Jahresnachlese und Ausblick

Etwas spät, der 31.ste ist schon um, aber ich bin vorher nicht dazu gekommen ein kleiner Jahresrückblick. Fangen wir mit der Raumfahrt an.

Dieses Jahr gab es wieder einen Rekord an Nutzlasten. Noch kann ich die Statistik nicht abschließen, aber alleine drei Starts mit zahlreichen Cubesats in den letzten Wochen dürften, wenn ich sie zum letzten Stand von 3.11. addiere, mehr sein als im letzten Jahr. Die Flut von Nutzlasten beruht vor allem auf diesen kleinen Satelliten. Es werden aber auch mehr Starts sein. Insgesamt gibt es seit einigen Jahren einen aufsteigenden Trend der Startzahlen. Inzwischen ist der Stand Ende der Achtziger Jahre erreicht, bevor vor allem Russland immer weniger startete.

Es gab dieses Jahr vier Raumsondenstarts, ebenfalls mehr als in den letzten Jahren. Darunter zwei lange erwartete: Die Parker Solar Probe und BepiColombo. Indiens Chandrayaan-2 Mission ist auf 2019 verschoben.

Das aus deutscher Sicht öffentlichkeitswirksamste Ereignis war sicher der zweite Aufenthalt von Alexander Gerst an Bord der Iss, diesmal sogar als Kommandant. Es war zeitweise peinlich wie dann Wissenschaftsmagazine Hofberichtserstattung betrieben.

Die Firma Rocketlab etablierte sich als Launchserviceprovider und führte drei Starts durch, darunter zwei operationelle und die letzten beiden im Abstand von nur 35 Tagen. Auch wenn vieles des Gebahrens des Chefs an Elon Musk erinnert, so das Drängen in die Öffentlichkeit, die schräge Benennung von Flügen „Still testing“, „Its business time“ und die mageren Details zur Rakete, so gibt es doch einen enormen Unterschied. Während SpaceX bei ihrer Falcon 1 dauernd viele Flüge ankündigte und vier Versuche bis zum ersten gelungen Start und drei Jahre brauchte, schaffte das Rocketlab im zweiten Anlauf und der Hälfte der Zeit. SpaceX hat auch eine neue Rakete gestartet, sie aber gleichzeitig abgekündigt. Dort ist es wichtiger, Autos ins All zu schießen und tolle Bilder zu produzieren als Gewinn zu machen.

Das für mich wichtigste Ereignis kommt erst noch: Heute morgen früh um 6:33 fliegt New Horizons an Ultima Thule, einem KBO vorbei. Sensationelle Bilder wird es nur wenige geben, dazu ist der Körper zu klein, die besten werden gerade das Blickfeld der Telekamera füllen, aber es ist das erste Objekt, das so untersucht wird. Leider dauert es wegen der Entfernung und des schwachen Sendesystems sehr lange, bis alle Daten auf der erde angekommen sind: 20 Monate um die 7 Gigabyte zu übertragen.

Die Raumfahrt steht dieses Jahr aber für mich etwas im Schatten. Es gab zu viel anderes Bedeutsames. Den Rekordsommer mit seiner Trockenheit bei uns und Überschwemmungen in Südeuropa und Brände in Kalifornien. Der Kommentar des dümmsten Präsidenten aller Zeiten „Das wäre nicht passiert, wenn man im Wald mehr aufgeräumt und gefegt hätte“. So einfach ist die Welt bei Donald Trump. Überhaupt war es turbulentes Jahr.

