700km Reichweite beim Verbrenner zu brauchen glauben und “brauchst” dann selbst 800km E-Reichweite weil Du nicht “ständig zur Tanke” willst?!? Und dabei reden wir hier nur über die Reichweite, die Fahrzeuggröße/Sitzplätze und Höchstgeschwindigkeit sind noch gar nicht angesprochen!

            Mit der Einstellung ist die Elektromobilität tot bevor sie richtig angefangen hat und das was gemacht wird hat den genau gegenteiligen Effekt von dem was eigentlich gewünscht ist: Ressourcenschonung!

            Der eigentliche Fehler ist wenn man meint, sein eigenes Verhalten aus Bequemlichkeit nicht ändern zu wollen. So setzt man dann die gewohnten Möglichkeiten des Verbrenners als Mindestmaß fürs Elektrofahrzeug an und macht die Elektromobilität damit zu einer elitären Modeerscheinung.

          3. Was ist denn bitte der Blackmann-Effekt? NiCd-Akkus hatten halt ganz andere Probleme, die Li-Ionen-Akkus nicht haben, vor allem den sogenannten Memory-Effekt. Meinst du das evtl.?

            Ich verstehe offen gesagt auch nicht warum es zwingend notwendig sein soll unbedingt die Zyklenlebensdauer optimal auszunutzen. Wenn es inzwischen nun soweit ist das die Zyklenlebensdauer gegenüber der normalen Lebensdauer größer ist ist das doch nur gut. Die Zyklenlebensdauer wird sich vmtl. auch noch weiter erhöhen.

            Ich sage dir auch gerne nochmal das „abgefahrene“ Akkus durchaus noch ihren Wert und ihre Berechtigung haben, denn auch wenn sie (sei es nun Zykle oder Lebenszeit) eine viel geringere Kapazität und Leistungsabgabe haben geht das für Stromspeicher noch wunderbar (vmtl. über Jahrzehnte, echte Langzeiterfahrungen fehlen ja noch).

            Zum Rest deines Postings empfehle ich dir bitte gründlicher zu lesen. Ich sehe kein Reichweitenproblem (daher schreibe ich es selbst in „“), ich brauche auch keine 800km Reichweite (das habe ich explizi geschrieben). Wenn es aber Modelle gäbe die diese Reichweite hätten, gibt es es einfach kein Argument mehr von den ewigen Schreihälsen die vom „Reichweitenproblem“ sprechen. Den Rest regelt der Markt, denn natürlich werden die Leute merken das sie eigentlich keine 800 km Reichweite brauchen und die Leute werden sich aus Kosteneffizienzgründen die Akkugröße zulegen die sie wirklich brauchen.

            Dein letzter Absatz zeigt mir dein Problem. Du willst alles optimal und die Leute sollen sich halt einschränken. Da muss ich dich mit der harten Realität konfrontieren und dir sagen das sich etwas nicht durchsetzen wird was unbequemer ist. Ich persönlich finde das auch doof aber gegen die menschliche Natur arbeiten zu wollen ist bislang immer in Fehlschlägen geendet.
            Wir wissen heute, dass E-Autos ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung von CO2 sein können. Wir wissen weiterhin, dass wir wenn wir auf fossile Brennstoffe komplett verzichten wollen E-Autos brauchen. Also sollten wir damit anfangen, auch wenn es in der Umsetzung vielleicht nicht so effizient ist wie es sein könnte, hauptsache erst einmal so viele Leute mitnehmen wie möglich.

            Die wirklich wahre Leistung von Tesla war und ist es das sie es geschafft haben E-Autos zu bauen die die Leute auch wirklich wollen weil es geile Autos sind und nicht aus Idealismus. Da müssen wir hin, Produkte schaffen die die Leute wollen und die trotzdem ökologisch besser sind als die jetzigen Produkte. „Vernünftige“ Autos und Konzepte (ÖPNV) gibt es heute schon, die Leute nehmen es halt nicht gut genug an.

