Warum hat sich der Monotheismus durchgesetzt?

Mir ist dann doch noch ein Blog zu Weihnachten eingefallen. Zumindest mit einem religiösen Thema. Es geht darum, dass der Großteil der Weltbevölkerung an einen Gott glaubt, also zu den monotheistischen Religionen gehört. Als da wären Judentum, Christum, Islam. Der Buddhismus hat ja eigentlich keinen Gott, wenn man sich die Buddhastatuen in den Tempeln anschaut, dann komme ich zumindest auf die Idee, dass dort Buddha auch als Gott verehrt wird.

Die einzige polytheistische Religion, die ich kenne, mit einer großen Zahl von Gläubigen, ist der Hinduismus.

Zuerst war der Polytheismus

Eigentlich ist der Monotheismus geschichtlich jung. Man geht davon aus, dass die Menschen schon lange religiös waren, wie genau das weiß man natürlich nicht für den Großteil der Geschichte. Doch es gibt schon bei den Neandertalern Gräber mit Grabbeigaben in der die Toten so bestattet wurden als würden sie schlafen. Offensichtlich glaubten sie an ein Leben nach dem Tod. Dann findet man in der ganzen Jungsteinzeit Kunstwerke und Schnitzereien. Auch wenn man die genaue Funktion nicht kennt, liegt doch nahe, dass ein religiöser Zweck zumindest mitschwingt wie die Beschwörung des Jagdglückes, oder die Besänftigung der Seelen der erlegten Tiere.

Dann fand man vor einigen Jahren bei Gobleki Tepe einen Tempel, der vor 11.000 Jahren entstand. Damals gab es dort aber noch keine sesshaften Kulturen. Es müssen sich also dort kurzzeitig Jäger und Sammler aus dem Umland getroffen haben. Dabei entstanden 200 Pfeiler mit Motiven, bis zu 6 m hoch und 20 t schwer, also Kunstwerke die man nicht mal gerade eben so errichtet. Das kann man schon als Religion ansehen, denn alleine die Versorgung der Menschen erforderte koordinierte Absprache.

Was man von den alten Religionen weiß waren die immer polytheistisch, sowohl bei Ägyptern, Sumerern, Griechen und Römer. Auch bei den Germanen und Kelten. Den ersten Ansatz für den Monotheismus finden wir unter Echnaton, der 1.350 v.Chr. Aton als einzigen Gott einführte. Er scheiterte. Meine Idee ist, dass er dem immer weiter gehenden Einfluss der anderen Religionen eindämmen wollte. Vor allem der Amun-Kult wurde zu einer zweiten Macht im Staate. Schließlich war es sogar so, dass die Amunpriester in den letzten Jahrhunderten des ägyptischen Reiches die Kontrolle über den Staat übernahmen.

Wenn die Geschichte der Bibel stimmt, dass sie damals Zwangsarbeiter in Ägypten waren, könnten diese den Gedanken des Monotheismus übernommen haben, denn im Judentum kommt er kurze Zeit später auf. Allerdings nicht mit Exklusivanspruch. In den ersten Jahrhunderten des Jundetums gab es durchaus noch viele Nebengötter. Erst als man die 10 Gebote aufstellte, bei dem das erste nicht umsonst heißt „Du sollst keine Götter neben mir haben“, begann auch im Judentum die Intoleranz gegenüber anderen Göttern. Etwas später entstand der Zoroastrismus der etwa 700 v. Christus entstand. Auch er ist monotheistisch. Es folgte im 6. Jahrhundert vor Christus der Buddhismus, im ersten Jahrhundert nach Christus das Christentum und im Siebten der Islam.

Vergleicht man dies mit mindestens 12.000 Jahren des Kultes bei Gobleki Tepe und mindesten 5.500 Jahren bei den überlieferten Religionen der Sumerer und Ägypter mit überlieferten Tempelanlagen und Ritualen, dann ist dies geschichtlich jung.

Warum also hat sich der Monotheismus durchgesetzt?

Ich glaube nicht an einen Gott mit allem, was daran hängt. Auch wenn ich nicht gefeit bin gegen religiöse Anfeindungen. Als Beispiel: Im März dieses Jahres musste ich meine alte Katze wegen Krebs einschläfern. Inzwischen habe ich eine neue Mieze, die sich leider nicht mit meinem Kater versteht und lange auch vor mir Angst hatte. Je nach Laune denke ich manchmal, meine alte Katze könnte aus dem Katzenhimmel der Neuen mal eine „göttliche Eingebung“ schicken oder das wäre die Strafe von ihr, weil sie sie so schnell „ersetzt“ habe. Der Fehler liegt aber bei mir: die vorherigen Katzen habe ich mir im Tierheim ausgesucht. Diese habe ich nach einem Foto ausgesucht, sie war eine Fundkatze aus Bulgarien. Ich bin davon ausgegangen dass ich einfach das angenehme Verhalten meiner letzten Katze mit dem guten Aussehen, der neuen kombiniert bekomme.