Vor allem Trump fiel auf. Er hat es in Rekordzeit fertiggebracht, die USA international zu isolieren. Bricht einen Handelskrieg mit China und Europa vom Zaun, der eigentlich niemanden nützt, nur Produkte teurer macht. Man muss nur denken, wo überall „Made in China“ draufsteht und ich denke in den USA wird es nicht anders als bei uns sein. Da gibt es gar keine Alternative in den USA und so werden die Produkte nur teurer, die heimische Industrie hat aber nichts davon. Seitdem treten die USA überall auf die Bremse oder treten aus Organisationen aus. Zum Jahresende will er auch noch Truppen aus aller Welt abziehen. Das ist das genaue Gegenteil von „Make America great again“. Eine Nation, die keine Verantwortung in der Welt übernehmen will, ist nicht groß, sondern ganz klein.

Klein werden auch die Briten. Theresa May steht vor dem Dilemma, das die EU-Reststaaten zwar keine Zollschranken zu England aufbauen will, es aber natürlich noch einen Unterschied zu dem Verweilen in der EU und nicht geben muss. Es kann ja nicht sein, das man sich um die Zahlungen an die EU drückt und alle Vorteile mitnimmt. Das ist ihren eigenen Leuten zu wenig. Eine Rücknahme des Breakxits kommt aber auch nicht in Frage und so sieht es so aus, als würde am 29.3.2019 England ganz ohne Vertrag aus der EU ausscheiden, was für das Land noch schlimmer wäre. Mal sehen, ob das Land vorher noch die Kurve kriegt.

Bei uns sieht es nicht besser aus. Wir haben nach meiner Ansicht die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten. Das zeigt sich nicht nur am Dauer-Rüppel Seehofer, der die Stirn hat, die Kanzlerin zu erpressen und das wegen etwas, was schon längst kein großes Thema mehr ist: Flüchtlinge. Ja wir hatten 2015 eine Menge, aber inzwischen sind die meisten von damals wieder zurückkehrt und es kommen immer weniger nach. Ich muss nur mal durch meine Ortschaft fahren und ich sehe den Unterschied, dazu brauche ich nicht mal Statistiken. Wenn Seehofer nun das Thema wieder aufgreift, um seinem Spezi Söder im Landtagswahlkampf zu helfen, dann ist das so dumm, dass solche Leute für ein Ministeramt unqualifiziert sind. Es ging natürlich nach hinten los. Nicht nur für Seehofer, sondern auch für die CSU in Bayern. Er ist ja nicht der Einzige der meint, von der AFD Stimmen abgreifen zu müssen. Dabei zeigte die Geschichte, es gab ja schon mal solche Strömungen, wenn auch eher bedeutend auf Landesebene alös Bundesebene, das jedes Anbiedern an deren Positionen nur zu Stimmenverlust führt. Das war so bei der NPD, den Republikanern und der DVU. Getoppt wurde das dann ja durch seine Beförderung von Maaßen. Das die auch von der CDU und SPD toleriert wurde zeigt, wie weit der Einfluss des Mannes inzwischen geht. Das der Mann nicht zu halten ist, hat er ja später in seiner Abschiedsrede selbst gezeigt. Nun ist er im vorläufigen Ruhestand – mit vollen Bezügen. Auch nicht gerade ein wünschenswerter Zustand.

Ansonsten fallen auch andere Minister durch Inkompetenz auf. Die erste Aussage, die man von Dorothea Bär vernimmt, ist das „Flugtaxis“ wichtiger als Digitalisierung seien. Auch für die Forschungsministerin Karliczek ist ein Mobilfunknetz nicht so wichtig, Man benötige 5G nicht an jeder Milchkamme. Die eine kümmert sich nicht um das, was wichtig ist, sondern hängt Visionen hinterher und die andere meckert über die Aufgabe, anstatt was zu tun. Karliczek fiel auch sonst durch extrem konservative Äußerungen auf. Wenn jemand heute Studien fordert, ob Kinder aus homosexuellen Ehen benachteiligt sind, dann lebt er entweder auf dem Mars oder im 19-ten Jahrhundert. Zum einen gibt es diese, zum anderen ist klar, dass die Kinder durch die noch nicht so vorhandene gesellschaftliche Akzeptanz benachteiligt sind, aber nicht durch ihre Eltern. Glöckner als Landwirtschaftsministerin, sorgt für eine Verlängerung des Einsatzes von Glyphosphat und will einen Abschuss für Wölfe. Auf den naheliegenden Gedanken, dass bei uns mal Schäfer wie in anderen Ländern eben mal Tiere schützen müssen, kommt sie nicht. Sei es durch Zäune oder Hütehunde, kommt man nicht. Ich bin ja mal gespannt, wann dann die Forderung nach dem Abschuss von Terroristen kommt. Die Argumentationskette wäre ja dieselbe.

