Erfahrungsbericht Fischer cita 5.0i

Seit einigen Monaten habe ich ein e-bike. Es gab zwei Gründe dafür. Zum einen war mein bisheriges Fahrrad in die Jahre gekommen – ist inzwischen acht Jahre alt und dürfte um die 25.000 km auf dem Buckel haben. Ein Neukauf stände also an. Der Punkt der den Ausschlag für ein e-bike gab war der Umstand, dass ich seit 2016 während der Freibadsaison täglich ins Freibad gehe. Mein Stammbad in Berkheim, etwa 6,5 km von Ruit entfernt schließt dieses Jahr aber für Renovierungsarbeiten. Die beiden nächsten Alternativen in Esslingen oder Denkendorf liegen aber beide in Flusstälern. Esslingen im Neckartal und Denkendorf im Körschtal mit Höhenunterschieden von 170 und 130 m. Das ist mit dem normalen Fahrrad machbar, aber wenn es heiß ist und dann auch noch Gegenwind herrscht (in meiner Umgebung steigt überall das Gelände in Richtung Westen an und von Westen kommt auch meist der Wind) dann ist es schon auf der bisherigen Strecke mit 60 m Höhenunterschied anstrengend, vor allem wenn man vorher schon eineinhalb Stunden geschwommen ist. Das war der Grund warum ich mir ein e-Bike anschaffen wollte.

Erleichtert hat mir das der Fahrradshop Ruit, der mich als Kunden nicht mehr haben wollte, nachdem ich über 25 Jahre dem Laden die Treue hielt. Billig ist der Laden nicht, beim letzten Fahrrad zahlte ich 799 anstatt 749 Euro dem Listenpreis des Herstellers. Dagegen ist im Versandhandel ein Fahrrad deutlich unterhalb des OVP zu haben, nur weigert sich dann der Fahrradshop Ruit, es zu reparieren. Ich habe inzwischen beim Fahrradstudio Berkheim eine neue Heimat gefunden, mit dessen Service ich auch sehr zufrieden bin.

Billig wird es nicht, auch wenn es e-bikes schon für 1.000 DM gibt. Aber wenn ein „normales“ Citybike schon ab 600 DM kostet und ein Ersatzakku um die 400, kann man sich leicht ausrechnen, was da für das Fahrrad übrig bleibt. Auf der anderen Seite wollte ich auch nicht mehr als 2.000 Euro ausgeben. Ich habe nicht alle Typen durchgesehen, das ist auch unmöglich mich aber für drei Räder, zwei von Centurion die auch im Einzelhandel verkauft werden und eines von Fischer, die nur noch über Internet / Versand verkaufen als Bookmarks bei idealo gelegt.

Mein Bruder hat für seine Frau ein gebrauchtes e-Bike gekauft und das habe ich auch eine Woche lang getestet, auch auf den beiden Strecken, auf denen es später eingesetzt wird. Das beruhigte mich schon. Ich dachte, bei einem e-bike wird man automatisch fauler. Aber man kann genauso in die Pedale steigen wie bei einem normalen Fahrrad.

Als dann kurzzeitig der Preis für das Fischer cita 5.0 von 1.699 auf unter 1.450 DM sank (inzwischen kostet es wieder 1.599 DM und es ist das Nachfolgemodell erschienen) habe ich zugeschlagen. Heute mal ein kurzer Erfahrungsbericht, auch wenn ich im Winter nicht so viel mit dem Fahrrad gefahren bin.

Gegenüber dem Fahrrad meines Bruders ist der Motor leistungsfähiger, das war auch Grund für die Selektion. Das maximale Drehmoment im billigen Preissegment (dem Bike meines Bruders) liegt bei 25 Nm, Edelbikes kommen auf 90 Nm oder mehr. Ich habe einen Motor mit 50 Nm. Der schafft auf dem steilsten Teilstück, wo ich mein normales Bike nur schieben kann und es auch beim e-Bike meines Bruders in der höchsten Stufe sehr schwergängig war, die Steigung in der dritten von vier Stufen. Auf der normalen Strecke, die auf den Fildern auch nicht eben ist, sondern hügelig reicht mir die erste Stufe, bei dem Teil der beiden Strecken die gleichmäßig ansteigen die zweite Stufe.