          4. Ich überlege gerade ob es überhaupt noch Sinn macht Dir zu antworten. Du liest nur selektiv, drückst Dich selbst schwammig aus und machst mir dann Vorwürfe nicht “richtig” zu lesen. Ich hab’ ehrlich gesagt keinen Bock wieder mal gegen sowas anzuschreiben.

            Zitat: “Aus meiner Sicht muss die Elektromobilitiät ultimativ eines schaffen. Ein Auto mit ca. 800km Reichweite.”

            Das ultimative Ziel ist also mit viel Ressourcenaufwand etwas völlig sinnloses zu bauen was keiner braucht?!? Nur um ein paar „Schreihälse“ ruhigzustellen? Oder was hab’ ich Dummy da wieder falsch verstanden?

            Zitat: “Die wirklich wahre Leistung von Tesla war und ist es das sie es geschafft haben E-Autos zu bauen die die Leute auch wirklich wollen weil es geile Autos sind und nicht aus Idealismus. Da müssen wir hin, Produkte schaffen die die Leute wollen…”

            Tja, nur leider lassen sich so ungeile Probleme wie Klimawandel, Artensterben und strahlende Giftmüllberge erfahrungsgemäß nicht dadurch lösen das man aus Profitgier “Produkte” schafft von denen man meint die Leute würden sie wollen. Diese Probleme löst man umso beschwerlicher je später man anfängt und entweder durch Einsicht, Zwang oder gar nicht. Such Dir was aus.

            P.S.: Der Blackmann-Effekt war ein Phänomen bei NiCd-Akkus das erst von den Twike-Fahrern entdeckt wurde. Die Akkus entwickelten nach einigen Jahren unabhängig von den Ladezyklen eine hohe chemische Selbstentladung. Das geladene Fahrzeug übers Wochenende stehen gelassen und der Akku ist am Montagmorgen bereits halbleer. Das ist nur eine der Langzeiterfahrungen die bei Lithium noch fehlen.

  5. Youtube hat mich vorhin auf diesen sehr guten Podcast zu diesem Vorfall aufmerksam gemacht.

    https://www.youtube.com/watch?v=6Kc9PlW2mRU

    Bin zu 2/3 durch und der Kerl hat leider vollkommen recht.

    Der „Wertezerstörer“ ist hier eindeutig Musk selbst und nicht die Leerverkäufer.

    Inzwischen hat es Musk sich sogar mit mehreren Kleinanlegerfans von ihm verscherzt, die in den vergangenen Monaten durch ihn ihre Ersparnisse verloren haben.

  6. Auch ein Elon Musk hat sich an Regeln und Gesetze zu halten, das ist ganz einfach. Die Börsenaufsicht wird das sicher nicht einfach durchgehen lassen.
    Eine andere Frage ist ob Auto mit Batterie überhaupt noch eine Zukunft haben. Das die Platzhirsche diesem Weg nur sehr zögerlich einschlagen sagt sehr viel darüber aus.

    1. Frage ist was man unter „Zukunft haben“ versteht. Will man damit Geld verdienen wie die zitierten Platzhirsche sind Batterie- oder Brennstoffzellenautos sicher nicht der optimale Weg. Ist man aber jünger oder denkt über die eigene Lebensspanne hinaus und hält den offensichtlichen Klimawandel nicht für Fake-News sollte man den Gedanken schon weiter verfolgen.

      Nach meinen bisherigen Erkenntnissen wäre aktuell ein kleines, einsitziges Elektrofahrzeug mit unter 100km Reichweite und ethanolbetriebenen Stromaggregat für längere Strecken die optimale Lösung, zumindest solange es noch kein flächendeckendes Ladestationsnetz gibt. Das Aggregat könnte man später durch eine Brennstoffzelle ersetzen und zum Transport weiterer Personen nutzt man eine Art Anhänger/Beiwagen oder ein weiteres Fahrzeug.

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