Der absolute Pannenminister ist der Verkehrsminister Andreas (Be)scheuer(t). Wo es nur geht, Protektionismus für die Automobilindustrie. Das Leugnen, das es einen Zusammenhang zwischen Feinstaub und Dieselfahrzeugen gibt, das Abwehren aller Versuche die Industrie nur in die Pflicht zu nehmen, dass sie für schon verkaufte Fahrzeuge durch Nachrüstung nur den Zustand herstellen, der eigentlich nach Herstellerangaben herrschen sollte, auch in Bezug auf Emissionen. Als krönender Abschluss dann auf die unabhängige Zulieferindustrie enorm große Hürden aufstellen. Die Lösung für das Überschreiten von Grenzwerten in 60 Städten ist denn auch einfach die Grenzwerte anzuheben. Politik kann so einfach im Merkelland sein.

Dann tritt man überall auf die Klimabremse. Der Netzausbau kommt nicht voran. Der Hambacher Forst wird geräumt – wegen Verstoß gegen die Bauvorschriften und man bringt es nicht mal fertig, sich auf einen Ausstiegszeitraum aus der Kohle zu einigen. Kein Wunder, das wir im Ranking in nahezu allen internationalen Erhebungen gefallen sind. Sowohl, wenn es um Bildung, wie Klimaschutz oder Zufriedenheit geht.

Besserung ist nicht in Sicht. Mit AKK wird ja eine Merkelvertraute CDU-Chefin. Nicht das mir die anderen Kandidaten sympathischer gewesen wären. Sie gelten ja als noch konservativer. Mir ist die CDU längst schon zu konservativ, insbesondere, wenn ich mal dran denke, wie viele Freiheiten wie in den letzten Jahren unter Merkel verloren haben. Überwachung im öffentlichen Raum, Überwachung der Telekommunikation, Staatstrojaner. Alles begründet wegen Terrorismusvorbeugung. Das zieht immer. So hat schon Hitler den Reichtagsbrand genutzt, um die Gesetze zu verschärfen. Natürlich korrespondiert das nicht mit den Gefahren. Man muss nur mal die Zahl der Toten durch Terrorismus denen durch den Autoverkehr gegenüberstellen und dann mal dafür auch dieselben Gesetze fordern wie totale Überwachung, Tempolimit, Beschränkungen des Zugangs. Es legt ja nicht nur die AFD zu, sondern die auch die Grünen. Also genau die Partei, die sich gegen alle diese Begrenzungen wendet und die in Sachen Klimapolitik genau den gegenteiligen Kurs fährt.

Mit der AFD ist ja nun eine Pöbelpartei im Bundestag. Wenn man sich die Debattenbeiträge ansieht, dann stößt man nicht nur auf grenzenlose Dummheit – in einer Debatte über wölfe werden diese mit Flüchtlingen verglichen – sondern vor allem auf eine Diskussionskultur, die man bisher in der Öffentlichkeit nicht gewohnt ist – sprich Beleidigungen, Unterstellungen, Klischees als Tatsachen auszugeben. Das alles ist man mittlerweile ja vom Netz gewohnt. Nur denke ich haben die wenigsten, die einen Post verfassen, auch den Schneid das auch persönlich jemanden ins Gesicht zu sagen, geschweige denn vor einem Plenum und aufgezeichnet fürs Fernsehen. Man muss schon ziemlich moralisch und ethisch tief gefallen sein, wenn man wie die AFDler so im Bundestag redet.