Die Reichweite ist natürlich kleiner als angegeben, doch das ist ja schon bekannt. Konsequent ist die Angabe nicht. Auf der Website ist von 100 km die Rede, neu aufgeladen zeigt das Display bei Stufe 1 aber knapp unter 80 km an. Ich habe den Akku nie ganz leer laufen lassen, würde die Kapazität aber bei meiner normalen Strecke, leicht hügelig, auf etwa 60 km abschätzen. Sie scheint recht starr zu sein. Als ich mal die Stufe verstellt hatte war die „Restanzeige“ beim vollen Akku eine andere und auch beim Fahren orientierte sich die Restanzeige nach diesem Anfangsstand. Ich würde erwarten, dass sie sich am Verbrauch orientiert, wenn also 25 km gefahren wurden und die Akkuladung ist zur Hälfte aufgebraucht, dann müsste sie 25 km anzeigen. So orientiert sie sich an dem Startwert nach dem Aufladen, bei 80 km bei voller Ladung würde sie also 40 km anzeigen.

Wie fährt es sich denn nun? Eigentlich sehr bequem. Gerade wenn das Gelände nicht eben ist. Schon in der Brühlstraße geht es in 100 m um 8 bis 10 m hoch. Auf der Geraden komme ich problemlos auch beim e-bike über die 25 km/h bei denen der Motor abschaltet. Was mir als Informatiker aber negativ auffällt, ist die gewählte Art der Regelung. Es sind eben konstante Stufen. Das heißt je weniger man selber tritt, desto höher ist der Anteil, den der Antrieb bringt. Das Display zeigt auch an, wie viel man selbst leistet. Ganz interessant diese Anzeige. Auf den steilsten Strecken komme ich über 200 Watt, trotz Antrieb. Wenn es diese Erfassung gibt, dann fände ich es aber besser, wenn die Regelung dynamisch ist, sich der Anstrengung anpasst. Meiner Erfahrung nach sind 100 bis 130 Watt eine Leistung, die ich dauerhaft ohne mich zu verausgaben bringen kann und die ich als angenehmes Fahren empfinde. Wen die Regelung nun so wäre, dass die Unterstützung sich nur daran orientiert und so wenn es steiler wird, stärker eingreift und wenn es eben ist eben herunterregelt, so wäre, dem Benutzer mehr gedient. Ich würde die Stufen 75, 100, 125 und 150 Watt empfehlen. Die erste ist rentnertauglich, die letzte ist sportlich.

Das zweite und anfangs für mich sehr verwirrende und fast zu Unfällen führende, ist die Unterstützung beim Anfahren. Wenn man also steht oder langsam fährt, dann ist sie relativ stark und man beschleunigt schnell, viel schneller als normal. Das ist angenehm, wenn man anfährt, z.B. von einer Ampfel. Aber es gibt auch Situationen, wo man stak abbremsen muss, so wenn ein Auto ausparkt und die ganze Straße blockiert oder diesen Z-förmigen Absperrungen, bei der Überquerung von Straßenbahnschienen, wo man jeweils auf kleinem Radius um 180 Grad drehen muss. Anfangs habe ich da vor solchen Kurven sogar den Antrieb abgeschaltet, inzwischen komme ich damit zurecht. Auch hier fände ich eine Regelung, die heute mit einem billigen Mikrocontroller kein Problem sein sollte besser. Sie könnte die Leistung bei niedriger Geschwindigkeit z.B. in einer Sekunde langsam von Null auf voller Leistung hochfahren, das schont ach den Akku.

Die Knöpfe der Steuerung von BROSE sind auch gewöhnungsbedürftig. Während der Joystick auch mit Handschuhen gut bedienbar ist, sind die tieferliegenden Knöpfe mit Handschuhen unbedienbar, zum einen fehlt das Feedback, zum andern scheint man mit Handschuhen nicht den Druck aufzubringen, um sie runterzudrücken. Da ich im Winter eigentlich nur mit Handschuhen fahre, habe ich daher auch die Stufe nie verstellt. Ansonsten fährt es sich bequem. Mein altes Fahrrad benutze ich trotzdem noch, für kleine Strecken und im Winter wegen der Witterung sowieso, damit das neue länger hält.

Der Hauptnachteil: zum ersten Mal habe ich Angst um den Fahrraddiebstahl. Bei meinen Citybikes hatte ich die Befürchtung nicht, in der Hoffnung das der Fahrraddieb wohl eher teure und schicke ATB oder Mountainbikes stehlen. Ich werde mir wohl ein Schloss zulegen müssen, zusätzlich zum Rahmenschloss, das das Fischer Cita 5.0i hat.

