Launchermannia

Derzeit werden so viele Raketen entwickelt wie Me. Letzte Woche gab es eine Pressemitteilung der Firma „Galactic Energy“, sie haben die zweite Stufe ihrer Ceres-1 erfolgreich getestet und im März 2020 soll die Rakete fliegen. Sie sind nicht die Einzigen. Es gibt fast ein Dutzend chinesische Firmen, die derzeit kleine Feststoffraketen entwickeln. ISpace war dieses Jahr schon erfolgreich, OneSpace und Landspace nicht, haben es aber versucht. Daneben gibt es zahlreiche andere Projekte in der Pipeline. Bei der Small Satellite Conference sprach ein Sprecher von Northrop-Grumman von 131 Projekten für kleine Satelliten. Auch wenn es sicher nicht alle schaffen werden, selbst wenn es nur 10 % sind, dann haben wir 13 Träger, die um kleine Nutzlasten, typisch unter 500 kg buhlen. Rocketlab gibt es schon und ihre Startfolge steigt an. Inzwischen bauen die sogar einen zweiten Startplatz bei Wallops Island auf.

Klar haben wir steigende Zahlen an Kleinsatelliten, doch die meisten davon sind Cubesats von nur wenigen Kilogramm Masse. Ein 100 kg schwerer Satellit ist schon sehr groß. Bei der SSO-A Mission mit 64 Satelliten waren nur drei schwerer als 100 kg, der schwerste 230 kg schwer. Die meisten waren Cubesats, mit Massen unter 10 kg. Daher denke ich wird es sicher keinen Markt für alleine die 10 chinesischen Träger geben, ich denke vier bis fünf Firmen werden langfristig überleben, vielleicht auch nur drei, das kommt darauf an, wie viele (Mit)Fluggelegenheiten es bei größeren Trägern gibt.

Ich denke auch die Flugzahl an Kleinsatelliten wird abnehmen. Sie gab es ja schon immer doch früher vor allem von Universitäten oder Forschungsinstituten oder Vereinigungen wie Amsat. Heute ist es billiger geworden, solche Satelliten zu fertigen, doch in diesem Bereich ist die Nachfrage zwar gesteigen, aber nicht so dramatisch, als das es so viele neue Träger bräuchte. Die meisten dieser neuen Träger sind Erdbeobachtungssatelliten. Nun ist der Markt relativ klein. Großabnehmer von Aufnahmen sind vor allem Behörden. Zum einen natürlich das Militär, aber auch die EU nutzt Bilder, um zu überwachen, ob jemand nicht ein Feld bewirtschaftet, für das er Subventionen erhält, damit er es als Brachland belässt. Dazu kommen Firmen die Services anbieten die diese Bilder benötigen wie z.B. Google und Microsoft mit ihren Maps oder Routeplaner Diensten. Die neuen Satelliten erlauben mehr Aktualität und ein einheitlicheres Datenmaterial – Letzteres sieht man oft an der Kante zwischen zwei Fotos, wenn Auflösung oder Farbgebung abrupt wechseln. Ersteres erkennt man leicht, wenn man weiß, wann sich was wo verändert hat. Das Bild meines Ortes bei Google und Microsoft ist in beiden Fällen älter als vom April 2018, denn danach habe ich im Garagendach eine Veränderung vorgenommen, die man sonst sehen müsste. Aber der Kundenkreis ist eben begrenzt. Daher meine Prognose – viele dieser Firmen werden in 10 Jahren wieder vom Markt verschwinden. Sie haben aber wie ich den Nachrichten entnehme, kein Problem Geld zu akquirieren. Das erinnert mich an den „Neuen Markt“ in den späten Neunzigern als IT Firmen die irgendein Internetprodukt entwickelten kein Problem hatten Geld zu bekommen. Diese „Dotcom“ Blase platzte dann auch schnell wieder und ich denke so wird es bei den kleinen Firmen auch sein.

Doch es werden auch anderswo neue Raketen entwickelt, und zwar ziemlich große:

  • Die Ariane 6 mit mehr Nutzlast als Ariane 5
  • Die H3 als Nachfolger der H-2A
  • Die Angarafamilie
  • Die Serie Langer Marsch 5,6,7 und 11
  • Die GSLV Mark III
  • Die Vulcan
  • Die Omega
  • Die New Glenn

H3 und GSLV sind nationale Träger für größere Nutzlasten oder wegen der Modernisierung – Japan sagt ja man müsse alle paar Jahrzehnte eine neue Rakete entwickeln, sonst würde man das Know-How verlieren. Ähnlich könnte man auch Ariane 6 einordnen, wenn die ESA ehrlich wäre.