Ansonsten fiel die Partei auch dadurch auf, dass bekannt wurde, das alles, wogegen sie sich bei den von ihr als „Altpartien“ bezeichneten anderen Parteien, sie viel schlimmer umsetzt. Vetterleswirtschaft, Korruption, frisierte Bilanzen und Unterschlagungen. Zuletzt noch durch ausländische Spenden, die nicht angegeben wurden und mit denen Alice Weidel – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – bei Facebook „Likes“ gekauft hat. Wie tief muss man sinken, wenn man das nötig hat!

Persönlich endet für mich das Jahr gut. Ich lebe im Wohlstand – zumindest wenn man ein Zitat von Helmut Nahr, einem Unternehmer nimmt: „Wohlstand ist das Zwischenstadium zwischen Armut und Unzufriedenheit“. Da ist einiges wahres dran, wie ich nicht zuletzt bei meiner Familie mit zwei reicheren Geschwistern weiß. Finanziell stehe ich heute schlechter dran als vor einem Jahr. Aber ich bin gesund. Ich habe dieses Jahr bei meinem Kunden endlich nach drei Jahren die Version 2.0 meiner Software fertiggestellt, die „das beste PATS aller Zeiten“ geworden ist. Der Spruch stammt zwar von Persil, klingt aber unglaublich gut und ist, wenn man darüber nachdenkt, so unglaublich banal – wenn es nicht das beste Produkt aller Zeiten wäre, könnte man ja einfach auf das die schon existierende letzte Version / Rezeptur zurückgreifen. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Rückmeldungen. Schon die letzte Version kam gut an und gegenüber der gab es einen deutlichen Sprung.

Ich habe dieses Jahr drei neue Bücher veröffentlicht, die soweit ich schon Rückmeldungen habe gut angekommen sind. Das wird dieses Jahr bestimmt anders sein. Denn mit dem Apollobuch hinke ich stark hinterher und danach ist auf jeden Fall mal Pause.

Dann habe ich eine neue Katze. Meine Letzte muss ich im März einschläfern lassen. Sie hatte Krebs. Bei der neuen habe ich den Fehler gemacht sie nach einem Bild auszusuchen und nicht wie bisher persönlich. Sie hatte Angst vor mir und vor allem vor meinem Kater, war zwischenzeitlich bei einer Nachbarin untergekrochen, doch ich habe mich um sie bemüht, das Verhältnis zu mir ist gut, wenn auch noch nicht innig und das Anbrummen des Katers nimmt, leicht ab. Vor allem war sie jetzt die letzten vier Wochen wieder vor allem bei mir und nicht auf dem Nachbargrundstück. Auch da wird es langsam besser.

Das einzige, das sich verschlechtert hat, ist meine finanzielle Situation. Aber wie schon geschrieben – ich bin nicht arm und noch nicht so reich, dass ich deswegen unzufrieden sein müsste. Das neue Jahr beginnt ja schon ganz gut. Wie schon gesagt, New Horizons flog um 6:33 an Ultima Thule vorbei. Einige Bilder gibt es vielleicht am 2.1. Also mal auf der Rohbilderseite vorbeischauen.

2 thoughts on “Jahresnachlese und Ausblick

  1. Um Mal das Thema Trump und Raumfahrt zu verbinden:

    Durch den aktuellen „Government Shotdown“ ist ja die NASA aktuell glaub ich komplett dicht, oder?

    Da wird es sicher zu einigen Verzögerungen kommen.

    @Politik und Ausländer: Bei uns in Österreich nicht anders, nur haben wir dort das „Feschere“ Aushängeschild.

    Bei euch liegen übrigens bei den Jungwählern die Grünen ziemlich weit vorne, während die AFD sogar eher Stimmen verloren hat.

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