Wünschen würde ich mir auch eine Rücktrittbremse. So was bin ich bei Nabenschaltungen gewohnt, scheint bei e-bikes aber eher selten der Fall zu sein. Aber ich habe mich schnell an die fehlende Bremse gewöhnt. Die Gänge gehen relativ schwer zu schalten, in dem Sinne das man eine relativ lange Pause ohne zu treten machen muss, bis sie umschalten, zumindest verglichen mit den Nabenschaltungen die ich gewohnt bin. Allerdings verführt das e-bike dazu nicht den idealen Gang einlegen, wenn man weniger trebelt ist eben die Unterstützung höher. Ideal wäre beim e-bik eigentlich so was wie eine Automatikschaltung, sie kann ja über die Leistungsmessung des Fahrers diesen immer im idealen Bereich (bei mir eben 100 bis 135 Watt) halten. Die Frage ist ob es technisch möglich ist und wenn ja ob es auch preislich dann nicht zu teuer wird.

Wenn ich der Gesetzgeber wäre, ich würde um die Akzeptanz zu erhöhen die Gesetze ändern. Derzeit haben e-bikes wie Mopeds eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 25 km/h. Dann schaltet der Motor ab. Darüber hinaus, (Analogie zum Mofa benötigt man für S-Pedelecs, die bis 45 km/h erreichen, einen Kleinradführerschein. 25 km/h sind aber nicht viel. Das schafft ein normaler Fahrradfahrer auch ohne Spitzenbike bei ebener Straße leicht, ich problemlos selbst mit dem doppelt so schweren e-Bike. Ich würde die Grenze leicht anheben auf 30 km/h. Das ist etwas mehr, erhöht also die Unfallgefahr kaum, aber eine physiologische Grenze. 30 hat eine 3 als erste Stelle und ist die Spitzengeschwindigkeit in verkehrsberuhigten Zonen. Wer langsamer fahren will, der kann es ja. Zusammen mit meinem Vorschlag einer Regelung nach Anstrengung auszulegen, würden die meisten der gemütlichen Fahrer wohl die 30 km/h nur wenn es bergab geht, überschreiten.

Das zweite was ich mir wünschen würde, wäre wenn man auch Energie zurückgewinnt. Wie schon gesagt, hier ist es hügelig. Ein Elektromotor kann, auch wenn er keine Leistung liefert, durch seine Bewegung Energie in den Akku abgeben und bremst dabei das Fahrrad ab. Das schon die Bremsen und als Nebeneffekt hält der Akku länger. Das muss nicht viel Energierückgewinnung sein, mir wäre der Bremseffekt wichtiger, denn ein Grund warum ich mich für Denkendorf als Bad und nicht Esslingen entschlossen habe ist, das es nach Denkedorf mehr oder weniger (mit einem steilen Teilstück) gleichmäßig bergab geht. Bei Esslingen sind es 150 m Höhenunterschied auf 2,1 km Strecke, also eine mittlere Steigung um 7 % oder 4,3 Grad. Da muss ich beim Herunterfahren auf der ganzen Strecke bremsen und wenn ich das 100-mal in einer Freibadsaison machen muss, werden die Bremsen wohl erneuert werden müssen.

2 thoughts on “Erfahrungsbericht Fischer cita 5.0i

  1. Elektrisch Bremsen mit dem e-bike hat zwei Probleme, die gelöst werden müssen:
    a) die Kraftübertragung
    z.Z. haben viele e-bikes einen Mittelmotor (bei der Tretkurbel) und einen Freilauf am Hinterrad.
    Um jetzt elektrisch Bremsen zu können muß der Freilauf in den Motor verlegt werden, was eine Konstruktionsänderung am System Fahrrad nach sich zieht.
    Man kann aber immer noch nur mit dem Hinterrad bremsen (max. 1/3 der Bremsleistung).
    Zum Bremsen Ideal ist ein Radnaben Motor im Vorderrad.
    b) die Aufnahme der elektrischen Leistung in den Akku. Mir ist nicht klar, wie gut ein heutiger Akku die kurzen starken Stromstöße beim Bremsen verträgt. ggf. ist ein Supercap erforderlich.
    Bei den elektrischen Bahnen gab es Rekuperation über lange Jahre nur bei Bahnen im Gebirge mit langen Gefällestrecken. Beim e-bike ist ein Problem die erforderlichen Großserien um die Räder bezahlbar zu machen.
    Ich denke es wird noch 10 Jahre dauern.
    MfG

    1. Es gibt Fahrräder die bieten das, das ist jedoch noch die Ausnahme. Die Akkuladung wäre mir nicht mal so wichtig, als vielmehr die zusätzliche Bremse die ja beim Elektromotor durch Induktion, also berührungslos und damit verschleißfreier wäre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.