China hat ambitionierte Pläne und so wie es aussieht werden die neuen großen Raketen die alten nicht ersetzen, sondern ergänzen, denn nach wie vor finden mit den alten Mustern ernorm viele Starts statt. Russland Angara scheint dagegen auf Eis zu liegen. Seit zwei Starts pro Jahr gab es keinen weiteren Einsatz mehr.

Was mich am meisten verwundert sind aber die USA. Derzeit finanziert die USAF die Entwicklung von drei Trägern – New Glenn, OmegA und Vulcan. Zwei werden dann auch regelmäßig Aufträge bekommen die dritte Firma muss die Mittel wieder zurückzahlen – ich bin mir zu 100 % sicher das dies Grumman/ATK sein werden. Was mich daran wundert, ist das die Träger dafür so riesig sind. Es sind drei Kategorien vorgesehen A, B und C. A und B sind gleich schwer, aber B benötigt eine 5-m-Verkleidung, bei A reicht eine von 4 m Durchmesser. Kategorie C sind schwere Nutzlasten. Die GTO-Nutzlast liegt bei A/B bei 8200 kg, Kategorie C sieht 6600 kg für den GEO vor. Verglichen mit der Atlas 401, der häufigsten derzeit eingesetzten Trägerrakete für Regierungsnutzlasten, ist das ein Sprung: Die transportiert 4.760 kg in den GTO und rund 2.200 kg in den GEO. Die Kategorie C liegt auch deutlich über der Leistung der größten heutigen Rakete, der Delta 4H die maximal einmal pro Jahr fliegt.

Es kann ja sein, das die USAF neue schwere Nutzlasten entwickelt, doch eigentlich läuft auch hier die Uhr rückwärts. Man muss nur die Zahl der gestarteten Raketen ansehen. Das tut diese Grafik der Titan IIIC/D, 34D und IV Starts ergänzt durch die Delta IVH. Von durchschnittlich 3 Starts ist die Rate nach Beginn des EELV Programms stark gesunken auf unter 1 pro Jahr. Wenn man also das heutige Modell nicht mehr voll nutzt, warum ein Größeres entwickeln? Schließlich sinken auch bei Militärsatelliten die Massen wie man z. B. bei Helios / Plejades sieht – bei US-Militärsatelliten gibt es kaum Daten um dies zu überprüfen.

Sinn würde wohl eher ein Träger zwischen den Kleinsatellitenträgern und der kleinsten Atlasversion, die ja auch schon bei 9 t in den LEO liegt. Viele Starts gibt es nicht – einige Forschungssatelliten oder Wettersatelliten, aber derzeit bucht die NASA die Falcon 9 für Starts wie TESS (370 kg schwer). Langfristig würde sich so ein Träger aber eher lohnen als einen größeren Träger einzusetzen jedenfalls würde er häufiger als ein Träger für Kategorie C fliegen. Aber wie schon gesagt, wir haben ja Launchermannia.

Denkt bitte auch daran noch für „Magic Fly“ bei der SWR-Hitparade abszustimmen. Ihr habt noch 7 Tage Zeit.

3 thoughts on “Launchermannia

  1. Der nächste Angara-5 Start ist wohl in Planung: http://www.russianspaceweb.com/angara5-flight2.html
    Wenn ich auf ein Quartal wetten müsste, 2/2020.
    Ich verstehe die Russen einfach nicht, nun ist dort schon die ganze Raumfahrtindustrie in einem Staatskonzern zusammengefasst und trotzdem ist keine klare Linie in der Raketenentwicklung erkennbar, die Angara wird nicht konsequent vorangebracht und man kündigt dauernd neue Raketen in der gleichen Nutzlastkategorie an.
    Die Angara 3 soll nun doch nicht kommen, da ihre Nutzlastkapazität sich mit der komplett neuen Sojuz 5 überschneide und es angeblich zu viele Modifikationen gegenüber der Angara-5 bräuchte.
    (http://www.russianspaceweb.com/angara3.html)
    Währenddessen verfällt die Produktionsqualität immer mehr.

    Die USA sind insofern besser als, dass genug Geld im System steckt, dass am Ende auch mal was Flugfertiges rauskommt.

  2. Warum fehlt die SuperHeavy von SpaceX in deiner Auflistung „anderswo neue Raketen“?
    Durch welches Programm finanziert die USAF (oder eine andere Behörde) die New Glenn? Mir ist nur was für das BE-4 bekannt.

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