Kurzum: der Glaube an etwas Göttliches, oder eine höhere Macht ist menschlich.

Doch wenn man davon ausgeht, dass es keine Götter oder himmlische Mächte gibt – ich möchte ja nicht ausschließen, dass Menschen ihr Verhalten abrupt ändern können – dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte, meist nach Schicksalschlägen – aber Naturgewalten reagieren sicher nicht auf Götter – dann hat man ein Erklärungsproblem. Man kann eine Gottheit anbeten oder ihr Opfer bringen, aber das Schicksal ändert sich nicht. Man erkrankt trotzdem, Menschen sterben oder es gibt Katastrophen, menschengemachte und natürliche. Mit mehreren Göttern ist man da fein raus. Dann hat man eben dem falschen Gott angebetet und damit vielleicht sogar den die Katastrophe auslösenden verärgert.

Ich habe mal die Ilias und Odyssey durchgelesen. Das ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich. Die Ilias erklärt recht gut, warum die Heere zehn Jahre lang vor Troja kämpften. Immer wenn die Griechen kampfmüde sind, taucht ein Gott in Menschengestalt wie Mars Athene, Aphrodite oder Neptun auf und treibt den Kampf voran. So könnte der Kampf natürlich zu Ende gehen, doch dann ruft das einen anderen Gott auf Seite der Trojaner auf den Plan, der das verhindert. In der Folge bleibt das Patt bestehen und man kann das wechselnde Kriegsglück erklären. Die Odyssey dauert auch so lange, weil die Götter bei der Reise Odysseus immer wieder Hindernisse in den Weg legen.

Die Intoleranz des Monotheismus

Aufgrund dessen sind Gesellschaften mit Polytheismus auch meist tolerant gegenüber anderen Göttern – man kann ja nie wissen, ob nicht diese Götter sich sonst gegen einen wenden. Das das Christentum im römischen Kaiserreich verfolgt wurde war nicht wegen des Monotheismus. Es war, weil das erste Gebot verbot dem Kaiser, der automatisch Gott war, ein Opfer zu seinem Geburtstag zu bringen und das war damals so etwas wie eine verschärfte Form von Majestätsbeleidigung. Dabei hätten sich die Christen nur mal Matthäus 22,21 ansehen müssen „Gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und Gott, was Gott ist“ und sie wären fein raus gewesen. Bekanntlicherweise findet man ja in der Bibel für alles eine Stelle, was für mich auch gegen ein Werk spricht, das den Gläubigen als Führung dienen soll. Es sollte widerspruchsfrei sein und eine durchgehende rote Linie haben. Doch da die Bibel von Menschen und Dutzenden von Autoren stammt, ist dem eben nicht so.

Dagegen waren und sind alle monotheistischen Religionen intolerant gegenüber anderen Göttern. Das fing schon bei Echnaton an, der die Tempel der anderen Götter stürmen und plündern lies. Setzte sich im Judentum fort und als das Christentum Staatsreligion im späten vierten Jahrhundert wurde, wurden dann auch alle anderen Tempel gestürmt und verwüstet. Man sieht sich selbst ja im Besitz der endgültigen Weisheit und die anderen Götter sind dann nur Götzen, von denen man die Menschen abbringen muss. Intoleranz ist die Kehrseite des Monotheismus. Das hört nicht mal auf, wenn nur Teile der Religion geändert werden, was ja später vorkam. Sowohl bei Gründung der Anglikanischen Kirche wie auch wenn im Zuge der Reformation Regionen ihren Glauben von katholisch in protestantisch und umgekehrt wechselten wurden Klöster und Kirchen geplündert und verwüstet, in England sogar komplett geschleift. Noch heute tobt im Irak der Krieg zwischen den beiden Hauptglaubensrichtungen der Sunniten und Schiiten.

Weltweit haben sich die Religionen daher auch durch Eroberungen durchgesetzt. Das Christentum in Europa durch das Römische Reich und die Germanen, später durch die Kolonialisierung durch die europäischen Mächte weltweit und die Ausbreitung des Islams korrespondiert auch mit den Eroberungszügen der Araber.

Das ist für mich der wahre Grund, warum so viele Leute an den Monotheismus glauben. Es gibt eben wenige Regionen, die nicht mal von einer Macht erobert wurden, die eine monotheistische Religion hatten. Es gab immer wieder mal tolerante Phasen in den Religionen, im Islam im Mittelalter, doch da hatte er schon die Regionen vereinnahmt, die heute islamisch sind. Im Christentum kann man erst die letzten beiden Jahrhunderte als tolerant ansehen. Die Hexenverbrennungen als Symptom der Intoleranz endeten ja auch erst kurz von 1800. Daraus ableiten, dass der Monotheismus eine bessere Religion ist, kann man aber nicht. Inzwischen boomen ja die Ersatzgötter. Sie heißen Geld, Macht und Jugend.

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